Und
ihr habt doch gesiegt.
Das
Gemälde zeigt:
Fahnenehrung
am Mahnmal in der Feldherrnhalle für die Gefallenen des 9. November 1923. Als
Ehrenwache die 1. SS-Totenkopfstandarte. Im Vordergrund links Adolf Hitler, ganz
rechts Blutfahnenträger Jakob Grimminger.
Das
Mahnmal trägt die Inschrift: Am 9.
November 1923 fielen vor der Feldherrnhalle, sowie im Hof des Kriegsministeriums
folgende Männer im treuen Glauben an die Wiederauferstehung ihres Volkes: Felix
Allfarth, Andreas Bauriedl, Theodor Casella, Wilhelm Ehrlich, Martin Faust,
Anton Hechenberger, Oskar Körner, Karl Kuhn, Karl Laforce, Kurt Neubauer, Klaus
von Pape, Theodor von der Pfordten, Johann Rickmers, Max Erwin von
Scheubner-Richter, Lorenz Ritter von Stransky-Griffenfeld, Wilhelm
Wolf.
Die
untere Tafel trägt die Inschrift:
Und
von der bayrischen Landespolizei
Friedrich
Fink, Nikolaus Hollweg, Max Schoberth, Rudolf Schraut.
Großformatige
auf Karton montierte Original-Farbtafel von 1942.
Nach
einem Originalgemälde von Paul Herrmann, .
Grosse
Deutsche Kunstausstellung 1942 im Haus der Deutschen
Kunst.
Größe 360 x 490 mm.
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05 7 54 028,
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Reich, 20er – Jahre, 40er – Jahre, Adolf Hitler, Alte Kämpfer, Altstadt-Lehel,
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Paul Herrmann
(geb. 5. Februar 1864 in München; gest. 1. Mai 1946 in Berlin-Schöneberg) war
ein deutscher Maler und Radierer, zuletzt wohnhaft in Zechliner Hütte bei
Rheinsberg in der Mark. (Es handelt sich hierbei um den Künstler, dessen
Lebensdaten bisher entweder unvollständig oder mit falschem Todesjahr - 1940
bzw. 1944 - angegeben worden sind.)
Leben und
künstlerischer Werdegang
Paul Lorenz
Heinrich Herrmann, Sohn des Advokaten Dr. Georg Herrmann und dessen Ehefrau Emma
Herrmann, geb. Schubart, wuchs in München auf. Nach dem Tode seines Vaters 1881
übernahm sein Onkel Paul Heyse (berühmter Schriftsteller und erster deutscher
Nobelpreisträger für Literatur) die Funktion eines "Ziehvaters" und sorgte für
die Ausbildung des jungen Paul bis zum 19. Lebensjahr. Heyse finanzierte die
Ausbildung zum Architekten. Der junge Paul Herrmann wollte aber unbedingt
Kunstmaler werden. So verwendete er die Kollegiengelder für die Malschule von
Max Ebersberger.
Nach 1880
verdiente Paul Herrmann in Zusammenarbeit mit dem Zeichner und Maler Eduard
Thöny sein Geld als Restaurator für Fresken und als Panoramamaler in Bayern und
Schwaben.
Am 26. März
1883 schrieb sich Paul Herrman zu einem kurzfristigen Studium im Fachbereich
Antikenklasse bei Professor Raab und Professor Löfz ein, siehe: Immatrikulation
an der Akademie der Bildenden Künste München. Nach dem Zerwürfnis mit seinem
Onkel Paul Heyse setzte Paul Herrmann für vier Semester das Studium beim
Professor Ferdinand Barth an der Königlichen Kunstgewerbeschule München
fort.
Paul Herrmann
als Fresken- und Panoramamaler in Deutschland und
Amerika
1893 nahm Paul
Herrmann das Angebot von Joseph Ferdinand Keppler, Herausgeber des New Yorker
Satiremagazins Puck, an, als Dekor- und Panoramamaler für die Weltausstellung in
Chicago (World’s Columbian Exposition) mitzuwirken.
Von 1893 bis
1895 war Paul Herrmann u.a. in Chicago, in New York und in San Franzisco als
Bildnismaler tätig.
Paul Herrmanns
(auch unter den Namen Henri Herrmann, Henri Héran) erste künstlerische Periode
als humoristischer Karikaturist in Paris
1895 kehrte
Paul Herrmann nach Europa, in die Künstler-Großstadt Paris, zurück. Von Arsène
Alexandre, dem Mitbegründer der Pariser Satirezeitschrift Le Rire: journal
humoristique, angeregt, arbeitete er für dieses Blatt als Karikaturist und
lernte dort u.a. den bekannten Mitarbeiter Henri Toulouse-Lautrec näher kennen.
Da es in der Redaktion bereits einen Mitarbeiter namens Hermann-Paul gab, wurde
für Paul Herrmann von der "Le Rire"-Redaktion ein anderer Name eingesetzt, um
Verwechselungen auszuschließen. Zu anfangs wurde er "Henri Herrmann" genannt,
später "Henri Héran".
Paul Herrmanns
(auch unter den Namen Henri Héran, Henry Heran) zweite künstlerische Periode als
Lithograph in Paris und Berlin
Unter dem
Namen "Henri Héran" veröffentlichte Paul Herrmann in Paris im Laufe der Zeit
seine Originalgraphiken und Illustrationen. In "Le Centaure. Recueil trimestriel
de littérature et d'art (Vol. II). Paris, 1896" unterzeichnete er mit diesem
Namen seine Holzschnittarbeiten Nymphe effrayée. Estampe en trois couleurs. Sie
befinden sich in "The Cleveland Museum of Art". Als Mitarbeiter der deutschen
Kunst- und Literaturzeitschrift "Pan" veröffentlichte er 1897 unter dem
amerikanisch abgewandelten Namen Henry Heran eine Lithographie- und
Farbholzschnittarbeit, die er Spielendes Meerweib (Playful Mermaid) nannte. Sie
befindet sich im "Art Institut Chicago".
Weitere
Lithographien Allégorie (Allegory) befinden sich in "The Cleveland Museum of
Art", Fleur de Mai (May Flower): from L'Estampe Moderne" in der "National
Gallery of Australia".
Paul Herrmanns
dritte künstlerische Periode (auch unter dem Namen Henri Héran) als Illustrator
und Radierer in Paris
Er gehörte zum
Freundeskreis von:
Edvard Munch,
dem er sich mehrmals als Modell "Mann mit rotem Bart" zur Verfügung stellte,
vgl. Munchs Jealousy (1895) und weitere Eifersucht-Bilder. Begehrt ist heute
noch das Poster: Doppelportrait Paul Herrmann und Paul Contard von 1896/97.
Original befindet sich in der "Österreichischen Galerie Belvedere" in
Wien.
August
Strindberg, der in Paul Herrmann, der 1895 aus Amerika nach Paris eingereist
war, den "Doppelgänger" von Francis Schlatter sah, ein in Amerika wirkenden
Geisterheiler, der im selben Jahr 1895 spurlos
verschwand.
Oscar Wilde,
für den er 1897 mehrere Illustrationen anfertigte, u.a. zum Gedicht The Ballad
of Reading Gaol. Den Einakter Salomé hatte Wilde bereits fertiggestellt und
suchte dafür nach einem in Frage kommenden Illustrator. Er dachte dabei an Paul
Herrmann, der sich angeboten hatte, das Poem zu illustrieren. Es kam aber nicht
dazu, weil Herrmann zu langsam arbeitete und sich nicht an die Terminabsprachen
hielt. Deshalb sagte er Herrmann ab und verzichtete bei der Buchlegung auf jede
Art von Bebilderung. Dennoch hegte er bei Erfolg des Buches für später die
Hoffnung auf eine luxuriöse Ausgabe mit ansprechenden Illustrationen. Herrmann
muss sein Versagen jahrelang beschäftigt haben, denn 22 Jahre nach dem Tode
Wildes, im Jahr 1922, veröffentlichte er zum Einakter "Salomé" ein eigenes Buch,
darin ein Radierzyklus mit 6 Kaltnadelarbeiten. Georg Jacob Wolf: "Es ist
Herrmanns prächtigste zyklische Schöpfung."
1900 hatte der
Künstler Paul Herrmann unter dem Namen Henri Héran laut Ankündigung der
Kunst-Zeitschrift La Revue blanche in der Galerie "Chez Hessèle, rue Lafitte,
Paris" eine eigene Ausstellung u.a. als Symbolist des Fin de Siècle. Der Autor
des Artikels, Charles Saunier, erklärt darin, warum Paul Herrmann den
Künstlernamen Henri Héran gewählt hat. Der Künstler zeigte u.a. Radierungen mit
Portraits von "Wagner", "Jules Valadon", "Strindberg", "Stéphan George",
"d'Arthur Symons", "M. Dauthenday" und von sich selbst, Lithographien und
Aquarelle mit Straßenmotiven von Paris und Rouen und Illustrationen zu Oscar
Wilde und Stefan George. Zwei Aquarelle mit Straßenmotiven befinden sich heute
im Besitz des Musée Carnavalet Paris.
Im September
1900 schenkte Herrmann unter seinem französischen Pseudonym Henri Héran dem
Beethovenhaus Bonn für die Beethovenausstellung 1902 einen Probeauszug der
Lithographie Ludwig van Beethoven (nach einer eigenen
Zeichnung).
Bis 1906 blieb
Paul Herrmann (Henri Héran) in Paris.
Paul Herrmanns
vierte künstlerische Periode als Illustrator und Radierer in Berlin, Leipzig,
München, Wien
Ab 1906
wechselte Paul Herrmann nach Berlin, um sich an der Innen-Dekoration bei der
Fertigstellung des Hotels Adlon (bis 1907) zu beteiligen. Er übernahm die
künstlerische Gestaltung von Wand- und Deckenmalereien. Das betrifft besonders
die große Eingangshalle und das große Wandgemälde "Bacchanal" in der
American-Bar. Zusätzlich schmückte er die Vestibülräume des Hotels mit seinen
Bildern aus.
Im Eden Hotel,
in der Deutschen Bank und in der Mitteldeutschen Kreditbank nahm er ebenfalls
dekorative Ausgestaltungen von Wand- und Deckenflächen
vor.
Verehelichte
sich am 6. Oktober 1910 mit Luise Werber, geb. 3. April 1884. Geburt des Sohnes
Paul am 11. Juli 1909 in München.
1914 wurde
anlässlich seines fünfzigsten Geburtstages von Hans Wolfgang Singer ein Katalog
mit 183 Nummern seiner graphischen Arbeiten
veröffentlicht.
Am 6. Mai 1914
fand die erste Weltausstellung für Buchgewerbe und Graphik statt, kurz Bugra
genannt, die Paul Herrmann mitgestaltete und an der er sich beteiligte, wofür
ihm am 1. Juli 1914 die Goldene Leipzig-Medaille verliehen
wurde.
Von Mai bis
September 1914 stellte der Künstler im Saal 28c/d unter dem Titel "Graphische
Ausstellung Paul Herrmann-Héran, Berlin" der "Großen Berliner Kunstausstellung"
vom 11. Mai bis 27. September 1914 zahlreiche Kaltnadelradierungen, Radierungen
und Roulette, Steindruck in Farben, Sandgebläse-Schabkunst aus wie Partie aus
dem Park Monceau, "Gartentor in Venedig", Die Schieberin, "Blick aus der Villa
Falconieri auf die Villa d'ESte in Frascati", "Ebenhausen bei Münster", Sta.
Maria della Salute zu Venedig, "Judith", Bauernhaus in Barbizon, Parkfest,
Beethoven-Bildnis, Baumstudie aus Ahrenshoop", "Schlehdornbüsche in Ahrenshoop",
"Kloster bei Siena", "Die Zeit", "Bildnis von Frau P.H.", "Palastecke bei
Vicenza", "Seitenkapelle in San Marco", "Der Blumenständer", "Tänzerin",
"Althagen", "Die Jagd auf den Seeteufel", "Kaffeegarten II", "Neckerei",
"Bildnis des Herrn Geheimrats Direktor Max Steinthal", "Das Gehölz (Wald in der
Normandie)", "Margot ohne Hut", "Hof eines Hauses in der Rue de Seine", "Treppe
in einem Venezianischen Hof (Studie)", "Margot", Adam und Eva, "Café in Paris",
"Statue in der Villa Falconieri", "Stephan George", "Der Kuss", "Bildnis der
Schauspielerin Paz Ferrer", "Zwischen Zeit und Ewigkeit", "Ancien Régime"
Frauenkopf, "Die Sünde", "Traum", "Liebkosung".
Paul Herrmanns
fünfte künstlerische Periode als Kaltnadel-Radierer und
Schabkünstler
In Berlin
verfeinerte der Künstler Paul Herrmann seine Technik als Kaltnadel-Radierer und
Schabkünstler. So veröffentlichte er nach 1919 nach und nach Radier-Zyklen mit
jeweils 6 Kaltnadelarbeiten. Neben der "Pflichtarbeit" für den verstorbenen
englischen Dichter Oscar Wilde konzentrierte er sich dabei auf Werke des
deutschen Klassikers Johann Wolfgang von Goethe.
Veröffentlichte Grafikmappen
1918/19 Erster
Zyklus "Phantasien" Radierungen mit symbolischen Darstellungen von Leben und
Tod, Krieg und Frieden
1919 "Sechs
Kaltnadelarbeiten zur Legende vom Garten Eden". 1. "Adam", 2. "Geburt der Eva",
3. "Eva und die Schlange", 4. "Verführung", 5. "Triumph der Schlange", 6.
"Verstoßen"
1921 Das Weib
mit sechs Kaltnadelradierungen (mit einem Vorwort von G.J. Wolf), 1. "Übermut",
2. "Jugendfülle", 3. "Liebeserwachen", 4. "Werbung", 5. "Erfüllung", 6. "Mutter"
(befindet sich in der Deutschen Nationalbibliothek)
1922 Salomé
mit sechs Kaltnadelradierungen. 1. "Narraboth", 2. "Salome", 3. "Salome", 4.
"Herodes/Salome", 5. "Salomes Tanz", 6. "Salome" (befindet sich im
Lindenau-Museum Altenburg)
1923 Sechs
Kaltnadelradierungen zu Liedern von Goethe, 1. "Die Spröde", 2. "Nachtgesang",
3. "Nähe des Geliebten", 4. "Auf dem See", 5. "Scheintot", 6. "Vor
Gericht".
1924 Faust mit
sechs Kaltnadelradierungen (das Original befindet sich in der Herzogin Amalia
Bibliothek in Weimar, weiterer Zustandsdruck im Frankfurter Goethe-Haus Freies
Deutsches Hochstift)
Es folgten
wechselnde Ausstellungen als teilnehmender Künstler in Berlin und in seiner
Vaterstadt München (u.a. ab 1918-1930 im
"Glaspalast").
Während der
Zeit des N. übernahm Paul Herrmann "Staatsaufträge", in denen er "Bauten des D.
R." in Bildern festhielt. Diese Bilder wurden im Luftfahrtsministerium sowie in
der Reichskanzlei aufgehängt.
Paul Herrmann
im Haus der Deutschen Kunst in München: "Große Deutsche Kunstausstellung"
(1937–1944)
1937:
"Alt-Berlin 1936" (Aquarell), "Plenarsaal des Reichstags nach der Brandstiftung
27.2.33" (Aquarell)
1940: "Der
Ponte Vecchio in Florenz" (Aquarell), "Frühlingstag im Münchner Hofgarten"
(Aquarell)
1941: "Santa
Maria della Salute" (Kaltnadelradierung), "Aussicht vom Schloss Belvedere in
Wien" (Aquarell), "Feier des 9. November an der Feldherrnhalle in München"
(Aquarell)
1942: "Die
Zeit" (Schabkunst), "Und ihr habt doch gesiegt" (Aquarell), "Die Fahne"
(Aquarell)
1943: "Weg zum
Canaletto" (Aquarell), "Venedig" (Aquarell), "Der Zapfenstreich am Parteitag in
Nürnberg" (Aquarell)
1944:
"Deutsche Festung in Norwegen" (Aquarell), "Industriewerk"
(Aquarell)
Anekdoten
Paul Herrmann
(Henri Héran) und Henri Toulouse-Lautrec
Paul Herrmanns
erstes Atelier in Paris war dürftig eingerichtet und für Kaufinteressenten mehr
abschreckend als einladend. Eines Tages lernte Paul Herrmann den deutschen
Kunsthändler Hans Weidenbusch kennen, der Herrmann in seinem Atelier aufsuchen
wollte. Um einen möglichen Kaufinteressenten "einigermaßen" standesgemäß
empfangen zu können, lieh sich Herrmann für die Zeit des Besuchs von seinen
Freunden entsprechendes Mobiliar aus. Das Prachtstück war eine alte französische
Kommode. Es kam zum Besuch, der Kunsthändler schaute sich interessiert um und
war beeindruckt, besonders von der alten französischen Kommode. Er entschloss
sich zum Kauf einiger Zeichnungen und Bilder, zeigte dann auf die Kommode, die
er unbedingt erwerben wollte und machte ein sehr gutes Preisangebot. Paul
Herrmann erschrak und redete sich damit heraus, dieses Möbelstück müsse er in
Ehren halten, denn es sei ein Erbstück seines Vaters und unverkäuflich. Ein
halbes Jahr später, Paul Herrmann hatte das geliehene Mobiliar seinen Freunden
zurückgegeben und sich vom Geld neu einrichten können, erschien völlig
überraschend Herr Weidenbusch in seinem Atelier. Er bestaunte die neue
Einrichtung und war sehr verwundert darüber, dass das unverkäufliche Erbstück
nicht mehr darin stand und wünschte vom Künstler Herrmann eine Erklärung. Der
rückte zögernd mit der Wahrheit heraus und teilte ihm mit, dieses Möbelstück
habe er sich für den ersten Besuch Weidenbuschs von Toulouse-Lautrec
ausgeliehen. Dieses Geständnis hatte verkaufswirksame Wirkung. Der Kunstsammler
Weidenbusch lernte so mit Hilfe Herrmanns den scheuen Henri Toulouse-Lautrec
kennen und wurde über Jahre hinaus ein "wohlwollender
Mäzen".
Paul Herrmann
(Henri Héran) und Edvard Munch
Als der
mittellose Edvard Munch in Paris wohnte und sich seine Mietschulden häuften, so
dass sich der Wirt veranlasst sah, ihm zu kündigen, griff er zusammen mit Paul
Herrmann zu einem Trick, bevor er das Haus verließ. Der Wirt hatte sich vor die
Wohnungstür gestellt, um ihm die letzten Habseligkeiten abzunehmen. Paul
Herrmann hatte sich in der Zeit unbemerkt auf die Straße gestellt und sammelte
nach und nach die Gegenstände ein, die Edvard Munch ihm an einem Strick zum
Fenster herunter ließ: Staffelei und Bilder. Während Paul Herrmann alles in
Sicherheit brachte, öffnete Edvard Munch dem Wirt die
Tür.
Paul Herrmann
(Henri Héran) und August Strindberg
Der in Paris
lebende menschenscheue August Strindberg fühlte sich verfolgt und erschien eines
Tages "aufgeregt und verstört" bei Paul Herrmann und meinte, man wolle ihn bei
sich im Hause mit tödlichen Gasen vergiften. Munch habe ihn schon beschwichtigen
wollen, sei aber von ihm als "angeblicher Mitwisser des Komplotts" abgelehnt
worden. Paul Herrmann roch im Hause Strindbergs tatsächlich "pestilenzialische
Gase". Als das Bett zur Seite gerückt wurde, sah man, woran das lag. Eine in
Verwesung befindliche Ratte wurde als "Urheberin des vermeintlichen Attentats"
entlarvt.
Aussehen und
Auftreten des Künstlers Paul Herrmann sorgten aus der Sicht des von Albträumen
und Geistererscheinungen geplagten Schriftstellers August Strindberg zu
verstörenden Irritationen. In dem literarischen Tagebuch Inferno. Kap. VII "Das
Fegefeuer" (von 1897) beschreibt er ausführlich, wie er Herrmann (Name wird
nicht erwähnt) als einen "amerikanischen Kunstmaler" durchschaut, der sich
hinter der Fassade eines Weltbürgers versteckt, in Wahrheit völlig
heruntergekommen sei und suggestive Kräfte entfalten könne. Schließlich erkennt
Strindberg in ihm den "Doppelgänger" des Wunderheilers Francis
Schlatter.
Paul Herrmann
(Henri Héran) und Oscar Wilde
Paul Herrmann
soll sich nach Aussagen Singers um den schwerkranken Oscar Wilde gekümmert
haben, der nach seiner Haft im Jahr 1897, gesellschaftlich geächtet, nach Paris
abgesetzt hatte und dort drei Jahre lebte. Er starb am 30. November 1900.
Singer: "Herrmann war einer der sieben Menschen, die der Leiche Oskar Wildes das
letzte Geleit auf den Weg zum Père La Chaise-Friedhof
gab".
Paul Herrmann
(Henri Héran) und Paul Contard
Auch Paul
Herrmann, der in der Regel seine Werke direkt aus dem Atelier verkaufen konnte,
litt unter der Künstlerseuche "Armut". So wohnte er für mehrere Monate, um
Mietzins zu sparen, in einer Irrenanstalt beim Oberarzt Paul
Contard.
Paul Herrmann
(Henri Héran) und Stefan George
1889 soll Paul
Herrmann in Paris den Dichter Stefan George kennen gelernt haben, da sie in
derselben Pension wohnten. Er wollte ihm im Laufe der Zeit die Repräsentanten
der neuen impressionistischen Malerei Manet, Monet und Renoir "nahebringen", was
George jedoch rigoros ablehnte, weil er in diesen Arbeiten die "Auflösung der
Kunst" sah. Auch Jahrzehnte später war Herrmann davon fest überzeugt, dass
George "von bildender Kunst überhaupt nichts verstanden" habe. Dennoch legte er
ihm Portraits vor, die er gemalt hatte, und so gelang es ihm 1897, von George
ein Portrait mit Hilfe einer Sandgebläse-Schabkunst und Aquatinta anzufertigen.
Singer: "... eine der schönsten Arbeiten... gehört zu den geschätztesten Werken
deutscher Grafik." Dieses Portrait fand George "zu mephistophelisch im
Ausdruck". Er hielt den Künstler Herrmann (Héran) für einen "krassen Zyniker".
Für das Gedicht "Jahrestag" von George schuf der Radierer Herrmann (Héran),
ebenfalls im Jahre 1897, einen Frauenkopf von ein und derselben Person, auf der
einen Seite jung und auf der anderen Seite alt. Diese Illustration war George
auf dem Postwege zugeschickt worden, der aber beteuerte, sie sei bei ihm nie
eingetroffen. Seit 1977 weiß man, dass diese Aussage nicht stimmt, denn die
Zeichnung ist im Nachlass Georges gefunden worden. Stefan George zählte wohl
mehr aus Höflichkeit Herrmann (Héran) zu seinen "Freunden" (Brief vom 27.
Februar 1998). Anfang 1900 erlaubte er es, ihn erneut zu portraitieren. Aber
wegen einer "plötzlichen Abreise des Dichters" (Singer) wurde das Portrait nie
fertiggestellt. Dafür schickte Herrmann ihm seine Beethoven-Lithographie von
1898 mit der sehr persönlichen Widmung: "meinem Freunde Stefan
George".
Paul Herrmann
(Henri Héran) und Emil Nolde
Paris 1900.
Emil Nolde übergab bei seiner Abreise aus Paris Henri Héran (Paul Herrmann) ein
Bild, das er rahmen lassen und Noldes Mutter zum Geburtstag nach Schleswig
verschicken sollte. Er übernahm das dafür nötige Geld und das Bild von Nolde. Es
handelte sich hierbei um die Kopie des Tizian-Bildes "Alfonso d'Avalos", das
Emil Nolde aufwendig, zeitraubend und mit feinfühliger Sorgfalt im Louvre
angefertigt hatte. Aus unbekannten Gründen schickte Paul Herrmann dieses Bild
nie ab. Erst nach fünf Jahren erhielt Nolde es zurück. 1905 organisierte Paul
Herrmann im Kunstverein zu Leipzig eine Ausstellung mit seinem graphischen Werk.
Der in Leipzig tätige Jura-Privatdozent, Hans Fehr, ein Freund Emil Noldes,
erfuhr davon, benachrichtigte den Präsidenten Adolf Wach des Kunstvereins, der
daraufhin alle Werke Herrmanns beschlagnahmen ließ. Und so blieb Paul Herrmann
nichts weiter übrig, als diese Tizian-Kopie herauszurücken, damit seine
Ausstellung in Leipzig stattfinden konnte.
Mitgliedschaft
und Auszeichnungen
Mitglied im
Verein Berliner Künstler, Freie Vereinigung der Graphiker zu Berlin, Münchner
Sezession
1914
Vorsitzender des Arbeitsausschusses der Allgemeinen Deutschen
Kunstgenossenschaft
1914
Sächsische Staatsmedaille, Großer Ehrenpreis der Stadt Leipzig, 1.Juli: Goldene
Leipzig-Medaille als "Meister der Radiergraphik" für die Mitgestaltung und
Beteiligung an der ersten graphischen Weltausstellung in
Leipzig
19. Dezember
1940: Ehrenmitglied des Vereins der Maler, Bildhauer, Baukünstler und
Kunstgenossen seit 1814
1. Mai 1941
Ernennung zum Professor
5. Februar
1944 Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft anlässlich des 80. Geburtstages
des Künstlers
Adolf Hitler
(* 20. April 1889 in Braunau am Inn, Österreich-Ungarn; † 30. April 1945 in
Berlin) war ein deutscher Politiker und Diktator österreichischer Herkunft. Er
war ab 1921 Parteichef der NSDAP, seit 1933 Reichskanzler und von 1934 bis zu
seinem Suizid unter der Bezeichnung Führer und Reichskanzler zugleich
Regierungschef und Staatsoberhaupt des Deutschen
Reiches.
Biografie
Fast alle
Biografen Hitlers weisen auf die enorme Diskrepanz zwischen dessen erster und
zweiter Lebenshälfte hin. Bis zu seinem 30. Lebensjahr war er, gemessen an den
bürgerlichen Maßstäben seiner Zeit, nicht erfolgreich, da er weder eine
Berufsausbildung noch nennenswerte soziale Bindungen hatte. Danach schwang sich
Hitler innerhalb weniger Jahre zum deutschen Reichskanzler und schließlich zum
diktatorischen Herrscher über weite Teile Europas
auf.
Die frühen
Jahre
Um seine
Herkunft und sein Leben vor dem Eintritt in die Politik machte Hitler stets ein
Geheimnis. „Sie dürfen nicht wissen“, sagte er 1930 über seine politischen
Gegner, „woher ich komme und aus welcher Familie ich stamme.“ Döllersheim und
Strones, die Heimatdörfer seiner Eltern und Großeltern, ließ er im Sommer 1938,
gleich nach dem Anschluss Österreichs evakuieren, um einen Truppenübungsplatz
anzulegen (heute: Truppenübungsplatz Allentsteig). Krockow, Kershaw und andere
Biografen Hitlers vermuten, dass die Gründe dafür in dessen ungeklärter und von
Inzest nicht freien Herkunft zu suchen sind. Hitlers eigene Angaben in Mein
Kampf zu seinen frühen Jahren dienten vor allem der Selbststilisierung zu einem
idealen nationalsozialistischen Kämpfer, gingen kaum über das hinaus, was damals
ohnehin schon bekannt war, und sind daher wenig vertrauenswürdig.
Herkunft
Hitlers
Familie stammte aus dem niederösterreichischen Waldviertel an der Grenze zu
Böhmen. Im 19. Jahrhundert schwankte der damals in Österreich nicht
unübliche Name der Familie noch zwischen Hüttler, Hiedler, Hittler und Hitler.
Am wahrscheinlichsten ist, dass sich die verschiedenen Namensvarianten, die sich
in der dialektalen Aussprache phonetisch kaum unterscheiden, von Hütte ableiten,
der Name also so viel bedeutet wie Kleinbauer oder Häusler. Der spätere Diktator
wurde in der oberösterreichischen Stadt Braunau am Inn geboren – am
20. April 1889 um 18:30 Uhr im Gasthof Pommer, Salzburger Vorstadt 219
(heute Hausnummer 15). Er war das vierte von sechs Kindern des Zollbeamten
Alois Hitler und dessen dritter Frau Klara (geb. Pölzl). Der Vater wurde unter
dem Namen Alois Schickelgruber als unehelicher Sohn der später verehelichten
Anna Maria Schicklgruber und Johann Georg Hiedler geboren, wurde aber erst
posthum, wohl auf Betreiben seines Onkels Johann Nepomuk Hiedler, bei dem er als
Ziehkind aufgewachsen war, legitimiert und nahm als 39-Jähriger den Namen Hitler
an. Die Mutter Klara (geb. Pölzl) war die Tochter von Johann Nepomuk Hiedlers
ältester Tochter Johanna Hiedler und ihrem Mann Johann Babtist Pölzl. Somit
waren Hitlers Eltern Onkel und Nichte zweiten Grades.
Die drei
älteren Geschwister Adolf Hitlers verstarben bereits im Kindesalter, noch vor
Adolfs Geburt. Von den sechs Kindern des katholischen Paares erreichten nur
Adolf und seine Schwester Paula das Schulalter. Aus zweiter Ehe seines Vaters
hatte Adolf einen Halbbruder und eine Halbschwester: Alois junior und Angela,
die ebenfalls im Haushalt aufwuchsen, da ihre Mutter verstorben war. In Mein
Kampf schildert Hitler den Vater als streng, autoritär, mitunter auch jähzornig
und gewalttätig. Es ist jedoch umstritten, ob Hitlers Erziehung strenger war als
zu dieser Zeit üblich.
Obwohl es
keinen Grund zur Annahme gibt, dass Adolf Hitler an Johann Georg Hiedler als
Großvater gezweifelt hat, musste die nicht mit völliger Sicherheit geklärte
Abstammung für den Propagandisten einer rassistischen Ideologie politisch
brisant werden, als er seit Anfang der 1920er-Jahre zunehmend bekannter wurde.
Politische Gegner haben schon damals immer wieder nachzuweisen versucht, dass
der Führer der antisemitischen und extrem nationalistischen NSDAP selbst
jüdische oder tschechische Vorfahren habe. Bereits seit Mitte der 1920er-Jahre
gab es Gerüchte über eine vermeintlich jüdische Abstammung Hitlers. Hans Frank
griff diese in den Nürnberger Prozessen und in seiner Autobiografie mit der
Aussage auf, Hitlers Großmutter sei mit seinem Vater Alois schwanger geworden,
als sie als Dienstmagd im Haushalt eines Grazer Juden namens Frankenberger
gearbeitet habe. Die sich auf Frank beziehende Literatur verbreitete diese
Behauptung weiter, bis sie überzeugend widerlegt wurde. Für Hitler waren
derartige Gerüchte und die zum Teil inzestuösen Verhältnisse in seiner Familie
Grund genug, seine Herkunft möglichst zu
verschleiern.
Kindheit
Wegen seines
Berufs zog Alois Hitler mit seiner Familie häufig um: von Braunau zunächst nach
Passau, später nach Lambach und schließlich nach Leonding bei
Linz.
Auf den
verschiedenen Volksschulen, die Adolf Hitler besuchte, war er ein guter Schüler,
auf der Realschule in Linz versagte er dagegen völlig. Bereits das erste Jahr
dort, 1900/1901, musste er wiederholen, und seine Lehrer bescheinigten ihm
„mangelnde Arbeitslust“. An der Realschule in Linz begeisterten sich Schüler,
darunter auch Hitler, für die Thesen Georg von Schönerers, sie begrüßten sich
mit „Heil!“-Rufen und hefteten sich Kornblumen ans Revers. Die dritte Klasse in
der Realschule in Linz schloss er 1904 erneut mit so mangelhaften Noten ab, dass
eine Wiederholung der Klasse drohte. Da sein Vater aber in diesem Jahr gestorben
war, bot die Schule Hitlers Mutter an, ihn zu versetzen, allerdings nur unter
der Bedingung, dass er die Schule wechselte. Hitler besuchte daher nun die
Realschule in Steyr, die als weniger anspruchsvoll galt. Aber auch dort
besserten sich seine Leistungen nicht. Er blieb sitzen, schaffte die
Wiederholungsprüfung nicht und verließ die Schule sechzehnjährig, im Herbst
1905, ohne Abschluss.
Hitler stellte
dies später als eine Art von Lernstreik gegen den Vater dar, der ihn in eine
Beamtenlaufbahn habe drängen wollen, während er selbst den Beruf des Kunstmalers
anstrebte. An dieser Darstellung ist insofern etwas Wahres, als Hitler sich
zeitlebens als verkannter Künstler sah, mit regelmäßiger Arbeit nicht
zurechtkam, und außerdem Egozentrik zu seinen hervorstechendsten Eigenschaften
gehörte. Gegen Hitlers Darstellung spricht jedoch, dass sein Vater schon am 3.
Januar 1903 im Alter von 65 Jahren gestorben war. Der Erziehungsdruck auf
den 13-Jährigen ließ also nach, ohne dass seine Leistungen deshalb besser
wurden.
Jahre in Wien
und München
Von 1903 an
bezog Hitler eine Halbwaisenrente. Damit und mit der Unterstützung durch seine
Mutter war er ab 1905 finanziell unabhängig. Im September 1907 reiste er nach
Wien und unterzog sich an der Allgemeinen Malerschule der Wiener Kunstakademie
zusammen mit weiteren 112 Kandidaten der
Aufnahmeprüfung.
Durch seine
mitgebrachte Arbeitsmappe qualifizierte er sich wie 79 weitere Bewerber zur
Teilnahme am zweiten Auswahlverfahren, dem Probezeichnen am 1. und 2. Oktober.
Nur 28 bestanden diese Prüfung. Die restlichen Bewerber, darunter auch Hitler
und Robin Christian Andersen waren zum Studium nicht zugelassen. Er blieb
zunächst in Wien. Am 24. Oktober teilte der jüdische Hausarzt Eduard Bloch der
Familie mit, die Mutter sei unheilbar krank und habe nicht mehr lange zu leben.
Adolf kehrte nach Linz zurück, bevor seine Mutter am 21. Dezember 1907 an
Brustkrebs starb. Nach ihrem Tod distanzierte er sich zunehmend von seinen
Verwandten.
Anders als die
Schilderungen seiner Jugendzeit in Mein Kampf suggerieren, konnte Hitler von
seiner Waisenrente anfangs relativ gut leben. Sein Einkommen, zusätzlich
aufgebessert durch den Verkauf selbst gemalter Bilder und Postkarten, lag über
dem Anfangsgehalt eines Lehrers. Das Empfehlungsschreiben einer Bekannten an den
renommierten Bühnenbildner Alfred Roller, der sich zu einem Empfang Hitlers
bereit erklärte, führte letztlich zu keinem Ergebnis. Im Herbst 1909 konnte er
sich bei seiner zweiten Bewerbung an der Kunstakademie nicht mehr zum
Probezeichnen qualifizieren. Danach bemühte er sich kaum, einen Beruf oder auch
nur eine Berufsausbildung in Angriff zu nehmen.
In Wien kam er
mit den Schriften des Rassenideologen und Antisemiten Jörg Lanz von Liebenfels
in Kontakt. Auch die antisemitischen Polemiken von Politikern wie Georg von
Schönerer, dem Führer der Alldeutschen Bewegung, und dem Wiener Bürgermeister
Karl Lueger nahm er auf. Seine Vorstellung von einer überlegenen arischen so
genannten Herrenrasse dürfte sich damals gebildet haben, seine Vorbilder ließ er
aber stets unerwähnt. Mehr als für Politik hat sich Hitler nach Aussagen seines
damaligen Freundes August Kubizek für Opern interessiert, insbesondere für die
Richard Wagners.
Nach der
zweiten Ablehnung durch den Vorstand der Kunstakademie ging Hitler allmählich
das Geld aus. Zudem musste er fürchten, zum Militär eingezogen zu werden. Ob er
deshalb allerdings im Herbst 1909 tatsächlich für einige Monate obdachlos war
bzw. im Obdachlosenasyl in Meidling Zuflucht suchte ist nicht wirklich
gesichert. Sicher ist, dass er Anfang 1910 in das Männerwohnheim in der
Meldemannstraße zog. Als Maler von Sehenswürdigkeiten Wiens fand er ein
bescheidenes Auskommen. Hitler malte und zeichnete in Wien bis Mitte 1910
zahlreiche kleinformatige Bilder. Da er selbst eher kontaktscheu war, übernahm
ein Mitbewohner, Reinhold Hanisch, den Verkauf seiner Bilder. Weil er sich bei
einem Geschäft von Hanisch betrogen fühlte, übertrug er den Verkauf einem
jüdischen Mitbewohner namens Siegfried Löffner. Im August 1910 wurde Hanisch
durch Löffner wegen der angeblichen Unterschlagung eines Hitler-Bildes bei der
Wiener Polizei angezeigt. Da sich bei dieser Gelegenheit herausstellte, dass
Hanisch in Wien unter dem falschen Namen Fritz Walter gemeldet war, wurde er am
11. August 1910 zu einer Gefängnisstrafe von sieben Tagen verurteilt. 1912 wurde
Hitler seinerseits von einer anonymen Person wegen des unberechtigten Führens
des Titels eines „akademischen Malers“ bei der Polizei angezeigt und ermahnt,
diesen Titel zukünftig nicht mehr zu gebrauchen. In der Forschung wird
angenommen, dass der Maler Karl Leidenroth, ein Freund Hanischs, die Anzeige in
dessen Auftrag erstattete, um sich für die Anzeige aus dem Jahr 1910 zu
revanchieren. Danach schränkte Hitler seine künstlerische Tätigkeit ein.
Bemerkenswerterweise arbeitete er beim Handel mit seinen Bildern mit zahlreichen
weiteren Juden zusammen, so mit dem ungarischen Männerheimbewohner Josef
Neumann, der als sein Verkäufer fungierte, sowie den Händlern Jakob Altenberg
und Samuel Morgenstern. Es ist daher fraglich, ob Hitlers Antisemitismus damals
bereits so ausgeprägt war, wie er in Mein Kampf
behauptete.
Die Historiker
gingen davon aus, dass Hitler Hanisch 30 Jahre später 1938 verhaften ließ –
beziehungsweise ihn nach dem Einmarsch in Österreich bereits verhaftet vorfand –
um ihn dann im Konzentrationslager Buchenwald ermorden zu lassen.
Wahrscheinlicher ist jedoch, dass Hanisch bereits am 4. Februar 1937 während
seines Aufenthaltes im Wiener Inquisitenspital an einem Herzschlag starb.
Brigitte Hamann förderte nach intensiven Recherchen zu Hitlers Zeit in Wien
nicht nur einen Bericht des untersuchenden Gerichtsarztes in der Wiener
Todesfallaufnahme zu Tage, sondern auch einen Brief von Hitlers Wiener Emissär
Franz Feiler vom 11. Mai 1938, in dem Feiler seinem Vertrauensmann im
NSDAP-Hauptarchiv Ernst Schulte-Strathaus mitteilte, Hanisch sei „vor
1,5 Jahren gestorben.“
Nachdem Hitler
im Mai 1913 das Erbe des Vaters ausgezahlt worden war, zog er vom Männerwohnheim
in Wien nach München um, wo er bei dem Schneider Josef Popp in der Maxvorstadt
zur Untermiete wohnte. Der Umzug hatte auch den Zweck, dem Militärdienst in
Österreich zu entgehen. In Mein Kampf schrieb er später, er habe sich nach einer
„deutschen Stadt“ gesehnt. Hier las er die rassistischen Schriften Houston
Stewart Chamberlains. Hitler malte in München weiterhin Aquarelle und
gelegentlich Ölbilder, meist Architekturdarstellungen nach fotografischen
Vorlagen. Er verkaufte die Arbeiten vornehmlich in der Kunsthandlung Stuffle am
Maximiliansplatz.
Nach längerer
Suche durch die österreichische Polizei und Vorführung beim österreichischen
Konsulat in München durch Beamte der Münchner Kriminalpolizei am 19. Januar 1914
fuhr er am 5. Februar 1914 zur Musterung nach Salzburg. Hier wurde er als
waffenunfähig beurteilt und vom Militärdienst in Österreich zurückgestellt. Dass
Hitler nicht prinzipiell dem Kriegsdienst aus dem Weg gehen wollte, zeigte er
als Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg.
Im Ersten
Weltkrieg
Der 25-jährige
Hitler begrüßte begeistert den Kriegsausbruch im Jahr 1914. Eine Fotografie
Heinrich Hoffmanns zeigt ihn inmitten der Großdemonstration am 2. August 1914
auf dem Odeonsplatz. Diese Fotografie wurde später massenhaft
verbreitet.
Hitler trat am
16. August 1914 als Freiwilliger in die Bayerische Armee ein. Dort wurde der
Österreicher am 8. Oktober 1914 auf den König von Bayern und anschließend auf
den österreichischen Kaiser Franz Joseph vereidigt. Als Soldat des 16. Kgl. Bay.
Reserve-Infanterie-Regiments (6. Königlich Bayerische Reserve-Division)
verbrachte er fast die gesamte Kriegszeit als Meldegänger an der Westfront. Man
beurteilt die Teilnahme am Ersten Weltkrieg für Hitlers späteres Leben als kaum
überschätzbar: „Der Krieg und die Folgen haben Hitler geschaffen.“
Nach seiner
Beteiligung an der Ersten Flandernschlacht erhielt Hitler am 3. November
rückwirkend zum 1. November 1914 seine Beförderung zum Gefreiten. Am 2. Dezember
desselben Jahres wurde er mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.
Den spontanen Weihnachtsfrieden 1914 missbilligte er. Hitler hinterließ mehrere
Feldpostbriefe, von denen der vom 5. Februar 1915 der bedeutendste ist. Nach
einer detailreichen Schilderung der Kampfhandlungen äußert er am Schluss seine
Hoffnung auf die endgültige Abrechnung mit den Feinden im Inneren.
Seit dem 26.
September 1916 war er Teilnehmer der Schlacht an der Somme. Bei Le Bargur wurde
Hitler am 5. Oktober 1916 (nach eigenen Angaben am 7. Oktober) am linken
Oberschenkel verwundet, als im Unterstand der Meldegänger eine Granate
explodierte. Man schickte ihn vom 9. Oktober bis zum 4. Dezember in das
Vereinslazarett Beelitz, das ihm mit seinen weißen Betten und sorgenden
Krankenschwestern geradezu unwirklich vorkam.
Erst im März
1917 kam er wieder an die Front und nahm im Sommer an der Dritten
Flandernschlacht teil, woraufhin er das Militärverdienstkreuz III. Klasse
mit Schwertern erhielt. Nach einem Heimaturlaub in Berlin im Oktober 1917 war er
ab Ende März 1918 an der Deutschen Frühjahrsoffensive beteiligt. Im Mai erhielt
er ein Regimentsdiplom für hervorragende Tapferkeit und das Verwundetenabzeichen
in Schwarz; am 4. August wurde er auf Initiative des jüdischen
Regimentsadjutanten Hugo Gutmann mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse
ausgezeichnet.
Hitler galt
als korrekter Soldat, der aber bei seinen Kameraden wegen seiner unkritischen
Haltung gegenüber den Offizieren eher unbeliebt war: „Den Vorgesetzten achten,
niemandem widersprechen, blindlings sich fügen“, so schilderte er selbst seine
damalige Haltung während des Putschistenprozesses im Jahr 1924. Kurz vor
Kriegsende wurde Hitler nach einem am 15. Oktober 1918 mit Senfgas
durchgeführten britischen Angriff am 21. Oktober in das Lazarett der
vorpommerschen Stadt Pasewalk eingewiesen, wo er sich bis zum 19. November
aufhielt. Die vorübergehende Blindheit, derentwegen er behandelt wurde, führte
er selbst auf eine Augenverletzung infolge des Gasangriffs zurück. Hier wurde er
mit den anderen Verwundeten am 10. November durch den Lazarettgeistlichen über
die Novemberrevolution und die laufenden Waffenstillstandsverhandlungen im Wald
von Compiègne informiert, was Hitler selbst später als seelische Krise
schilderte, bei der es ihm „um die Augen wieder schwarz ward“. Demnach hatte es
nicht nur mit Hitlers österreichischer Staatsbürgerschaft zu tun, dass er –
obwohl mehrfach verwundet und mit dem Eisernen Kreuz beider Klassen sowie
weiteren Ehrenzeichen versehen – nie über den Status eines Gefreiten hinauskam.
Fritz Wiedemann und Max Amann betonten in diesem Zusammenhang, Hitler selbst
habe eine Berücksichtigung bei Beförderungen
abgelehnt.
Hitlers
Aufstieg
Politische
Anfänge
Hitler
behauptete später, die Empörung über den verlorenen Krieg und den „Verrat der
Novemberverbrecher“ habe in ihm den Entschluss reifen lassen, Politiker zu
werden. Auch dies darf angezweifelt werden angesichts der unklaren Haltung zu
den Zeitereignissen, die er in den ersten Monaten nach Kriegsende erkennen
ließ.
Von
politischen Ambitionen Hitlers ist unmittelbar nach dem Krieg nichts
festzustellen. Am 21. November 1918 verließ er das Lazarett in Pasewalk. Er
kehrte in die Kaserne des 2. bayerischen Infanterie-Regiments, die
Oberwiesenfeldkaserne in München zurück und zeigte zunächst nur das Bestreben,
nicht entlassen zu werden. Zwischendurch bewachte er vom 12. Februar bis zum 7.
März 1919 in Traunstein französische und russische Kriegsgefangene bis zur
Auflösung des dortigen Lagers. Er ließ sich mehrfach zu einem der
Vertrauensleute seines Regiments wählen und war damit eine Art Verbindungsmann
zur aus der Novemberrevolution hervorgegangenen neuen bayrischen Staatsregierung
unter dem sozialistischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner
(USPD).
Hitler war im
April 1919 Vertrauensmann seiner Kompanie in München und wurde am 15. April zum
Ersatz-Bataillons-Rat der Soldatenräte der – seit 13. April kommunistischen –
Münchner Räterepublik gewählt. Die Münchner Garnison stand seit November 1918
fest hinter der Revolution und dem radikalen Wandel zur Räterepublik. Hitler
teilte in jenen Monaten offensichtlich die Ansichten der sozialistischen
Regierung in einem gewissen Maße, auf jeden Fall äußerte er keine abweichende
Meinung, andernfalls wäre er nicht als Vertrauensmann der Soldaten gewählt
worden. Vermutlich trug er sogar die rote Armbinde der Revolution, wie alle
Soldaten der Münchner Garnison, weswegen Hitler später über diese Zeit wenig
verlauten ließ. Als Erklärungen sind opportunistische Erwägungen (Hinauszögerung
der Demobilisierung) und/oder das seinerzeitige allgemeine „ideologische
Durcheinander in den Köpfen“ denkbar. Unter den engeren Kameraden war Hitler
spätestens seit Mitte April 1919 als Konterrevolutionär bekannt, wofür auch die
Denunziation zweier Kollegen aus dem Bataillons-Rat bei einem Tribunal wenige
Tage nach Niederschlagung der Räterepublik spricht.
Gerade jetzt
begann Hitler, erstmals eine gewisse politische Aktivität zu entwickeln. Nach
der blutigen Niederwerfung der Räterepublik ließ er sich von einer
Untersuchungskommission der Münchener Reichswehrverwaltung anwerben, die damals
den entscheidenden Machtfaktor in Bayern darstellte. Es gibt Hinweise darauf,
dass er sich das Wohlwollen der neuen Machthaber erkaufte, indem er
Regimentskameraden verriet, die sich auf Seiten der Räteregierung engagiert
hatten. Offensichtlich erfüllte er die in ihn gesetzten Erwartungen, denn die
entscheidenden Männer der so genannten schwarzen Reichswehr – beispielsweise der
Hauptmann Ernst Röhm – scheinen in dem Gefreiten Hitler bald einen potenziellen
Agitator gesehen zu haben, mit dessen Hilfe sich nationalistische Ideen unter
Arbeitern verbreiten ließen. Seine Vorgesetzten schickten Hitler vom 5. bis 12.
Juni und vom 26. Juni bis zum 5. Juli 1919 zu Schulungen für Propaganda-Redner.
Einer der Vortragenden war Professor Karl Alexander von Müller. Danach setzten
sie Hitler als V-Mann ein und beauftragten ihn im Rahmen eines
Aufklärungskommandos damit, politische Parteien und Zirkel zu bespitzeln, die im
nachrevolutionären München wie Pilze aus dem Boden
schossen.
Dazu gehörte
auch die von dem Journalisten Karl Harrer und dem Schlosser Anton Drexler
gegründete Deutsche Arbeiterpartei (DAP), die fremdenfeindliche, antisemitische
und sozialistische Ideen propagierte. Am 12. September 1919 besuchte Hitler,
aufgrund einer Empfehlung von Hauptmann Karl Mayr aus der
völkisch-nationalistischen Vereinigung „Eiserne Faust“, erstmals eine ihrer
Versammlungen. Als dabei ein Redner die Trennung Bayerns vom Reich forderte,
widersprach Hitler ihm so energisch wie wortreich und fiel durch sein
Rednertalent auf. Erstmals hatten er selbst und andere eine gewisse Begabung an
ihm entdeckt: Er konnte Zuhörer fesseln und Emotionen wecken. Drexler meinte
angeblich sofort zu Harrer: „Dör hot a Goschn, den kennt ma braucha!“
(Hochdeutsch: „Der hat Rednertalent, den könnten wir brauchen!“) und versuchte,
ihn noch am gleichen Abend anzuwerben. Im Auftrag seiner Vorgesetzten trat
Hitler am 19. Oktober 1919 der DAP bei – als 55. Mitglied, nicht als siebentes,
wie er später stets behauptete. Seine Mitgliedsnummer 555 rührte daher, dass die
DAP mit der Zählung ab 501 begann, um etwas mehr Größe vorzutäuschen. Zu dieser
Zeit kam Hitler auch erstmals mit dem antisemitischen Schriftsteller Dietrich
Eckart von der Thule-Gesellschaft in Kontakt. Eckart war auf der Suche nach
einem Agitator, der Arbeiter und Angehörige der Unterschichten für
rechtsradikale Ideen gewinnen sollte. Als einer der ersten sah Eckart, der im
August 1921 Chefredakteur des Völkischen Beobachters wurde, in Hitler diesen
Mann und förderte ihn seither mit Rat und Tat.
Da Hitler mit
seinen aufputschenden Reden immer mehr Zuhörer und Mitglieder anlockte, gewann
er bald größere Bedeutung für die kleine DAP. Zunächst war er dort als
Werbeobmann tätig und im Frühjahr 1920 an der Ausarbeitung des
25-Punkte-Programms der DAP beteiligt, die sich auf sein Betreiben in
Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) umbenannte. Als er am 31.
März 1920 schließlich aus der Armee entlassen wurde, konnte er bereits von
seinen Honoraren als Redner leben. Als Agitator war er für die noch wenig
beachtete NSDAP unersetzlich. Dies nutzte er aus, als er im Juli 1921 die alte
Parteiführung entmachtete und mit einem Ultimatum seine Wahl zum Vorsitzenden
der NSDAP erzwang.
Hitler war nun
eine politische Lokalgröße, die vom instabilen, antidemokratischen und
militaristischen politischen Klima in Bayern profitieren konnte und dort „sowohl
in der intellektuellen Öffentlichkeit wie bei der bayerischen Regierung und
Verwaltung […] vielfach Unterstützung fand.“ Außerhalb Bayerns erregte er eher
Belustigung als Furcht. 1921 und 1922 suchte er in mehreren Reden vor dem
Berliner Nationalklub die Unterstützung des oberen
Bürgertums.
Putsch und
Inhaftierung
Gustav Ritter
von Kahr hatte nach der Niederschlagung der Münchner Räterepublik 1919 versucht,
die „Ordnungszelle Bayern“ zu etablieren, durch die zuerst in Bayern „Ruhe und
Ordnung“ wiederhergestellt werden sollten, um anschließend auf die gesamte
Weimarer Republik auszustrahlen und dort einen monarchistischen und
militaristischen „nationalen Wiederaufbau“ einzuleiten. Am 26. September 1923
erhielt Kahr als „Generalstaatskommissar“ diktatorische Vollmachten von der
bayerischen Regierung unter Eugen von Knilling und verbündete sich mit
Landespolizeichef Hans von Seißer und dem gerade aus Berlin amtsenthobenen
Landeskommandanten der Reichswehr, Otto von Lossow zu einem „Triumvirat“, das
den offenen Konflikt mit der „roten Reichsregierung“ suchte. Hitler plante, sich
an die Spitze dieser Bewegung zu setzen, um mit Unterstützung von Kahr und Erich
Ludendorff, dem früheren Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung
(OHL), inzwischen Sympathisant der NSDAP, nach dem Vorbild von Mussolinis Marsch
auf Rom vom Oktober 1922 die Regierung in Berlin gewaltsam zu stürzen. Aufgrund
der französischen Ruhrbesetzung, der enormen Inflation und heftiger innerer
Unruhen in Deutschland glaubte er, auch bei breiten Bevölkerungsschichten
Unterstützung zu finden.
Am Abend des
8. November 1923 betrat Hitler mit einigen Bewaffneten den Münchner
Bürgerbräukeller, in dem Kahr eine Rede vor 3.000 geladenen Gästen hielt,
darunter ein Großteil der bayerischen Regierung. Hitler schoss einmal in die
Luft, und rief die „nationale Revolution“ aus. Mit Ludendorff und dem anwesenden
Triumvirat um Kahr einigte er sich durch „Druck und Überredung“ auf den
sofortigen Putsch und eine „provisorische deutsche Nationalregierung“ unter der
Leitung Hitlers. Obwohl man die anwesenden Minister verhaftete und das
Hauptquartier im Bürgerbräu aufschlug, scheiterte der Hitler-Ludendorff-Putsch
noch in der Nacht, da Kultusminister Franz Matt nach Regensburg fliehen konnte,
Ernst Röhm nur die Besetzung des Wehrkreiskommandos VII, nicht aber der Münchner
Kasernen, gelang, und Kahrs Triumvirat seine Zustimmung widerrief. Am nächsten
Morgen versuchten die 2.000 teilweise bewaffneten Putschisten, verstärkt von
herbeigeeilten Nationalsozialisten aus anderen bayerischen Städten, Röhm im
Wehrkreiskommando zu erreichen, „um dort die militärische Gewalt zu übernehmen
und die ‚nationale Revolution‘ mit einem ‚Marsch auf Berlin‘ ins ganze Deutsche
Reich zu exportieren.“ Die dem Kahr-treuen Polizeichef Seißer unterstehende
Landespolizei stoppte den Zug nahe der Feldherrnhalle, wo Schüsse fielen, die 20
Todesopfer forderten, davon vier Polizisten. Ludendorff wurde noch am
9. November verhaftet, Hitler, der geflohen war, als die Putschisten
auseinandergetrieben wurden, einige Tage später.
Der
Hitler-Prozess gegen zehn Putsch-Teilnehmer begann am 26. Februar 1924 vor dem
bayerischen Volksgericht unter Vorsitz des Hitlersympathisanten Georg Neithardt.
Obwohl Ludendorff der allgemein bekannteste Teilnehmer war, stellte Hitler sich
als alleinigen Initiator des ganzen Unternehmens dar. Er bestritt den Vorwurf
des Hochverrats, indem er behauptete, die „Novemberverbrecher“ von 1918 seien
die eigentlichen Verräter. Schließlich wurde Ludendorff freigesprochen, fünf
Angeklagte wegen Beihilfe zum Hochverrat, Hitler und drei weitere Angeklagte
wegen Hochverrats zur Mindeststrafe von fünf Jahren Festungshaft und einer
Geldbuße von 200 Goldmark.
Das Gericht
betonte Hitlers „ehrenhafte Gesinnung“ und lehnte die im Gesetz zum Schutz der
Republik für straffällig gewordene Ausländer vorgesehene Ausweisung mit der
Begründung ab, Hitler denke und fühle deutsch, sei viereinhalb Jahre freiwillig
im deutschen Heer Soldat gewesen und dabei verwundet worden, so dass Hitlers
Ausweisung nicht in Frage komme. Auch von seiner Haftstrafe musste er wegen
guter Führung nur neun Monate in der Festung Landsberg absitzen. Bereits am 20.
Dezember 1924 wurde Hitler entlassen. Er hatte die Haftzeit genutzt, um das
Manuskript des ersten Teils seines Werks Mein Kampf zu verfassen, in dem er in
autobiographischer Form offen seine politischen Ziele und die Ideologie des
Nationalsozialismus beschrieb.
Dank der
Berichterstattung über den Prozess wurde Hitler nun auch im Norden Deutschlands
als der radikalste aller völkischen Politiker bekannt. Seine Stellung in der
NSDAP war gefestigter denn je und in der völkischen Bewegung gewann seine Stimme
erheblich an Gewicht. Hatte er sich bis dahin eher als Trommler der Bewegung
gesehen, der den Weg für einen anderen Retter Deutschlands wie etwa Ludendorff
frei machen sollte, so sah er sich nun zunehmend selbst in der Rolle des großen
Führers. All das nützte ihm jedoch zunächst wenig. Zwar wurde die NSDAP nach
einem anfänglichen Verbot wieder zugelassen, aber die wirtschaftlichen
Verhältnisse in der Weimarer Republik stabilisierten sich. Der bis 1929
anhaltende wirtschaftliche Aufschwung bot radikalen Parteien kaum Ansätze für
ihre Agitation.
Neubeginn und
Aufstieg der NSDAP
Nach seiner
Haftentlassung begann Hitler damit, die NSDAP unter seine alleinige Kontrolle zu
bringen. In Norddeutschland hatte sich unter Gregor Strasser ein starker
Parteiflügel gebildet, der Hitlers Anlehnung an die alten, monarchistischen
Machteliten nicht mittragen wollte und einen sozialrevolutionären Kurs
befürwortete. Hitler gelang es rasch, Strasser und seine Anhänger entweder
politisch kaltzustellen oder wie Joseph Goebbels auf seine Seite zu
ziehen.
Aus dem
fehlgeschlagenen Putsch hatte Hitler den Schluss gezogen, dass es die Macht im
Staat nicht auf revolutionärem, sondern auf legalem Weg zu erobern galt. Ihm
ging es darum, die Demokratie mit ihren eigenen Waffen zu schlagen und zu
untergraben. Die NSDAP sollte in die Parlamente einziehen, aber ohne dort
konstruktiv mitzuarbeiten. Zudem sollte die SA mit spektakulären Aufmärschen,
Straßenschlachten und Krawallen die Blicke der Öffentlichkeit auf die Partei und
ihren Führer lenken und zugleich die Schwäche des demokratischen Systems
offenbaren. Für die späteren Wahlerfolge der Partei waren nicht zuletzt ihre für
die damaligen deutschen Verhältnisse völlig neuen Methoden der Werbung und
Massenbeeinflussung verantwortlich. Ein Grundstein für den Erfolg dieses
Vorgehens war die Fähigkeit Hitlers, massenwirksame politische Reden zu halten.
Mit seiner Ruhrkampagne versuchte er jedoch vergeblich, die Unterstützung der
Ruhrindustrie zu gewinnen.
Eine erste
Möglichkeit, in ganz Deutschland propagandistisch tätig zu werden, war das 1929
von NSDAP und DNVP gemeinsam initiierte Volksbegehren gegen den Young-Plan, der
eine abschließende Regelung der Reparationsfragen zwischen Deutschland und
seinen ehemaligen Kriegsgegnern vorsah. Das Volksbegehren scheiterte zwar, aber
Hitler und die NSDAP gewannen in den Reihen des nationalistisch-konservativen
Bürgertums erheblich an Zustimmung, was sich bei den Landtagswahlen in Thüringen
im Herbst 1929 erstmals in einem deutlichen Zuwachs an Wählerstimmen auszahlte.
Vor allem konnte Hitler seither auf die publizistische Unterstützung durch das
Presseimperium des DNVP-Vorsitzenden Alfred Hugenberg setzen. Dieser sah – wie
zuvor Ludendorff und später Papen – in Hitler und der NSDAP nur willige,
lenkbare Instrumente, um den deutschnationalen Kräften zu einer Massenbasis zu
verhelfen.
Zum Durchbruch
auf nationaler Ebene verhalf Hitler aber erst die Weltwirtschaftskrise, die Ende
1929 ausbrach und Deutschland besonders hart traf. Über die Finanzkrise des
Reichs brach am 27. März 1930 die Weimarer Koalition auseinander. Hermann Müller
(SPD), dem letzten Kanzler, der noch über eine demokratisch gesinnte
Reichstagsmehrheit verfügte, folgte das erste Präsidialkabinett des
Zentrums-Abgeordneten Heinrich Brüning, das sich allein auf das Vertrauen des
Reichspräsidenten Paul von Hindenburg stützen konnte. Bei den Neuwahlen am 14.
September steigerte die NSDAP ihren Stimmenanteil mit einem Schlag von 2,6 auf
18,3Prozent. Statt mit 12 Abgeordneten, wie bis dahin, zog sie nun mit 107 in
den Reichstag ein. Die staatstragenden, demokratischen Parteien der Mitte hatten
keine Mehrheit mehr, und Hitler war endgültig zu einem Machtfaktor in der
deutschen Politik geworden.
1931 erhielt
Hitler durch die Vermittlung von Ernst Röhm, der Verbindungen zu Kurt von
Schleicher hatte, eine Einladung zu einem Termin bei Hindenburg. Am 10. Oktober,
einen Tag vor dem Treffen der Harzburger Front, trat Hitler gemeinsam mit
Hermann Göring vor den Reichspräsidenten. Diese Begegnung soll wenig erfolgreich
verlaufen sein. Hitler sei in gewohnter Manier in lange Monologe verfallen,
statt die Fragen des Feldmarschalls abzuwarten. In diesem Zusammenhang ist
überliefert, dass Hindenburg später zu Schleicher gesagt habe, er hätte ihm da
einen sonderbaren Kerl geschickt: Dieser „böhmische Gefreite“ wolle
Reichskanzler werden? Niemals! „Höchstens Postminister“. Hindenburg verwechselte
Hitlers Geburtsort, das österreichische Braunau, mit dem gleichnamigen Ort in
Böhmen.
Hitlers Weg
zur Kanzlerschaft
Den nach
freiwilliger Aufgabe der österreichischen Staatsbürgerschaft seit 1925
staatenlosen Hitler machte erst die Anstellung als Regierungsrat beim
Landeskultur- und Vermessungsamt des Freistaates Braunschweig mit sofortiger
Abordnung an die Braunschweigische Gesandtschaft beim Reichsrat in Berlin Ende
Februar 1932 zum deutschen Staatsangehörigen. Damit erfüllte er eine formale
Voraussetzung zur Kandidatur bei der Reichspräsidentenwahl im selben Jahr.
Nachdem Hindenburg im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit verfehlt und sich
erst im zweiten Wahlgang im Unterschied zu Hitler (36,8%) mit 53% durchgesetzt
hatte, bedurfte es weiterer Etappen bis zur Reichskanzlerschaft. Am 31. Juli
1932 wurde die NSDAP mit 37,3% stärkste Partei bei den Reichstagswahlen, verlor
aber bei erneuten Reichstagswahlen am 6. November 1932 beträchtlich, wobei sie
mit 33,1% relativ stärkste Partei blieb. Als die NSDAP bei den Landtagswahlen in
Lippe 39,5% der Stimmen erzielte, wertete die Partei das als Zeichen ihrer
Stabilisierung, so dass nach dem Rücktritt Schleichers am 28. Januar 1933 der
Weg für Hitler frei wurde, der seit Ende 1932 zusammen mit Goebbels und Göring
kompromisslos auf seine Kanzlerschaft gedrängt
hatte.
Die Kamarilla
um Paul von Hindenburg trieb zur Unterstützung einer nationalistisch
ausgerichteten Regierung die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler voran.
Unterstützung suchte Hitler weiterhin bei Großindustrie und Banken. Schon in der
Frühphase der NSDAP hatte er antikapitalistische Tendenzen in der Partei klein
zu halten versucht und stets darauf bestanden, allein die Juden für die Misere
der Wirtschaft verantwortlich zu machen. Bei einer Rede vor dem Düsseldorfer
Industriellenclub 1932 hob Hitler die Rolle der Wirtschaftseliten lobend hervor
und betonte, dass das deutsche Volk nicht überleben könne, solange die Hälfte
der Deutschen „Eigentum als Diebstahl“ betrachtete – eine Anspielung auf das
immer noch große Wählerpotential von SPD und KPD. Trotz dieser Bemühungen blieb
der Anteil der großindustriellen Spenden an den Finanzen der NSDAP aber gering,
was sich unter anderem an der erheblichen Finanznot zeigte, in die die Partei im
Herbst 1932 geriet – gerade zu dem Zeitpunkt, als sich in der berühmten
Industrielleneingabe mehrere Bankiers, Agrariern und Industrielle bei Hindenburg
für eine Kanzlerschaft Hitlers einsetzten. Größere Bedeutung für den Aufstieg
der NSDAP hatte ihre Selbstfinanzierung durch Mitgliedsbeiträge und
Eintrittsgelder bei Redeveranstaltungen.
Die
Befürwortung seiner Ernennung zum Reichskanzler durch die nationalkonservativen
Kreise um Franz von Papen sicherte sich Adolf Hitler, indem Papen zum
Vizekanzler mit dem Recht, bei allen Vorträgen des Kanzlers beim
Reichspräsidenten zugegen zu sein, ernannt wurde und die klassischen Ministerien
von Konservativen besetzt wurden. Papen glaubte, Hitler dadurch „einrahmen“ zu
können. Beim Treffen Papens mit Hitler im Haus des Bankiers Schröder einigten
sich beide auf eine Reichskanzlerschaft Hitlers. Das Militär erhoffte sich von
einem Reichskanzler Hitler eine Beseitigung oder zumindest eine Lockerung der
Fesseln des Versailler Vertrags sowie eine Aufrüstung beziehungsweise
Vergrößerung der Reichswehr. Nationalkonservative aus Wirtschaft und Politik
wollten durch Hitler eine Stabilisierung der Regierung und auch eine
Neuorientierung der politischen Kultur in Richtung einer autoritären Monarchie
erreichen.
Mit dem
Hitlerputsch oder Hitler-Ludendorff-Putsch versuchten Adolf Hitler, Erich
Ludendorff und weitere Putschisten am 8. und 9. November 1923 in München, die
Regierungsmacht an sich zu reißen.
Hintergrund
Auf die
sozialdemokratische bayerische Regierung Eisner und die Münchner Räterepublik
reagierten die „vaterländischen und nationalistischen“ Gruppen mit dem zunehmend
radikaler formulierten Wunsch nach „Ordnung“ und mit deutlich verstärkten
antidemokratischen Tendenzen. Hinzu kamen separatistische Ansätze. Die 1918 als
Nachfolgeorganisation des bayerischen Zentrums gegründete Bayerische Volkspartei
behielt sich schon 1919 eine Abtrennung Bayerns vom Reich vor. Inflation, Not
und die französische Besetzung des Ruhrgebietes verstärkten dieses Vorhaben. Zum
Ausbruch des Konflikts kam es, als der neue Reichskanzler Gustav Stresemann im
September 1923 den „passiven Widerstand“ der Regierung Cuno abbrach. Diesen
„Verrat“ nahm die bayerische Regierung unter Ministerpräsident Eugen Ritter von
Knilling zum Anlass, den Ausnahmezustand in Bayern zu erklären, die Grundrechte
außer Kraft zu setzen und Gustav Ritter von Kahr zum Generalstaatskommissar zu
ernennen.
Gustav von
Kahr versuchte gemeinsam mit Otto von Lossow – dem bayerischen Landeskommandeur
der Reichswehr – und Hans Ritter von Seißer – dem Kommandeur der bayerischen
Polizei –, seine republikfeindlichen Pläne in Angriff zu nehmen. Von der
„bayerischen Ordnungszelle“ aus sollte in Berlin eine nationale Diktatur
ausgerufen werden. Der Stellvertreter von Kahrs, Freiherr von und zu Aufseß,
drückte diese Intentionen am 20. Oktober 1923 in folgenden Worten
aus:
„Es heißt für
uns nicht: Los von Berlin! Wir sind keine Separatisten. Es heißt für uns: Auf
nach Berlin! Wir sind seit zwei Monaten von Berlin in einer unerhörten Weise
belogen worden. Das ist auch nicht anders zu erwarten von dieser Judenregierung,
an deren Spitze ein Matratzeningenieur [Anm.: damit ist Ebert gemeint] steht.
Ich habe seinerzeit gesagt: In Berlin ist alles verebert und versaut, und ich
halte das auch heute noch aufrecht.“
– Freiherr von
und zu Aufseß
Zum Eklat kam
es am 18. Oktober. Nach einem Artikel gegen Friedrich Ebert und Hans von Seeckt,
den Chef der Heeresleitung, forderte Reichswehrminister Otto Geßler das Verbot
des NSDAP-Sprachrohrs Völkischer Beobachter. Otto von Lossow, Kommandeur der
bayerischen Reichswehrdivision, erhielt den Auftrag, dieses Verbot
durchzusetzen. Dieser verweigerte jedoch die Ausführung des Befehls und wurde
seines Amtes enthoben. Daraufhin unterstellte er die bayerische Division seinem
alleinigen Kommando und vereidigte sie auf Bayern und seine Regierung. Damit war
der offene Bruch mit der Weimarer Republik
vollzogen.
Der
Putsch
Hitler hatte
den Putsch bereits für den 29. September 1923 geplant, wartete dann aber die
turbulenten Entwicklungen in Bayern ab. Er wollte die neue Situation ausnutzen
und die bayerische Regierung zum Sturz der Reichsregierung veranlassen. Am 30.
Oktober 1923 rief er – ergebnislos – im Münchner Zirkus Krone zum Aufstand auf.
Eine passende Gelegenheit bot sich, als Gustav Ritter von Kahr in Anwesenheit
von Lossows, von Seißers und zahlreicher Prominenter aus verschiedenen
nationalistischen Lagern zur Vorbereitung seiner Putschpläne im Bürgerbräukeller
am 8. November 1923 über die Ziele seiner Politik sprechen wollte. Kahr begann
in dem vollbesetzten Bürgerbräukeller um etwa 20 Uhr mit seiner
Rede.
Etwa 30
Minuten nach Beginn betrat Hitler in Begleitung Hermann Görings sowie weiterer
Nationalsozialisten vom Vestibül aus den Saal, feuerte einen Revolverschuss in
die Decke, um die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu erlangen, warnte, das
Versammlungslokal sei von der SA umstellt, und verkündete, die „nationale
Revolution“ sei ausgebrochen. Er bat das Triumvirat – von Kahr, von Lossow, von
Seißer – und den mittlerweile herbeigeholten General der Infanterie und
ehemaligen Ersten Generalquartiermeister Erich Ludendorff in einen Nebenraum,
während Göring eine Rede hielt. Unterdessen brachte Hitler von Kahr, von Lossow
und von Seißer – nach späteren Aussagen mittels Erpressung – auf seine Seite.
Hitlers Ziel war ein sofortiger Aufstand, wozu das Triumvirat ihm seine
Unterstützung zusagte. Zurück im Saal, baten die drei die Anwesenden, Hitlers
Staatsstreich zu unterstützen. Die von Hermann Esser entworfene Proklamation der
Putschisten lautete:
Flugblatt
der
Hitler-Ludendorff-Putschisten
Proklamation
an das deutsche Volk!
Die Regierung
der November-
verbrecher in Berlin ist heute für
abgesetzt erklärt
worden.
Eine
provisorische deutsche
Nationalregierung
ist gebildet
worden, diese besteht aus
Gen. Ludendorff
Ad. Hitler, Gen. v.
Lossow
Obst. v. Seisser
„Proklamation
an das deutsche Volk! Die Regierung der Novemberverbrecher in Berlin ist heute
für abgesetzt erklärt worden. Eine provisorische deutsche Nationalregierung ist
gebildet worden, diese besteht aus General Ludendorff, Adolf Hitler, General von
Lossow, Oberst von Seißer.“
Nach dem
Vorbild des „Marsch auf Rom“ der italienischen Faschisten um Benito Mussolini
sollten die in Bayern stehenden Reichswehrverbände zusammen mit
antidemokratischen Wehrverbänden nach Berlin marschieren und dort die Macht im
Deutschen Reich übernehmen.
Inzwischen
besetzte nach 22 Uhr Ernst Röhm, vom Löwenbräukeller kommend, mit einem
Sonderkommando das ehemalige Kriegsministerium, nunmehr Wehrkreiskommando und
Amtssitz von Lossows in der Schönfeldstraße. Die dortige Wache leistete keinen
Widerstand, als Röhm erklärte, er habe den Auftrag, eine Ehrenwache für
Ludendorff und Lossow bereitzustellen.
Um 2:55 Uhr
nachts widerrief Gustav von Kahr im Rundfunk seine Zusage. Er erklärte die ihm,
Lossow und Seißer „mit vorgehaltener Pistole abgepreßten Erklärungen“ für null
und nichtig sowie die NSDAP und die Bünde Oberland und Reichskriegsflagge für
aufgelöst. Oberamtmann Wilhelm Frick wurde als Erster
verhaftet.
Der
Marsch
Dennoch
verkündeten am Freitagmorgen, 9. November 1923, in München zahlreiche Plakate
und Redner wie Julius Streicher und Helmuth Klotz den Sieg ihrer Bewegung.
Selbst am Neuen Rathaus hing am Balkon eine riesige schwarz-weiß-rote Flagge.
Julius Schaub nahm mit einem Stoßtrupp neun sozialistische Stadträte als Geiseln
gefangen. Sie wurden in den Bürgerbräukeller gesperrt. Dessen ungeachtet rückten
mit Panzern verstärkte Verbände der Reichswehr und der Landespolizei gegen das
Wehrkreiskommando vor, das Ernst Röhm mit 400 Putschisten vom Bund
Reichskriegsflagge besetzt hatte. Bei einem Schusswechsel wurden zwei Soldaten
der Reichswehr verwundet, während die Putschisten Martin Faust und Theodor
Casella als erste der Aufrührer zu Tode kamen. Vermittler versuchten Röhm zur
Kapitulation zu überreden, er stimmte aber nur um 11:45 Uhr einem
Waffenstillstand für zwei Stunden zu.
Um 12 Uhr
marschierten Hitlers Anhänger unter seiner und Ludendorffs Führung vom
Bürgerbräukeller ab. General Ludendorff, der ebenso wie Hitler in Zivil ging und
einen Hut trug, hatte das Kommando übernommen.
Ludendorff
führte die Putschisten vom Bürgerbräukeller über die Ludwigsbrücke. Dort
entwaffneten sie eine 30 Mann starke Abteilung der Landespolizei und
marschierten weiter zum Marienplatz. Anschließend bog die Kolonne in die
Weinstraße ein und zog dann durch die Theatinerstraße Richtung Odeonsplatz.
Nördlich vom Odeonsplatz lagen das Kriegsministerium und das Wehrkreiskommando,
wo sich Röhm verschanzt hatte. Der Kommandant der Landespolizei in der Residenz,
Michael Freiherr von Godin, erhielt auf eine telefonische Anfrage durch Seißer
den Befehl, das Heraustreten der Hitlertruppen auf den Odeonsplatz müsse mit
allen Machtmitteln gestoppt werden.
Godin riegelte
daraufhin mit seinen 130 Mann, die mit einer Kanone und Maschinengewehren
bewaffnet waren, den Odeonsplatz ab. Als der Zug in Sichtweite kam, ließ
Ludendorff die Marschierer rechts in die kurze Perusastraße einschwenken und
gleich danach links in die Residenzstraße abbiegen. In Zehner- bis
Sechzehnerreihen bewegte sich der Zug, Die Wacht am Rhein und O Deutschland hoch
in Ehren singend, voran in Richtung Feldherrnhalle und durchbrach die
Absperrkette des 1. Zuges in der Residenzstraße.
Es war 12:45
Uhr, als unter ungeklärten Umständen Schüsse fielen. Dabei wurden der Kommandant
des 1. Zuges der Landespolizei, Oberwachtmeister Friedrich Fink, sowie
Unterwachtmeister Nikolaus Hollweg getötet. Das Feuer der Polizisten tötete als
einen der ersten Max Erwin von Scheubner-Richter, der den eingehakten Hitler mit
sich zu Boden riss. Ulrich Graf stellte sich vor Hitler und stürzte, von elf
Kugeln getroffen, auf Hitler und Scheubner-Richter. Hermann Göring wurde in den
Schenkel und in die Lende getroffen.
Die
Putschisten warfen sich zu Boden, während die zahlreichen Zuschauer flüchteten.
Die ganze Aktion dauerte weniger als eine Minute. Dabei wurden vier Polizisten
und ein Passant getötet. Sechzehn Putschisten wurden erschossen. Unter den
Getöteten waren folgende Berufsgruppen vertreten: vier Kaufleute (darunter Klaus
von Pape und Oskar Körner), drei Bankbeamte, ein Hutmacher, ein Oberkellner, ein
Schlosser, ein Student, ein Diener (Kurt Neubauer), ein Rittmeister, ein
Oberlandesgerichtsrat (Theodor von der Pfordten), ein Ingenieur sowie der
Diplomat und Mitinitiator Max Erwin von
Scheubner-Richter.
Pater Rupert
Mayer gab den Sterbenden auf dem Odeonsplatz die letzten Sakramente und sprach
mit den Verwundeten. Zahlreiche Schwerverwundete wurden in die
Universitätsklinik eingeliefert, wo sie unter der Leitung von Ferdinand
Sauerbruch operiert wurden. Ludendorff, der unverletzt geblieben war, wurde am
gleichen Tag verhaftet.
Hitler entkam
durch Flucht mit Hilfe eines Sanitätsautos, „die wenige Jahre später von ihm
selbst verbreitete Legende, er habe ein hilfloses Kind aus dem Feuer getragen,
ist schon vom Ludendorff-Kreis widerlegt worden, ehe er selbst davon Abstand
nahm.“
Bei dem Kind handelte es sich um den
10-jährigen Knaben Gottfried Mayr, der eine Schusswunde am Oberarm erhalten
hatte und dem Hitlers Gefolgsmann Dr. Walter Schultze Erste Hilfe leistete.
Hitler versteckte sich in Uffing am Staffelsee im Landhaus von Ernst
Hanfstaengl, wurde jedoch einige Tage später ebenfalls in Haft genommen. Die
NSDAP wurde im ganzen Deutschen Reich verboten.
Getötete
Putschisten
Felix
Allfarth
Andreas
Bauriedl
Theodor
Casella
William
Ehrlich
Martin
Faust
Anton
Hechenberger
Oskar
Körner
Karl
Kuhn
Karl
Laforce
Kurt
Neubauer
Klaus von
Pape
Theodor von
der Pfordten
Johann
Rickmers
Max Erwin von
Scheubner-Richter
Lorenz Ritter
von Stransky-Griffenfeld
Wilhelm
Wolf
Getötete
bayerische Polizisten
Friedrich
Fink
Nikolaus
Hollweg
Rudolf
Schraut
Max
Schobert
Prozess und
Urteil
Hitler stand
ab Frühjahr 1924 unter Hochverratsanklage vor dem Volksgericht in München.
Allerdings gelang es ihm, sich im Laufe des folgenden „Hitler-Prozesses“
aufgrund seiner rhetorischen Fähigkeiten vom Angeklagten zum Ankläger
hochzustilisieren. Dabei deutete er unter anderem das Ereignis und Gedenken der
Kriegsniederlage zum „eigentlichen Hochverrat“ um, und instrumentalisierte es in
seinem Sinn als „Aufruf zum Putsch und Auflehnung gegen die Landesverräter“.
Mit der
Begründung, dass bei einem Mann, „der so deutsch denkt und fühlt wie Hitler“ und
der sich durch „rein vaterländischen Geist und edelsten Willen“ auszeichne, das
Motiv des Verrats nicht aufrecht erhalten werden könne, wurde es vom Gericht
ausdrücklich abgelehnt, Hitler als verurteilten Ausländer nach Verbüßung seiner
Haftstrafe aus Deutschland auszuweisen, wie es § 9 des
Republikschutzgesetzes zwingend vorsah. Hitler wurde zu fünf Jahren Festungshaft
verurteilt, mit der Möglichkeit der vorzeitigen Entlassung schon nach sechs
Monaten.
In der Festung
Landsberg diktierte Hitler seinen damaligen Mithäftlingen Emil Maurice und
Rudolf Heß Teile des ersten Bandes seines Buches Mein Kampf. Nach neun Monaten
wurde Hitler Ende 1924 „wegen guter Führung“ vorzeitig unter Auflagen aus der
Haft entlassen.
In einem
Gutachten war der Münchner Vize-Polizeipräsident Friedrich Tenner zur folgenden,
vom Gericht nicht berücksichtigten Einschätzung gelangt: „Hitler […] ist heute
die Seele der ganzen völkischen Bewegung. Er wird grosse Massen […] seiner Idee
der NSDAP zuführen.“
Ludendorff
stand ebenfalls in München vor Gericht, wurde jedoch (aufgrund seiner Verdienste
im Ersten Weltkrieg) freigesprochen.
Untersuchungsausschuss
Am 31. Juli
1924 setzte der Bayerische Landtag einen Untersuchungsausschuss zur
„Untersuchung der Vorgänge vom 1. Mai 1923 in München und der gegen Reichs- und
Landesverfassung gerichteten Bestrebungen in Bayern vom 26. September
(Einsetzung des Generalstaatskommissars Gustav von Kahr bis 9. November 1923)“
ein, welcher am 27. April 1928 seinen Abschlussbericht vorlegte.
Gedenktag für
die Bewegung
Nach der
Machtübernahme stilisierte die NS-Propaganda den Putschversuch in eine heroische
Niederlage um und gedachte in aufwendig inszenierten jährlichen Totenfeiern in
München der dabei Umgekommenen als „Gefallener“ und „Opfer“ Deutschlands
(darunter Max Erwin von Scheubner-Richter) und der „Blutzeugen der
Bewegung“.
„Aus dieser
ganzen Not ist unsere Bewegung entstanden, und sie hat daher auch schwere
Entschlüsse fassen müssen vom ersten Tage an. Und einer dieser Entschlüsse war
der Entschluss zur Revolte vom 8./9. November 1923. Dieser Entschluss ist damals
scheinbar misslungen, allein, aus den Opfern ist doch erst recht die Rettung
Deutschlands gekommen.“
– Adolf
Hitler: Rede vom 9. November 1939 im
Bürgerbräukeller
Hitler widmete
diesen 16 Umgekommenen, er nennt sie Blutzeugen, den ersten Band seines Buches
Mein Kampf. Der später von Hitler allen Beteiligten verliehene „Blutorden“ war
beim Zeitpunkt der Stiftung die höchste Parteiauszeichnung der NSDAP. Die so
genannte Blutfahne wurde von 1926 an auf den Parteitagen zur mythisch überhöhten
Weihe der Parteifahnen und SS-Standarten verwendet.
Am 1. März
1939 erklärte Hitler den 9. November als Gedenktag für die Bewegung zum
staatlichen Feiertag.
Am Münchner
Königsplatz wurden nach der Machtergreifung zwei Ehrentempel für die 16
getöteten Putschisten errichtet, deren sterbliche Überreste dorthin umgebettet
wurden. Nach dem Einmarsch der Amerikaner wurden diese Bauten gesprengt; heute
sind nur noch die Sockel übrig.
An der
Feldherrnhalle wurde eine Tafel angebracht, vor der ständig ein Doppelposten
Ehrenwache hielt und die von den Passanten mit dem Hitlergruß zu ehren war
(siehe auch: Drückebergergasse). 1945 wurde diese Tafel entfernt; seit 1993
erinnert eine andere Tafel an die vier getöteten
Polizisten.
Im Rahmen der
Gedenkfeiern kam es zu zwei Attentaten auf Hitler. Am 9. November 1938 durch den
Schweizer Maurice Bavaud beim Gedenkmarsch zur Münchner Feldherrnhalle und am 8.
November 1939 durch den Handwerker Georg Elser im Münchener
Bürgerbräukeller.
Blutfahne
(NSDAP)
Den bereits im
Heiligen Römischen Reich verwendete Begriff der Blutfahne vereinnahmte die NSDAP
für ihre Parteirituale. Blutfahne war nun die offizielle Bezeichnung für jenes
Exemplar der Hakenkreuzflagge, das beim versuchten Hitler-Putsch gegen die
Reichsregierung, dem von den Nationalsozialisten so genannten Marsch auf die
Feldherrnhalle in München am 9. November 1923, von den Anhängern Hitlers
mitgeführt wurde. Sie wurde zum Kultgegenstand der NSDAP
gemacht.
Entstehung
Bei einem
Propagandamarsch durch die Münchener Innenstadt, angeführt von Hitler und
Ludendorff, kam es in der Residenzstraße vor der Feldherrnhalle zu einem
Schusswechsel mit der bayerischen Polizei, bei dem 16 Nationalsozialisten, vier
Polizisten und ein unbeteiligter Passant starben. Angeblich tränkte das Blut der
dabei erschossenen SA-Männer Andreas Bauriedl, Anton Hechenberger und Lorenz
Ritter von Stransky-Griffenfeld eine Hakenkreuzfahne, die von Heinrich Wilhelm
Trambauer getragen wurde. Dieser flüchtete nach dem Gefecht in das Haus eines
Bekannten. Trambauer versteckte die Fahne bis zu Hitlers Haftentlassung 1924,
danach übergab er sie Hitler. Die Fahne erhielt eine neue Stange und Spitze,
sowie eine Plakette, auf der die Namen der getöteten SA-Männer eingraviert
waren.
Am 4. Juli
1926 wurde die Blutfahne von Hitler dem SS-Reichsführer Joseph Berchtold
überreicht und diesem zur Verwahrung anvertraut. Dieser musste sich und seine
Organisation, die SS organisatorisch der Obersten SA-Führung
unterstellen.
Nutzung als
Reliquie
Mit der
Blutfahne wurden in Anlehnung an mittelalterliche Traditionen ab 1926 auf allen
Parteitagen durch Berührung alle Parteifahnen und SS-Standarten „geweiht“.
Zwischen den Parteitagen wurde die Reliquie zur Erinnerung an die „Blutzeugen“
bis 1931 im „Ehrensaal der SA“ in der Geschäftsstelle der NSDAP in München
aufbewahrt, danach in der „Fahnenhalle“ des Braunen Hauses. Bei sämtlichen
Zeremonien und Paraden wurde die Blutfahne grundsätzlich von Jakob Grimminger,
der Teilnehmer am Münchner Putsch vom 9. November 1923 war und zuletzt mit dem
Dienstgrad eines „SS-Standartenführers“ zum offiziellen Träger der Blutfahne
ernannt wurde, oder Heinrich Wilhelm Trambauer (gest. 1942)
getragen.
Die Blutfahne
wurde nicht, wie oft behauptet, zum letzten Mal in der Öffentlichkeit bei der
Beisetzung von Adolf Wagner, dem Gauleiter von München-Oberbayern im April 1944
gesehen. Das letzte Mal in der Öffentlichkeit wurde die Fahne bei der
Einberufungszeremonie des Volkssturmes am 18. Oktober 1944 eingesetzt. Die
Zeremonie wurde von Heinrich Himmler durchgeführt, anwesend waren unter anderem
Keitel, Guderian, Lammers und Bormann. Anschließend wurde die Fahne sehr
wahrscheinlich in das Hauptquartier der NSDAP, dem Braunen Haus, in München
verbracht und befindet sich heute vermutlich in der Hand eines privaten Sammlers
in Norddeutschland, oder ist bei einem Bombenangriff der Alliierten zerstört
worden.
Die
Sturmabteilung (kurz SA) war die paramilitärische Kampforganisation der NSDAP
während der Weimarer Republik und spielte als Ordnertruppe eine entscheidende
Rolle beim Aufstieg der Nationalsozialisten, indem sie deren Versammlungen vor
Gruppen politischer Gegner mit Gewalt abschirmte, bzw. deren Veranstaltungen
massiv behinderte.
Nach der
NS-Machtergreifung wurde die SA von Hermann Göring, dem Reichskommissar für das
preußische Innenministerium und damit Dienstherr der preußischen Polizei,
kurzzeitig auch als staatliche „Hilfspolizei“ eingesetzt. Nach dem Sommer 1934,
als SS-Einheiten die SA-Führungsspitze ermordet hatten (siehe Röhm-Putsch),
verlor sie in der weiteren Zeit des Nationalsozialismus sehr stark an Bedeutung.
Nach der Kapitulation des Deutschen Reiches 1945 wurde sie wie NSDAP und SS mit
dem Kontrollratsgesetz Nr. 2 verboten und
aufgelöst.
Geschichte
Namenswandel
Die erste
Ordnertruppe der NSDAP wurde 1920 als Saalschutz (kurz S.S.) zunehmend in
Saalschlachten eingesetzt und bestand vor allem aus Angehörigen verschiedener
Freikorps sowie einigen Angehörigen der Bayerischen
Reichswehr.
Aus diesem
Saalschutz entwickelte sich über mehreren Schritten die spätere Sturmabteilung
(kurz S.A.) als reine Schlägertruppe für provozierte Zusammenstöße mit
linksgerichteten Parteien, die vielfach in brutalen Straßenkämpfen
ausarteten.
Nachdem der
Freikorpsführer Hermann Ehrhardt noch 1920 Adolf Hitler die Zusammenarbeit
aufgekündigt hatte (Auslöser war die Weigerung Hitlers, Ehrhardt bei dem
bewaffneten Widerstand der Ruhrbesetzung zu unterstützen) und aus diesem Grund
die Gruppe Ehrhardt aus der NSDAP zurückzog, wurde von Hitler eine neue
Schutztruppe der Parteiführung namens Sturm-Staffel aufgestellt, deren Abkürzung
auch wieder SS lautete und die aus wenigen in der NSDAP verbliebenden
Freikorps-Angehörigen bestand. Diese Sturm-Staffel übernahm die Funktion der
parteiinternen Ordnertruppe. Aus besonders aggressiven Angehörigen dieser
Sturm-Staffel formierte Adolf Hitler seine persönliche Leibwache, den Stoßtrupp
Adolf Hitler.
Nach einer
besonders brutal geführten Saalschlacht der Nationalsozialisten mit Angehörigen
der KPD wurden die Angehörigen dieser Sturm-Staffel und das noch namenslose Gros
der uniformierten Freikorps- und Schlägertruppen, mit Ausnahme des Stoßtrupps
Adolf Hitler, am 4. November 1921 von Hitler offiziell in Sturmabteilung
umbenannt. Diese waren zuvor unter den Namen Box- und Sportabteilung der NSDAP
aufgetreten.
Nach der sog.
Machtergreifung 1933 waren nur noch die Kurzbezeichnungen (Akronyme) „SA“ und
„SS“ in Gebrauch, die bis zur Ausschaltung der SA-Führung 1934 als nominell
separate Organisationen bestanden.
Von den
Anfängen in den Zwanzigerjahren bis zur
Reichstagsbrandverordnung
Dank Ernst
Röhms Kontakten zum bayerischen Militär stellten Angehörige der
Minenwerfer-Kompanie 19 den ersten Saalschutz der Partei. Unter ihrem
Kommandanten, Hauptmann Julius Schreck sollten sie für Ruhe bei
Parteiveranstaltungen sorgen.
Aus dieser
Kompanie bezog Röhm die ersten Mitglieder des parteieigenen Ordnungsdienstes; es
fehlten ihm aber erfahrene Kommandanten. Diese fand er in der ehemaligen
Marine-Brigade Ehrhardt, die im April 1920 offiziell aufgelöst worden war. Am 3.
August 1921 wurde Hermann Ehrhardt von Röhm als erster Führer des
NSDAP-Versammlungsschutzes eingesetzt - Ehrhardt delegierte diese Aufgabe jedoch
am 8. August an den Leutnant Hans Ulrich Klintzsch.
Am 4. November
1921, anlässlich einer öffentlichen Großveranstaltung im Münchner Hofbräuhaus,
die von den Nazis als „Saalschlacht“ bezeichnet wurde, bekam der
NSDAP-Versammlungsschutz offiziell den Namen „Sturmabteilung“ verliehen. Die SA
sollte nun die offiziellen Versammlungen der NSDAP schützen und überwachen; sie
entwickelte sich aber auch zu einem Kampfverband zur Einschüchterung der
politischen Gegner. Sie wurde militärisch durch die Bayerische Armee
(insbesondere durch das Pionierbataillon 7 und das Infanterie-Regiment 19)
ausgebildet, sah sich selbst als so genannten „Wehrverband“ und wurde auch von
der bayerischen Regierung in eventuelle Mobilmachungspläne voll
eingebunden.
Die Münchner
SA umfasste bereits 1923 rund 1150 Mann und verfügte über
Artilleriehundertschaften und Kavalleriezüge. Ihre Kommandanten legten sich
ebenfalls militärische Bezeichnungen wie Gewehr- oder Geschützführer zu.
Am 9. November
1923 beteiligten sich auch die rund 2000 Mitglieder der SA unter ihrem
militärischen Führer Hermann Göring am Hitler-Ludendorff-Putsch. Bei diesem
Putschversuch wurden 16 NSDAP-Mitglieder (darunter fünf Stoßtrupp-Männer) von
der Münchner Polizei und dem Militär erschossen; die Partei hatte damit ihre
ersten „Blutzeugen“. Nach dem Putsch übertrug Friedrich Ebert dem Chef der
Reichswehr – Hans von Seeckt – die vollziehende Gewalt. Dieser erließ am 23.
November ein Verbot der NSDAP und auch der KPD. Zur Umgehung dieses Verbots
wurde die SA von April 1924 bis Februar 1925 als Frontbann
bezeichnet.
Nach der
Neugründung der Partei im Februar 1925 wurde die SA unter Franz Pfeffer von
Salomon wieder aufgestellt. Ernst Röhm fragte am 30. April bei Hitler an, ob die
SA sich wieder als „Wehrverband“ der Partei sehen dürfe, erhielt jedoch vier
Wochen später folgende Absage: Eine neue Wehrbewegung gedenkt Herr Hitler nicht
aufzuziehen, wenn er es seinerzeit tat, so nur auf Veranlassung der Herren, die
ihn nachher im Stich ließen. Heute braucht er lediglich einen Saalschutz, wie
vor dem Jahre 1923.
Die
Hauptaufgaben der SA bestanden nun nach Hitlers Willen in Aufmärschen und
„zivilen“ gewalttätigen Übergriffen gegen politische Gegner. Dazu gehörten in
erster Linie Mitglieder der KPD und der SPD, die in Straßen- und Saalschlachten
mit dem kommunistischen Roten Frontkämpferbund und dem sozialdemokratisch
geprägten republikanischen Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold bekämpft wurden, aber
auch Juden sowie christliche Gruppierungen wie die
Kolpingjugend.
In der
folgenden Zeit wurde die SA von Pfeffer von Salomon und Ernst Röhm (nach seiner
Rückkehr 1930) zu einer schlagkräftigen und straff gegliederten Organisation
geformt. Das Anwachsen der SA wurde durch Wirtschaftskrise und Wahlerfolge der
NSDAP begünstigt. 1930 hatte die SA zeitweise 60.000 bis 80.000 Mitglieder und
1932 bereits etwa 220.000 eingetragene Mitglieder.
Ein wegen der
Terrorwelle im April 1932 vom Reichskanzler Heinrich Brüning ausgesprochenes
Verbot der SA wurde bereits im Juni von Brünings Nachfolger Franz von Papen
wieder aufgehoben. Im Vorfeld der Reichstagswahl Juli 1932 gab es
bürgerkriegsähnliche Zustände mit insgesamt etwa 300 Toten und über 1100
Verletzten, woran die SA maßgeblich beteiligt war.
Die Ernennung
Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 feierte die inzwischen auf
über 400.000 Mitglieder angewachsene SA mit einem nächtlichen Fackelzug, vom
Großen Stern in Berlin kommend durch das Brandenburger Tor zur Reichskanzlei in
der Wilhelmstraße.
Viele
SA-Männer erwarteten die sofortige Machtübernahme im Stile eines gewaltsamen
Putsches. Bereits im Herbst 1931 waren die Boxheimer Dokumente mit Plänen für
einen Staatsstreich der SA an die Öffentlichkeit
gelangt.
Doch die
Führung der Nationalsozialisten scheute die Option eines gewaltsamen Putsches
der SA, der zu diesem Zeitpunkt einen Bürgerkrieg gegen den Roten
Frontkämpferbund und das Reichsbanner mit unklarem Ausgang bedeutet hätte. Ob
die Reichswehr und vor allem die preußische Polizei, die während der Weimarer
Republik unter starkem sozialdemokratischen Einfluss gestanden hatte, sich
geschlossen den Anweisungen der neuen Regierung fügen würden, war ebenfalls
nicht sicher. Die SA verblieb aktiv. Unmittelbar nach dem 30. Januar 1933 fielen
der SA allein in Berlin mehrere Menschen zum Opfer und viele wurden verletzt.
SA-Trupps organisierten auf eigene Faust Hausdurchsuchungen und
Verhaftungen.
Am 22. Februar
1933 wurde durch den kommissarischen preußischen Innenminister Hermann Göring
die preußische Hilfspolizei gegründet. Sie rekrutierte sich vornehmlich aus den
Reihen der SA, die damit in den staatlichen Machtapparat eingebunden wurde. Die
SA konnte nun mit staatlicher Autorität und umfassenden Zuständigkeiten
operieren, was einerseits ihr Handlungsbedürfnis befriedigte, es andererseits
zugleich auch kanalisierte. Zusätzlich veranlasste die massive Präsenz der SA
die regulären Polizeikräfte, sich den neuen Machthabern anzupassen. Es wird
geschätzt, dass allein in Berlin etwa 3000 bis 5000 SA-Männer zu Hilfspolizisten
ernannt wurden.
In diesem
Zusammenhang trat die SA-Feldpolizei, deren Stammsitz in der Berliner
General-Pape-Straße war, in Erscheinung. Während diese Sondereinheit der
SA-Führung anfangs zur Verfolgung und Inhaftierung von Regimegegnern eingesetzt
wurde, erhielt sie später zunehmend innerorganisatorische Ordnungsaufgaben, die
sie unter ihrer neuen Bezeichnung SA-Feldjägerkorps bis 1935 ausübte. Die
preußische Hilfspolizei wurde hingegen bereits Anfang August 1933 wieder
aufgelöst.
Die
„Reichstagsbrandverordnung“ wurde unmittelbar nach dem Reichstagsbrand in der
Nacht auf den 28. Februar 1933, einige Tage vor der Reichstagswahl 1933
erlassen. Damit wurden die Grundrechte der Weimarer Verfassung praktisch außer
Kraft gesetzt und der Weg für die legalisierte Verfolgung politischer Gegner der
NSDAP durch Polizei und SA bereitet.
Hitlers
Doppelspiel
Für Hitler war
die SA gerade wegen des Terrors, den sie ausübte, in der ersten Phase der
Machtübernahme extrem nützlich. Einerseits konnte er mit ihrer Hilfe seine
Gegner einschüchtern und terrorisieren, andererseits konnte er sich bei den
Konservativen als die einzige Person darstellen, die in der Lage war, die SA zu
bändigen. Je nach Umständen drohte er implizit damit, der SA wirklich freie Hand
zu lassen, oder versprach, mäßigend auf sie einzuwirken. Mit dieser Taktik
brachte er die Konservativen dazu, dem Terror zuzustimmen und ihn auch noch
dafür zu belohnen, dass er den Terror auf einem „erträglichen Niveau“
hielt.
„Röhm-Putsch“
1934
Nachdem Adolf
Hitler auch dank der SA im Laufe des Jahres 1933 seine Macht immer weiter
gesichert hatte, entzog er ihr im Sommer 1934 die Gunst. Am 30. Juni 1934
besuchte Hitler Röhm an dessen Urlaubsort Bad Wiessee. Er beschuldigte ihn,
Putschpläne zu hegen, und machte ihm seine Homosexualität zum Vorwurf. In der
Parteiführung war es ein offenes Geheimnis, dass Röhm und Teile seiner Umgebung
homosexuelle Neigungen hatten. Zeitungen hatten diese Information auch schon vor
1933 verbreitet, wie zum Beispiel Fritz Gerlichs „Der gerade Weg“. Das gespielte
Entsetzen Hitlers über die erst nach dem „Röhm-Putsch“ offiziell bekannt
gegebene Homosexualität Röhms kommentierte ein politischer Witz sinngemäß: „Wie
entsetzt wird Hitler erst sein, wenn er merkt, dass Göring dick ist und Goebbels
einen Klumpfuß hat?“ Röhm und seine engsten Gefolgsleute (wie auch andere
unbequem gewordene Personen) wurden verhaftet und später ermordet. Es gibt bis
heute keine Hinweise darauf, dass ein Putsch durch Röhm ernsthaft geplant war
oder unmittelbar bevorstand. Ermordet wurden neben Röhm unter anderem
SA-Obergruppenführer Heines, der vorherige Reichskanzler Kurt von Schleicher mit
seiner Frau, Gustav von Kahr und Gregor Strasser.
Die
Liquidierung hatte für Hitler mehrere Vorteile:
Mit der
Ruhigstellung der Sturmabteilung präsentierte er sich dem Ausland und dem
deutschen Bürgertum als rechtschaffener Staatsmann.
Mit der
Beseitigung der paramilitärischen Konkurrenz verschaffte er sich das Vertrauen
der Reichswehrgeneräle.
Mit der
Entmachtung der vornehmlich aus Arbeitslosen und Kleinbürgern bestehenden SA
stieg Hitler in der Gunst der deutschen Groß- und Schwerindustrie weiter auf.
Durch die
Enthauptung der zwischenzeitlich auf 400.000 Mitglieder angewachsenen SA wurde
eine potentiell gefährliche innerparteiliche Macht neutralisiert.
Die
Kaltstellung der SA ermöglichte es dem Führer der SS, Heinrich Himmler, die
ursprünglich als Leibwache Hitlers konzipierte SS von der Mutterorganisation SA
zu emanzipieren und auch formal als eigenständige Organisation im
Nationalsozialismus zu etablieren. In den folgenden Jahren konnte Himmler der
SS, ihren Untergliederungen (zum Beispiel SD, Waffen-SS) und damit auch sich
selbst eine im NS-Staat fast beispiellose Machtfülle erarbeiten.
Nach
1934
Nach der
Ausschaltung Röhms und seiner Gefolgsleute – nach Schätzungen gab es etwa 130
Tote – wurde die SA nahezu bedeutungslos und diente allenfalls als
Kaderreservoir für Partei und andere
Organisationen.
Als Viktor
Lutze zum neuen Stabschef ernannt wurde, schuf er innerhalb der SA eine
SS-ähnliche Elite-Standarte. Diese trug den Namen SA-Standarte „Feldherrnhalle“.
Sie war eine stehende und bewaffnete Einheit und galt als SA-Gegenstück zu den
Verbänden der SS-Verfügungstruppe.
Zum
landesweiten Einsatz kam die SA nochmals im November 1938 bei den Pogromen gegen
die jüdische Bevölkerung, die als „Reichskristallnacht“ in die Geschichte
eingegangen sind. Auch wurde sie kurz vor Kriegsende als Reservoir für Kämpfer
des Volkssturms genutzt, wobei SA-Angehörige häufig durch Gewalttaten an
Kriegsgefangenen oder Kapitulationswilligen
auffielen.
Hierarchischer
Aufbau
Bis 1926 wurde
der Kommandant der SA als „Oberster SA-Führer“ (OSAF) bezeichnet. Bis dahin galt
die SA als eine von der NSDAP unabhängige nationalsozialistische
Kampforganisation. Ab Herbst 1926 übernahm Adolf Hitler die Führung der SA,
wurde also selbst Oberster SA-Führer. Für den bisherigen Amtsinhaber wurde der
neue Titel SA-Reichsführer eingeführt; dieser stand von da an unter der
Kontrolle der Partei. Mit der Schaffung des SA-Reichsführers wurde das
Gegenstück des obersten SS-Kommandanten gebildet, der nun ebenfalls den Rang
eines Reichsführers trug, aber formal weiterhin dem SA-Reichsführer unterstellt
war.
Mit der
Rückkehr Ernst Röhms in die SA wurde der Rang des Chef des SA-Stabes oder kurz
SA-Stabschef eingeführt. Ernst Röhm war der bekannteste Inhaber diesen Ranges.
Nach seinem Amtsantritt ging er auf Gegenkurs zu Hitler. Röhm wollte die
SA-Kampforganisation erneut der Kontrolle der Partei entziehen. Nach der
Machtergreifung (1933) forderte er die „2. Revolution“ und die Schaffung
eines „NS-Volksheeres“, das die Reichswehr ablösen sollte. Deren Einheiten
sollten sich der SA anschließen, in ihr aufgehen und so das „NS-Volksheer“
bilden.
Hitler, der
damals die Unterstützung der Reichswehr für seine zukünftigen Kriegspläne
brauchte, ließ durch bewusst verfälschte und verbreitete Zitate Röhms den
Eindruck verbreiten, Röhm wolle zu einem Aufstand anstiften. Bei 3,5 Millionen
SA-Angehörigen hätte die Ordnungsmacht (Polizei oder/und Reichswehr) nicht viel
dagegen unternehmen können. Röhm betonte mehrmals intern in Parteikreisen:
„Bedenkt, fast vier Millionen Rabauken stehen hinter mir!“. Auch wenn es nur im
Spaß gesagt war, klang das in den Ohren Hitlers und der Reichswehrführung sehr
bedrohlich.
Verbreitet
wurden diese „Revolutionsgerüchte“ vor allem durch das einstige SA-Oberhaupt
Hermann Göring und den Reichsführer-SS Heinrich Himmler, der damals noch die
Dienstgradabzeichen eines SS-Obergruppenführers
trug.
Himmler
versicherte Röhm schriftlich mehrmals die bedingungslose Treue seiner selbst und
der SS. Ungeachtet dessen wurde die SA-Führung am 30. Juni/1. Juli
1934 durch Angehörige des – allgemein durch seine Brutalität gefürchteten –
SS-Totenkopfwachsturmbannes „Oberbayern“ verhaftet und sofort durch ein
Exekutionskommando der Leibstandarte-SS Adolf Hitler erschossen. Dieses aus den
Angehörigen der ersten zwei Schützenkompanien der Leibstandarte gebildete
Exekutionskommando stand unter dem Befehl Josef „Sepp“
Dietrichs.
Röhm selbst
wurde am 1. Juli durch den Dachauer Kommandeur des Wachsturmbanns „Oberbayern“
Theodor Eicke und dessen Stellvertreter Michel Lippert in Röhms Zelle
erschossen.
Röhms
Nachfolger als Stabschef, Viktor Lutze, wurde im August 1934 als „Reichsleiter
SA“ Adolf Hitler persönlich unterstellt. Er erhielt nun eigene
Dienstgradabzeichen. Nach dem Unfalltod Lutzes im Jahre 1943 wurde Wilhelm
Schepmann Stabschef.
Interne
Gliederung (nach dem Stand von 1934)
Die SA
gliederte sich in 21 Gruppen. Diese Anzahl ist im Verlaufe der folgenden Jahre
im Zusammenhang mit administrativen Notwendigkeiten und der kriegsbedingten
Eroberung neuer Gebiete verändert worden. Jede Gruppe bestand aus mehreren
Brigaden. Die weiteren Untergliederungen (Einheiten und Untereinheiten) waren
Standarte, Sturmbann, Sturm, Trupp und Schar. SA-Mann im weiteren Sinne war die
Bezeichnung für alle Angehörigen der SA. Der SA-Mann kann im speziellen Sinne
sein: SA-Führer (vom Sturmführer einschl. aufwärts), SA-Unterführer (vom
Scharführer einschl. bis Obertruppführer einschl.) und SA-Mann (Rottenführer,
Sturmmann, SA-Mann). Alle noch nicht endgültig eingereihten oder überführten
Angehörigen der SA trugen die Bezeichnung SA-Anwärter. In der Gliederung der SA
war die niedrigste Einheit der Sturm; Trupps und Scharen waren
Untereinheiten.
Außer der
aktiven SA sind als weitere Formationen zu erwähnen: SA-Reserve I und SA-Reserve
II. Im Jahr 1938 wurde die Organisationsstruktur der SA nach rein militärischen
Gesichtspunkten reorganisiert. Bei dieser Reorganisierung fielen die SA-Reserven
I und II weg.
Äußeres,
visuelles Auftreten
Uniformierung
Seit 1924
trugen die Angehörigen der „NS-Kampforganisationen“ das so genannte
„Lettow-Hemd“, benannt nach dem Kommandeur der Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika
Lettow-Vorbeck. Zuvor wurden (1920–1923) die Uniformen getragen, mit denen
ehemalige Soldaten in der SA ausgemustert waren. Mitglieder, die nicht ehemalige
Soldaten waren, legten sich graue Windjacken als Uniformersatz
zu.
Das auch
später offiziell als „Braunhemd“ bezeichnete Parteihemd wurde nur durch Zufall
eingeführt: Der Ende 1923 nach Österreich geflohene Freikorps- und SA-Führer
Gerhard Roßbach konnte einen größeren Posten brauner Hemden erwerben. Diese
waren ursprünglich für die deutsche Schutztruppe in Afrika unter Lettow-Vorbeck
vorgesehen gewesen. Nach seiner Rückkehr führte Roßbach diese Hemden in der SA
ein.
In einem
mündlichen Gespräch mit Georg Franz-Willing, der als Mitarbeiter des Institute
for Historical Review und Holocaustleugner hervorgetreten ist, erklärte Roßbach
hingegen, dass er einen bestimmenden Einfluss auf das Aussehen des Braunhemds
gehabt habe. Auch wird im so genannten „Ehrenbuch der SA“ von 1934 geschildert,
dass das Braunhemd ursprünglich von den „Roßbachabteilungen“ der SA getragen
worden sei und erstmalig am 5. April 1925 Verwendung fand. Es ist somit auch
durchaus denkbar, dass Roßbach sich mit seiner ursprünglichen Aussage einer
„Zufallsentdeckung“ lediglich vom NS-Regime distanzieren wollte. Die Uniform
musste von jedem SA-Mann selbst erworben werden, weswegen man auf (vor allem
frühen) Bildern häufig unvollständig ausgerüstete SA-Mitglieder
sieht.
Am linken Arm
wurde die „Kampfbinde“, ein rotes Band mit schwarzem Hakenkreuz in einem weißen
Kreis, getragen.
Über die
propagandistische Wirkung der Braunhemden in der Öffentlichkeit waren sich die
SA-Leute durchaus bewusst. Als im Jahre 1930 in Bayern und Preußen das
öffentliche Tragen des Braunhemdes verboten wurde, wich die SA-Führung in einer
Blitzaktion auf das Tragen von weißen Hemden aus, ohne sich ansonsten in ihren
Aktivitäten weiter stören zu lassen, was die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit
auf die SA nur noch weiter verstärkte. Nach Ablauf des Verbotes kehrte man zum
Tragen des Braunhemdes zurück.
1932 bekam die
Firma Hugo Boss von der NSDAP-Parteileitung den Auftrag, standardisierte
Uniformen für die NS-Organisationen zu entwerfen. Mit Ausnahme der SS wurden bei
allen Parteiorganisationen Uniformen in diversen Brauntönen
eingeführt.
Zum Braunhemd
trugen die SA-Männer einen braunen Binder, braune Breecheshosen und Stiefel (in
seltenen Fällen und vorwiegend durch höhere Führer zu festlichen Anlässen auch
„normale lange Hosen“ und eine Uniformjacke in militärischem Schnitt, ebenfalls
mit brauner Grundfarbe). Typisch war die SA-Mütze, eine Schaftmütze mit brauner
Grundfarbe, ursprünglich weich und einfarbig braun mit Lederschirm und
Sturmriemen. Ab August 1929 erhielt die SA-Mütze einen steifen Korpus, aus
dessen oberem farbigen Besatz die territoriale Zugehörigkeit des SA-Mannes (Gau-
und Gebietsgliederung) erkennbar war. Silberne Litzen in verschiedener Breite
deuteten darüber hinaus auf die Dienststellung des Trägers
hin.
Die
Rangabzeichen wurden auf dem linken, vom Standartenführer aufwärts auf beiden
Kragenspiegeln getragen, deren Grundfarbe mit dem farbigen Randbesatz der
SA-Mütze übereinstimmte. Um den Kragen des Braunhemdes verlief bei diesen
Rangstufen eine silberne, gedrehte Schnur. Die Nummern auf dem rechten Spiegel
bezeichnen den SA-Sturm und die Standarte, zum Beispiel: 1/5 bedeutet Sturm 1
der Standarte 5. Die Mitglieder vom Stab führten nur die Nummer der Standarte,
zum Beispiel 5 oder des Sturmbanns, zum Beispiel III/5. Auf der rechten Schulter
wurden Achselstücke getragen in Zweifarbenschnur, Silber und Gold. Sofern der
SA-Mann auch Mitglied der NSDAP war (was zwar nicht selbstverständlich, bei
höheren SA-Führern aber Voraussetzung für ihre Dienststellung war), wurde auf
dem braunen Binder „auf der Höhe der Brustwarzen“ ein Parteiabzeichen der NSDAP
getragen.
Zur
Uniformierung gehörten weiterhin ein braunes Lederkoppel, an dem auf der linken
Hüfte der SA-Dolch getragen wurde, mit Koppelschloss und ein
Schulterriemen.
Fahnenkult
Von Anfang an
spielte die Verwendung von Fahnen, vorwiegend mit dem Symbol des Hakenkreuzes,
in der SA als Feldzeichen, aber auch in bloßer Anhäufung als Dekoration
gegenüber der Öffentlichkeit eine bedeutsame Rolle.
Neben so
genannten „Sturmfahnen“, die den jeweiligen „Sturmabteilungen“ übergeben wurden,
führte jede Einheit eine – von Adolf Hitler im Jahr 1922 entworfene –
„SA-Standarte“ als Feldzeichen, die sich in ihrer Gestaltung an alte römische
Vorbilder und Vorbilder aus napoleonischer Zeit anlehnte und die Gegenstand
eines ausgedehnten Fahnenkultes war. Die Standarten besaßen gegebenüber den
„Sturmfahnen“ den Vorteil, dass ihr Abbild unabhängig von den
Witterungsbedingungen immer sichtbar war. Die Aufschrift „DEUTSCHLAND ERWACHE“
entstammte dem Lied „Sturm, Sturm, Sturm“ von Dietrich Eckart. Die ersten vier
Standarten wurden vom Münchener Goldschmied Gar angefertigt und im Januar 1923
auf dem Parteitag in Nürnberg feierlich übergeben. Die umfassende Einführung der
SA-Standarten begann 1926 in Weimar, als Adolf Hitler „mit Treueversprechen“ und
einem mystischen, ans Religiöse grenzenden Zeremoniell die SA-Standarten
übergab.
Auf dem
Parteitag 1927 in Nürnberg wurden weitere 12 SA-Standarten vor ihrer Übergabe an
die Trägereinheiten „feierlich geweiht“. Zu diesem Zweck verwendete man das
Hakenkreuzfahnentuch, das beim Hitlerputsch am 9. November 1923 in München beim
Marsch auf die Feldherrnhalle als Fahne vorausgetragen worden war. Die Fahne
wurde zur „Blutfahne“ erklärt, um die Verbindung mit den ersten „Blutzeugen“ der
Bewegung zu demonstrieren. Ob das Fahnentuch bei dieser Gelegenheit tatsächlich
mit dem Blut von verwundeten oder erschossenen Demonstranten „getränkt“ worden
ist, wird widersprüchlich diskutiert. Mit einem Zipfel dieser „Blutfahne“
berührte Hitler im Verlauf der Fahnenweihe in dunkler Blut-und-Boden-Symbolik
das Fahnentuch jeder neuen Standarte, um „die Kräfte der Märtyrer der Bewegung“
auf die Fahne und dadurch auch auf die von ihr geführte SA-Einheit zu
übertragen.
Altgediente
SA-Männer
Angehörige der
SA, die in der Zeit vom 1. Januar 1925 bis einschließlich 30. Januar 1933 in die
SA eingetreten waren, wurden als „Altgediente SA-Männer“ bezeichnet. Sie trugen
am Ärmelaufschlag beider Unterärmel grausilberne Ärmelstreifen, deren Zahl und
Breite nach dem Eintrittsjahr gegliedert verschieden
war.
Absolventen
der SA-Reichsführerschule bekamen seit den 1930er Jahren die Tyr-Rune
verliehen.
SA-Sportabzeichen
Das
SA-Sportabzeichen wurde geschaffen, um auch in den Reihen der „unpolitischen“
Sportler eine engere Anknüpfung an das nationalsozialistische Gedankengut zu
schaffen.
Dienstränge
Gliederung,
Abzeichen und Ränge der SA dienten als Vorbild für die Organisationsstruktur der
SS sowie der anderen „NS-Kampforganisationen“ NSKK und
NSFK.
Die
Dienstränge (siehe dort tabellarischer Vergleich mit SS, Polizei und Wehrmacht)
waren:
SA-Anwärter
SA-Mann
SA-Sturmmann
SA-Obersturmmann (nicht im Bild rechts)
SA-Rottenführer
SA-Scharführer
SA-Oberscharführer
SA-Truppführer
(Feldwebel)
SA-Obertruppführer
SA-Haupttruppführer (nicht im Bild rechts)
SA-Sturmführer
(Leutnant)
SA-Obersturmführer
SA-Sturmhauptführer (ab Oktober 1934:
SA-Hauptsturmführer)
SA-Sturmbannführer (Major)
SA-Obersturmbannführer
SA-Standartenführer
SA-Oberführer
SA-Brigadeführer (General)
SA-Gruppenführer
SA-Obergruppenführer
SA-Chef des
Stabes
Presseorgan
Seit März 1928
erschien im Völkischen Beobachter eine monatliche Beilage unter dem Titel „Der
SA-Mann“, die ab dem 5. Januar 1932 durch die Oberste SA-Führung als
selbständiges Wochenblatt herausgegeben wurde. Chefredakteur der Zeitung, die
sich in erster Linie mit militärischen Themen sowie internen Angelegenheiten von
SA und NSDAP beschäftigte, war Joseph Berchtold.
Die
Schutzstaffel der NSDAP (Abkürzung SS) wurde in der Weimarer Republik am 4.
April 1925 als Sonderorganisation der NSDAP zunächst zum persönlichen Schutz
Adolf Hitlers gegründet. Sie unterstand seit dem Reichsparteitag 1926 der
Sturmabteilung (SA) und wurde nach dem vermeintlichen „Röhm-Putsch“ 1934 zu
einer eigenständigen paramilitärischen Organisation der NSDAP, die zugleich den
parteiinternen „Polizeidienst“ ausübte. In der Zeit des Nationalsozialismus war
die SS maßgeblich am Holocaust beteiligt und wurde nach 1945 als verbrecherische
Organisation verboten.
Geschichte
Stabswache und
Stoßtrupp Adolf Hitler
Vorläuferorganisation der SS war der Stoßtrupp Adolf
Hitler. Im Mai 1923 wurde auf Anordnung Adolf Hitlers ein Saal-Schutz der NSDAP
gebildet. Dieser setzte sich ursprünglich aus den zwei SA-Angehörigen Julius
Schreck und Joseph Berchtold sowie einigen Angehörigen des Münchener
Infanterie-Regimentes 19 zusammen. Mitte 1923 wurde dann, nachdem sich Hermann
Ehrhardt mit Ernst Röhm und Adolf Hitler überworfen hatte, dieser Saal-Schutz
aufgelöst und nun aus zwölf SA-Angehörigen der Stoßtrupp Adolf Hitler gebildet.
Er sollte Hitler vor Übergriffen der parteieigenen Sturmabteilungen schützen.
Der Gruppe standen die zwei ehemaligen Angehörigen der Stabswache, Julius
Schreck und Josef Berchtold, vor. Die weiteren Mitglieder waren Ulrich Graf,
Emil Maurice, Christian Weber, Josef Dietrich, Rudolf Heß, Jakob Grimminger und
Walter Buch sowie Karl Fiehler. Nach dem missglückten Hitler-Ludendorff-Putsch
(8./9. November 1923) wurde dieser mit der NSDAP verboten und
aufgelöst.
Aufstellung
Am 1. April
1925 erhielt Julius Schreck den Auftrag Hitlers, eine neue Einheit zu bilden,
die den Saalschutz der NSDAP-Veranstaltungen übernehmen sollte. Bereits am 4.
April wurde aus acht Angehörigen des ehemaligen „Stoßtrupps Adolf Hitler“ diese
neue Einheit gebildet, die rasch ausgebaut und über das ganze Deutsche Reich
ausgedehnt wurde. Über verschiedene Namensstufen wie Saal-Schutz, Schutzkommando
und Sturmstaffel wurde schließlich am 9. November des gleichen Jahres auf dem
NSDAP-Reichsparteitag der Name Schutzstaffel offiziell eingeführt. Diesen Namen
schlug der damalige SA-Führer Hermann Göring in Anlehnung an eine
Fliegerbegleitstaffel Manfred von Richthofens im November vor. Schreck wurde nun
als „Oberleiter“ Kommandant der SS.
Die Aufgaben
der Organisation beschrieb Hitler in einem Führerbefehl vom 7. November 1930 wie
folgt: „Die Aufgabe der SS ist zunächst die Ausübung des Polizeidienstes
innerhalb der Partei.“
Das Symbol der
Schutzstaffel bildete sich seit 1930 aus zwei nebeneinander liegenden,
blitzähnlichen weißen „Sig-Runen“ im schwarzen
Feld.
Konkurrenz zur
SA
Mit einer
Beschränkung der Sollstärke auf zehn Prozent der Sturmabteilung wollte die
SA-Führung die SS kleinhalten. In den Gauen durfte mit dem Aufbau einer
Schutzstaffel erst begonnen werden, wenn der Aufbau eines vollständigen
SA-Sturmes abgeschlossen war. Mit Ausnahme Berlins, wo die SS die doppelte
Stärke haben sollte, wurde die Sollstärke auf höchstens zehn Männer und einen
Führer festgelegt.
Unzufrieden
mit seinem geringen Handlungsspielraum trat Joseph Berchtold 1927 als
Reichsführer SS zurück. Berchtolds Nachfolger wurde Erhard Heiden, der ein
27-jähriges Mitglied der Röhmschen Reichskriegsflagge zu seinem Stellvertreter
ernannte: Heinrich Himmler. Heiden wurde von der SA und ihrer Führung nicht
ernst genommen. Die übergeordnete SA bestand in den Augen der SS-Mitglieder nur
aus „Vertretern des Rabaukentums“, während die SA ihrerseits die SS aufgrund
ihres selbsternannten „Elitetums“ argwöhnisch betrachtete, zumal ihr Hitler am
9. November 1926 die Betreuung der sogenannten „Blutfahne“ überlassen hatte. Am
5. Januar 1929 wurde Heiden von Hitler als Reichsführer SS entlassen. Der Grund
für seine Entlassung war, dass er seine schwarzen SS-Uniformhosen bei einem
befreundeten jüdischen Schneider anfertigen ließ. Heiden wünschte nun am 22.
Januar 1929 seine komplette Streichung aus allen SS-Mitglieder- und
Organisationslisten und wandte sich wieder der SA zu. Im April 1933 wurde Heiden
auf Befehl Heinrich Himmlers in München ermordet.
Beteiligungen
an Kriegshandlungen
Am 12. März
1938 nahmen auch Truppenteile der SS-Verfügungstruppe am Einmarsch der Wehrmacht
in Österreich teil, wo sie in Wien ein bewaffnetes SS-Regiment aufbauten: die
SS-Standarte Der Führer.
Im Oktober
1938 zog die SS-Verfügungstruppe ins tschechische Sudetenland ein, das die
Tschechoslowakei nach dem ihr Ende September aufgezwungenen Münchner Abkommen an
das Deutsche Reich abzutreten hatte. Im März 1939 wurde die so genannte
„Rest-Tschechei“ besetzt und als Reichsprotektorat Böhmen und Mähren
organisiert. Die SS wurde mit der Zerschlagung des Widerstandes beauftragt. Der
Chef des Reichssicherheitshauptamtes Reinhard Heydrich wurde später
stellvertretender Reichsprotektor des besetzten Gebietes. Im Herbst 1939 wurden
die Leibstandarte, die Verfügungstruppe und die Totenkopfverbände langsam zur
Waffen-SS verschmolzen. Heinrich Himmler wollte als Reichsführer-SS seine
Schutzstaffel zu einem umfassenden Staatsschutzkorps ausbauen, das an allen
Fronten die inneren und äußeren Feinde des NS-Staates bekämpfen sollte. Trotz
aller Differenzen innerhalb der verzweigten SS-Organisationsstruktur blieb die
SS auf ein einheitliches ideologisches Ziel ausgerichtet. Dementsprechend gab es
eine einheitliche Ausbildung der Führungskräfte in den beiden SS-Junkerschulen
in Bad Tölz und Braunschweig. Die militärische und ideologische Schulung
unterschied nicht, ob die Führungskräfte in der SS-Verwaltung, an der
militärischen Front, im SD oder in den Konzentrationslagern eingesetzt werden
sollten.
Der erste
Kampfeinsatz der SS erfolgte beim Polenfeldzug. Die Wehrmacht befürchtete eine
zunehmende Konkurrenz durch die SS-Verfügungstruppe, konnte aber die
Zusammenlegung der bisherigen Regimenter Germania, Der Führer, Totenkopf und der
Leibstandarte-SS Adolf Hitler zur SS-Verfügungsdivision nicht verhindern. Aber:
Die kämpfenden SS-Verbände dieser SS-VT-Division unterstanden weiterhin dem
Oberkommando der Wehrmacht und wurden nun auf verschiedene Heeresteile verteilt,
d. h. die SS-VT-Division kämpfte nicht als einheitlicher Verband. Seit 1943
beteiligten sich insbesondere die Panzerverbände der SS am Kampf im Osten, so
z. B. in der Orel-Kursk Schlacht im Rahmen der Operation Zitadelle. Ab 1943
wurden auch wehrpflichtige Deutsche und Männer aus Nordwesteuropa in die
SS-VT-Division eingezogen, um an der Front neben den Wehrmachtsoldaten zu
kämpfen, später wurde auch der Versuch unternommen, SS-Einheiten aus anderen
Ländern wie z. B. Albanien aufzustellen. Diese Versuche hatten allerdings eher
geringen Erfolg, so zerfiel die albanische SS-Division „Skanderbeg“ bereits vor
ihrem ersten Kampfeinsatz.
Weitere, vom
Oberkommando unabhängige SS-Verbände (einige Totenkopfstandarten und
nichtmilitärische Verbände) kamen hinter der Front bei „Säuberungsaktionen“ zum
Einsatz und begannen mit der systematischen Verfolgung und Ermordung von Juden
und Angehörigen der polnischen Intelligenz. Gemäß den Richtlinien zu
Zusammenarbeit des Heeres mit den Einsatzgruppen rückten die SS-Verbände
unmittelbar nach der Wehrmacht in die eroberten Ortschaften ein. Aus
rassenideologischen Gründen verfolgte Menschen mussten sich auf Befehl des
ranghöchsten Offiziers der Wehrmacht im Ort an einem bestimmten Platz versammeln
und wurden von dort oft sofort durch die SS zu einem abgelegenen Ort gebracht
und ermordet. Wehrmachtssoldaten waren oftmals Zeugen dieser Hinrichtungen und
auch die Wehrmacht und deutsche Polizeibataillone führten Massenexekutionen
durch.
Da diese
Verbrechen ganz auf der Linie der SS- und NS-Führung im Reich lagen, ging der
Ausbau der kämpfenden SS-Verbände rasch voran. Beim Angriff auf Frankreich
verfügte die inzwischen gegründete Waffen-SS bereits über drei Divisionen (Das
Reich, Totenkopf und die SS-Polizei-Division) und das motorisierte Regiment LAH.
Die SS-Divisionen erlitten an der Front teilweise schwere Verluste. Als
Freiwilligentruppe hochmotiviert, mit einer den Wehrmachtsverbänden in der Regel
überlegenen Ausrüstung, wurden diese Eliteeinheiten oft an den gefährlichsten
Einsatzorten verwendet. Auch im Frankreichfeldzug wurden von SS-Verbänden
zahlreiche Kriegsverbrechen verübt. Massaker an hunderten sich ergebender
Soldaten und an einer Vielzahl von Kriegsgefangenen sind
dokumentiert.
Kriegsverbrechen und Völkermord
Im Verlauf des
Zweiten Weltkriegs verübten Teile der Waffen-SS allein und in Zusammenarbeit mit
der Wehrmacht zahllose Kriegsverbrechen wie die Folterung und Ermordung von
Kriegsgefangenen, Massenexekutionen von Zivilisten und die Vertreibung
zahlreicher Menschen aus den besetzten Gebieten.
Über das
SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt mit der Inspektion der Konzentrationslager
(IKL) betrieb die NSDAP die Verwaltung der Konzentrations- und
Vernichtungslager. Deren Bewachung und Ausübung der Polizeigewalt wurden von den
SS-Totenkopf-Wach-Einheiten direkt und in der Regel alleinverantwortlich
durchgeführt. Die SS war damit verantwortlich für Demütigung, Folterung und die
Ermordung von Millionen Menschen.
In den
Nürnberger Prozessen wurde die SS als Gesamtorganisation der NSDAP (d.h.,
einschließlich der Waffen-SS, der SS-Totenkopfverbände und des SD) – mit
Ausnahme der so genannten Reiter-SS und des SS-eigenen Vereins Lebensborn – als
Hauptinstrument des politischen Terrors zur verbrecherischen Organisation
erklärt.
Dies sollte
dem Umstand Rechnung tragen, dass bei einer Gesamtzahl von mehreren
hunderttausend SS-Angehörigen nicht jeder einzelne direkt an Kriegsverbrechen
beteiligt war, allerdings die verbrecherischen Handlungen nicht ohne die
organisatorische, praktische und moralisch-ideologische Unterstützung der
gesamten Organisation hätten durchgeführt werden können. Zudem erwies es sich
als schwierig, die Gräueltaten dem einzelnen SS-Mitglied zuzuordnen, so dass sie
zunächst nur einer relativen Minderheit im Einzelnen nachgewiesen
wurden.
Organisation
Organisationsentwicklung
Zunächst der
SA unterstellt, entwickelte sie sich zu einer Organisation mit
„Polizeifunktionen“ innerhalb der NSDAP. Mit der Berufung Heinrich Himmlers zum
Reichsführer-SS 1929 begann ein grundlegender Wandel der Organisation. Vordem
eine kleine Gruppierung von wenigen hundert Mann innerhalb der SA, sollte sie
nach Himmler zur Kampftruppe der NSDAP ausgebaut werden, „ein
nationalsozialistischer, soldatischer Orden nordisch bestimmter Männer, von
denen jeder bedingungslos jeden Befehl befolgt, der vom Führer kommt.“ Die SS
wurde von ihm gleichzeitig zu einer „Elite“- und einer Massenorganisation
ausgebaut.
Der elitäre
Charakter zeigte sich in den rassebiologischen und weltanschaulichen Kriterien,
die erfüllt werden mussten, um der SS angehören zu können. Die SS sollte als
„Sippengemeinschaft“ eine Verkörperung der nationalsozialistischen
Herrenmenschenideologie darstellen und als „Bewahrer der Blutsreinheit“ zur
Keimzelle der nordischen Rassendominanz werden. Die Auswahlkriterien
beschränkten sich daher nicht auf die Bewerber selbst; auch Ehefrauen der
SS-Mitglieder wurden hinsichtlich ihrer „Rassenreinheit“ überprüft. Die
Ideologie der SS als Führungsorden manifestierte sich auch in der Anlehnung an
Vorstellungen mittelalterlicher Rittergemeinschaften, mit deren Hilfe sie sich –
etwa durch Rituale in Weihestätten oder Symbole wie den SS-Totenkopfring und die
Verwendung verschiedener Runensymbole (heute umgangssprachlich als „SS-Runen“
bezeichnet) oder den Ehrendolch – eine quasireligiöse Dimension zu geben
versuchte.
Nach der
Machtübernahme der Nationalsozialisten erhielt die SS, wie auch SA und
Stahlhelm, polizeiliche Privilegien zur Verfolgung politischer Gegner. Im April
1933 befanden sich bereits über 25.000 Regimegegner in „Schutzhaft“. SA und SS
begannen mit der Errichtung erster Konzentrationslager (KZ) in Dachau und
Oranienburg.
Vom
30. Juni bis zum 2. Juli 1934 ermordeten Teile der bewaffneten
SS-Verbände, namentlich die erste und zweite Schützenkompanie der
Leibstandarte-SS Adolf Hitler und der Dachauer SS-Wachsturmbann „Oberbayern“,
unter dem Vorwand eines vermeintlichen „Röhm-Putsches“, die Führung der SA. Auch
Konservative, andere politische Gegner und Unbeteiligte waren unter den
Todesopfern. Am 20. Juli 1934 koppelte Hitler die SS von der SA ab: „Im
Hinblick auf die großen Verdienste der SS, besonders im Zusammenhang mit den
Ereignissen vom 30. Juni 1934, erhebe ich dieselbe zu einer selbständigen
Organisation im Rahmen der NSDAP.“ Die SS übernahm nun in alleiniger
Verantwortung die Zuständigkeit für alle frühen Konzentrationslager (KZ) im
Reich, die bis dahin teilweise noch von der SA kontrolliert worden waren. Die
SS-Totenkopfverbände wurden nun ausschließlich mit der Bewachung der Lager
beauftragt. Die frühen, improvisierten Haftorte und Konzentrationslager wurden –
mit Ausnahme des KZ Dachau – nach und nach geschlossen. Es begann die
systematische Entwicklung des NS-Lagersystems, Hitler ließ Lager nach dem
Prototyp Dachau erbauen.
Im November
1934 wurde das Prinz-Albrecht-Palais in der Wilhelmstraße 102 in Berlin in den
Komplex der Gebäude an der Prinz-Albrecht-Straße 8 miteinbezogen und zum Sitz
des Sicherheitsdienstes des Reichsführers-SS.
Ab 1935
benannten sich die Verwaltungseinheiten der SS in Allgemeine SS um. Sie wollten
sich dadurch von ihren inzwischen bewaffneten Verbänden, der SS-Verfügungstruppe
und den SS-Totenkopfverbänden unterscheiden, die später die Waffen-SS bildeten.
Diese Allgemeine SS, nun auch Heimat- oder Schwarze-SS genannt, unterstand nun
dem neuen Kommandoamt der Allgemeinen SS in Berlin.
Damit kam es
zur klassischen Dreiteilung der SS, die informell bis 1945 Bestand
hatte:
Allgemeine
SS
SS-Totenkopfstandarten
SS-Verfügungstruppe
Abschließende
Organisationsstruktur
Der Begriff
„SS“ bildete ab 1939/40 den „Dachverband“ für verschiedene Hauptämter und deren
Unterabteilungen:
Das
Führungshauptamt (FHA) war die betriebliche Stabsstelle (Hauptquartier) der SS.
Es leitete und verwaltete die Offiziers-Schulen, medizinische Versorgung,
Transportvorgänge, Lohnzahlungen und Ausrüstungen.
Rasse- und
Siedlungshauptamt (RuSHA) hatte die Aufgabe, eine „rassisch wertvolle“
Führungselite herauszubilden.
Das
Reichssicherheitshauptamt (RSHA) entstand aus der Zusammenlegung von SD und SiPo
und war die zentrale Stelle zur Ausübung der polizeilichen Funktionen der
SS.
Das SD-Amt
Reinhard Heydrichs diente als Geheimdienst zur Bekämpfung äußerer wie innerer
Gegner und zur Bespitzelung der Bevölkerung.
Die
Sicherheitspolizei (Sipo) war für die Kriminal- und die Geheime Staatspolizei
(Gestapo) zuständig.
Militärischer
Zweig der SS war die aus Verfügungstruppen und Totenkopfverbänden gebildete
Waffen-SS
Das
Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt (WVHA) steuerte die Konzentrationslager und
deren Konstruktion und verwaltete die SS-eigenen Industrien, Gewerbe- und
Landwirtschaftsbetriebe.
SS-Wirtschaftsbetriebe
Die SS
gründete zahlreiche Firmen, u. a. 1938 die Deutsche Erd- und Steinwerke
GmbH (DEST), die sie 1940 in den Deutschen Wirtschaftsbetrieben (DWB)
zusammenfasste. Die DWB wurden von leitenden Mitarbeitern der SS-Verwaltung
geführt. 1942 wurden sämtliche wirtschaftlichen Angelegenheiten im
SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt konzentriert. Dieses betrieb über das
Hauptamt Verwaltung und Wirtschaft die Verwaltung der Konzentrations- und
Vernichtungslager mit der wirtschaftlichen Ausbeutung der Kriegsgefangenen und
KZ-Häftlinge. 1943/44 gehörten etwa 30 Unternehmen mit über 100 Betrieben, in
denen mehr als 40.000 Konzentrationslagerhäftlinge arbeiten mussten, zum
Wirtschaftsimperium der SS. Der Hauptsitz der DWB befand sich in Oranienburg bei
Berlin.
Die SS erwarb
auch mehrere Mineralwasserkonzerne, so etwa die Heinrich Mattoni AG und die
Apollinaris Brunnen AG.
Weiterhin gab
es die „künstlerischen“ Unternehmungen der SS:
Porzellanmanufaktur Allach
Nordland-Verlag
Schwertschmiede der SS
Personalentwicklung
Als Heinrich
Himmler am 6. Januar 1929 die Führung der SS von Erhard Heiden übernahm,
umfasste diese Organisation nur 280 Mann als „aktive Mitglieder“. Es begann nun
unter Himmler ein stetiger Ausbau der SS: Schon im Dezember desselben Jahres
wurde das 1000. Mitglied verzeichnet, 1932 war sie bereits auf rund 52.000 und
bis zum Herbst 1933 auf gut 204.000 Mitglieder
angewachsen.
Zu
Kriegsbeginn am 1. September 1939 wurden rund 60 % ihrer Mitglieder zur
Wehrmacht eingezogen. Das hieß, dass von den damaligen 260.000 SS-Mitgliedern
170.000 ihren Kriegsdienst in den drei Wehrmachtsteilen Heer, Luftwaffe und
Marine taten. Nur ca. 36.000 wurden von der Waffen-SS übernommen. Die übrigen
Mitglieder waren entweder für den Kriegsdienst zu alt oder waren auf
„unabkömmliche Posten“ im Öffentlichen Dienst oder bei den Polizeikräften
eingesetzt.
Gegen Ende des
Krieges (1944/45) umfasste die SS formal über 840.000 Mitglieder, zu denen auch
das „SS-Führerkorps“ (d. h. Führungsschicht in den SS-Hauptämtern und die
Offiziere sowie die Unteroffiziere der Waffen-SS) und auch Polizeioffiziere
gehörten, sobald ihr Dienstgrad einem SS-Rang entsprach. Die Zugehörigkeit der
Offiziere von Waffen-SS und Polizei zur SS wurde von Amts wegen begründet; für
die Mannschaften der Waffen-SS und Polizei war eine Übernahme in die SS erst für
die Zeit nach Ende des Krieges vorgesehen. Vor dem Internationalen Gerichtshof
in Nürnberg machte Robert Brill, ehemaliger Leiter des „Ergänzungsamtes der
Waffen-SS“, am 5. und 6. August 1946 Angaben zur Personalentwicklung der
Waffen-SS.
„Bei
Kriegsende war die Waffen-SS noch ca. 550.000 Mann stark, bis Ende Oktober 1944
sind 320.000 Mann gefallen oder schwerstverletzt worden. (…) In der Waffen-SS
dienten etwa 400.000 Reichsdeutsche, 300.000 Volksdeutsche und 200.000
Angehörige anderer Völker. (…) Im Jahr 1944 wurde die Masse der noch
Kriegsverwendungsfähigen aus den Wachmannschaften der Konzentrationslager
herausgezogen und für den Wehrdienst freigemacht. Bis dahin wurden die
Wachmannschaften aus Notdienstverpflichteten der Allgemeinen SS und des
ehemaligen Frontkämpferbundes 'Kyffhäuser' gestellt. 1944 kam noch ein starkes
Kontingent aus der Wehrmacht. Es handelte sich meines Wissens zunächst um 10.000
Mann. Später mehr. (…) Meines Wissens setzten sich die Wachverbände in den KZs
im Jahre 1944 aus 6.000 Notdienstverpflichteten, 7.000 Volksdeutschen, 7.000
Heeresangehörigen und einer Anzahl von Luftwaffenangehörigen zusammen.
(…)“
– Documents of
the Major War Criminals Vol. XX, p. 371–471
Blutgruppentätowierung
Angehörige der
Allgemeinen SS, die sich zur Waffen-SS gemeldet hatten und auch von dieser
übernommen wurden, trugen eine Tätowierung der Blutgruppe auf der Innenseite des
linken Oberarms. Dieser Umstand erleichterte den Alliierten während und nach dem
Krieg die Zuordnung angeblicher Wehrmachtsangehöriger und Zivilisten zur
Waffen-SS. Oft versuchten deren Angehörige, sich vor der Gefangennahme durch
andere Uniformen und Kleidung zu tarnen.
SS-Angehörige,
die in den drei Wehrmachtteilen eingesetzt waren, betraf diese Tätowierung
nicht, da die Blutgruppe auf deren Wehrmachts-Kennmarken vermerkt
war.
Jakob
Grimminger (* 25.
April 1892 in Oberhausen; † 28.
Januar 1969 in München) war ein deutscher SS-Führer.
Grimminger wurde vor allem bekannt durch seine Rolle in
der nationalsozialistischen Propaganda, in der er seit den 1920er Jahren
als „Träger der Blutfahne“ in Erscheinung
trat.
Leben
Jugend und
Erster Weltkrieg
Grimminger war
ein Sohn des Werkmeisters Josef Grimminger und seiner Ehefrau Wilhelmine, geb.
Gruber. In seiner Jugend besuchte Grimminger die Volksschule. Anschließend
wurde er zum Modellschreiner ausgebildet. Mit 16 Jahren meldete er
sich freiwillig zur Armee. Von 1914 bis 1917 wurde er während
des Ersten Weltkriegs als Mechaniker bei
den Fliegertruppen im Elsass, in Flandern und
in Frankreich eingesetzt. Im Sommer 1917 wechselte er als
Pionier-Werkmeister-Anwärter zur Infanterie, mit der er bis Ende 1918
in Palästina gegen die Briten und Araber unter T. E.
Lawrence kämpfte. Er wurde u. a. mit dem Eisernen
Kreuz ausgezeichnet. Bei Kriegsende wurde Grimminger bis März 1919 in
einem Gefangenenlager am Bosporus interniert. Nach seiner Rückkehr
nach Deutschland wurde er am 3. April 1919 aus dem Armeedienst
entlassen.
Weimarer
Republik und Zeit des Nationalsozialismus
Nach dem Krieg
arbeitete Grimminger für die Maschinenfabrik F.F. Kustermann in München. Bereits
am 22. Juli 1922 schloss er sich der NSDAP an
(Mitgliedsnummer 6.559) und wurde gleichzeitig auch Mitglied
der SA. Noch im selben Jahr wurde er für den „Stoßtrupp Adolf Hitler“
ausgewählt, einer anfänglich nur zwölf Mann starken Einheit, die zum
persönlichen Schutz von Hitler gegründet worden war und die in der Folgezeit auf
über 30 Mann aufgestockt wurde. Am 8. und 9. November 1923 beteiligte er sich
am Hitlerputsch in München.
Anlässlich der
Neugründung der NSDAP trat Grimminger der Partei zum 22. April 1925 erneut
bei (Mitgliedsnummer 759). Am 1. April 1926 (nach anderer Quelle am 25.
Februar 1926) trat Grimminger in die 1925 als Hitlers „Prätorianergarde“
gegründete SS ein (SS-Nummer 135). Zu dieser Zeit gehörte er
zu den ersten acht Mitgliedern der von Sepp Dietrich geführten
Münchener SS-Standarte 1.
Auf dem ersten
Reichsparteitag der NSDAP 1926 in Weimar wurde die so
genannte Blutfahne erstmals wie ein Kultgegenstand präsentiert. Deren
ursprünglicher Träger war Heinrich Trambauer, der sie nach dem
gescheiterten Putschversuch drei Jahre zuvor aufbewahrt hatte. Grimminger als
sein Stellvertreter ging damals noch neben ihm. Auf dem Parteitag übergab Hitler
die Fahne an den damaligen Reichsführer SS Joseph Berchtold zur
Aufbewahrung, was die elitäre Stellung der SS unterstrich. Wegen Trambauers
schwachem Gesundheitszustand wurde kurz danach Grimminger zum Fahnenträger
bestimmt. In dieser Funktion, die er bis zum Ende der NS-Herrschaft behielt,
spielte er eine maßgebliche Rolle bei dem Kult, den die Nationalsozialisten um
die Blutfahne und die Ereignisse des Hitler-Putsches von 1923 trieben: Bei den
Reichsparteitagen der NSDAP trat er mit der Blutfahne stets in der unmittelbaren
Nähe Hitlers auf, der die jeweils neuen SA- und SS-Standarten „weihte“, indem er
diese von Grimminger mit der Blutfahne berühren
ließ.
Als Heinrich Himmler 1929 die Führung der SS
übernahm und sie grundlegend neu zu organisieren begann, gehörte Grimminger zu
den 280 SS-Männern, die Himmler in „seine“ Organisation
übernahm.
Nach der
nationalsozialistischen Machtergreifung erhielt Grimminger eine
Anstellung beim Fürsorgeamt der Stadt München und wurde dort um 1937
ehrenamtlicher Ratsherr. Innerhalb der SS war er seit 1931 dem Stab der 1.
SS-Standarte in München bzw. später dem Stab des SS-Oberabschnitts Süd
zugeteilt, denen er als SS-Ehrenführer angehörte. Den Höhepunkt seiner
SS-Karriere erreichte Grimminger, der seit dem 1. August 1936 mit Hildegard
Weber verheiratet war, im April 1943 mit der Beförderung
zum SS-Standartenführer.
Er
war Verkehrsgast der Wehrschaft Palaio-Germania München,
einer schlagenden Studentenverbindung, die sich ausschließlich aus
NSDAP-Anhängern zusammensetzte. Im Januar 1938 wurde er obwohl er nie studiert
hatte in
den Altherrenverband der Palaio-Germania aufgenommen.
Jakob
Grimminger ist auf der letzten zur Ausgabe gelangten Briefmarke des Dritten
Reiches dargestellt (siehe Briefmarken-Jahrgang 1945 der Deutschen
Reichspost). Er ist damit neben Adolf Hitler der einzige (konkrete, nicht nur
abstrakt oder anonym dargestellte) Nationalsozialist, der zwischen 1933 und 1945
auf Briefmarken der Reichspost abgebildet war.
Nachkriegszeit
Nach dem Ende
des Zweiten Weltkriegs wurde Grimminger wegen seiner Mitgliedschaft
bei der SS vor ein alliiertes Gericht gestellt. Obwohl er nicht zu
einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, beschlagnahmten die Alliierten 1947 sein
gesamtes Vermögen. Im Jahre 1949 wurde Grimminger durch die Berufungskammer
München als Minderbelasteter eingestuft.
Ab 1948 lebte
Grimminger nach dreijähriger Internierung wieder in München, in den 1960er
Jahren zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück und starb verarmt am 28. Januar
1969. Grimminger wurde zuerst auf dem Münchener Waldfriedhof beerdigt,
das Grab wurde jedoch später aufgelöst. Seine sterblichen Überreste wurden in
ein anonymes Grab in der Gemeinde Herzebrock-Clarholz umgebettet.
2011 erschien
im Winkelried-Verlag das Buch Der Kornett der Blutfahne – Die
privaten Aufzeichnungen von Jakob Grimminger, bzw. 2012 Der Kornett der
Blutfahne – Die Erinnerungen von Jakob Grimminger.
Beförderungen
September
1926: SS-Scharführer
März
1929: SS-Truppführer
11. Juli
1931: SS-Sturmführer
31. Juli
1933: SS-Obersturmführer
9. November
1933: SS-Hauptsturmführer
20. April
1935: SS-Sturmbannführer
13. Juni
1936: SS-Obersturmbannführer
20. April
1943: SS-Standartenführer
Auszeichnungen
Jakob
Grimminger war Träger des Eisernen Kreuzes II. Klasse, Ehrenkreuzes
für Frontkämpfer, Eisernen Halbmondes, Blutordens, kleinen
und großen NSDAP-Parteiabzeichens, Koburger
Ehrenzeichens, goldenen Ehrenzeichens der
NSKOV (Nationalsozialistische Kriegsopferversorgung),
der NSDAP-Dienstauszeichnung 1., 2. und 3. Stufe (Bronze, Silber,
Gold) und des Kriegsverdienstkreuzes II. Klasse.