Die
Rettung des Bauernstandes.
Friesenkinder
begrüßen den Führer bei der Einweihung des Adolf-Hitler-Kogs (heute:
Dieksanderkoog Kreis Dithmarschen, Gemeinde
Friedrichskoog).
Rechts
neben Adolf Hitler sein Chefadjudant Wilhelm Brückner, rechts Reichsbauernführer
Richard Walther Darré.
Großformatige
Fotoabbildung im Originaldruck von 1935.
Nach
einer Originalaufnahme von Heinrich Hoffmann.
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Historische Informationen zum
Artikel:
30er – Jahre, Fotografie, Photographie, Zeitgeschichte,
Deutsche Geschichte, Drittes Reich, III. Reich, 3. Reich, Norddeutschland,
Schleswig-Holstein, D-25709 Marne, Nordsee
Der Dieksanderkoog ist ein Koog im südlichen Kreis
Dithmarschen, der heute ein Ortsteil der Gemeinde Friedrichskoog
ist.
Geschichte
Im Jahr 1935 wurde die Eindeichung des von der Nordsee
gewonnenen Kooges abgeschlossen. Er erhielt den Namen Adolf-Hitler-Koog, da nach
einer umfangreichen Umbenennungsaktion nach der Machtergreifung im Jahr 1933
neue Projekte nur noch nach prominenten nationalsozialistischen Namensträgern
benannt werden durften. Der Anstoß zur Namensgebung stammte aus der
NSDAP-Ortsgruppe Friedrichskoog, die diesen Vorschlag bereits im April 1933
unterbreitet hatte. Der Adolf-Hitler-Koog sollte ein Musterkoog in Rahmen der
nationalsozialistischen Politik von Blut und Boden werden. Die Rassenpolitik
spielte auch in dem Landgewinnungsprojekt eine entscheidende Rolle. So traf der
Kreisbauernführer des damaligen Kreises Süderdithmarschen im Auftrag des
Reichsnährstandes persönlich die Auswahl der 93 Siedler des neuen
Adolf-Hitler-Koogs. Nur überzeugte Nationalsozialisten aus Dithmarschen
erhielten eine Siedlerstelle, da die nationalsozialistische Koog-Gemeinschaft
nach außen ein Symbol der NS-Volksgemeinschaft abgeben sollte. Die
nationalsozialistische Propaganda nutzte den Adolf-Hitler-Koog intensiv für ihre
Zwecke, so sollte der friedliche Aufbauwille des nationalsozialistischen
Deutschland insbesondere dem kritischen Ausland präsentiert werden. Dieser Zweck
wurde auch erreicht. Zahlreiche Delegationen ausländischer Politiker und
Journalisten besuchten den Musterkoog und zeigten sich beeindruckt von der
inszenierten Gemeinschaft. Das Verkehrsaufkommen im Koog stieg durch die vielen
Schaulustigen, die auch aus allen Teilen des Reiches anreisten, so stark an,
dass die Straßen und Wege befestigt und asphaltiert werden mussten. Auch
Wasserleitungen und Stromanschlüsse wurden wegen der vielen Besuchergruppen
schneller als üblich verlegt. Wegen der überragenden propagandistischen
Bedeutung des Adolf-Hitler-Koogs übernahm das Reichsministerium für
Volksaufklärung und Propaganda die Kosten. Mit Informationsbroschüren und Filmen
wie Trutz blanke Hans (1935) und Neuland am Meer (1938) sowie Radioübertragungen
von verschiedenen Orten der Westküste machte das Propagandaministerium die
Themen Landgewinnung und Adolf-Hitler-Koog im ganzen Reich
bekannt.
Im gleichen Jahr 1935 wurde auf der Halbinsel Eiderstedt
ein weiterer Musterkoog unter dem Namen Hermann-Göring-Koog (heute:
Tümlauer-Koog) eingeweiht, im Jahr 1938 folgte dann der Musterkoog
Horst-Wessel-Koog (heute: Norderheverkoog). Insgesamt sollten nach diesen
Vorbildern innerhalb von 100 Jahren 43 Köge gewonnen werden, um zusätzlichen
Raum für insgesamt 14.000 Siedler zu schaffen. Die Pläne dazu waren bereits in
der Weimarer Republik entstanden, wurden aber von den Nationalsozialisten nicht
nur verschwiegen, sondern als eigene Ideen ausgegeben. Das Vorhaben wurde 1938
aufgrund des hohen finanziellen und zeitlichen Aufwands bei der Landgewinnung
mit dem Horst-Wessel-Koog abgebrochen.
Bauwerke
Im Adolf-Hitler-Koog selbst wurden Höfe gebaut, die sich
einerseits an den idealisierten Vorstellungen eines germanischen Bauernhauses
orientieren, andererseits in ihrer Uniformität und gleichmäßigen Anordnung an
heutige Reihenhaussiedlungen erinnern. Die 1935/36 im Koog auf einer Wurt
gebaute Neulandhalle erinnert an einen Haubarg, der eigentlich in Eiderstedt,
nicht jedoch in Dithmarschen eine traditionelle Gebäudeform ist. Die von dem
Kieler Architekten Richard Brodersen entworfenen Neulandhalle ist der zentrale
Ort im Adolf-Hitler-Koog. Sie stand auf einem kahlen Vorlandhügel. Die bewusst
als Anti-Kirche geplante Halle war innen und außen eine architektonische
Umsetzung nationalsozialistischer Werte. Am Turmgiebel prangte ein Reichsadler
mit Hakenkreuz. In seinem Inneren befindet sich eine große Halle, die für
Versammlungen und Schulungen der nationalistischen Bauernorganisation dienten.
Eine große Glocke in einem separaten hölzernen Glockenturm rief die Bauern, wie
in einer Kirche zu den Versammlungen. Die Glocke verschwand in der
Nachkriegszeit auf mysteriöse Art. An den Außenmauern der Nordseite waren
überlebensgroße Statuen eines Soldaten und eines Bauern angebracht. Die meisten
Fresken und Ausstellungsstücke wurden nach 1945 entfernt, einzig das Fresko
Deichbau des Altonaer Bildhauers Otto Thämer ist noch erhalten. Heute dient die
Halle als Jugendfreizeitzentrum der Kirchenkreise Norder- und
Süderdithmarschen.
Politik
Bis 1945 waren 91 von 93 Siedlern im Dieksanderkoog
Mitglieder der NSDAP, vorzugsweise mit niedriger Mitgliedsnummer, so dass der
Ort auch lange nach Kriegsende ein Zentrum des Rechtsextremismus
war.
Friedrichskoog ist eine Gemeinde im Südwesten des Kreises
Dithmarschen (Schleswig-Holstein) zwischen der offenen Nordsee und der
Elbmündung. Ursprünglich durch Landwirtschaft geprägt kam Anfang des 20.
Jahrhunderts die Fischerei hinzu, mittlerweile ist es vor allem ein
Touristenort. Vor der Küste im Nationalpark Wattenmeer liegen sowohl die
Vogelschutzinsel Trischen als auch die größte deutsche Bohrinsel
Mittelplate.
Geografie
Friedrichskoog liegt in der Marsch Süderdithmarschens.
Das Land, das erst im 19. und 20. Jahrhundert eingedeicht wurde, ist ausnehmend
fruchtbar. In der Elbmündung entwickelte es sich aus natürlicher Landgewinnung,
die erst zum Entstehen der Dieksander Hallig, heute Friedrichskoog, dann zum
entstehen des Dieksanderkoogs und heute zu umfangreichen Salzwiesen vor der
Küste führte.
Die Salzwiesen zwischen Hafen und Trischendamm waren 2001
insgesamt 485 Hektar groß und bis zu 1,2 Kilometern breit. Ungefähr die Hälfte
der Fläche wird intensiv beweidet, die andere Hälfte aus Naturschutzgründen
nicht. Etwa 40 Hektar dienen als Spülfläche, um Schlick aufzunehmen, der aus dem
Hafenbecken gebaggert wird. Seit den Naturschutzmaßnahmen nahm die Zahl der
Vegetationstypen von fünf auf 17 zu, dominante für intensiv genutztes Grünland
typische Gesellschaften wie der Andelrasen ist von 53% auf 13% gesunken, dafür
zeigten sich erstmals beweidungsempfindliche Pflanzengesellschaften wie
Strandquecken-Flur oder Salzmelden-Flur. Der 2001 am weitesten verbreitete
Vegetationstyp war die Schlickgras-Flur, die ein Viertel der Fläche einnahm. Im
meerseitigen Anschluss an die Salzwiesen sowie auf der dem Hafen abgewandten
Seite des Trischendammes liegt das Wattgebiet Mittelplate mit bis zu 12
Kilometern meerseitiger Ausdehnung.
Gemeindegliederung
Friedrichskoog, Friedrichskoog-Spitze,
Kaiserin-Auguste-Viktoria-Koog, Dieksanderkoog und
Trischen.
Trischen ist eine 180 Hektar große Insel vor der
Dithmarscher Küste, die auch als „Vogelinsel“ gilt. Mit Ausnahme eines
Vogelwarts im Sommer ist sie unbewohnt, das Betreten der Insel ist
verboten.
Geschichte
Die Gemeinde, benannt nach dem dänischen König
Friedrich VII., entstand ab 1853 durch Eindeichungen aus der Nordsee und
umfasste vor allem die damalige Insel Dieksand. Das Land wurde nach Beendigung
des Deichbaus von der dänischen Krone verkauft.
Zur Gemeinde gehört der Dieksanderkoog (ehemals:
Adolf-Hitler-Koog), der von 1933 bis 1935 eingedeicht und als
nationalsozialistische Mustersiedlung geschaffen
wurde.
Politik
Inoffizielles Wappen
Friedrichskoog führt kein Wappen. Ein inoffizielles
Wappen und auch eine inoffizielle Hissflagge sind jedoch im Gemeindebild
omnipräsent, auch wenn sie nicht von der Gemeinde selbst verwendet
werden.
Das Wappen ist zweigeteilt. Es stellt oben einen
Bauernhof dar, bestehend aus Wohnhaus und baulich abgesetztem Wirtschaftsgebäude
(eine in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts übliche Form, die neben anderen
in der Gemeinde zu finden ist; die beiden Gebäudeteile werden in der Regel durch
einen kurzen, schmalen Küchen- und Waschküchen-Trakt verbunden, der in der
Darstellung jedoch nicht zu erkennen ist), der auf die Fruchtbarkeit des Bodens
verweisen soll; unten sind die Nordsee mit Brandung und ein Deich dargestellt.
Eine Blasonierung existiert nicht.
Kultur und
Sehenswürdigkeiten
In der Liste der Kulturdenkmale in Friedrichskoog stehen
die in der Denkmalliste des Landes Schleswig-Holstein eingetragenen
Kulturdenkmale.
Seit 1985 besteht in Friedrichskoog die Seehundstation
Friedrichskoog. Sie ist die einzige zur Aufzucht von Heulern autorisierte Stelle
an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste. Ihr Aussehen wurde zahlreichen
Fernsehzuschauern durch die Fernsehserie Hallo Robbie! bekannt, von der große
Teile in der Station gedreht wurden.
Unweit der Seehundstation verläuft in unmittelbarer Nähe
zur Schleuse der 54. Breitengrad, das ist in etwa die gleiche geografische
Breite wie Danzig oder die Kommandeur-Inseln in Alaska. Auf der Deichkrone
befindet sich ein Gedenkstein, wobei sich der tatsächliche Verlauf aber einige
hundert Meter weiter südlich jenseits der Schleuse
befindet.
An der „Spitze“ befindet sich der 1935/36 erbaute
Trischendamm. Während des Saison finden diverse Veranstaltungen zur Unterhaltung
der Gäste statt, meist im oder in der Nähe des „Haus des Kurgastes“ im Ortsteil
Spitze.
2008 wurde am Hafen ein 2500 m² Indoor-Spielpark in der
architektonisch interessanten Form eines Wals
erbaut.
Wirtschaft
Der wohl bedeutendste Wirtschaftszweig in Friedrichskoog
dürfte der Tourismus sein. Zwar verfügt Friedrichskoog über keinen Sandstrand
– weder natürlich noch künstlich – und kann seinen Gästen nur den
Deich anbieten, dafür grenzt der Deich aber unmittelbar an das Wattenmeer und
ermöglicht ausgedehnte Wattwanderungen. Im Rahmen der Förderung des Tourismus
wurde seit Ende der 1970er der Bereich der „Spitze“ in mehreren Abschnitten
massiv ausgebaut, wobei die bisher letzte größere Maßnahme 2007 begonnen wurde.
Seit 2004 ist der Ortsteil Friedrichskoog-Spitze als Nordseeheilbad anerkannt,
dort befindet sich auch eine große Kurklinik, die auf gemeinsame Aufenthalte mit
Kindern spezialisiert ist.
Friedrichskoog verfügt an der Westküste über den Hafen
mit den meisten registrierten Krabbenkuttern, der nach Büsum und Husum der
drittwichtigste Fischereihafen der Schleswig-Holsteinischen Nordseeküste ist.
Hier findet jährlich eine Kutterregatta statt, die einen hohen touristischen
Wert hat. Auf Landesebene gibt es dennoch Bestrebungen zur Schließung dieses
Tidehafens.
Vor Friedrichskoog im Nationalpark
Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer befindet sich das größte deutsche Ölfeld,
die Mittelplate. Gefördert wird von einer künstlichen Insel im Watt sowie seit
2000 auch von Friedrichskoog aus. Seit 2005 ist eine Pipeline von der Bohrinsel
zum Förderbetrieb Holstein in Friedrichskoog in Betrieb. Dort erfolgt die
Abtrennung des Öles von den übrigen Bestandteilen (vor allem Wasser) sowie eine
Abtrennung des Ölgases. Die so aufbereiteten Produkte werden über eine Leitung
nach Brunsbüttel gepumpt, wo teilweise eine Verarbeitung, teilweise eine
Weiterleitung zur Raffinerie in Hemmingstedt bei Heide
erfolgt.
Im östlichen Teil von Friedrichskoog gab es 2010 über 50
Windkraftanlagen zur Stromerzeugung, die überwiegend mit einer Leistung von je
500 bis 600 kW und Rotordurchmessern um 40 m in der Mitte der 1990er Jahren
installiert wurden. Zunehmend werden diese durch größere, leistungsstärkere
Anlagen ersetzt, wobei sich die Anzahl reduziert.
Verkehr
Friedrichskoog ist mit dem Auto am besten über die B 5 zu
erreichen, die man entweder in Marne oder ein Stück weiter nördlich verlassen
muss. Der Eisenbahnbetrieb ist seit Mitte der 1970er eingestellt, die
Gleisanlagen wurden mittlerweile komplett zurückgebaut. Der nächstgelegene
Bahnhof ist Sankt Michaelisdonn an der Marschbahn (Strecke
Hamburg – Niebüll – Westerland), von dort verkehrt eine
Buslinie über Marne nach Friedrichskoog.
Adolf Hitler (* 20. April 1889 in Braunau am Inn,
Österreich-Ungarn; † 30. April 1945 in Berlin) war ein deutscher Politiker und
Diktator österreichischer Herkunft. Er war ab 1921 Parteichef der NSDAP, seit
1933 Reichskanzler und von 1934 bis zu seinem Suizid unter der Bezeichnung
Führer und Reichskanzler zugleich Regierungschef und Staatsoberhaupt des
Deutschen Reiches.
Biografie
Fast alle Biografen Hitlers weisen auf die enorme
Diskrepanz zwischen dessen erster und zweiter Lebenshälfte hin. Bis zu seinem
30. Lebensjahr war er, gemessen an den bürgerlichen Maßstäben seiner Zeit, nicht
erfolgreich, da er weder eine Berufsausbildung noch nennenswerte soziale
Bindungen hatte. Danach schwang sich Hitler innerhalb weniger Jahre zum
deutschen Reichskanzler und schließlich zum diktatorischen Herrscher über weite
Teile Europas auf.
Die frühen Jahre
Um seine Herkunft und sein Leben vor dem Eintritt in die
Politik machte Hitler stets ein Geheimnis. „Sie dürfen nicht wissen“, sagte er
1930 über seine politischen Gegner, „woher ich komme und aus welcher Familie ich
stamme.“ Döllersheim und Strones, die Heimatdörfer seiner Eltern und Großeltern,
ließ er im Sommer 1938, gleich nach dem Anschluss Österreichs evakuieren, um
einen Truppenübungsplatz anzulegen (heute: Truppenübungsplatz Allentsteig).
Krockow, Kershaw und andere Biografen Hitlers vermuten, dass die Gründe dafür in
dessen ungeklärter und von Inzest nicht freien Herkunft zu suchen sind. Hitlers
eigene Angaben in Mein Kampf zu seinen frühen Jahren dienten vor allem der
Selbststilisierung zu einem idealen nationalsozialistischen Kämpfer, gingen kaum
über das hinaus, was damals ohnehin schon bekannt war, und sind daher wenig
vertrauenswürdig.
Herkunft
Hitlers Familie stammte aus dem niederösterreichischen
Waldviertel an der Grenze zu Böhmen. Im 19. Jahrhundert schwankte der
damals in Österreich nicht unübliche Name der Familie noch zwischen Hüttler,
Hiedler, Hittler und Hitler. Am wahrscheinlichsten ist, dass sich die
verschiedenen Namensvarianten, die sich in der dialektalen Aussprache phonetisch
kaum unterscheiden, von Hütte ableiten, der Name also so viel bedeutet wie
Kleinbauer oder Häusler. Der spätere Diktator wurde in der oberösterreichischen
Stadt Braunau am Inn geboren – am 20. April 1889 um 18:30 Uhr im Gasthof
Pommer, Salzburger Vorstadt 219 (heute Hausnummer 15). Er war das
vierte von sechs Kindern des Zollbeamten Alois Hitler und dessen dritter Frau
Klara (geb. Pölzl). Der Vater wurde unter dem Namen Alois Schickelgruber als
unehelicher Sohn der später verehelichten Anna Maria Schicklgruber und Johann
Georg Hiedler geboren, wurde aber erst posthum, wohl auf Betreiben seines Onkels
Johann Nepomuk Hiedler, bei dem er als Ziehkind aufgewachsen war, legitimiert
und nahm als 39-Jähriger den Namen Hitler an. Die Mutter Klara (geb. Pölzl) war
die Tochter von Johann Nepomuk Hiedlers ältester Tochter Johanna Hiedler und
ihrem Mann Johann Babtist Pölzl. Somit waren Hitlers Eltern Onkel und Nichte
zweiten Grades.
Die drei älteren Geschwister Adolf Hitlers verstarben
bereits im Kindesalter, noch vor Adolfs Geburt. Von den sechs Kindern des
katholischen Paares erreichten nur Adolf und seine Schwester Paula das
Schulalter. Aus zweiter Ehe seines Vaters hatte Adolf einen Halbbruder und eine
Halbschwester: Alois junior und Angela, die ebenfalls im Haushalt aufwuchsen, da
ihre Mutter verstorben war. In Mein Kampf schildert Hitler den Vater als streng,
autoritär, mitunter auch jähzornig und gewalttätig. Es ist jedoch umstritten, ob
Hitlers Erziehung strenger war als zu dieser Zeit
üblich.
Obwohl es keinen Grund zur Annahme gibt, dass Adolf
Hitler an Johann Georg Hiedler als Großvater gezweifelt hat, musste die nicht
mit völliger Sicherheit geklärte Abstammung für den Propagandisten einer
rassistischen Ideologie politisch brisant werden, als er seit Anfang der
1920er-Jahre zunehmend bekannter wurde. Politische Gegner haben schon damals
immer wieder nachzuweisen versucht, dass der Führer der antisemitischen und
extrem nationalistischen NSDAP selbst jüdische oder tschechische Vorfahren habe.
Bereits seit Mitte der 1920er-Jahre gab es Gerüchte über eine vermeintlich
jüdische Abstammung Hitlers. Hans Frank griff diese in den Nürnberger Prozessen
und in seiner Autobiografie mit der Aussage auf, Hitlers Großmutter sei mit
seinem Vater Alois schwanger geworden, als sie als Dienstmagd im Haushalt eines
Grazer Juden namens Frankenberger gearbeitet habe. Die sich auf Frank beziehende
Literatur verbreitete diese Behauptung weiter, bis sie überzeugend widerlegt
wurde. Für Hitler waren derartige Gerüchte und die zum Teil inzestuösen
Verhältnisse in seiner Familie Grund genug, seine Herkunft möglichst zu
verschleiern.
Kindheit
Wegen seines Berufs zog Alois Hitler mit seiner Familie
häufig um: von Braunau zunächst nach Passau, später nach Lambach und schließlich
nach Leonding bei Linz.
Auf den verschiedenen Volksschulen, die Adolf Hitler
besuchte, war er ein guter Schüler, auf der Realschule in Linz versagte er
dagegen völlig. Bereits das erste Jahr dort, 1900/1901, musste er wiederholen,
und seine Lehrer bescheinigten ihm „mangelnde Arbeitslust“. An der Realschule in
Linz begeisterten sich Schüler, darunter auch Hitler, für die Thesen Georg von
Schönerers, sie begrüßten sich mit „Heil!“-Rufen und hefteten sich Kornblumen
ans Revers. Die dritte Klasse in der Realschule in Linz schloss er 1904 erneut
mit so mangelhaften Noten ab, dass eine Wiederholung der Klasse drohte. Da sein
Vater aber in diesem Jahr gestorben war, bot die Schule Hitlers Mutter an, ihn
zu versetzen, allerdings nur unter der Bedingung, dass er die Schule wechselte.
Hitler besuchte daher nun die Realschule in Steyr, die als weniger anspruchsvoll
galt. Aber auch dort besserten sich seine Leistungen nicht. Er blieb sitzen,
schaffte die Wiederholungsprüfung nicht und verließ die Schule sechzehnjährig,
im Herbst 1905, ohne Abschluss.
Hitler stellte dies später als eine Art von Lernstreik
gegen den Vater dar, der ihn in eine Beamtenlaufbahn habe drängen wollen,
während er selbst den Beruf des Kunstmalers anstrebte. An dieser Darstellung ist
insofern etwas Wahres, als Hitler sich zeitlebens als verkannter Künstler sah,
mit regelmäßiger Arbeit nicht zurechtkam, und außerdem Egozentrik zu seinen
hervorstechendsten Eigenschaften gehörte. Gegen Hitlers Darstellung spricht
jedoch, dass sein Vater schon am 3. Januar 1903 im Alter von 65 Jahren
gestorben war. Der Erziehungsdruck auf den 13-Jährigen ließ also nach, ohne dass
seine Leistungen deshalb besser wurden.
Jahre in Wien und München
Von 1903 an bezog Hitler eine Halbwaisenrente. Damit und
mit der Unterstützung durch seine Mutter war er ab 1905 finanziell unabhängig.
Im September 1907 reiste er nach Wien und unterzog sich an der Allgemeinen
Malerschule der Wiener Kunstakademie zusammen mit weiteren 112 Kandidaten der
Aufnahmeprüfung.
Durch seine mitgebrachte Arbeitsmappe qualifizierte er
sich wie 79 weitere Bewerber zur Teilnahme am zweiten Auswahlverfahren, dem
Probezeichnen am 1. und 2. Oktober. Nur 28 bestanden diese Prüfung. Die
restlichen Bewerber, darunter auch Hitler und Robin Christian Andersen waren zum
Studium nicht zugelassen. Er blieb zunächst in Wien. Am 24. Oktober teilte der
jüdische Hausarzt Eduard Bloch der Familie mit, die Mutter sei unheilbar krank
und habe nicht mehr lange zu leben. Adolf kehrte nach Linz zurück, bevor seine
Mutter am 21. Dezember 1907 an Brustkrebs starb. Nach ihrem Tod distanzierte er
sich zunehmend von seinen Verwandten.
Anders als die Schilderungen seiner Jugendzeit in Mein
Kampf suggerieren, konnte Hitler von seiner Waisenrente anfangs relativ gut
leben. Sein Einkommen, zusätzlich aufgebessert durch den Verkauf selbst gemalter
Bilder und Postkarten, lag über dem Anfangsgehalt eines Lehrers. Das
Empfehlungsschreiben einer Bekannten an den renommierten Bühnenbildner Alfred
Roller, der sich zu einem Empfang Hitlers bereit erklärte, führte letztlich zu
keinem Ergebnis. Im Herbst 1909 konnte er sich bei seiner zweiten Bewerbung an
der Kunstakademie nicht mehr zum Probezeichnen qualifizieren. Danach bemühte er
sich kaum, einen Beruf oder auch nur eine Berufsausbildung in Angriff zu
nehmen.
In Wien kam er mit den Schriften des Rassenideologen und
Antisemiten Jörg Lanz von Liebenfels in Kontakt. Auch die antisemitischen
Polemiken von Politikern wie Georg von Schönerer, dem Führer der Alldeutschen
Bewegung, und dem Wiener Bürgermeister Karl Lueger nahm er auf. Seine
Vorstellung von einer überlegenen arischen so genannten Herrenrasse dürfte sich
damals gebildet haben, seine Vorbilder ließ er aber stets unerwähnt. Mehr als
für Politik hat sich Hitler nach Aussagen seines damaligen Freundes August
Kubizek für Opern interessiert, insbesondere für die Richard
Wagners.
Nach der zweiten Ablehnung durch den Vorstand der
Kunstakademie ging Hitler allmählich das Geld aus. Zudem musste er fürchten, zum
Militär eingezogen zu werden. Ob er deshalb allerdings im Herbst 1909
tatsächlich für einige Monate obdachlos war bzw. im Obdachlosenasyl in Meidling
Zuflucht suchte ist nicht wirklich gesichert. Sicher ist, dass er Anfang 1910 in
das Männerwohnheim in der Meldemannstraße zog. Als Maler von Sehenswürdigkeiten
Wiens fand er ein bescheidenes Auskommen. Hitler malte und zeichnete in Wien bis
Mitte 1910 zahlreiche kleinformatige Bilder. Da er selbst eher kontaktscheu war,
übernahm ein Mitbewohner, Reinhold Hanisch, den Verkauf seiner Bilder. Weil er
sich bei einem Geschäft von Hanisch betrogen fühlte, übertrug er den Verkauf
einem jüdischen Mitbewohner namens Siegfried Löffner. Im August 1910 wurde
Hanisch durch Löffner wegen der angeblichen Unterschlagung eines Hitler-Bildes
bei der Wiener Polizei angezeigt. Da sich bei dieser Gelegenheit herausstellte,
dass Hanisch in Wien unter dem falschen Namen Fritz Walter gemeldet war, wurde
er am 11. August 1910 zu einer Gefängnisstrafe von sieben Tagen verurteilt. 1912
wurde Hitler seinerseits von einer anonymen Person wegen des unberechtigten
Führens des Titels eines „akademischen Malers“ bei der Polizei angezeigt und
ermahnt, diesen Titel zukünftig nicht mehr zu gebrauchen. In der Forschung wird
angenommen, dass der Maler Karl Leidenroth, ein Freund Hanischs, die Anzeige in
dessen Auftrag erstattete, um sich für die Anzeige aus dem Jahr 1910 zu
revanchieren. Danach schränkte Hitler seine künstlerische Tätigkeit ein.
Bemerkenswerterweise arbeitete er beim Handel mit seinen Bildern mit zahlreichen
weiteren Juden zusammen, so mit dem ungarischen Männerheimbewohner Josef
Neumann, der als sein Verkäufer fungierte, sowie den Händlern Jakob Altenberg
und Samuel Morgenstern. Es ist daher fraglich, ob Hitlers Antisemitismus damals
bereits so ausgeprägt war, wie er in Mein Kampf
behauptete.
Die Historiker gingen davon aus, dass Hitler Hanisch
30 Jahre später 1938 verhaften ließ – beziehungsweise ihn nach dem
Einmarsch in Österreich bereits verhaftet vorfand – um ihn dann im
Konzentrationslager Buchenwald ermorden zu lassen. Wahrscheinlicher ist jedoch,
dass Hanisch bereits am 4. Februar 1937 während seines Aufenthaltes im Wiener
Inquisitenspital an einem Herzschlag starb. Brigitte Hamann förderte nach
intensiven Recherchen zu Hitlers Zeit in Wien nicht nur einen Bericht des
untersuchenden Gerichtsarztes in der Wiener Todesfallaufnahme zu Tage, sondern
auch einen Brief von Hitlers Wiener Emissär Franz Feiler vom 11. Mai 1938, in
dem Feiler seinem Vertrauensmann im NSDAP-Hauptarchiv Ernst Schulte-Strathaus
mitteilte, Hanisch sei „vor 1,5 Jahren gestorben.“
Nachdem Hitler im Mai 1913 das Erbe des Vaters ausgezahlt
worden war, zog er vom Männerwohnheim in Wien nach München um, wo er bei dem
Schneider Josef Popp in der Maxvorstadt zur Untermiete wohnte. Der Umzug hatte
auch den Zweck, dem Militärdienst in Österreich zu entgehen. In Mein Kampf
schrieb er später, er habe sich nach einer „deutschen Stadt“ gesehnt. Hier las
er die rassistischen Schriften Houston Stewart Chamberlains. Hitler malte in
München weiterhin Aquarelle und gelegentlich Ölbilder, meist
Architekturdarstellungen nach fotografischen Vorlagen. Er verkaufte die Arbeiten
vornehmlich in der Kunsthandlung Stuffle am
Maximiliansplatz.
Nach längerer Suche durch die österreichische Polizei und
Vorführung beim österreichischen Konsulat in München durch Beamte der Münchner
Kriminalpolizei am 19. Januar 1914 fuhr er am 5. Februar 1914 zur Musterung nach
Salzburg. Hier wurde er als waffenunfähig beurteilt und vom Militärdienst in
Österreich zurückgestellt. Dass Hitler nicht prinzipiell dem Kriegsdienst aus
dem Weg gehen wollte, zeigte er als Kriegsfreiwilliger im Ersten
Weltkrieg.
Im Ersten Weltkrieg
Der 25-jährige Hitler begrüßte begeistert den
Kriegsausbruch im Jahr 1914. Eine Fotografie Heinrich Hoffmanns zeigt ihn
inmitten der Großdemonstration am 2. August 1914 auf dem Odeonsplatz. Diese
Fotografie wurde später massenhaft verbreitet.
Hitler trat am 16. August 1914 als Freiwilliger in die
Bayerische Armee ein. Dort wurde der Österreicher am 8. Oktober 1914 auf den
König von Bayern und anschließend auf den österreichischen Kaiser Franz Joseph
vereidigt. Als Soldat des 16. Kgl. Bay. Reserve-Infanterie-Regiments (6.
Königlich Bayerische Reserve-Division) verbrachte er fast die gesamte Kriegszeit
als Meldegänger an der Westfront. Man beurteilt die Teilnahme am Ersten
Weltkrieg für Hitlers späteres Leben als kaum überschätzbar: „Der Krieg und die
Folgen haben Hitler geschaffen.“
Nach seiner Beteiligung an der Ersten Flandernschlacht
erhielt Hitler am 3. November rückwirkend zum 1. November 1914 seine Beförderung
zum Gefreiten. Am 2. Dezember desselben Jahres wurde er mit dem Eisernen Kreuz
II. Klasse ausgezeichnet. Den spontanen Weihnachtsfrieden 1914 missbilligte
er. Hitler hinterließ mehrere Feldpostbriefe, von denen der vom 5. Februar 1915
der bedeutendste ist. Nach einer detailreichen Schilderung der Kampfhandlungen
äußert er am Schluss seine Hoffnung auf die endgültige Abrechnung mit den
Feinden im Inneren.
Seit dem 26. September 1916 war er Teilnehmer der
Schlacht an der Somme. Bei Le Bargur wurde Hitler am 5. Oktober 1916 (nach
eigenen Angaben am 7. Oktober) am linken Oberschenkel verwundet, als im
Unterstand der Meldegänger eine Granate explodierte. Man schickte ihn vom 9.
Oktober bis zum 4. Dezember in das Vereinslazarett Beelitz, das ihm mit seinen
weißen Betten und sorgenden Krankenschwestern geradezu unwirklich vorkam.
Erst im März 1917 kam er wieder an die Front und nahm im
Sommer an der Dritten Flandernschlacht teil, woraufhin er das
Militärverdienstkreuz III. Klasse mit Schwertern erhielt. Nach einem
Heimaturlaub in Berlin im Oktober 1917 war er ab Ende März 1918 an der Deutschen
Frühjahrsoffensive beteiligt. Im Mai erhielt er ein Regimentsdiplom für
hervorragende Tapferkeit und das Verwundetenabzeichen in Schwarz; am 4. August
wurde er auf Initiative des jüdischen Regimentsadjutanten Hugo Gutmann mit dem
Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet.
Hitler galt als korrekter Soldat, der aber bei seinen
Kameraden wegen seiner unkritischen Haltung gegenüber den Offizieren eher
unbeliebt war: „Den Vorgesetzten achten, niemandem widersprechen, blindlings
sich fügen“, so schilderte er selbst seine damalige Haltung während des
Putschistenprozesses im Jahr 1924. Kurz vor Kriegsende wurde Hitler nach einem
am 15. Oktober 1918 mit Senfgas durchgeführten britischen Angriff am 21. Oktober
in das Lazarett der vorpommerschen Stadt Pasewalk eingewiesen, wo er sich bis
zum 19. November aufhielt. Die vorübergehende Blindheit, derentwegen er
behandelt wurde, führte er selbst auf eine Augenverletzung infolge des
Gasangriffs zurück. Hier wurde er mit den anderen Verwundeten am 10. November
durch den Lazarettgeistlichen über die Novemberrevolution und die laufenden
Waffenstillstandsverhandlungen im Wald von Compiègne informiert, was Hitler
selbst später als seelische Krise schilderte, bei der es ihm „um die Augen
wieder schwarz ward“. Demnach hatte es nicht nur mit Hitlers österreichischer
Staatsbürgerschaft zu tun, dass er – obwohl mehrfach verwundet und mit dem
Eisernen Kreuz beider Klassen sowie weiteren Ehrenzeichen versehen – nie über
den Status eines Gefreiten hinauskam. Fritz Wiedemann und Max Amann betonten in
diesem Zusammenhang, Hitler selbst habe eine Berücksichtigung bei Beförderungen
abgelehnt.
Hitlers Aufstieg
Politische Anfänge
Hitler behauptete später, die Empörung über den
verlorenen Krieg und den „Verrat der Novemberverbrecher“ habe in ihm den
Entschluss reifen lassen, Politiker zu werden. Auch dies darf angezweifelt
werden angesichts der unklaren Haltung zu den Zeitereignissen, die er in den
ersten Monaten nach Kriegsende erkennen ließ.
Von politischen Ambitionen Hitlers ist unmittelbar nach
dem Krieg nichts festzustellen. Am 21. November 1918 verließ er das Lazarett in
Pasewalk. Er kehrte in die Kaserne des 2. bayerischen Infanterie-Regiments, die
Oberwiesenfeldkaserne in München zurück und zeigte zunächst nur das Bestreben,
nicht entlassen zu werden. Zwischendurch bewachte er vom 12. Februar bis zum 7.
März 1919 in Traunstein französische und russische Kriegsgefangene bis zur
Auflösung des dortigen Lagers. Er ließ sich mehrfach zu einem der
Vertrauensleute seines Regiments wählen und war damit eine Art Verbindungsmann
zur aus der Novemberrevolution hervorgegangenen neuen bayrischen Staatsregierung
unter dem sozialistischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner
(USPD).
Hitler war im April 1919 Vertrauensmann seiner Kompanie
in München und wurde am 15. April zum Ersatz-Bataillons-Rat der Soldatenräte der
– seit 13. April kommunistischen – Münchner Räterepublik gewählt. Die Münchner
Garnison stand seit November 1918 fest hinter der Revolution und dem radikalen
Wandel zur Räterepublik. Hitler teilte in jenen Monaten offensichtlich die
Ansichten der sozialistischen Regierung in einem gewissen Maße, auf jeden Fall
äußerte er keine abweichende Meinung, andernfalls wäre er nicht als
Vertrauensmann der Soldaten gewählt worden. Vermutlich trug er sogar die rote
Armbinde der Revolution, wie alle Soldaten der Münchner Garnison, weswegen
Hitler später über diese Zeit wenig verlauten ließ. Als Erklärungen sind
opportunistische Erwägungen (Hinauszögerung der Demobilisierung) und/oder das
seinerzeitige allgemeine „ideologische Durcheinander in den Köpfen“ denkbar.
Unter den engeren Kameraden war Hitler spätestens seit Mitte April 1919 als
Konterrevolutionär bekannt, wofür auch die Denunziation zweier Kollegen aus dem
Bataillons-Rat bei einem Tribunal wenige Tage nach Niederschlagung der
Räterepublik spricht.
Gerade jetzt begann Hitler, erstmals eine gewisse
politische Aktivität zu entwickeln. Nach der blutigen Niederwerfung der
Räterepublik ließ er sich von einer Untersuchungskommission der Münchener
Reichswehrverwaltung anwerben, die damals den entscheidenden Machtfaktor in
Bayern darstellte. Es gibt Hinweise darauf, dass er sich das Wohlwollen der
neuen Machthaber erkaufte, indem er Regimentskameraden verriet, die sich auf
Seiten der Räteregierung engagiert hatten. Offensichtlich erfüllte er die in ihn
gesetzten Erwartungen, denn die entscheidenden Männer der so genannten schwarzen
Reichswehr – beispielsweise der Hauptmann Ernst Röhm – scheinen in dem Gefreiten
Hitler bald einen potenziellen Agitator gesehen zu haben, mit dessen Hilfe sich
nationalistische Ideen unter Arbeitern verbreiten ließen. Seine Vorgesetzten
schickten Hitler vom 5. bis 12. Juni und vom 26. Juni bis zum 5. Juli 1919 zu
Schulungen für Propaganda-Redner. Einer der Vortragenden war Professor Karl
Alexander von Müller. Danach setzten sie Hitler als V-Mann ein und beauftragten
ihn im Rahmen eines Aufklärungskommandos damit, politische Parteien und Zirkel
zu bespitzeln, die im nachrevolutionären München wie Pilze aus dem Boden
schossen.
Dazu gehörte auch die von dem Journalisten Karl Harrer
und dem Schlosser Anton Drexler gegründete Deutsche Arbeiterpartei (DAP), die
fremdenfeindliche, antisemitische und sozialistische Ideen propagierte. Am 12.
September 1919 besuchte Hitler, aufgrund einer Empfehlung von Hauptmann Karl
Mayr aus der völkisch-nationalistischen Vereinigung „Eiserne Faust“, erstmals
eine ihrer Versammlungen. Als dabei ein Redner die Trennung Bayerns vom Reich
forderte, widersprach Hitler ihm so energisch wie wortreich und fiel durch sein
Rednertalent auf. Erstmals hatten er selbst und andere eine gewisse Begabung an
ihm entdeckt: Er konnte Zuhörer fesseln und Emotionen wecken. Drexler meinte
angeblich sofort zu Harrer: „Dör hot a Goschn, den kennt ma braucha!“
(Hochdeutsch: „Der hat Rednertalent, den könnten wir brauchen!“) und versuchte,
ihn noch am gleichen Abend anzuwerben. Im Auftrag seiner Vorgesetzten trat
Hitler am 19. Oktober 1919 der DAP bei – als 55. Mitglied, nicht als siebentes,
wie er später stets behauptete. Seine Mitgliedsnummer 555 rührte daher, dass die
DAP mit der Zählung ab 501 begann, um etwas mehr Größe vorzutäuschen. Zu dieser
Zeit kam Hitler auch erstmals mit dem antisemitischen Schriftsteller Dietrich
Eckart von der Thule-Gesellschaft in Kontakt. Eckart war auf der Suche nach
einem Agitator, der Arbeiter und Angehörige der Unterschichten für
rechtsradikale Ideen gewinnen sollte. Als einer der ersten sah Eckart, der im
August 1921 Chefredakteur des Völkischen Beobachters wurde, in Hitler diesen
Mann und förderte ihn seither mit Rat und Tat.
Da Hitler mit seinen aufputschenden Reden immer mehr
Zuhörer und Mitglieder anlockte, gewann er bald größere Bedeutung für die kleine
DAP. Zunächst war er dort als Werbeobmann tätig und im Frühjahr 1920 an der
Ausarbeitung des 25-Punkte-Programms der DAP beteiligt, die sich auf sein
Betreiben in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) umbenannte.
Als er am 31. März 1920 schließlich aus der Armee entlassen wurde, konnte er
bereits von seinen Honoraren als Redner leben. Als Agitator war er für die noch
wenig beachtete NSDAP unersetzlich. Dies nutzte er aus, als er im Juli 1921 die
alte Parteiführung entmachtete und mit einem Ultimatum seine Wahl zum
Vorsitzenden der NSDAP erzwang.
Hitler war nun eine politische Lokalgröße, die vom
instabilen, antidemokratischen und militaristischen politischen Klima in Bayern
profitieren konnte und dort „sowohl in der intellektuellen Öffentlichkeit wie
bei der bayerischen Regierung und Verwaltung […] vielfach Unterstützung fand.“
Außerhalb Bayerns erregte er eher Belustigung als Furcht. 1921 und 1922 suchte
er in mehreren Reden vor dem Berliner Nationalklub die Unterstützung des oberen
Bürgertums.
Putsch und Inhaftierung
Gustav Ritter von Kahr hatte nach der Niederschlagung der
Münchner Räterepublik 1919 versucht, die „Ordnungszelle Bayern“ zu etablieren,
durch die zuerst in Bayern „Ruhe und Ordnung“ wiederhergestellt werden sollten,
um anschließend auf die gesamte Weimarer Republik auszustrahlen und dort einen
monarchistischen und militaristischen „nationalen Wiederaufbau“ einzuleiten. Am
26. September 1923 erhielt Kahr als „Generalstaatskommissar“ diktatorische
Vollmachten von der bayerischen Regierung unter Eugen von Knilling und
verbündete sich mit Landespolizeichef Hans von Seißer und dem gerade aus Berlin
amtsenthobenen Landeskommandanten der Reichswehr, Otto von Lossow zu einem
„Triumvirat“, das den offenen Konflikt mit der „roten Reichsregierung“ suchte.
Hitler plante, sich an die Spitze dieser Bewegung zu setzen, um mit
Unterstützung von Kahr und Erich Ludendorff, dem früheren Generalquartiermeister
der Obersten Heeresleitung (OHL), inzwischen Sympathisant der NSDAP, nach dem
Vorbild von Mussolinis Marsch auf Rom vom Oktober 1922 die Regierung in Berlin
gewaltsam zu stürzen. Aufgrund der französischen Ruhrbesetzung, der enormen
Inflation und heftiger innerer Unruhen in Deutschland glaubte er, auch bei
breiten Bevölkerungsschichten Unterstützung zu finden.
Am Abend des 8. November 1923 betrat Hitler mit einigen
Bewaffneten den Münchner Bürgerbräukeller, in dem Kahr eine Rede vor 3.000
geladenen Gästen hielt, darunter ein Großteil der bayerischen Regierung. Hitler
schoss einmal in die Luft, und rief die „nationale Revolution“ aus. Mit
Ludendorff und dem anwesenden Triumvirat um Kahr einigte er sich durch „Druck
und Überredung“ auf den sofortigen Putsch und eine „provisorische deutsche
Nationalregierung“ unter der Leitung Hitlers. Obwohl man die anwesenden Minister
verhaftete und das Hauptquartier im Bürgerbräu aufschlug, scheiterte der
Hitler-Ludendorff-Putsch noch in der Nacht, da Kultusminister Franz Matt nach
Regensburg fliehen konnte, Ernst Röhm nur die Besetzung des Wehrkreiskommandos
VII, nicht aber der Münchner Kasernen, gelang, und Kahrs Triumvirat seine
Zustimmung widerrief. Am nächsten Morgen versuchten die 2.000 teilweise
bewaffneten Putschisten, verstärkt von herbeigeeilten Nationalsozialisten aus
anderen bayerischen Städten, Röhm im Wehrkreiskommando zu erreichen, „um dort
die militärische Gewalt zu übernehmen und die ‚nationale Revolution‘ mit einem
‚Marsch auf Berlin‘ ins ganze Deutsche Reich zu exportieren.“ Die dem
Kahr-treuen Polizeichef Seißer unterstehende Landespolizei stoppte den Zug nahe
der Feldherrnhalle, wo Schüsse fielen, die 20 Todesopfer forderten, davon vier
Polizisten. Ludendorff wurde noch am 9. November verhaftet, Hitler, der
geflohen war, als die Putschisten auseinandergetrieben wurden, einige Tage
später.
Der Hitler-Prozess gegen zehn Putsch-Teilnehmer begann am
26. Februar 1924 vor dem bayerischen Volksgericht unter Vorsitz des
Hitlersympathisanten Georg Neithardt. Obwohl Ludendorff der allgemein
bekannteste Teilnehmer war, stellte Hitler sich als alleinigen Initiator des
ganzen Unternehmens dar. Er bestritt den Vorwurf des Hochverrats, indem er
behauptete, die „Novemberverbrecher“ von 1918 seien die eigentlichen Verräter.
Schließlich wurde Ludendorff freigesprochen, fünf Angeklagte wegen Beihilfe zum
Hochverrat, Hitler und drei weitere Angeklagte wegen Hochverrats zur
Mindeststrafe von fünf Jahren Festungshaft und einer Geldbuße von 200
Goldmark.
Das Gericht betonte Hitlers „ehrenhafte Gesinnung“ und
lehnte die im Gesetz zum Schutz der Republik für straffällig gewordene Ausländer
vorgesehene Ausweisung mit der Begründung ab, Hitler denke und fühle deutsch,
sei viereinhalb Jahre freiwillig im deutschen Heer Soldat gewesen und dabei
verwundet worden, so dass Hitlers Ausweisung nicht in Frage komme. Auch von
seiner Haftstrafe musste er wegen guter Führung nur neun Monate in der Festung
Landsberg absitzen. Bereits am 20. Dezember 1924 wurde Hitler entlassen. Er
hatte die Haftzeit genutzt, um das Manuskript des ersten Teils seines Werks Mein
Kampf zu verfassen, in dem er in autobiographischer Form offen seine politischen
Ziele und die Ideologie des Nationalsozialismus
beschrieb.
Dank der Berichterstattung über den Prozess wurde Hitler
nun auch im Norden Deutschlands als der radikalste aller völkischen Politiker
bekannt. Seine Stellung in der NSDAP war gefestigter denn je und in der
völkischen Bewegung gewann seine Stimme erheblich an Gewicht. Hatte er sich bis
dahin eher als Trommler der Bewegung gesehen, der den Weg für einen anderen
Retter Deutschlands wie etwa Ludendorff frei machen sollte, so sah er sich nun
zunehmend selbst in der Rolle des großen Führers. All das nützte ihm jedoch
zunächst wenig. Zwar wurde die NSDAP nach einem anfänglichen Verbot wieder
zugelassen, aber die wirtschaftlichen Verhältnisse in der Weimarer Republik
stabilisierten sich. Der bis 1929 anhaltende wirtschaftliche Aufschwung bot
radikalen Parteien kaum Ansätze für ihre Agitation.
Neubeginn und Aufstieg der
NSDAP
Nach seiner Haftentlassung begann Hitler damit, die NSDAP
unter seine alleinige Kontrolle zu bringen. In Norddeutschland hatte sich unter
Gregor Strasser ein starker Parteiflügel gebildet, der Hitlers Anlehnung an die
alten, monarchistischen Machteliten nicht mittragen wollte und einen
sozialrevolutionären Kurs befürwortete. Hitler gelang es rasch, Strasser und
seine Anhänger entweder politisch kaltzustellen oder wie Joseph Goebbels auf
seine Seite zu ziehen.
Aus dem fehlgeschlagenen Putsch hatte Hitler den Schluss
gezogen, dass es die Macht im Staat nicht auf revolutionärem, sondern auf
legalem Weg zu erobern galt. Ihm ging es darum, die Demokratie mit ihren eigenen
Waffen zu schlagen und zu untergraben. Die NSDAP sollte in die Parlamente
einziehen, aber ohne dort konstruktiv mitzuarbeiten. Zudem sollte die SA mit
spektakulären Aufmärschen, Straßenschlachten und Krawallen die Blicke der
Öffentlichkeit auf die Partei und ihren Führer lenken und zugleich die Schwäche
des demokratischen Systems offenbaren. Für die späteren Wahlerfolge der Partei
waren nicht zuletzt ihre für die damaligen deutschen Verhältnisse völlig neuen
Methoden der Werbung und Massenbeeinflussung verantwortlich. Ein Grundstein für
den Erfolg dieses Vorgehens war die Fähigkeit Hitlers, massenwirksame politische
Reden zu halten. Mit seiner Ruhrkampagne versuchte er jedoch vergeblich, die
Unterstützung der Ruhrindustrie zu gewinnen.
Eine erste Möglichkeit, in ganz Deutschland
propagandistisch tätig zu werden, war das 1929 von NSDAP und DNVP gemeinsam
initiierte Volksbegehren gegen den Young-Plan, der eine abschließende Regelung
der Reparationsfragen zwischen Deutschland und seinen ehemaligen Kriegsgegnern
vorsah. Das Volksbegehren scheiterte zwar, aber Hitler und die NSDAP gewannen in
den Reihen des nationalistisch-konservativen Bürgertums erheblich an Zustimmung,
was sich bei den Landtagswahlen in Thüringen im Herbst 1929 erstmals in einem
deutlichen Zuwachs an Wählerstimmen auszahlte. Vor allem konnte Hitler seither
auf die publizistische Unterstützung durch das Presseimperium des
DNVP-Vorsitzenden Alfred Hugenberg setzen. Dieser sah – wie zuvor Ludendorff und
später Papen – in Hitler und der NSDAP nur willige, lenkbare Instrumente, um den
deutschnationalen Kräften zu einer Massenbasis zu
verhelfen.
Zum Durchbruch auf nationaler Ebene verhalf Hitler aber
erst die Weltwirtschaftskrise, die Ende 1929 ausbrach und Deutschland besonders
hart traf. Über die Finanzkrise des Reichs brach am 27. März 1930 die Weimarer
Koalition auseinander. Hermann Müller (SPD), dem letzten Kanzler, der noch über
eine demokratisch gesinnte Reichstagsmehrheit verfügte, folgte das erste
Präsidialkabinett des Zentrums-Abgeordneten Heinrich Brüning, das sich allein
auf das Vertrauen des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg stützen konnte. Bei
den Neuwahlen am 14. September steigerte die NSDAP ihren Stimmenanteil mit einem
Schlag von 2,6 auf 18,3Prozent. Statt mit 12 Abgeordneten, wie bis dahin, zog
sie nun mit 107 in den Reichstag ein. Die staatstragenden, demokratischen
Parteien der Mitte hatten keine Mehrheit mehr, und Hitler war endgültig zu einem
Machtfaktor in der deutschen Politik geworden.
1931 erhielt Hitler durch die Vermittlung von Ernst Röhm,
der Verbindungen zu Kurt von Schleicher hatte, eine Einladung zu einem Termin
bei Hindenburg. Am 10. Oktober, einen Tag vor dem Treffen der Harzburger Front,
trat Hitler gemeinsam mit Hermann Göring vor den Reichspräsidenten. Diese
Begegnung soll wenig erfolgreich verlaufen sein. Hitler sei in gewohnter Manier
in lange Monologe verfallen, statt die Fragen des Feldmarschalls abzuwarten. In
diesem Zusammenhang ist überliefert, dass Hindenburg später zu Schleicher gesagt
habe, er hätte ihm da einen sonderbaren Kerl geschickt: Dieser „böhmische
Gefreite“ wolle Reichskanzler werden? Niemals! „Höchstens Postminister“.
Hindenburg verwechselte Hitlers Geburtsort, das österreichische Braunau, mit dem
gleichnamigen Ort in Böhmen.
Hitlers Weg zur
Kanzlerschaft
Den nach freiwilliger Aufgabe der österreichischen
Staatsbürgerschaft seit 1925 staatenlosen Hitler machte erst die Anstellung als
Regierungsrat beim Landeskultur- und Vermessungsamt des Freistaates Braunschweig
mit sofortiger Abordnung an die Braunschweigische Gesandtschaft beim Reichsrat
in Berlin Ende Februar 1932 zum deutschen Staatsangehörigen. Damit erfüllte er
eine formale Voraussetzung zur Kandidatur bei der Reichspräsidentenwahl im
selben Jahr. Nachdem Hindenburg im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit
verfehlt und sich erst im zweiten Wahlgang im Unterschied zu Hitler (36,8%) mit
53% durchgesetzt hatte, bedurfte es weiterer Etappen bis zur
Reichskanzlerschaft. Am 31. Juli 1932 wurde die NSDAP mit 37,3% stärkste Partei
bei den Reichstagswahlen, verlor aber bei erneuten Reichstagswahlen am 6.
November 1932 beträchtlich, wobei sie mit 33,1% relativ stärkste Partei blieb.
Als die NSDAP bei den Landtagswahlen in Lippe 39,5% der Stimmen erzielte,
wertete die Partei das als Zeichen ihrer Stabilisierung, so dass nach dem
Rücktritt Schleichers am 28. Januar 1933 der Weg für Hitler frei wurde, der seit
Ende 1932 zusammen mit Goebbels und Göring kompromisslos auf seine Kanzlerschaft
gedrängt hatte.
Die Kamarilla um Paul von Hindenburg trieb zur
Unterstützung einer nationalistisch ausgerichteten Regierung die Ernennung
Hitlers zum Reichskanzler voran. Unterstützung suchte Hitler weiterhin bei
Großindustrie und Banken. Schon in der Frühphase der NSDAP hatte er
antikapitalistische Tendenzen in der Partei klein zu halten versucht und stets
darauf bestanden, allein die Juden für die Misere der Wirtschaft verantwortlich
zu machen. Bei einer Rede vor dem Düsseldorfer Industriellenclub 1932 hob Hitler
die Rolle der Wirtschaftseliten lobend hervor und betonte, dass das deutsche
Volk nicht überleben könne, solange die Hälfte der Deutschen „Eigentum als
Diebstahl“ betrachtete – eine Anspielung auf das immer noch große
Wählerpotential von SPD und KPD. Trotz dieser Bemühungen blieb der Anteil der
großindustriellen Spenden an den Finanzen der NSDAP aber gering, was sich unter
anderem an der erheblichen Finanznot zeigte, in die die Partei im Herbst 1932
geriet – gerade zu dem Zeitpunkt, als sich in der berühmten Industrielleneingabe
mehrere Bankiers, Agrariern und Industrielle bei Hindenburg für eine
Kanzlerschaft Hitlers einsetzten. Größere Bedeutung für den Aufstieg der NSDAP
hatte ihre Selbstfinanzierung durch Mitgliedsbeiträge und Eintrittsgelder bei
Redeveranstaltungen.
Die Befürwortung seiner Ernennung zum Reichskanzler durch
die nationalkonservativen Kreise um Franz von Papen sicherte sich Adolf Hitler,
indem Papen zum Vizekanzler mit dem Recht, bei allen Vorträgen des Kanzlers beim
Reichspräsidenten zugegen zu sein, ernannt wurde und die klassischen Ministerien
von Konservativen besetzt wurden. Papen glaubte, Hitler dadurch „einrahmen“ zu
können. Beim Treffen Papens mit Hitler im Haus des Bankiers Schröder einigten
sich beide auf eine Reichskanzlerschaft Hitlers. Das Militär erhoffte sich von
einem Reichskanzler Hitler eine Beseitigung oder zumindest eine Lockerung der
Fesseln des Versailler Vertrags sowie eine Aufrüstung beziehungsweise
Vergrößerung der Reichswehr. Nationalkonservative aus Wirtschaft und Politik
wollten durch Hitler eine Stabilisierung der Regierung und auch eine
Neuorientierung der politischen Kultur in Richtung einer autoritären Monarchie
erreichen.
Wilhelm Brückner (* 11. Dezember 1884 in Baden-Baden; †
20. August 1954 in Herbsdorf, heute Nußdorf (Chiemgau)) war ein deutscher
Offizier, Nationalsozialist und langjähriger Chefadjutant von Adolf
Hitler.
Leben und Wirken
Brückner wuchs in Baden-Baden auf und legte am dortigen
Realgymnasium sein Abitur ab. Anschließend studierte er Rechtswissenschaft und
Volkswirtschaft in Straßburg, Freiburg, Heidelberg und München. 1905 renoncierte
er beim Corps Transrhenania München, wurde aber nach vier Monaten als Fuchs
entlassen und kam in SC-Verruf.
Im Ersten Weltkrieg wurde er in einem bayerischen
Infanterie-Regiment Offizier und als Oberleutnant verabschiedet. Nach dem Krieg
trat er in das Freikorps „Epp“ ein und war im Schützenregiment 42 als Mitglied
der Reichswehr an der Niederschlagung der Münchner Räterepublik
beteiligt.
Gegen Ende 1919 besuchte er wieder die Universität, wurde
aber für drei Jahre Aufnahmetechniker beim Film. Nachdem Brückner Hitler 1919
als Soldat kennengelernt hatte, trat Brückner Ende 1922 der NSDAP bei. Am 1.
Februar 1923 wurde er zum Führer des SA-Regiments München ernannt. Im selben
Jahr nahm er aktiv am Hitlerputsch teil. Nach der Niederschlagung des Putsches
wurde er zu einer Freiheitsstrafe von anderthalb Jahren Gefängnis verurteilt,
jedoch bereits nach viereinhalb Monaten wieder entlassen. Nach der
Haftentlassung übernahm er sogleich wieder die Führung eines SA-Regiments.
Außerdem war er als dritter Generalsekretär bis 1927 beim Verein für das
Deutschtum im Ausland (VDA) tätig. Während der nächsten Jahre lebte er von
seinem Einkommen als kaufmännischer Vertreter, bis er 1929 beim Deutschen
Auslandsinstitut eine feste Anstellung fand.
Am 1. August 1930 wurde Brückner in den Kreis der
Adjutanten und Leibwächter Hitlers berufen und stieg innerhalb dieser Gruppe
schließlich bis zum Chef-Adjutanten des NSDAP-Führers auf. Infolgedessen
gelangte Brückner in die ständige Nähe Hitlers und wurde zu einem seiner engsten
Mitarbeiter, was sich auch in einem Auftritt in dem Propagandafilm Hitler über
Deutschland (1932) niederschlug. Auf eigenen Antrag wurde er 1934
Corpsschleifenträger von Transrhenania. „Wer dem Führer so nahe steht, kann kein
schlechter Mensch sein“.
Am 9. November 1934 wurde Brückner zum
SA-Obergruppenführer ernannt. In der Folge eines Autounfalls im selben Jahr
konnte Brückner Hitler den Begleitarzt Karl Brandt
vermitteln.
Brückner war in der zehnten und elften Wahlperiode
(1936–1938) Mitglied des Reichstages.
Am 15. Januar 1936 bekam er die Ehrenbürgerschaft von
Detmold, die ihm am 9. November 1945 wieder aberkannt wurde. Brückner, der wegen
seiner Unkompliziertheit und Leutseligkeit bei Bittstellern und Alltagsbesuchern
der Reichskanzlei sehr beliebt war, verlor mit Ausbruch des Krieges immer mehr
an Bedeutung. Er musste dabei mehr und mehr den Adjutanten der Wehrmacht und der
SS weichen. Am 18. Oktober 1940 wurde er wegen einer Auseinandersetzung mit
Hitlers Hausintendanten Arthur Kannenberg überraschend entlassen. Drahtzieher
war höchstwahrscheinlich Martin Bormann.
Ihm folgte Julius Schaub nach. Brückner ging zur
Wehrmacht, wo er bis zum Rang eines Obersten aufstieg. Im November 1944 wurde er
schwer verwundet. Von 1945 bis 1948 befand sich Brückner in amerikanischer
Internierungshaft.
Richard Walther Darré (eigentlich Ricardo
Walther Oscar Darré, auch Richard Walter Darré; * 14.
Juli 1895 in Belgrano, Buenos Aires, Argentinien;
† 5. September 1953 in München) war ein deutscher
Agrarpolitiker, Schriftsteller und SS-Funktionär im Range eines
SS-Obergruppenführers in der Zeit des Nationalsozialismus. Er war
„Reichsbauernführer“ und 1933 bis 1942 „Reichsernährungsminister“
(Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft).
Leben
Walther Darré wurde als Sohn des Kaufmanns und Leiters
des Handelshauses Hardt & Co., Richard Oskar Darré und dessen Ehefrau Emilia
Berta Eleonore (geb. Lagergren) geboren. Bedingt durch den Beruf des Vaters zog
die Familie häufig um. Darré verbrachte seine Kindheit in Belgrano, einem
Viertel von Buenos Aires, wo er die deutsche Schule besuchte. Später ging er zur
Oberrealschule in Heidelberg, zum Pädagogium Godesberg sowie zur
King’s College School in Wimbledon.
Ab Oktober 1914 besuchte Darré die Deutsche
Kolonialschule in Witzenhausen, meldete sich aber
als Kriegsfreiwilliger und war im Ersten Weltkrieg Soldat
im Deutschen Heer an der Westfront. Nach Kriegsende, das er
als Leutnant erlebte, schloss er sich kurzzeitig
einem Freikorps in Berlin an. 1920 beendete er das Studium
zum Diplomkolonialwirt in Witzenhausen. Er setzte sein Studium der
Landwirtschaft mit dem Schwerpunkt Viehzucht und Vererbungsfragen in Gießen und
Halle fort und schloss es 1925 in Halle (Saale) mit
dem Diplom ab. Danach arbeitete er bei dem Ostpreußischen
Stutbuch für Warmblut Trakehner Abstammung in Insterburg. Anschließend
war er 1927 mit einem Zeitauftrag des Reichsministeriums für Ernährung und
Landwirtschaft als Sachverständiger für Tierzucht in Finnland und 1928/29
im Auftrag der ostpreußischen Landwirtschaftskammer
in Riga tätig.
1922 heiratete er zunächst Alma Staadt und 1931 Charlotte
von Vietinghoff, die Sekretärin von Paul
Schultze-Naumburg.
Darré war auch schriftstellerisch tätig. Beeinflusst von
seinen Erfahrungen in der Tierzucht und den Theorien des
Rassenideologen Hans F. K. Günther, dessen Nordischem Ring er
seit 1927 angehörte, verherrlichte er mit den beiden Bänden Das
Bauerntum als Lebensquell der nordischen Rasse (1929) und Neuadel
aus Blut und Boden (1930) das Bauerntum. Dieses betrachtete er als
rassischen Mittelpunkt des deutschen Volkes und postulierte die Sanierung der
Landwirtschaft unter rassischen und geistigen Gesichtspunkten als Voraussetzung,
um die rassischen Qualitäten des deutschen Volkes wiederherzustellen, die
infolge der Industrialisierung verfallen seien. Mit dem Begriffspaar „Blut und
Boden“ wollte Darré die Wechselbeziehung zwischen rassischem Niveau und
bäuerlicher Tätigkeit herausstellen. War es Darré in seinem ersten Buch
noch darum gegangen, angebliche Unterschiede zwischen der germanischen und der
slawischen Rasse in ihrer Beständigkeit und ihrem bäuerlichen Charakter zu
zeigen, hoffte er mit dem zweiten Buch nachzuweisen, dass die innere Gliederung
der alten deutschen Gesellschaft in mythischer Vorzeit funktionalen Charakter
besessen habe. In der Konsequenz forderte er die erneute Verbäuerlichung
Deutschlands sowie die Schaffung und Auslese eines neuen Adels mit besten
rassischen Eigenschaften.
Durch Vermittlung des Architekten Paul
Schultze-Naumburg traf der inzwischen bekannte Autor Darré im Frühjahr
1930 Hitler und erhielt das Angebot, eine der bäuerlichen Welt
gewidmete Abteilung der NSDAP zu leiten. Darré wurde so zum Berater
Hitlers in landwirtschaftlichen Angelegenheiten und Leiter
des agrarpolitischen Apparats der Reichsleitung. Erst im Juli
1930 trat Darré der NSDAP (Mitgliedsnummer 248.256) und
der SS (SS-Nr. 6.882) bei.
Der Apparat von Fachberatern, den Darré von München aus
aufbaute, sollte Anregungen von unten aufnehmen und an die Zentrale
weiterleiten, um ein spezielles politisches und ideologisches Programm für die
Landbevölkerung auszuarbeiten. Der Historiker Gustavo Corni weist
darauf hin, dass die Erfolge, welche die NSDAP bei der Reichstagswahl
1930 vor allem auf dem Land erzielte, nicht auf Darrés Tätigkeit
zurückgeführt werden können, da dessen agrarpolitischer Apparat noch im Aufbau
befindlich war. Stattdessen habe es sich um eine Protestwahl gehandelt.
Ab dem 31. Dezember 1931 leitete Darré im Rang eines
SS-Standartenführers das neu gegründete Rasse- und
Siedlungshauptamt (RuSHA) innerhalb der SS. Himmler selbst hatte ihn 1930
gebeten, beim Aufbau der SS als biologischer Elite behilflich zu sein. Himmler
förderte Darré, seit sie sich im Mai 1930 kennengelernt und befreundet hatten.
Beide teilten Ideen zur Aufzucht einer „reinen deutschen Rasse“ und verknüpften
damit die Konzeption vom Germanen als einem ackerbebauenden Siedler. Beide
wollten ein neues, reinrassiges Bauerntum heranziehen, das ein neuer deutscher
Adel werden würde.
1932 gründete Darré die Monatsschrift Deutsche
Agrarpolitik (ab 1939 Odal). Darin propagierte er seine Vorstellungen
vom Bauernadel.
Nach der Machtübernahme der NSDAP wurde er 1933
Leiter des Parteiamts für Agrarpolitik. Er übernahm den Vorsitz der
Reichsführergemeinschaft der vereinigten landwirtschaftlichen Verbände und wurde
am 28. Mai zum Reichsbauernführer, am 29. Juni zusätzlich
zum Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft ernannt. Als
Preußischer Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten war er qua Amt
Mitglied im Preußischen Staatsrat. Damit hatte er die Leitung der
gesamten deutschen Agrarpolitik inne.
In der Folge beschloss die Regierung
das Reichserbhofgesetz, das die Vererbung
von Hofstellen reglementierte und die Erbteilung ausschloss.
Ebenso baute er den so genannten Reichsnährstand auf, der alle
Personen und Verbände, die an der Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte
mitwirkten, vereinigte und gleichschaltete.
Als Propagandaveranstaltung führte er 1933
das Reichserntedankfest auf
dem Bückeberg bei Hameln ein, das bis 1937 jährlich
abgehalten wurde und dem jeweils in Goslar der
sogenannte Reichsbauerntag voranging.
Darré war ab Ende 1932 Mitglied des
Reichstags und ab November 1933 Reichsleiter, SS-Gruppenführer,
Mitglied der Akademie für Deutsches
Recht und Ehrenpräsident der Deutschen
Landwirtschafts-Gesellschaft. Am 9. November 1936 erhielt er das Goldene
Parteiabzeichen der NSDAP. Zwischen 1933 und 1937 war er Mitglied des
Senats der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft. Innerhalb der SS wurde er bis zum
Obergruppenführer befördert.
In seiner Schrift Blut und Boden, ein Grundgedanke
des Nationalsozialismus griff er
die Blut-und-Boden-Ideologie erneut auf. So geriet er immer mehr in
Gegensatz zum Beispiel zu der von Hermann
Göring geleiteten Vierjahresplan-Verwaltung, zu Hjalmar
Schacht und zur Reichsbank. Während Darré an eine Rückkehr zu
Verhältnissen wie vor der industriellen Revolution dachte, rüstete
das Dritte Reich die Industrie im Sinne
der Kriegswirtschaft auf. Der Zuchtgedanke, z. B. die Einteilung
junger Mädchen in „zuchtunwerte“ oder werte Klassen und die Selektion der
gesamten Menschheit nach bestimmten Auslesekriterien bestimmte Darrés Tätigkeit
im Rasse- und Siedlungshauptamt, das die logistische Basis bildete, um die
Bevölkerung der besetzten Gebiete einer Selektion zu unterziehen und
anschließend zu deportieren und/oder zu eliminieren.
Im September 1938 ergab sich ein Konflikt mit Himmler, da
Darrés Pläne zur Förderung bäuerlicher Siedlungen im Reich
dessen Generalplan Ost widersprachen. Darré wurde als Leiter des
Rasse- und Siedlungshauptamts abgesetzt und trat mit Beginn des Zweiten
Weltkriegs auch als Minister für Ernährung und Landwirtschaft immer mehr in
den Hintergrund. Am 16. Mai 1942 verfügte Hitler, dass Darré „mit Rücksicht auf
seinen seit längerer Zeit angegriffenen Gesundheitszustand“ von der Leitung des
Reichsamtes für Agrarpolitik „bis auf weiteres“ beurlaubt werde und die
Geschäftsführung des Amtes an Herbert Backe zu übertragen
sei. Zwar übernahm Backe somit faktisch den Aufgabenbereich von Darré als
Minister, seine offizielle Ernennung zum Reichsernährungsminister erfolgte
indessen erst im April 1944.
Kriegsende, Festnahme und letzte
Lebensjahre
Die letzten Kriegsjahre verbrachte Darré zurückgezogen in
einem Jagdhaus in der Schorfheide. 1945 wurde er verhaftet und auf dem
Gelände der Flakkaserne Ludwigsburg inhaftiert.
Vom amerikanischen Militärgericht wurde er wegen der
Beschlagnahme des Eigentums polnischer und jüdischer Bauern sowie wegen der
Anordnung, deutschen Juden die Grundnahrungsmittel zu verweigern und dadurch
Zivilpersonen dem Hunger auszuliefern, angeklagt. Am 14. April 1949 wurde Darré
im Wilhelmstraßen-Prozess wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit,
Plünderung und Mitgliedschaft in einer verbrecherischen
Organisation zu sieben Jahren Haft verurteilt, aber bereits im August 1950
aus dem Kriegsverbrechergefängnis Landsberg wieder entlassen.
Die letzten Lebensjahre verlebte Darré in Bad
Harzburg. Er starb am 5. September 1953 in einer Münchner Privatklinik; beerdigt
ist er auf dem Friedhof an der Hildesheimer Straße
in Goslar. Bemerkenswert ist dabei die hohe Anteilnahme der Stadt
Goslar: Neben NS-Größen wie Hartwig von Rheden nahmen mehrere hundert
Goslarer Bürger, aber auch ihr damaliger Oberbürgermeister Alexander
Grundner-Culemann mit dem damaligen Oberstadtdirektor Helmut Schneider an
der Trauerfeier teil. Die Stadt übernahm sogar die Begräbniskosten.
Darré war Ehrenbürger der
„Reichsbauernstadt“ Goslar. Obwohl diese Würde vermutlich schon durch seine
Verurteilung in den Nürnberger Prozessen aufgrund der Kontrollratsdirektive
Nr. 38, spätestens mit seinem Tod automatisch erloschen war, wurde sie ihm 2013
von der Stadt Goslar rein symbolisch nochmals aberkannt.
Schriften (Auswahl)
Das Bauerntum als Lebensquell der Nordischen
Rasse, Lehmann, München 1929 (5 Auflagen bis
1936).
Neuadel aus Blut und Boden. Lehmann, München
1930.
Zur Wiedergeburt des Bauerntums. Stellung und Aufgaben
des Landstandes. Das Zuchtziel des deutschen Volkes. Lehmann, München
1931.
Das Schwein als Kriterium für nordische Völker und
Semiten. Lehmann, München 1933.
Walther Rathenau und das Problem des nordischen Menschen.
Walther Rathenau und die Bedeutung der Rasse in der
Weltgeschichte. Lehmann, München 1933.
Unser Weg. In: Odal. Monatsschrift für Blut und
Boden, Jg. 2, Heft 10, April 1934, S. 690–720.
Ostelbien. In: Odal. Monatsschrift für Blut und
Boden, Jg. 2, Heft 12, Juni 1934, S. 842–858.
Stedingen. In: Odal. Monatsschrift für Blut und
Boden, Jg. 3, 1934, Heft 1, S. 2–18.
Ein Jahr Reichsnährstand. In: Odal. Monatsschrift
für Blut und Boden, Jg. 3, 1934, Heft 2, S. 82–94
Um Blut und Boden. Reden u. Aufsätze, hrsg.
v. Hanns Deetjen, Wolfgang Clauß. Eher, München
1940.
Neuordnung unseres Denkens (= Schriftenreihe für die
weltanschauliche Schulung der Ordnungspolizei. H. 5). Berlin 1942.
(Sonderdruck)
Aufbruch des Bauerntums. Reichsbauerntagsreden
1933–1938. Reichsnährstand Verlag, Berlin 1942.
Zucht als Gebot. Blut u. Boden, Berlin
1944.
als
C. Carlsson: Bauer und Technik. Sonderdruck aus Mappe 10/1951
der Klüter Blätter. Deutsche Sammlung im Türmer
Verlag, Lochham bei München 1951.