Führer
und Reichskanzler Adolf Hitler an seinem Schreibtisch (Arbeitszimmer im Berghof
auf dem Obersalzberg).
Großformatiger
originaler Fotodruck von 1936.
Nach
einer Originalaufnahme von Heinrich Hoffmann.
Größe 362 x 255 mm.
An den
Rändern mit kleineren Läsuren, rechte untere Ecke etwas fingerknittrig und mit
leichtem Eselsohr, sonst mit minimalen Alterungs- und Gebrauchsspuren, guter bis
sehr guter Zustand.
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Historische Informationen zum
Artikel:
Heinrich
Hoffmann (* 12. September 1885 in Fürth; † 16. Dezember 1957 in München) war ein
deutscher Fotograf, der als Leibfotograf Adolf Hitlers bekannt
wurde.
Kindheit, Jugend und
Ausbildung
Heinrich
Hoffmann wurde am 12. September 1885 als einziges Kind des Fotografen
Robert Hoffmann und seiner Frau Maria Hoffmann (geb. Kargl) geboren. Im
elterlichen Betrieb in Regensburg absolvierte er die Lehre. Sein Wunsch, Malerei
zu studieren, scheiterte am Widerstand des Vaters. Dies verband ihn mit dem
späteren „Führer“ Adolf Hitler; beide konnten ihren Traum von einem Kunststudium
nicht verwirklichen. 1901 – er war 16 Jahre alt – begab er sich auf
eine mehrjährige Wanderschaft und arbeitete bei verschiedenen Fotografen, unter
anderem bei dem bekannten Fotografen Emil Otto Hoppé in
London.
1906–1918
Im Jahr 1906
ließ er sich in München nieder und leitete gleichzeitig zwei Fotoateliers, unter
anderem das bekannte Atelier Elvira. 1908 – nachdem ihm eine sensationelle
Aufnahme eines Luftschiffunglücks gelungen war – beschloss er,
Pressefotograf zu werden. Ein Jahr später – 1909 – eröffnete der
mittlerweile 24-jährige ein eigenes Atelier in München und begann seine
Karriere. 1911 heiratete Hoffmann in München Therese „Nelly“ Baumann, mit der er
zwei Kinder hatte: Henriette (1913-1992) und Heinrich (* 24. Oktober
1916). Henriette heiratete am 31. März 1932 den Reichsjugendführer Baldur
von Schirach. 1913 gründete er den Bilderdienst „Photobericht Hoffmann“, und
spezialisierte sich auf Pressefotografien und Porträts. Auch leitete er einen
großen Postkartenvertrieb und belieferte neben der Münchner Illustrierten
Zeitung auch Agenturen in Berlin und im Ausland, so auch in
Österreich.
Am
2. August 1914 – kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs –
fotografierte Hoffmann die allgemeine Begeisterung auf dem Odeonsplatz in
München. Auf dieser Schwarz-Weiß-Aufnahme sollte später Adolf Hitler
identifiziert werden. Der Krieg ging jedoch nicht spurlos an Hoffmann vorüber.
Im August 1917 wurde er als ungedienter Landsturmmann zur
„Fliegerersatzabteilung I“ eingezogen und an die französische Front
abkommandiert. Nach Ende des Krieges im Jahr 1918 nahm er seine Tätigkeit als
Pressefotograf wieder auf und konzentrierte sich dabei auf die politische
Revolution der Kommunisten in München.
Karriere im
Nationalsozialismus
Hoffmann trat
1919 der rechtsextrem-völkisch orientierten Partei Einwohnerwehr bei und
veröffentlichte die rechtskonservative Bildbroschüre Ein Jahr bayrische
Revolution im Bilde. Gleichzeitig begann seine Freundschaft mit Dietrich Eckart,
dem Herausgeber des Völkischen Beobachters. Im April 1920 trat der 34-jährige
Hoffmann der NSDAP bei und übernahm den Alleinvertrieb der von Eckart
herausgegebenen antisemitischen Hetzschrift Auf gut deutsch. Er begann
Parteigrößen zu fotografieren, unter ihnen Hermann Göring, Rudolf Heß und bald
darauf auch Hitler, dessen Leibfotograf er
wurde.
Nach dem
Hitlerputsch von 1923 erschienen Hoffmanns erste Hitlerporträts. Eines zeigt
Hitler im Kreis seiner Mitgefangenen in der Festung Landsberg. Jedes Foto, auf
dem Hitler sehr nahe zu sehen ist, stammte von Hoffmann. Im Jahr 1924 gab der
Fotograf die Bildbroschüre Deutschlands Erwachen in Bild und Wort heraus und war
1926 an der Gründung des nationalsozialistischen Parteiorgans Illustrierter
Beobachter maßgeblich beteiligt. 1929 operierte er als Repräsentant der NSDAP im
Oberbayerischen Kreistag und gehörte seit Dezember 1929 dem Münchner Stadtrat
an. Seine Frau Therese starb 1928. Seine zweite Ehefrau wurde Sofie Spork. Im
Jahr 1929 ging in seinem Fotoatelier ein 17-jähriges Mädchen mit dem Namen Eva
Braun in die Lehre. Eines Abends betrat Hoffmann mit einem Mann das Atelier. Der
Fremde stellte sich mit „Herr Wolf“ vor. Nachdem er gegangen war, wollte Eva
wissen, wer der Fremde war. Heinrich Hoffmann erklärte, dass es der „Führer“ der
NSDAP, Adolf Hitler, sei. So lernten sich Hitler und Braun
kennen.
Ab 1932
betrieb Hoffmann zunehmend propagandistische Bildberichterstattung. In seinem
Verlag Heinrich Hoffmann. Verlag national-sozialistische Bilder beschäftigte er
bis zu 300 Mitarbeiter und konnte durch den Vertrieb von Fotobildbänden im
Dienste der NSDAP bald Umsätze in der Höhe von Millionen Reichsmark verbuchen.
Da ihn diese Arbeit immer stärker forderte, legte Hoffmann 1933 sein Münchner
Stadtratsmandat nieder. Im August 1937 war er in Hamburg maßgeblich an der
Beschlagnahmung von Kunstwerken beteiligt, die in den Augen der
Nationalsozialisten als „Entartete Kunst“ galten. Dieser Beschlagnahmungswelle
fielen allein in der Hamburger Kunsthalle 770 Objekte zum Opfer. Im selben Jahr
erhielt er von Hitler den Auftrag, die künstlerischen Exponate für die Große
Deutsche Kunstausstellung auszuwählen. Dafür erhielt er bei der Eröffnung der
Großen Deutschen Kunstausstellung im Münchener Haus der Kunst am 16. Juli 1938
von Hitler den Titel eines Professors. Anschließend wurde er Mitglied der
Kommission zur „Verwertung der beschlagnahmten Werke entarteter Kunst“. Er hatte
somit die Aufgabe, „entartete“ Kunstwerke gegen Devisen unter Ausschluss der
Öffentlichkeit ins Ausland zu verkaufen. Andererseits bediente er sich beim
NS-Kunstraub, so enthält der „Vlug Report“ eine Liste von 30 Positionen,
überwiegend Gemälden, u.a. aus der Sammlung Alfons Jaffé, die Hoffmann von
Kajetan Mühlmann aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden von der
Dienststelle Mühlmann erhielt. Im Januar 1940 wurde er Mitglied des Reichstages.
Im April 1945
setzte sich Hoffmann nach seinem letzten Besuch bei Hitler nach Bayern ab und
wurde in Oberwössen von der US-Armee verhaftet.
Nach Ende des Zweiten
Weltkriegs
Im Oktober
1945 wurde Hoffmann in das Gefängnis des Internationalen Militärgerichtshofs
nach Nürnberg verlegt, wo er seine Archivbestände ordnen musste, um so
Beweisdokumente für die Kriegsverbrecherprozesse zu sichern. Im Januar 1946
wurde das Entnazifizierungsverfahren gegen den „Leibfotografen“ und engen Freund
Hitlers in München eröffnet. Hoffmann wurde zunächst als Hauptschuldiger (Gruppe
I) eingestuft, Hoffmanns Professorentitel wurde annulliert; es gelang ihm jedoch
immer wieder gegen die Entscheidung des Gerichts, das eine Freiheitsstrafe von
zehn Jahren forderte, Rechtsmittel einzulegen. Schließlich wurde er zu vier
Jahren Haft und zur Konfiszierung seines gesamten Vermögens verurteilt. Nach
seiner Entlassung aus der Haft im Jahre 1950 siedelte er sich in dem Dorf
Epfach, 60 Kilometer südlich von München, an, wo er sieben Jahre später im Alter
von 72 Jahren starb. Seine Witwe Erna lebte bis 1988 in dem gemeinsamen Haus mit
dem ehemaligen Stummfilmstar Wera Engels
zusammen.
In der
Sowjetischen Besatzungszone wurden sämtliche Schriften und Bildbände Hoffmanns
auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.
Der Berghof
war das Landhaus Adolf Hitlers am Obersalzberg. Seit 1928 war es Hitlers
gemietetes Feriendomizil. Nach der Machtübernahme 1933 kaufte er es und ließ es
nach und nach zu seiner privaten Sommerresidenz umbauen. Mit dem Bau der
„Kleinen Reichskanzlei“ 1937 entwickelte sich das Gebiet als zweiter
Regierungssitz zu einem zentralen Ort der Macht im nationalsozialistischen
Deutschen Reich.
Internationale
Diplomaten und Politiker kamen zu Verhandlungen zum Berghof. Als
Führerhauptquartier diente es in der ersten Hälfte des Jahres 1944. Das Gebäude
wurde kurz vor Kriegsende durch alliierte Luftangriffe und durch die SS schwer
beschädigt. 1952 ließ der Freistaat Bayern das Gebäude
sprengen.
Geschichte
Vorgeschichte
Im Mai 1923
reiste Hitler von München an den Obersalzberg. Er wollte Dietrich Eckart
treffen, der sich zu dieser Zeit in der Pension Moritz versteckte, da er wegen
Beleidigung des Reichspräsidenten Ebert per Haftbefehl gesucht wurde. Im Sommer
1925 diktierte Hitler nach der Entlassung aus der Festungshaft – im später
deshalb so genannten Kampfhäusl – den zweiten Band von Mein Kampf, den Max
Amann auf der Schreibmaschine schrieb. 1928 verfasste Hitler in Berchtesgaden
die Außenpolitische Standortbestimmung. In den Jahren 1923 bis 1928 logierte er
in verschiedenen Pensionen.
Haus
Wachenfeld
Ab Oktober
1928 mietete Hitler Haus Wachenfeld an. Das kleine Landhaus gehörte der Witwe
eines Industriellen aus Buxtehude. Im Juni 1933, nach der Machtübernahme, kaufte
er dieses Landhaus und nannte es nun „Berghof“. Hitlers Halbschwester Angela
Hitler führte den Haushalt. Parteifunktionäre wie Hermann Göring, Albert Speer
und Martin Bormann bezogen Zweitwohnsitze im Berchtesgadener Land.
Haus
Wachenfeld war zunächst nur mit einem Zaun abgesichert. Die Anwesenheit des
neuen Reichskanzlers in dem kleinen Bergort zog jedoch viele Anhänger an. Nach
seinen eigenen Plänen ließ er das Haus im Jahr 1933 lediglich ein wenig von
Alois Degano, bis 1936, dann jedoch aufwendig von Roderich Fick umbauen. Zur
Erhöhung der Sicherheit des Diktators wurde in seiner neuen „Wahlheimat“ das
gesamte Areal abgesperrt, zum „Führersperrgebiet“ erklärt und bewacht. Zutritt
war nur mit Berechtigungsausweis möglich. Hitler empfing Gruppen der HJ, des BDM
und anderer Organisationen und präsentierte sich in der idyllischen Bergkulisse
als „Kanzler des Volkes“. Im Führerkult der NS-Propaganda präsentierte er sich
als „Hitler abseits vom Alltag“ und „Hitler, wie ihn keiner kennt“. Zahlreiche
entsprechende Fotoalben und Bildbände erschienen.
Ab
1936
Nach dem Umbau
stand Hitler ein repräsentatives Haus zur Verfügung, das er zum Empfang von
Diplomaten und Prominenten nutzte. Ein wichtiges Element seiner Repräsentation
waren die Gemälde, die er höchstpersönlich aufhängte und mit Vorliebe seinen
Gästen vorführte. Mit ihnen präsentierte sich der ehemalige Maler als Künstler
und „genialer Sammler“ in der Nachfolge von Adolf Friedrich von Schack und
Friedrich II. von Preußen. Ein weiteres berühmtes Repräsentationselement des
Hauses war das 8 Meter mal 4 Meter große, elektrisch versenkbare
Panoramafenster in der großen Halle. In der Vorkriegszeit besuchten ihn dort
beispielsweise Prinzregent Paul von Jugoslawien, Graf Ciano (Mussolinis
Schwiegersohn), der Duke of Windsor und Aga Khan
III.
Am
12. Februar 1938 kam es zum Diktat des Berchtesgadener Abkommens. Am
15. September 1938 war der britische Premier Chamberlain zu Verhandlungen
während der Sudetenkrise auf dem Berghof. Am 5. Januar 1939 traf Hitler den
polnischen Außenminister Józef Beck. Am 20. August 1939 telegrafierte er an
Stalin und unterbreitete ihm den Nichtangriffspakt. Zu einem Staatsbesuch traf
der Ustascha-Führer Ante Pavelić am 6. Juni 1941
ein.
Auch
innenpolitisch wurden viele Entscheidungen in der Bergresidenz getroffen.
Beispielsweise hielt Hitler am 22. August 1939 eine Ansprache vor den
Oberbefehlshabern der Wehrmacht – später auch „Dschingis-Khan-Rede“
genannt –, in der er den Angriff auf Polen ankündigte. Als Henriette von
Schirach bei einem Besuch 1943 Hitler auf die Judendeportationen ansprach, wurde
sie gemäß Zeitzeugenaussagen daraufhin nicht mehr auf den Berghof eingeladen.
Nach der Niederschlagung des Aufstandes im Warschauer Ghetto kam Himmler am
19. Juni 1943 zu einer Besprechung, auf der die Umwandlung von Ghettos in
Konzentrationslager und die Ermordung der Arbeitsunfähigen beschlossen wurde
(Unternehmen Cottbus).
Hitler befand
sich oft und meist für längere Zeit auf dem Berghof. Bormann, graue Eminenz auf
dem Berghof, schuf daher das „Führer-Sperrgebiet“ mit einer umfassenden
Infrastruktur. Etwas entfernt vom Berghof, in Bischofswiesen nahe Berchtesgaden,
ließ er die Reichskanzlei Dienststelle Berchtesgaden bauen, auch „Kleine
Reichskanzlei“ genannt. In Ainring bei Freilassing wurde eigens der
Regierungsflughafen Reichenhall-Berchtesgaden
errichtet.
Personal
Zum ständigen
Personal des Berghofs gehörte Herbert Döhring als Hausverwalter. Die drei
Zimmermädchen auf dem Berghof waren Anna Plaim, Elfriede König und Resi
Stangassinger. Weitere Personen auf dem Berghof waren unter anderem Johanna
Wolf, Gerda Christian, Otto Günsche, Hans Baur, Heinrich Heim, Theo Morell und
Rochus Misch.
NS-Propaganda
Fotoaufnahmen
für die NS-Propaganda erstellte Heinrich Hoffmann. Die zahlreichen Farbfotos,
die Hitlers Kameramann Walter Frentz seit 1940 machte, wurden hingegen während
der NS-Zeit nicht veröffentlicht. Unzählige Propaganda-Postkarten kamen in
Umlauf, die Hitlers Sommerresidenz und deren romantisch-friedliche Umgebung
zeigten. Auch das versenkbare Panorama-Fenster der großen Halle war allgemein
bekannt. Hoffmann erstellte auch farbige Fotopostkarten des „Arbeitszimmer des
Führers“. Der Personenkult um den „Führer“, der von seinem hohen Berg herab das
Volk regierte, ließ sich im grandiosen Alpenpanorama zwischen Watzmann und
Königssee besonders gut inszenieren. Wie ein volksnaher Monarch lebte Hitler
hier mit Eva Braun und einer Art schlichtem Hofstaat der Bediensteten. Der
Diktator, präsentierte sich hier als Familienmensch und
Naturfreund.
Auch nach
Kriegsende kursierten noch Postkarten des ehemaligen Hitler-Hauses.
Adolf Hitler
(* 20. April 1889 in Braunau am Inn, Österreich-Ungarn; † 30. April 1945 in
Berlin) war ein deutscher Politiker und Diktator österreichischer Herkunft. Er
war ab 1921 Parteichef der NSDAP, seit 1933 Reichskanzler und von 1934 bis zu
seinem Suizid unter der Bezeichnung Führer und Reichskanzler zugleich
Regierungschef und Staatsoberhaupt des Deutschen
Reiches.
Biografie
Fast alle
Biografen Hitlers weisen auf die enorme Diskrepanz zwischen dessen erster und
zweiter Lebenshälfte hin. Bis zu seinem 30. Lebensjahr war er, gemessen an den
bürgerlichen Maßstäben seiner Zeit, nicht erfolgreich, da er weder eine
Berufsausbildung noch nennenswerte soziale Bindungen hatte. Danach schwang sich
Hitler innerhalb weniger Jahre zum deutschen Reichskanzler und schließlich zum
diktatorischen Herrscher über weite Teile Europas
auf.
Die frühen Jahre
Um seine
Herkunft und sein Leben vor dem Eintritt in die Politik machte Hitler stets ein
Geheimnis. „Sie dürfen nicht wissen“, sagte er 1930 über seine politischen
Gegner, „woher ich komme und aus welcher Familie ich stamme.“ Döllersheim und
Strones, die Heimatdörfer seiner Eltern und Großeltern, ließ er im Sommer 1938,
gleich nach dem Anschluss Österreichs evakuieren, um einen Truppenübungsplatz
anzulegen (heute: Truppenübungsplatz Allentsteig). Krockow, Kershaw und andere
Biografen Hitlers vermuten, dass die Gründe dafür in dessen ungeklärter und von
Inzest nicht freien Herkunft zu suchen sind. Hitlers eigene Angaben in Mein
Kampf zu seinen frühen Jahren dienten vor allem der Selbststilisierung zu einem
idealen nationalsozialistischen Kämpfer, gingen kaum über das hinaus, was damals
ohnehin schon bekannt war, und sind daher wenig vertrauenswürdig.
Herkunft
Hitlers
Familie stammte aus dem niederösterreichischen Waldviertel an der Grenze zu
Böhmen. Im 19. Jahrhundert schwankte der damals in Österreich nicht
unübliche Name der Familie noch zwischen Hüttler, Hiedler, Hittler und Hitler.
Am wahrscheinlichsten ist, dass sich die verschiedenen Namensvarianten, die sich
in der dialektalen Aussprache phonetisch kaum unterscheiden, von Hütte ableiten,
der Name also so viel bedeutet wie Kleinbauer oder Häusler. Der spätere Diktator
wurde in der oberösterreichischen Stadt Braunau am Inn geboren – am
20. April 1889 um 18:30 Uhr im Gasthof Pommer, Salzburger Vorstadt 219
(heute Hausnummer 15). Er war das vierte von sechs Kindern des Zollbeamten
Alois Hitler und dessen dritter Frau Klara (geb. Pölzl). Der Vater wurde unter
dem Namen Alois Schickelgruber als unehelicher Sohn der später verehelichten
Anna Maria Schicklgruber und Johann Georg Hiedler geboren, wurde aber erst
posthum, wohl auf Betreiben seines Onkels Johann Nepomuk Hiedler, bei dem er als
Ziehkind aufgewachsen war, legitimiert und nahm als 39-Jähriger den Namen Hitler
an. Die Mutter Klara (geb. Pölzl) war die Tochter von Johann Nepomuk Hiedlers
ältester Tochter Johanna Hiedler und ihrem Mann Johann Babtist Pölzl. Somit
waren Hitlers Eltern Onkel und Nichte zweiten Grades.
Die drei
älteren Geschwister Adolf Hitlers verstarben bereits im Kindesalter, noch vor
Adolfs Geburt. Von den sechs Kindern des katholischen Paares erreichten nur
Adolf und seine Schwester Paula das Schulalter. Aus zweiter Ehe seines Vaters
hatte Adolf einen Halbbruder und eine Halbschwester: Alois junior und Angela,
die ebenfalls im Haushalt aufwuchsen, da ihre Mutter verstorben war. In Mein
Kampf schildert Hitler den Vater als streng, autoritär, mitunter auch jähzornig
und gewalttätig. Es ist jedoch umstritten, ob Hitlers Erziehung strenger war als
zu dieser Zeit üblich.
Obwohl es
keinen Grund zur Annahme gibt, dass Adolf Hitler an Johann Georg Hiedler als
Großvater gezweifelt hat, musste die nicht mit völliger Sicherheit geklärte
Abstammung für den Propagandisten einer rassistischen Ideologie politisch
brisant werden, als er seit Anfang der 1920er-Jahre zunehmend bekannter wurde.
Politische Gegner haben schon damals immer wieder nachzuweisen versucht, dass
der Führer der antisemitischen und extrem nationalistischen NSDAP selbst
jüdische oder tschechische Vorfahren habe. Bereits seit Mitte der 1920er-Jahre
gab es Gerüchte über eine vermeintlich jüdische Abstammung Hitlers. Hans Frank
griff diese in den Nürnberger Prozessen und in seiner Autobiografie mit der
Aussage auf, Hitlers Großmutter sei mit seinem Vater Alois schwanger geworden,
als sie als Dienstmagd im Haushalt eines Grazer Juden namens Frankenberger
gearbeitet habe. Die sich auf Frank beziehende Literatur verbreitete diese
Behauptung weiter, bis sie überzeugend widerlegt wurde. Für Hitler waren
derartige Gerüchte und die zum Teil inzestuösen Verhältnisse in seiner Familie
Grund genug, seine Herkunft möglichst zu
verschleiern.
Kindheit
Wegen seines
Berufs zog Alois Hitler mit seiner Familie häufig um: von Braunau zunächst nach
Passau, später nach Lambach und schließlich nach Leonding bei
Linz.
Auf den
verschiedenen Volksschulen, die Adolf Hitler besuchte, war er ein guter Schüler,
auf der Realschule in Linz versagte er dagegen völlig. Bereits das erste Jahr
dort, 1900/1901, musste er wiederholen, und seine Lehrer bescheinigten ihm
„mangelnde Arbeitslust“. An der Realschule in Linz begeisterten sich Schüler,
darunter auch Hitler, für die Thesen Georg von Schönerers, sie begrüßten sich
mit „Heil!“-Rufen und hefteten sich Kornblumen ans Revers. Die dritte Klasse in
der Realschule in Linz schloss er 1904 erneut mit so mangelhaften Noten ab, dass
eine Wiederholung der Klasse drohte. Da sein Vater aber in diesem Jahr gestorben
war, bot die Schule Hitlers Mutter an, ihn zu versetzen, allerdings nur unter
der Bedingung, dass er die Schule wechselte. Hitler besuchte daher nun die
Realschule in Steyr, die als weniger anspruchsvoll galt. Aber auch dort
besserten sich seine Leistungen nicht. Er blieb sitzen, schaffte die
Wiederholungsprüfung nicht und verließ die Schule sechzehnjährig, im Herbst
1905, ohne Abschluss.
Hitler stellte
dies später als eine Art von Lernstreik gegen den Vater dar, der ihn in eine
Beamtenlaufbahn habe drängen wollen, während er selbst den Beruf des Kunstmalers
anstrebte. An dieser Darstellung ist insofern etwas Wahres, als Hitler sich
zeitlebens als verkannter Künstler sah, mit regelmäßiger Arbeit nicht
zurechtkam, und außerdem Egozentrik zu seinen hervorstechendsten Eigenschaften
gehörte. Gegen Hitlers Darstellung spricht jedoch, dass sein Vater schon am 3.
Januar 1903 im Alter von 65 Jahren gestorben war. Der Erziehungsdruck auf
den 13-Jährigen ließ also nach, ohne dass seine Leistungen deshalb besser
wurden.
Jahre in Wien und
München
Von 1903 an
bezog Hitler eine Halbwaisenrente. Damit und mit der Unterstützung durch seine
Mutter war er ab 1905 finanziell unabhängig. Im September 1907 reiste er nach
Wien und unterzog sich an der Allgemeinen Malerschule der Wiener Kunstakademie
zusammen mit weiteren 112 Kandidaten der
Aufnahmeprüfung.
Durch seine
mitgebrachte Arbeitsmappe qualifizierte er sich wie 79 weitere Bewerber zur
Teilnahme am zweiten Auswahlverfahren, dem Probezeichnen am 1. und 2. Oktober.
Nur 28 bestanden diese Prüfung. Die restlichen Bewerber, darunter auch Hitler
und Robin Christian Andersen waren zum Studium nicht zugelassen. Er blieb
zunächst in Wien. Am 24. Oktober teilte der jüdische Hausarzt Eduard Bloch der
Familie mit, die Mutter sei unheilbar krank und habe nicht mehr lange zu leben.
Adolf kehrte nach Linz zurück, bevor seine Mutter am 21. Dezember 1907 an
Brustkrebs starb. Nach ihrem Tod distanzierte er sich zunehmend von seinen
Verwandten.
Anders als die
Schilderungen seiner Jugendzeit in Mein Kampf suggerieren, konnte Hitler von
seiner Waisenrente anfangs relativ gut leben. Sein Einkommen, zusätzlich
aufgebessert durch den Verkauf selbst gemalter Bilder und Postkarten, lag über
dem Anfangsgehalt eines Lehrers. Das Empfehlungsschreiben einer Bekannten an den
renommierten Bühnenbildner Alfred Roller, der sich zu einem Empfang Hitlers
bereit erklärte, führte letztlich zu keinem Ergebnis. Im Herbst 1909 konnte er
sich bei seiner zweiten Bewerbung an der Kunstakademie nicht mehr zum
Probezeichnen qualifizieren. Danach bemühte er sich kaum, einen Beruf oder auch
nur eine Berufsausbildung in Angriff zu nehmen.
In Wien kam er
mit den Schriften des Rassenideologen und Antisemiten Jörg Lanz von Liebenfels
in Kontakt. Auch die antisemitischen Polemiken von Politikern wie Georg von
Schönerer, dem Führer der Alldeutschen Bewegung, und dem Wiener Bürgermeister
Karl Lueger nahm er auf. Seine Vorstellung von einer überlegenen arischen so
genannten Herrenrasse dürfte sich damals gebildet haben, seine Vorbilder ließ er
aber stets unerwähnt. Mehr als für Politik hat sich Hitler nach Aussagen seines
damaligen Freundes August Kubizek für Opern interessiert, insbesondere für die
Richard Wagners.
Nach der
zweiten Ablehnung durch den Vorstand der Kunstakademie ging Hitler allmählich
das Geld aus. Zudem musste er fürchten, zum Militär eingezogen zu werden. Ob er
deshalb allerdings im Herbst 1909 tatsächlich für einige Monate obdachlos war
bzw. im Obdachlosenasyl in Meidling Zuflucht suchte ist nicht wirklich
gesichert. Sicher ist, dass er Anfang 1910 in das Männerwohnheim in der
Meldemannstraße zog. Als Maler von Sehenswürdigkeiten Wiens fand er ein
bescheidenes Auskommen. Hitler malte und zeichnete in Wien bis Mitte 1910
zahlreiche kleinformatige Bilder. Da er selbst eher kontaktscheu war, übernahm
ein Mitbewohner, Reinhold Hanisch, den Verkauf seiner Bilder. Weil er sich bei
einem Geschäft von Hanisch betrogen fühlte, übertrug er den Verkauf einem
jüdischen Mitbewohner namens Siegfried Löffner. Im August 1910 wurde Hanisch
durch Löffner wegen der angeblichen Unterschlagung eines Hitler-Bildes bei der
Wiener Polizei angezeigt. Da sich bei dieser Gelegenheit herausstellte, dass
Hanisch in Wien unter dem falschen Namen Fritz Walter gemeldet war, wurde er am
11. August 1910 zu einer Gefängnisstrafe von sieben Tagen verurteilt. 1912 wurde
Hitler seinerseits von einer anonymen Person wegen des unberechtigten Führens
des Titels eines „akademischen Malers“ bei der Polizei angezeigt und ermahnt,
diesen Titel zukünftig nicht mehr zu gebrauchen. In der Forschung wird
angenommen, dass der Maler Karl Leidenroth, ein Freund Hanischs, die Anzeige in
dessen Auftrag erstattete, um sich für die Anzeige aus dem Jahr 1910 zu
revanchieren. Danach schränkte Hitler seine künstlerische Tätigkeit ein.
Bemerkenswerterweise arbeitete er beim Handel mit seinen Bildern mit zahlreichen
weiteren Juden zusammen, so mit dem ungarischen Männerheimbewohner Josef
Neumann, der als sein Verkäufer fungierte, sowie den Händlern Jakob Altenberg
und Samuel Morgenstern. Es ist daher fraglich, ob Hitlers Antisemitismus damals
bereits so ausgeprägt war, wie er in Mein Kampf
behauptete.
Die Historiker
gingen davon aus, dass Hitler Hanisch 30 Jahre später 1938 verhaften ließ –
beziehungsweise ihn nach dem Einmarsch in Österreich bereits verhaftet vorfand –
um ihn dann im Konzentrationslager Buchenwald ermorden zu lassen.
Wahrscheinlicher ist jedoch, dass Hanisch bereits am 4. Februar 1937 während
seines Aufenthaltes im Wiener Inquisitenspital an einem Herzschlag starb.
Brigitte Hamann förderte nach intensiven Recherchen zu Hitlers Zeit in Wien
nicht nur einen Bericht des untersuchenden Gerichtsarztes in der Wiener
Todesfallaufnahme zu Tage, sondern auch einen Brief von Hitlers Wiener Emissär
Franz Feiler vom 11. Mai 1938, in dem Feiler seinem Vertrauensmann im
NSDAP-Hauptarchiv Ernst Schulte-Strathaus mitteilte, Hanisch sei „vor
1,5 Jahren gestorben.“
Nachdem Hitler
im Mai 1913 das Erbe des Vaters ausgezahlt worden war, zog er vom Männerwohnheim
in Wien nach München um, wo er bei dem Schneider Josef Popp in der Maxvorstadt
zur Untermiete wohnte. Der Umzug hatte auch den Zweck, dem Militärdienst in
Österreich zu entgehen. In Mein Kampf schrieb er später, er habe sich nach einer
„deutschen Stadt“ gesehnt. Hier las er die rassistischen Schriften Houston
Stewart Chamberlains. Hitler malte in München weiterhin Aquarelle und
gelegentlich Ölbilder, meist Architekturdarstellungen nach fotografischen
Vorlagen. Er verkaufte die Arbeiten vornehmlich in der Kunsthandlung Stuffle am
Maximiliansplatz.
Nach längerer
Suche durch die österreichische Polizei und Vorführung beim österreichischen
Konsulat in München durch Beamte der Münchner Kriminalpolizei am 19. Januar 1914
fuhr er am 5. Februar 1914 zur Musterung nach Salzburg. Hier wurde er als
waffenunfähig beurteilt und vom Militärdienst in Österreich zurückgestellt. Dass
Hitler nicht prinzipiell dem Kriegsdienst aus dem Weg gehen wollte, zeigte er
als Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg.
Im Ersten
Weltkrieg
Der 25-jährige
Hitler begrüßte begeistert den Kriegsausbruch im Jahr 1914. Eine Fotografie
Heinrich Hoffmanns zeigt ihn inmitten der Großdemonstration am 2. August 1914
auf dem Odeonsplatz. Diese Fotografie wurde später massenhaft
verbreitet.
Hitler trat am
16. August 1914 als Freiwilliger in die Bayerische Armee ein. Dort wurde der
Österreicher am 8. Oktober 1914 auf den König von Bayern und anschließend auf
den österreichischen Kaiser Franz Joseph vereidigt. Als Soldat des 16. Kgl. Bay.
Reserve-Infanterie-Regiments (6. Königlich Bayerische Reserve-Division)
verbrachte er fast die gesamte Kriegszeit als Meldegänger an der Westfront. Man
beurteilt die Teilnahme am Ersten Weltkrieg für Hitlers späteres Leben als kaum
überschätzbar: „Der Krieg und die Folgen haben Hitler geschaffen.“
Nach seiner
Beteiligung an der Ersten Flandernschlacht erhielt Hitler am 3. November
rückwirkend zum 1. November 1914 seine Beförderung zum Gefreiten. Am 2. Dezember
desselben Jahres wurde er mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.
Den spontanen Weihnachtsfrieden 1914 missbilligte er. Hitler hinterließ mehrere
Feldpostbriefe, von denen der vom 5. Februar 1915 der bedeutendste ist. Nach
einer detailreichen Schilderung der Kampfhandlungen äußert er am Schluss seine
Hoffnung auf die endgültige Abrechnung mit den Feinden im Inneren.
Seit dem 26.
September 1916 war er Teilnehmer der Schlacht an der Somme. Bei Le Bargur wurde
Hitler am 5. Oktober 1916 (nach eigenen Angaben am 7. Oktober) am linken
Oberschenkel verwundet, als im Unterstand der Meldegänger eine Granate
explodierte. Man schickte ihn vom 9. Oktober bis zum 4. Dezember in das
Vereinslazarett Beelitz, das ihm mit seinen weißen Betten und sorgenden
Krankenschwestern geradezu unwirklich vorkam.
Erst im März
1917 kam er wieder an die Front und nahm im Sommer an der Dritten
Flandernschlacht teil, woraufhin er das Militärverdienstkreuz III. Klasse
mit Schwertern erhielt. Nach einem Heimaturlaub in Berlin im Oktober 1917 war er
ab Ende März 1918 an der Deutschen Frühjahrsoffensive beteiligt. Im Mai erhielt
er ein Regimentsdiplom für hervorragende Tapferkeit und das Verwundetenabzeichen
in Schwarz; am 4. August wurde er auf Initiative des jüdischen
Regimentsadjutanten Hugo Gutmann mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse
ausgezeichnet.
Hitler galt
als korrekter Soldat, der aber bei seinen Kameraden wegen seiner unkritischen
Haltung gegenüber den Offizieren eher unbeliebt war: „Den Vorgesetzten achten,
niemandem widersprechen, blindlings sich fügen“, so schilderte er selbst seine
damalige Haltung während des Putschistenprozesses im Jahr 1924. Kurz vor
Kriegsende wurde Hitler nach einem am 15. Oktober 1918 mit Senfgas
durchgeführten britischen Angriff am 21. Oktober in das Lazarett der
vorpommerschen Stadt Pasewalk eingewiesen, wo er sich bis zum 19. November
aufhielt. Die vorübergehende Blindheit, derentwegen er behandelt wurde, führte
er selbst auf eine Augenverletzung infolge des Gasangriffs zurück. Hier wurde er
mit den anderen Verwundeten am 10. November durch den Lazarettgeistlichen über
die Novemberrevolution und die laufenden Waffenstillstandsverhandlungen im Wald
von Compiègne informiert, was Hitler selbst später als seelische Krise
schilderte, bei der es ihm „um die Augen wieder schwarz ward“. Demnach hatte es
nicht nur mit Hitlers österreichischer Staatsbürgerschaft zu tun, dass er –
obwohl mehrfach verwundet und mit dem Eisernen Kreuz beider Klassen sowie
weiteren Ehrenzeichen versehen – nie über den Status eines Gefreiten hinauskam.
Fritz Wiedemann und Max Amann betonten in diesem Zusammenhang, Hitler selbst
habe eine Berücksichtigung bei Beförderungen
abgelehnt.
Hitlers Aufstieg
Politische
Anfänge
Hitler
behauptete später, die Empörung über den verlorenen Krieg und den „Verrat der
Novemberverbrecher“ habe in ihm den Entschluss reifen lassen, Politiker zu
werden. Auch dies darf angezweifelt werden angesichts der unklaren Haltung zu
den Zeitereignissen, die er in den ersten Monaten nach Kriegsende erkennen
ließ.
Von
politischen Ambitionen Hitlers ist unmittelbar nach dem Krieg nichts
festzustellen. Am 21. November 1918 verließ er das Lazarett in Pasewalk. Er
kehrte in die Kaserne des 2. bayerischen Infanterie-Regiments, die
Oberwiesenfeldkaserne in München zurück und zeigte zunächst nur das Bestreben,
nicht entlassen zu werden. Zwischendurch bewachte er vom 12. Februar bis zum 7.
März 1919 in Traunstein französische und russische Kriegsgefangene bis zur
Auflösung des dortigen Lagers. Er ließ sich mehrfach zu einem der
Vertrauensleute seines Regiments wählen und war damit eine Art Verbindungsmann
zur aus der Novemberrevolution hervorgegangenen neuen bayrischen Staatsregierung
unter dem sozialistischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner
(USPD).
Hitler war im
April 1919 Vertrauensmann seiner Kompanie in München und wurde am 15. April zum
Ersatz-Bataillons-Rat der Soldatenräte der – seit 13. April kommunistischen –
Münchner Räterepublik gewählt. Die Münchner Garnison stand seit November 1918
fest hinter der Revolution und dem radikalen Wandel zur Räterepublik. Hitler
teilte in jenen Monaten offensichtlich die Ansichten der sozialistischen
Regierung in einem gewissen Maße, auf jeden Fall äußerte er keine abweichende
Meinung, andernfalls wäre er nicht als Vertrauensmann der Soldaten gewählt
worden. Vermutlich trug er sogar die rote Armbinde der Revolution, wie alle
Soldaten der Münchner Garnison, weswegen Hitler später über diese Zeit wenig
verlauten ließ. Als Erklärungen sind opportunistische Erwägungen (Hinauszögerung
der Demobilisierung) und/oder das seinerzeitige allgemeine „ideologische
Durcheinander in den Köpfen“ denkbar. Unter den engeren Kameraden war Hitler
spätestens seit Mitte April 1919 als Konterrevolutionär bekannt, wofür auch die
Denunziation zweier Kollegen aus dem Bataillons-Rat bei einem Tribunal wenige
Tage nach Niederschlagung der Räterepublik spricht.
Gerade jetzt
begann Hitler, erstmals eine gewisse politische Aktivität zu entwickeln. Nach
der blutigen Niederwerfung der Räterepublik ließ er sich von einer
Untersuchungskommission der Münchener Reichswehrverwaltung anwerben, die damals
den entscheidenden Machtfaktor in Bayern darstellte. Es gibt Hinweise darauf,
dass er sich das Wohlwollen der neuen Machthaber erkaufte, indem er
Regimentskameraden verriet, die sich auf Seiten der Räteregierung engagiert
hatten. Offensichtlich erfüllte er die in ihn gesetzten Erwartungen, denn die
entscheidenden Männer der so genannten schwarzen Reichswehr – beispielsweise der
Hauptmann Ernst Röhm – scheinen in dem Gefreiten Hitler bald einen potenziellen
Agitator gesehen zu haben, mit dessen Hilfe sich nationalistische Ideen unter
Arbeitern verbreiten ließen. Seine Vorgesetzten schickten Hitler vom 5. bis 12.
Juni und vom 26. Juni bis zum 5. Juli 1919 zu Schulungen für Propaganda-Redner.
Einer der Vortragenden war Professor Karl Alexander von Müller. Danach setzten
sie Hitler als V-Mann ein und beauftragten ihn im Rahmen eines
Aufklärungskommandos damit, politische Parteien und Zirkel zu bespitzeln, die im
nachrevolutionären München wie Pilze aus dem Boden
schossen.
Dazu gehörte
auch die von dem Journalisten Karl Harrer und dem Schlosser Anton Drexler
gegründete Deutsche Arbeiterpartei (DAP), die fremdenfeindliche, antisemitische
und sozialistische Ideen propagierte. Am 12. September 1919 besuchte Hitler,
aufgrund einer Empfehlung von Hauptmann Karl Mayr aus der
völkisch-nationalistischen Vereinigung „Eiserne Faust“, erstmals eine ihrer
Versammlungen. Als dabei ein Redner die Trennung Bayerns vom Reich forderte,
widersprach Hitler ihm so energisch wie wortreich und fiel durch sein
Rednertalent auf. Erstmals hatten er selbst und andere eine gewisse Begabung an
ihm entdeckt: Er konnte Zuhörer fesseln und Emotionen wecken. Drexler meinte
angeblich sofort zu Harrer: „Dör hot a Goschn, den kennt ma braucha!“
(Hochdeutsch: „Der hat Rednertalent, den könnten wir brauchen!“) und versuchte,
ihn noch am gleichen Abend anzuwerben. Im Auftrag seiner Vorgesetzten trat
Hitler am 19. Oktober 1919 der DAP bei – als 55. Mitglied, nicht als siebentes,
wie er später stets behauptete. Seine Mitgliedsnummer 555 rührte daher, dass die
DAP mit der Zählung ab 501 begann, um etwas mehr Größe vorzutäuschen. Zu dieser
Zeit kam Hitler auch erstmals mit dem antisemitischen Schriftsteller Dietrich
Eckart von der Thule-Gesellschaft in Kontakt. Eckart war auf der Suche nach
einem Agitator, der Arbeiter und Angehörige der Unterschichten für
rechtsradikale Ideen gewinnen sollte. Als einer der ersten sah Eckart, der im
August 1921 Chefredakteur des Völkischen Beobachters wurde, in Hitler diesen
Mann und förderte ihn seither mit Rat und Tat.
Da Hitler mit
seinen aufputschenden Reden immer mehr Zuhörer und Mitglieder anlockte, gewann
er bald größere Bedeutung für die kleine DAP. Zunächst war er dort als
Werbeobmann tätig und im Frühjahr 1920 an der Ausarbeitung des
25-Punkte-Programms der DAP beteiligt, die sich auf sein Betreiben in
Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) umbenannte. Als er am 31.
März 1920 schließlich aus der Armee entlassen wurde, konnte er bereits von
seinen Honoraren als Redner leben. Als Agitator war er für die noch wenig
beachtete NSDAP unersetzlich. Dies nutzte er aus, als er im Juli 1921 die alte
Parteiführung entmachtete und mit einem Ultimatum seine Wahl zum Vorsitzenden
der NSDAP erzwang.
Hitler war nun
eine politische Lokalgröße, die vom instabilen, antidemokratischen und
militaristischen politischen Klima in Bayern profitieren konnte und dort „sowohl
in der intellektuellen Öffentlichkeit wie bei der bayerischen Regierung und
Verwaltung […] vielfach Unterstützung fand.“ Außerhalb Bayerns erregte er eher
Belustigung als Furcht. 1921 und 1922 suchte er in mehreren Reden vor dem
Berliner Nationalklub die Unterstützung des oberen
Bürgertums.
Putsch und
Inhaftierung
Gustav Ritter
von Kahr hatte nach der Niederschlagung der Münchner Räterepublik 1919 versucht,
die „Ordnungszelle Bayern“ zu etablieren, durch die zuerst in Bayern „Ruhe und
Ordnung“ wiederhergestellt werden sollten, um anschließend auf die gesamte
Weimarer Republik auszustrahlen und dort einen monarchistischen und
militaristischen „nationalen Wiederaufbau“ einzuleiten. Am 26. September 1923
erhielt Kahr als „Generalstaatskommissar“ diktatorische Vollmachten von der
bayerischen Regierung unter Eugen von Knilling und verbündete sich mit
Landespolizeichef Hans von Seißer und dem gerade aus Berlin amtsenthobenen
Landeskommandanten der Reichswehr, Otto von Lossow zu einem „Triumvirat“, das
den offenen Konflikt mit der „roten Reichsregierung“ suchte. Hitler plante, sich
an die Spitze dieser Bewegung zu setzen, um mit Unterstützung von Kahr und Erich
Ludendorff, dem früheren Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung
(OHL), inzwischen Sympathisant der NSDAP, nach dem Vorbild von Mussolinis Marsch
auf Rom vom Oktober 1922 die Regierung in Berlin gewaltsam zu stürzen. Aufgrund
der französischen Ruhrbesetzung, der enormen Inflation und heftiger innerer
Unruhen in Deutschland glaubte er, auch bei breiten Bevölkerungsschichten
Unterstützung zu finden.
Am Abend des
8. November 1923 betrat Hitler mit einigen Bewaffneten den Münchner
Bürgerbräukeller, in dem Kahr eine Rede vor 3.000 geladenen Gästen hielt,
darunter ein Großteil der bayerischen Regierung. Hitler schoss einmal in die
Luft, und rief die „nationale Revolution“ aus. Mit Ludendorff und dem anwesenden
Triumvirat um Kahr einigte er sich durch „Druck und Überredung“ auf den
sofortigen Putsch und eine „provisorische deutsche Nationalregierung“ unter der
Leitung Hitlers. Obwohl man die anwesenden Minister verhaftete und das
Hauptquartier im Bürgerbräu aufschlug, scheiterte der Hitler-Ludendorff-Putsch
noch in der Nacht, da Kultusminister Franz Matt nach Regensburg fliehen konnte,
Ernst Röhm nur die Besetzung des Wehrkreiskommandos VII, nicht aber der Münchner
Kasernen, gelang, und Kahrs Triumvirat seine Zustimmung widerrief. Am nächsten
Morgen versuchten die 2.000 teilweise bewaffneten Putschisten, verstärkt von
herbeigeeilten Nationalsozialisten aus anderen bayerischen Städten, Röhm im
Wehrkreiskommando zu erreichen, „um dort die militärische Gewalt zu übernehmen
und die ‚nationale Revolution‘ mit einem ‚Marsch auf Berlin‘ ins ganze Deutsche
Reich zu exportieren.“ Die dem Kahr-treuen Polizeichef Seißer unterstehende
Landespolizei stoppte den Zug nahe der Feldherrnhalle, wo Schüsse fielen, die 20
Todesopfer forderten, davon vier Polizisten. Ludendorff wurde noch am
9. November verhaftet, Hitler, der geflohen war, als die Putschisten
auseinandergetrieben wurden, einige Tage später.
Der
Hitler-Prozess gegen zehn Putsch-Teilnehmer begann am 26. Februar 1924 vor dem
bayerischen Volksgericht unter Vorsitz des Hitlersympathisanten Georg Neithardt.
Obwohl Ludendorff der allgemein bekannteste Teilnehmer war, stellte Hitler sich
als alleinigen Initiator des ganzen Unternehmens dar. Er bestritt den Vorwurf
des Hochverrats, indem er behauptete, die „Novemberverbrecher“ von 1918 seien
die eigentlichen Verräter. Schließlich wurde Ludendorff freigesprochen, fünf
Angeklagte wegen Beihilfe zum Hochverrat, Hitler und drei weitere Angeklagte
wegen Hochverrats zur Mindeststrafe von fünf Jahren Festungshaft und einer
Geldbuße von 200 Goldmark.
Das Gericht
betonte Hitlers „ehrenhafte Gesinnung“ und lehnte die im Gesetz zum Schutz der
Republik für straffällig gewordene Ausländer vorgesehene Ausweisung mit der
Begründung ab, Hitler denke und fühle deutsch, sei viereinhalb Jahre freiwillig
im deutschen Heer Soldat gewesen und dabei verwundet worden, so dass Hitlers
Ausweisung nicht in Frage komme. Auch von seiner Haftstrafe musste er wegen
guter Führung nur neun Monate in der Festung Landsberg absitzen. Bereits am 20.
Dezember 1924 wurde Hitler entlassen. Er hatte die Haftzeit genutzt, um das
Manuskript des ersten Teils seines Werks Mein Kampf zu verfassen, in dem er in
autobiographischer Form offen seine politischen Ziele und die Ideologie des
Nationalsozialismus beschrieb.
Dank der
Berichterstattung über den Prozess wurde Hitler nun auch im Norden Deutschlands
als der radikalste aller völkischen Politiker bekannt. Seine Stellung in der
NSDAP war gefestigter denn je und in der völkischen Bewegung gewann seine Stimme
erheblich an Gewicht. Hatte er sich bis dahin eher als Trommler der Bewegung
gesehen, der den Weg für einen anderen Retter Deutschlands wie etwa Ludendorff
frei machen sollte, so sah er sich nun zunehmend selbst in der Rolle des großen
Führers. All das nützte ihm jedoch zunächst wenig. Zwar wurde die NSDAP nach
einem anfänglichen Verbot wieder zugelassen, aber die wirtschaftlichen
Verhältnisse in der Weimarer Republik stabilisierten sich. Der bis 1929
anhaltende wirtschaftliche Aufschwung bot radikalen Parteien kaum Ansätze für
ihre Agitation.
Neubeginn und Aufstieg der
NSDAP
Nach seiner
Haftentlassung begann Hitler damit, die NSDAP unter seine alleinige Kontrolle zu
bringen. In Norddeutschland hatte sich unter Gregor Strasser ein starker
Parteiflügel gebildet, der Hitlers Anlehnung an die alten, monarchistischen
Machteliten nicht mittragen wollte und einen sozialrevolutionären Kurs
befürwortete. Hitler gelang es rasch, Strasser und seine Anhänger entweder
politisch kaltzustellen oder wie Joseph Goebbels auf seine Seite zu
ziehen.
Aus dem
fehlgeschlagenen Putsch hatte Hitler den Schluss gezogen, dass es die Macht im
Staat nicht auf revolutionärem, sondern auf legalem Weg zu erobern galt. Ihm
ging es darum, die Demokratie mit ihren eigenen Waffen zu schlagen und zu
untergraben. Die NSDAP sollte in die Parlamente einziehen, aber ohne dort
konstruktiv mitzuarbeiten. Zudem sollte die SA mit spektakulären Aufmärschen,
Straßenschlachten und Krawallen die Blicke der Öffentlichkeit auf die Partei und
ihren Führer lenken und zugleich die Schwäche des demokratischen Systems
offenbaren. Für die späteren Wahlerfolge der Partei waren nicht zuletzt ihre für
die damaligen deutschen Verhältnisse völlig neuen Methoden der Werbung und
Massenbeeinflussung verantwortlich. Ein Grundstein für den Erfolg dieses
Vorgehens war die Fähigkeit Hitlers, massenwirksame politische Reden zu halten.
Mit seiner Ruhrkampagne versuchte er jedoch vergeblich, die Unterstützung der
Ruhrindustrie zu gewinnen.
Eine erste
Möglichkeit, in ganz Deutschland propagandistisch tätig zu werden, war das 1929
von NSDAP und DNVP gemeinsam initiierte Volksbegehren gegen den Young-Plan, der
eine abschließende Regelung der Reparationsfragen zwischen Deutschland und
seinen ehemaligen Kriegsgegnern vorsah. Das Volksbegehren scheiterte zwar, aber
Hitler und die NSDAP gewannen in den Reihen des nationalistisch-konservativen
Bürgertums erheblich an Zustimmung, was sich bei den Landtagswahlen in Thüringen
im Herbst 1929 erstmals in einem deutlichen Zuwachs an Wählerstimmen auszahlte.
Vor allem konnte Hitler seither auf die publizistische Unterstützung durch das
Presseimperium des DNVP-Vorsitzenden Alfred Hugenberg setzen. Dieser sah – wie
zuvor Ludendorff und später Papen – in Hitler und der NSDAP nur willige,
lenkbare Instrumente, um den deutschnationalen Kräften zu einer Massenbasis zu
verhelfen.
Zum Durchbruch
auf nationaler Ebene verhalf Hitler aber erst die Weltwirtschaftskrise, die Ende
1929 ausbrach und Deutschland besonders hart traf. Über die Finanzkrise des
Reichs brach am 27. März 1930 die Weimarer Koalition auseinander. Hermann Müller
(SPD), dem letzten Kanzler, der noch über eine demokratisch gesinnte
Reichstagsmehrheit verfügte, folgte das erste Präsidialkabinett des
Zentrums-Abgeordneten Heinrich Brüning, das sich allein auf das Vertrauen des
Reichspräsidenten Paul von Hindenburg stützen konnte. Bei den Neuwahlen am 14.
September steigerte die NSDAP ihren Stimmenanteil mit einem Schlag von 2,6 auf
18,3Prozent. Statt mit 12 Abgeordneten, wie bis dahin, zog sie nun mit 107 in
den Reichstag ein. Die staatstragenden, demokratischen Parteien der Mitte hatten
keine Mehrheit mehr, und Hitler war endgültig zu einem Machtfaktor in der
deutschen Politik geworden.
1931 erhielt
Hitler durch die Vermittlung von Ernst Röhm, der Verbindungen zu Kurt von
Schleicher hatte, eine Einladung zu einem Termin bei Hindenburg. Am 10. Oktober,
einen Tag vor dem Treffen der Harzburger Front, trat Hitler gemeinsam mit
Hermann Göring vor den Reichspräsidenten. Diese Begegnung soll wenig erfolgreich
verlaufen sein. Hitler sei in gewohnter Manier in lange Monologe verfallen,
statt die Fragen des Feldmarschalls abzuwarten. In diesem Zusammenhang ist
überliefert, dass Hindenburg später zu Schleicher gesagt habe, er hätte ihm da
einen sonderbaren Kerl geschickt: Dieser „böhmische Gefreite“ wolle
Reichskanzler werden? Niemals! „Höchstens Postminister“. Hindenburg verwechselte
Hitlers Geburtsort, das österreichische Braunau, mit dem gleichnamigen Ort in
Böhmen.
Hitlers Weg zur
Kanzlerschaft
Den nach
freiwilliger Aufgabe der österreichischen Staatsbürgerschaft seit 1925
staatenlosen Hitler machte erst die Anstellung als Regierungsrat beim
Landeskultur- und Vermessungsamt des Freistaates Braunschweig mit sofortiger
Abordnung an die Braunschweigische Gesandtschaft beim Reichsrat in Berlin Ende
Februar 1932 zum deutschen Staatsangehörigen. Damit erfüllte er eine formale
Voraussetzung zur Kandidatur bei der Reichspräsidentenwahl im selben Jahr.
Nachdem Hindenburg im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit verfehlt und sich
erst im zweiten Wahlgang im Unterschied zu Hitler (36,8%) mit 53% durchgesetzt
hatte, bedurfte es weiterer Etappen bis zur Reichskanzlerschaft. Am 31. Juli
1932 wurde die NSDAP mit 37,3% stärkste Partei bei den Reichstagswahlen, verlor
aber bei erneuten Reichstagswahlen am 6. November 1932 beträchtlich, wobei sie
mit 33,1% relativ stärkste Partei blieb. Als die NSDAP bei den Landtagswahlen in
Lippe 39,5% der Stimmen erzielte, wertete die Partei das als Zeichen ihrer
Stabilisierung, so dass nach dem Rücktritt Schleichers am 28. Januar 1933 der
Weg für Hitler frei wurde, der seit Ende 1932 zusammen mit Goebbels und Göring
kompromisslos auf seine Kanzlerschaft gedrängt
hatte.
Die Kamarilla
um Paul von Hindenburg trieb zur Unterstützung einer nationalistisch
ausgerichteten Regierung die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler voran.
Unterstützung suchte Hitler weiterhin bei Großindustrie und Banken. Schon in der
Frühphase der NSDAP hatte er antikapitalistische Tendenzen in der Partei klein
zu halten versucht und stets darauf bestanden, allein die Juden für die Misere
der Wirtschaft verantwortlich zu machen. Bei einer Rede vor dem Düsseldorfer
Industriellenclub 1932 hob Hitler die Rolle der Wirtschaftseliten lobend hervor
und betonte, dass das deutsche Volk nicht überleben könne, solange die Hälfte
der Deutschen „Eigentum als Diebstahl“ betrachtete – eine Anspielung auf das
immer noch große Wählerpotential von SPD und KPD. Trotz dieser Bemühungen blieb
der Anteil der großindustriellen Spenden an den Finanzen der NSDAP aber gering,
was sich unter anderem an der erheblichen Finanznot zeigte, in die die Partei im
Herbst 1932 geriet – gerade zu dem Zeitpunkt, als sich in der berühmten
Industrielleneingabe mehrere Bankiers, Agrariern und Industrielle bei Hindenburg
für eine Kanzlerschaft Hitlers einsetzten. Größere Bedeutung für den Aufstieg
der NSDAP hatte ihre Selbstfinanzierung durch Mitgliedsbeiträge und
Eintrittsgelder bei
Redeveranstaltungen.
Die
Befürwortung seiner Ernennung zum Reichskanzler durch die nationalkonservativen
Kreise um Franz von Papen sicherte sich Adolf Hitler, indem Papen zum
Vizekanzler mit dem Recht, bei allen Vorträgen des Kanzlers beim
Reichspräsidenten zugegen zu sein, ernannt wurde und die klassischen Ministerien
von Konservativen besetzt wurden. Papen glaubte, Hitler dadurch „einrahmen“ zu
können. Beim Treffen Papens mit Hitler im Haus des Bankiers Schröder einigten
sich beide auf eine Reichskanzlerschaft Hitlers. Das Militär erhoffte sich von
einem Reichskanzler Hitler eine Beseitigung oder zumindest eine Lockerung der
Fesseln des Versailler Vertrags sowie eine Aufrüstung beziehungsweise
Vergrößerung der Reichswehr. Nationalkonservative aus Wirtschaft und Politik
wollten durch Hitler eine Stabilisierung der Regierung und auch eine
Neuorientierung der politischen Kultur in Richtung einer autoritären Monarchie
erreichen.