Der Deutsche Kaiser bei der Besichtigung der Dardanellenbefestigung.
Der Kaiser in Çanakkale während eines Frontbesuches auf dem Schlachtfeld von Gallipoli im Oktober 1917.
Fotoabbildung im Originaldruck von 1917.
Nach einer Aufnahme des Bild- und Filmamtes (Bufa).
In der vorderen Reihe von links:
Admiral Guido von Usedom (1854-1925), in türkischer Uniform. Leiter des Sonderkommandos Türkei im Ersten Weltkrieg
Kaiser Wilhelm II.
Enver Pasha (1881-1922).
Vizeadmiral Johannes Merten (1857-1926), in türkischer Uniform. Delegierter des Flottenkommandos und Kommandant allen schwimmenden Materials in Çanakkale.
Journalausschnitt in der Größe 165 x 105 mm.
Mit minimalen Alterungs- und Gebrauchsspuren, sehr guter Zustand.
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Das Bild- und Filmamt (Bufa) ist eine am 30. Januar 1917 von der Obersten Heeresleitung (OHL) gegründete Einrichtung zur Einbeziehung des Filmmediums in die psychologische Kriegführung. Entstanden ist das Bufa aus der am 1. November 1916 bei der Nachrichtenabteilung des Auswärtigen Amtes eingerichteten "Militärischen Film- und Fotostelle". Maßgeblicher Betreiber der Bufa-Gründung war der Leiter der Militärabteilung des Auswärtigen Amtes, Oberstleutnant Hans von Haeften, der auch die Leitung des neuen Amtes übernahm.
Aufgaben und Arbeitsweise
Die Aufgaben der Bufa, das alle regierungsamtlichen und militärischen Film- und Presseabteilungen - das Foto- und Filmzensurbüro, das Pressebüro des Generalstabs und das Filmbüro des Auswärtigen Amtes - vereinigte, bestanden u. a. in der Versorgung mit Filmen im Inland und an der Front, der Einrichtung von Feldkinos, der Heranziehung von Filmgesellschaften zu Produktionen im regierungsamtlichen Auftrag, der Verteilung des Rohfilmmaterials der AGFA und dem Vertrieb von Filmen im Ausland. Das Bufa setzte Kriegsberichterstatter ein, produzierte Filme und besaß sogar eine eigene Kopieranstalt.
Obwohl verschiedene Privatfirmen wie die Oskar-Messter-Film GmbH in das Bufa eingegliedert wurden, unterlag seine gesamte Tätigkeit der Geheimhaltung.
Filme des Bufa (Auswahl)
Der Feldarzt (1917)
Jan Vermeulen, der Müller aus Flandern (1917)
Unsere Helden an der Somme (1917)
Der papierene Peter (1917)
Der magische Gürtel (1917)
Dem Licht entgegen (1917/18)
Kinderhände (1918)
Gründung der Ufa
Das Bufa wurde am 4. Juli 1917 durch Erich Ludendorff in die Universum Film AG (UFA) umgewandelt, aus der nach Ende des Zweiten Weltkrieges - neben einer Reihe westdeutscher Privatfirmen - wiederum die DEFA hervorging.
Propagandastellen anderer Länder
In Österreich war während des Ersten Weltkrieges das Kriegspressequartier für die Bild- und Filmpropaganda zuständig, in Frankreich das Maison de la Presse, in Großbritannien das War Propaganda Bureau und in den USA das Committee on Public Information.
Die Schlacht von Gallipoli wurde während des Ersten Weltkriegs auf der türkischen Halbinsel Gallipoli ausgetragen. Die Entente-Mächte wollten in einer gemeinsamen Operation die Halbinsel besetzen und sie als Ausgangsbasis für die Eroberung der osmanischen Hauptstadt Istanbul nutzen. Der Versuch scheiterte jedoch. Beide Seiten verloren schätzungsweise 250.000 Mann, was der Hälfte der zum Einsatz gekommenen Soldaten entspricht. In der Türkei kennt man die Operation als Schlacht von Tschanakkale (türkisch Çanakkale Savaşları). Die Briten nennen sie Dardanellenschlacht (englisch Dardanelles Campaign oder Gallipoli Campaign). In Australien und Neuseeland ist die Schlacht unter dem Namen Gallipoli bekannt.
Vorgeschichte
Der vernachlässigte und desorganisierte Zustand der osmanischen Armee und Marine nach den Balkankriegen hatte 1913 die Berufung einer deutschen Militärmission mit weitgehenden Befugnissen unter Liman von Sanders zur Folge, welche aber andererseits eine erhöhte Wachsamkeit und Bereitschaft zum Eingreifen der Triple Entente bewirkte. Zwar wahrte das Osmanische Reich bis in den Hochsommer 1914 noch seine Neutralität, geriet aber immer enger in Bindung zu den Mittelmächten. Zu Kriegsbeginn hatte am 1. August 1914 England zwei von der Türkei in England in Auftrag gegebene und bereits bezahlte osmanische Schlachtschiffe konfisziert, was allgemeine Entrüstung im Osmanischen Reich hervorrief. Am 2. August hatten Großwesir Said Halim und Kriegsminister Enver einen Geheimvertrag mit dem Deutschen Reich abgeschlossen, am 10. August waren der deutsche Schlachtkreuzer Goeben und der kleine Kreuzer Breslau unter Konteradmiral Souchon nach scharfer Verfolgungsjagd durch die britische Royal Navy in den Dardanellen eingetroffen. Am 12. August wurden sie nominell dem Sultan übergeben und in Yavuz Sultan Selim und Midilli umbenannt, drei Tage später beendete die osmanische Regierung die britische Marinemission unter Admiral Limpus und wies am 15. September alle britischen Offiziere aus. Mit deutscher Hilfe sollten nun die Dardanellen befestigt und der Bosporus durch die Yavuz Sultan Selim gegen Russland gesichert werden. Am 27. September 1914 wurden offiziell die Meerengen für die internationale Schifffahrt gesperrt. Da die kaiserlich-deutsche Marine die Ostsee blockierte, waren die Seeverbindungen Russlands zu den westlichen Alliierten weitgehend unterbrochen. Die Meerengen Bosporus und Dardanellen – der einzige Weg zum Schwarzen Meer – wurden nun wirksam vom Osmanischen Reich kontrolliert, so dass Waffenlieferungen der Westalliierten über den Seeweg kaum durchführbar waren.
Am 29. Oktober 1914 griff die unter osmanischer Flagge fahrende Flotte unter Admiral Souchon im Schwarzen Meer russische Hafenstädte an. Fast zeitgleich beschoss die Royal Navy aus dem Hafen von Smyrna laufende türkische Handelsschiffe. Daraufhin erklärte am 12. November 1914 die osmanische Regierung der Triple-Entente den Krieg.
Gegen Ende des Jahres 1914 waren die Fronten in Belgien und Frankreich erstarrt. Die Kontrahenten überlegten deshalb, anderswo die Entscheidung zu suchen. Die Entente hoffte, dass ein direkter Angriff auf das Osmanische Reich die Griechen und Bulgaren zu einem Kriegseintritt auf Seiten der Alliierten bewegen könnte. Einige Zeitgenossen glaubten sogar, dass im Falle eines Sieges die Türkei als Verbündeter der Mittelmächte aus dem Krieg ausscheiden würde.
Ein bereits im November 1914 von einem französischen Minister vorgeschlagener Angriff fand noch keine weitreichende Unterstützung. Wenig später legte der Erste Lord der Admiralität, Winston Churchill, seine Pläne für einen Seeangriff auf die Dardanellen vor. Am 16. Februar 1915 beschlossen die Briten erstmals, ein großes Landungsunternehmen durchzuführen. Kriegsminister Lord Kitchener ernannte General Sir Ian Hamilton zum Oberbefehlshaber der Expeditionsarmee, welche die Operation ausführen sollte.
Seeangriffe
Am 19. Februar griff ein Verband britischer und französischer Schiffe einige türkische Artilleriestellungen entlang der Küste der Dardanellen an. An dieser ersten Attacke war auch das britische Schlachtschiff HMS Queen Elizabeth beteiligt.
Der alliierte Vorstoß hatte unter anderem zur Folge, dass Bulgarien alle Verhandlungen mit Deutschland unterbrach. Griechenland bot seine Unterstützung an und Italien machte den Anschein, dass es bald auf alliierter Seite in den Krieg eintreten könnte. Trotz dieser für die Alliierten positiven politischen Nachwirkungen war das Unternehmen in militärischer Hinsicht weniger erfolgreich.
Ein weiterer Vorstoß erfolgte am 18. März. Eine Flotte, die aus einem britischen Schlachtschiff, einem Schlachtkreuzer, sowie 12 britischen und 4 französischen Linienschiffen bestand, zerstörte mehrere türkische Artilleriegeschütze. Auf ihrem Rückweg wurden jedoch zahlreiche Schiffe durch ein Minenfeld, das von dem türkischen Minenleger Nusret ausgelegt worden war, versenkt oder beschädigt. Die HMS Irresistible, die HMS Ocean sowie die französische Bouvet sanken. Der Schlachtkreuzer HMS Inflexible und die französischen Linienschiffe Le Suffren und Gaulois wurden stark beschädigt.
Dieses Desaster veranlasste den britischen Kriegsrat, alle Seeangriffe einstellen zu lassen. Winston Churchill, der sich für die Operation stark gemacht hatte, musste zurücktreten.
Das Ende der Seeangriffe war durchaus glücklich für die Türken. Ihre Küstenbatterien hatten zu diesem Zeitpunkt einen Großteil ihrer Munition bereits verschossen, so dass ein erneuter alliierter Vorstoß wohl kaum hätte zurückgeschlagen werden können. Doch durch das Ausbleiben weiterer Seeattacken konnte die Verteidigung wieder aufgebaut werden. Die türkischen Truppen wurden um einige Elite-Divisionen aufgestockt und unter die Leitung von Vehip Pascha und des deutschen Generals Otto Liman von Sanders gestellt.
Invasion
Nach dem Misserfolg der Seeangriffe waren die Alliierten der Ansicht, dass nur noch Landstreitkräfte die türkischen Artilleriestellungen ausschalten konnten.
Zu Beginn des Jahres 1915 wurden australische und neuseeländische Freiwilligenverbände nach Ägypten verschifft. Diese Infanterieeinheiten formierte man zum 30.000 Mann starken Australian and New Zealand Army Corps (ANZAC) unter dem Kommando von General William Birdwood. Dieses bestand aus der New Zealand and Australian Division sowie der 1. australischen Division unter Major General W. T. Bridges. Außerdem standen General Hamilton noch die 17.000 Mann starke 29. britische Division, die Royal Naval Division und das französische Corps expéditionnaire d'Orient zur Verfügung.
Kontrahent war die 84.000 Mann starke 5. türkische Armee, die beide Küstenabschnitte der Dardanellen zu verteidigen hatte. In Bulair stationierte man die 5. und 7. Division. Am Kap Helles, an der Spitze der Halbinsel gelegen, stand die 9. Division. Die von Mustafa Kemal geführte 19. Division befand sich als Reserveeinheit in Gaba Tepe. In Kumkale auf dem asiatischen Festland lagen die 3. und 11. Division.
Die Invasion begann am 25. April 1915. Nach einem gewaltigen Bombardement durch alliierte Schiffsartillerie setzte man die 29. Division bei Helles an der Spitze der Halbinsel ab. Das ANZAC landete zur selben Zeit im Norden von Ari Burnu, von wo aus es die türkischen Verstärkungstruppen aus Kilitbahir stören sollte. Die Franzosen unternahmen mit 16.000 Soldaten eine Scheinlandung in Kumkale, um die Verteidiger abzulenken.
ANZAC
Die 3. Brigade der 1. australischen Division begann, im Morgengrauen um 4.30 Uhr an Land zu gehen. Die beabsichtigte Landezone war etwas nördlich von Gabe Tepa und wurde offiziell als Z-Strand bezeichnet. Die Landung missglückte jedoch, und die Soldaten wurden bei Ari Burnu ausgeladen.
Der Strand der Landezone war schmal und wurde von hochansteigenden zerklüfteten Felsen gesäumt, was eine schnelle Vorwärtsbewegung der australischen Einheiten erschwerte. Der Kommandeur der 19. türkischen Division, Mustafa Kemal, erkannte die Gefahr und setzte sofort seine Verstärkungstruppen in Bewegung.
Kurz danach kämpfte man um den Hügel Baby 700, der abwechselnd von den Türken und dann wieder von den Australiern eingenommen wurde. Schließlich konnten die türkischen Truppen den Hügel endgültig besetzen, da sie den Vorteil hatten, aus einer höheren Kampfposition anzugreifen. Nachdem der Vorstoß des ANZAC gebremst war, führten die Türken – obwohl in der Minderzahl – einen Gegenschlag mit dem Ziel, die Alliierten auf die Strände zurückzuwerfen. Dieser Gegenangriff misslang jedoch, und beide Parteien verschanzten sich. Im Grabenkrieg bis Ende August bildete sich eine blutige Pattsituation heraus.
Eles Burnu
Die 29. britische Division unter der Leitung von Major General Aylmer Hunter-Weston führte die Landung am Eles Burnu durch. Der Landabschnitt war von Ost nach West in die fünf Strandabschnitte S, V, W, X und Y eingeteilt.
An der äußersten Spitze von Gallipoli, wo die Abschnitte S, X und Y lagen, gab es nur geringen Widerstand. Der Kommandant der Landungswelle am Y-Strand (Sighin-Dere-Mündung) konnte an diesem Tag in die Nähe des verlassenen Dorfs Krithia vorstoßen. Wenig später wurde der Strand geräumt, als türkische Verstärkung herannahte.
Die Hauptlandungen wurden am V-Strand bei der alten Festung Sedd-ül-Bahr und am W-Strand durchgeführt.
Am V-Strand setzte das umgebaute Kohlenschiff River Clyde das Hampshire-Regiment und die Royal Munster Fusiliers unterhalb der Festung ab, so dass die Soldaten von ihren Rampen aus direkt den Strand besetzen konnten. Die Lancashire Fusiliers brachte man in offenen Booten an den W-Strand, der mit Stacheldraht überzogen war. An beiden Stränden war der Widerstand der türkischen Verteidiger ausgesprochen hart und die Briten erlitten schwerste Verluste. Besonders die Soldaten, die nacheinander aus der River Clyde strömten, gaben ein ideales Ziel für die türkischen Maschinengewehre in der Sedd-ül-Bahr-Festung ab.
Die Türken waren jedoch, wie bei der Landung des ANZAC, deutlich in der Minderzahl. Dennoch konnten sie nicht von den Briten überrannt werden und hielten ihre Stellungen. Lediglich am W-Strand überwältigten die Lancashire Fusiliers die türkischen Verteidiger unter schweren Opfern. 600 von insgesamt 1.000 britischen Soldaten wurden getötet. Die Bataillone am V-Strand hatten Verluste von bis zu 70 % hinzunehmen.
Die ersten Schlachten
Am 27. April unternahm Mustafa Kemal einen Versuch, das ANZAC zurückzuwerfen. Der Angriff scheiterte durch das Eingreifen der alliierten Schiffsartillerie und forderte hohe Verluste auf Seiten der türkischen Angreifer.
Am Tag darauf versuchten die Briten, nun von den Franzosen unterstützt, das von den Türken besetzte Krithia zu erobern. Die Angriffsplanung war jedoch zu unorganisiert und die Kommunikation zwischen den Truppenverbänden funktionierte nicht. Die Soldaten der 29. Division waren zudem noch von dem Kampf um die Festung Sedd-ül-Bahr erschöpft, weswegen die Eroberung des Dorfes fehlschlug. Die alliierten Gräben lagen nach dem Angriff auf halbem Weg zwischen Krithia und der südlichen Landspitze der Insel. Die Kämpfe am Kap Helles gingen sofort in den Stellungskrieg über. In den Nächten vom 1. und 3. Mai schlugen die Alliierten alle türkischen Gegenangriffe zurück, obwohl diese sogar einmal die französischen Linien durchbrechen konnten.
Am 2. Mai griff das ANZAC an, um die Höhe Baby 700 zurückzuerobern. Die Truppen kamen nur unter hohen Verlusten vorwärts. Der Versuch, sich in einigen der neuen Positionen einzugraben, misslang, und das ANZAC musste sich in der Nacht des 3. Mai wieder zurückziehen.
Zu Beginn der zweiten Schlacht um Krithia am 6. Mai befahl General Hamilton die Verlegung zweier Brigaden vom ANZAC zur Helles-Front. Die nachfolgenden Angriffe scheiterten wieder unter hohen Verlusten.
Am 19. Mai führten die Türken einen Großangriff gegen das ANZAC durch. Mit einer Überzahl von 40.000 Türken sollten die 10.000 Australier und Neuseeländer überrannt werden. Der Vorstoß misslang unter hohen Verlusten. Am 24. Mai vereinbarten beide Seiten sogar einen kurzzeitigen Waffenstillstand, um die Massen von Toten, die inzwischen im Niemandsland der Front lagen, zu begraben, um einer Seuchengefahr vorzubeugen.
Nach der dritten erfolglosen Schlacht um Krithia am 4. Juni gaben die Alliierten sämtliche Hoffnungen auf einen schnellen Durchbruch auf. Stattdessen konzentrierte man sich jetzt auf die langwierigen Grabenkämpfe, die jeweils nur wenige 100 Meter Gebietsgewinne brachten. Bei der dritten Schlacht um das Dorf verloren beide Seiten 25 % ihrer Streitkräfte. Die Briten hatten 4.500 Gefallene von insgesamt 20.000 Soldaten zu beklagen.
Im Juni landete die 52. Division auf Gallipoli, um noch in der Schlussphase der Schlacht um Gully Ravine (28. Juni) teilzunehmen. Somit schafften es die Briten, ihre Linien ein wenig nach vorn zu verlegen. In den Tagen vom 1. Juli bis zum 5. Juli führten die Türken eine Reihe verzweifelter Gegenstöße durch, die jedoch nicht zum erhofften Erfolg führten.
Am 12. Juli erfolgte eine letzte britische Offensive am Eles Burnu gegen die türkischen Linien bei Achi Baba Nullah. Unter Verlusten von bis zu 30 % gelangen ihnen abermals keine entscheidenden Fortschritte.
Augustoffensive
Die misslungene Eroberung Krithias und die Rückschläge an der Eles Burnu-Front zwangen General Hamilton dazu, einen neuen Plan für die Dardanellenoperation auszuarbeiten, der schließlich zur Augustoffensive führte. Auf einen Beschluss des britischen Dardanellenkomitees landeten in der Nacht zum 6. August zwei neue Infanteriedivisionen in der Suvla-Bucht. Sie sollten zusammen mit dem ANZAC ausbrechen, weit in das Land hineinstoßen und das Kilid-Bahr-Plateau erreichen. Die weiteren Aktionen der 20.000 Mann starken Landungstruppe liefen jedoch nur sehr schleppend an, obwohl ihnen an dieser Stelle lediglich etwa 1.500 Türken unter der Führung des bayerischen Majors Willmer gegenüber standen. Dieses „Anafarta Detachement“ bestand aus drei Infanteriebataillonen, einer Kompanie Pioniere, einer kleinen Kavallerieabteilung sowie einem Arbeitsbataillon. In Anbetracht der Kräfteverhältnisse an anderen Stellen eine relativ leichte Aufgabe für die Angreifer, die jedoch nicht erfüllt wurde. Der alte und inkompetente Befehlshaber Generalleutnant Sir Frederick Stopford ließ seine Soldaten in ihren Stellungen ausharren, anstatt einen schnellen Vormarsch zu befehlen. Dies gab den Türken die Möglichkeit, weitere Divisionen zu dem Landungsabschnitt zu beordern und dann die günstigen Verteidigungsstellungen zu besetzen. Generalleutnant Stopford wurde daraufhin durch Generalmajor de Lisle ersetzt.
Dem Ausbruchsversuch des Anzac ging ein Angriff auf die türkischen Gräben in Lone Pine voraus, der von den Infanteriebrigaden der 1. australischen Division durchgeführt wurde. Obwohl man dadurch leichte Gebietsgewinne errang, konnten die Hauptangriffsziele, die Eroberung von Chunuk Bair und Hügel 971, nicht erreicht werden.
Die Angriffe waren jeweils zu unkoordiniert und die vorrückenden Truppen kamen in den zerklüfteten Felsen äußerst beschwerlich voran. Zudem funktionierte die Kommunikation zur eigenen Artillerie nicht, die entweder vorzeitig das Feuer einstellte oder sogar den eigenen Soldaten gefährlich wurde. Die Türken konnten nach den unabgestimmten Bombardements immer wieder rechtzeitig ihre Gräben besetzen und die Angreifer Welle für Welle mit MG-Salven niederstrecken.
Nur einige wenige Soldaten kamen in die Nähe der wichtigen Höhen, bis sie kurz darauf von türkischen Verbänden unter der Leitung von Mustafa Kemal vertrieben wurden.
Der letzte alliierte Versuch, das Kriegsglück zu wenden, erfolgte am 21. August mit den Angriffen auf Hügel 60 und den Scimitar-Hügel. Auch diese Operationen scheiterten am zähen Widerstand der Verteidiger, woraufhin es keine Hoffnung mehr gab, die Augustoffensive und somit auch die Schlacht um Gallipoli zu gewinnen.
Die verlustreiche Niederlage der Entente in der Augustoffensive hatte weitreichende Auswirkungen auf die Balkanstaaten. Das bislang zögerliche Bulgarien schlug sich nun auf die Seite der Mittelmächte, Griechenland und Rumänien blieben trotz ihrer feindlichen Einstellung neutral. Russland war damit von den Hilfslieferungen seiner westlichen Alliierten abgetrennt, die Türkei nach Westen hin gesichert und die Niederwerfung Serbiens begünstigt. Politisch wurde die panslawistische Linie des Zaren durch den Beitritt des von Russland mitgeschaffenen Bulgariens zu den Mittelmächten ad absurdum geführt.
Evakuierung
Am 14. Oktober wurde General Hamilton aufgrund der Fehlschläge durch Generalleutnant Sir Charles Monro ersetzt.
Die internationale Lage für die Entente verschlechterte sich mit dem Kriegseintritt Bulgariens auf Seiten der Mittelmächte. Über den nun direkt zur Türkei reichenden Landweg hätten die Mittelmächte starke Artillerie liefern können, der die Alliierten hilflos unterlegen gewesen wären.
Am 19. November beschloss Lord Kitchener nach einem Überblick über die Lage die Evakuierung.
Die Verschiffung der 14 Divisionen erwies sich wegen starker Stürme und Regenfälle als schwierig. Durch einsetzenden Schneefall und Frost erlitten viele Soldaten Erfrierungen.
Ironischerweise war die Evakuierung das erfolgreichste Unternehmen der Dardanellenoperation. Die am 18. Dezember durchgeführte Einschiffung wurde auf Grund des widrigen Wetters von den Türken zunächst nicht bemerkt. Erst zwei Tage später erkannten die türkischen Verteidiger die Situation und gingen sofort dazu über, die Einschiffungszonen mit einem gewaltigen Bombardement zu belegen. Bei der hektischen Flucht ließen die Alliierten zahlreiches Kriegsmaterial zurück. Über 1.000 Australier erreichten die Schiffe nicht rechtzeitig und wurden zurückgelassen.
Die Türken warfen nun einen Großteil ihrer Kräfte an die Eles Burnu-Front, wo sie den Alliierten mit ähnlich schweren Angriffen zusetzten. Das schlechte Wetter tat ein übriges; die niedrig gelegenen britischen Gräben wurden überflutet. Am 7. Januar 1916 entschlossen sich die Türken zu einem Angriff auf die Verteidigungslinien, da sie mit keinem großen Widerstand mehr rechneten. Die Briten wehrten sich jedoch erbittert. Die letzten Einheiten verließen Gallipoli am 9. Januar 1916.
Folgen
„Diese Helden, die ihr Blut vergossen und ihr Leben ließen… nun liegt ihr in dem Boden eines freundlichen Landes. Darum ruhet in Frieden. Da gibt es keinen Unterschied zwischen den Johnnies und den Mehmets, dort wo sie Seite an Seite in diesem unserem Lande liegen… Ihr, die Mütter, die ihre Söhne aus weit entlegenen Länder schickten, wischt weg eure Tränen. Eure Söhne liegen nun an unserer Brust und sind in Frieden. Ihr Leben in diesem Land verloren zu haben, machte sie genauso zu unseren Söhnen.“
– Mustafa Kemal
Nach dem türkischen Sieg bei Gallipoli ging der Siegeszug der osmanischen Armeen weiter. In Mesopotamien wurde die britische Armee gezwungen, sich am 29. April 1916 bei Kut-el-Amara zu ergeben. Trotz massiver Überlegenheit benötigten die Briten drei lange Jahre, um Bagdad, Jerusalem und Damaskus zu erobern. Vom südlichen Palästina aus marschierten die Truppen des Osmanischen Reiches zur Sinai-Halbinsel, um den Sueskanal zu erobern. Im August schlugen die Briten diesen Vorstoß zurück, worauf die Alliierten wieder die Oberhand im Nahen Osten errangen.
Nach der Evakuierung formierte man die alliierten Verbände in Ägypten neu. Das ANZAC wurde umorganisiert; die Infanterie schickte man an die Westfront, während die leichte Kavallerie für Operationen in Palästina und Sinai eingeteilt wurde.
Für die Generäle Hamilton und Stopford stellte Gallipoli das Ende ihre Karriere dar. Hunter-Weston führte später sein VIII. Korps in der Somme-Schlacht. Mustafa Kemal, der sich als zuverlässiger und eigenständiger Truppenführer mehrfach bewährt hatte, legte mit der Schlacht um Gallipoli den Grundstein als Volksheld Gazi Mustafa Kemal Pascha und sollte nach einem kometenhaften Aufstieg nach Kriegsende als Präsident der Türkei unter dem Namen Kemal Atatürk weltweit bekannt werden. Zunächst allerdings konnte Enver Pascha noch verhindern, dass der damals noch unbekannte Mustafa Kemal gefeiert wurde. Stattdessen ließ er sich selbst allen Ruhm zuschreiben. Dem Leiter der bewährten Militärreform, Liman von Sanders, wurde hingegen weder im Osmanischen Reich noch in Deutschland jemals eine dem Erfolg entsprechende Popularität gezollt.
Die Schlacht um Gallipoli war eine der blutigsten und brutalsten im Ersten Weltkrieg. Geradezu beispiellos war sie als Schlacht, in der eine Landarmee auf Dauer einem von Heer und Marine zusammen geführten Kampf standhalten konnte. Überliefert ist der Befehl Atatürks an seine Soldaten an einem Frontabschnitt, an dem diese den Rückzug erwogen, da ihnen die Munition auszugehen drohte. Er befahl ihnen in dieser Situation das Sterben, da in der Zwischenzeit, in der sie stürben, frische Kräfte herangeführt werden könnten. Gallipoli war aufgrund der hohen Opferzahlen ein Schock für Australien und Neuseeland. Es war der bislang größte Konflikt, in den diese beiden britischen Dominions verwickelt wurden. Neben der Schmach für die Entente zog die Niederlage auch Konfrontationen und Streitigkeiten auf politischer Ebene nach sich, die zum Rücktritt Churchills als Marineminister und zum Sturz der Regierung Asquith führten.
Verluste
Unter den bekannteren Persönlichkeiten, die direkt oder indirekt durch die Auswirkungen der Schlacht ums Leben kamen, befanden sich der Dichter Rupert Brooke und der Physiker Henry Moseley. Rupert Brooke starb auf dem Weg zur Schlacht auf einem britischen Kriegsschiff an den Folgen einer Impfung. In der Schlacht selbst verstarb Henry Moseley.
Die Commonwealth War Graves Commission (CWGC) ist für die Kriegsgräber der Commonwealth-Truppen (Großbritannien, Neuseeland, Indien, Neufundland …) verantwortlich. Es gibt 31 CWGC-Friedhöfe auf Gallipoli; 6 am Kap Helles, 4 an der Suvla-Bucht und 21 bei den ehemaligen Stellungen des Anzac. Für viele Soldaten, die in Krankenhäusern oder auf See starben, gibt es keine Gräber. Diesen Soldaten sind verschiedene Gedenktafeln und Denkmäler gewidmet, von denen die britischen am Kap Helles, die australischen bei Lone Pine und die neuseeländischen bei Chunuk Bair stehen.
Ein französischer Soldatenfriedhof liegt in der Nähe des ehemaligen S-Strandes, wo sich auch die französischen Quartiere während der Schlacht befanden. Einen größeren türkischen Soldatenfriedhof gibt es nicht. Statt dessen hat man mehrere Denkmäler errichtet, von denen sich die wichtigsten an der Morto-Bucht, in der Nähe des früheren S-Strandes und am Chunuk Bair befinden.
Die Schlacht von Gallipoli in der Kultur
Die Schlacht von Gallipoli lieferte Stoff für mehrere Filme. Die australische Produktion „Gallipoli“ des Regisseurs Peter Weir von 1981 schilderte die Schicksale zweier ANZAC-Soldaten in der Schlacht (einer davon gespielt von Mel Gibson) und sorgte in Australien für eine Welle patriotischer und auch anti-britischer Gefühle.
Der BBC-Fernsehfilm All the King's Men (1999) schildert den Verlust der Sandringham Kompanie.
Eric Bogles Lied „And The Band Played Waltzing Matilda“ beschreibt die Schlacht aus der Sicht eines australischen Soldaten.
Die schwedische Power-Metal-Gruppe Sabaton, deren Texte regelmäßig von Kriegen des 20. Jahrhunderts handeln, behandeln die Schlacht mit dem Titel „Cliffs of Gallipoli“, wobei die Grabrede Atatürks die Grundlage für den Großteil des Textes ausmacht.
Der 25. April, der Jahrestag der ersten Landung, wird in Australien und Neuseeland jedes Jahr als ANZAC Day begangen und gilt als wichtigster nationaler Feiertag.
Der 18. März, an dem die Türken nun endgültig die Invasoren besiegt hatten, wird in der Türkei als der „Tag der Gefallenen“ (tr: Şehitler günü) gefeiert.
Guido von Usedom (* 2. Oktober 1854 in Quanditten (Ostpreußen), einem heute untergegangenen Ort im Rajon Selenogradsk; † 24. Februar 1925 in Schwerin) war ein deutscher Marineoffizier, zuletzt Admiral im Ersten Weltkrieg.
Leben
Frühe Jahre
Guido stammte aus dem pommerschen Adelsgeschlecht Usedom und war der Sohn des Leutnants Kuno von Usedom (1804–1855). Er trat am 31. Mai 1871 in die Kaiserliche Marine ein. Nach seiner Ausbildung und ersten Borderfahrungen wurden ihm erste Kommandos übertragen. Eine Zeitlang diente er als Adjutant Prinz Heinrichs von Preußen.
Im Oktober 1895 bekam Usedom als Korvettenkapitän bis zum Ende des Jahres das Kommando über den Aviso Pfeil, ab März 1896 folgte für ein halbes Jahr das Kommando über den Aviso Jagd. Von September 1896 bis Juli 1898 war er Kommandant des Küstenpanzerschiffs Hagen und wurde in dieser Zeit zum Korvettenkapitän mit Oberstleutnantrang[A 1] befördert. Anschließend wurde er Kommandant des gerade in Dienst gestellten Großen Kreuzers Hertha, auf dem er zum Fregattenkapitän ernannt und zum Kapitän zur See (18. September 1899) befördert wurde.
Einsatz beim Boxeraufstand
Mit der Hertha war Usedom im Mittelmeer und in Ostasien eingesetzt. Bei Beginn des Boxeraufstands befahl der Befehlshaber des Ostasiengeschwaders, Vizeadmiral Felix von Bendemann, aus den Besatzungen aller deutschen Kreuzer Landungskorps zu bilden, um sich am Schutz der europäischen Gesandtschaften in Peking zu beteiligen. Usedom wurde der Führer des gesamten deutschen Expeditionskorps aus etwa 500 Mann, das dem britischen Befehlshaber der beteiligten ausländischen Streitkräfte vor Ort, Vizeadmiral Seymour, unterstellt war. Usedom war zugleich dessen Chef des Stabes.
Am 10. Juni 1900 verließ das gesamte Expeditionskorps Tanggu im Eisenbahntransport in Richtung Peking. Der Vormarsch wurde durch chinesische Truppen und Aufständische unterbunden, so dass sich das Expeditionskorps auf dem Landweg zurückziehen musste. Dabei wurde der Kommandeur des britischen Landungskorps, Captain Jellicoe, der spätere Befehlshaber der Grand Fleet in der Skagerrakschlacht, verwundet. In dieser bedrängten Lage forderte Seymour den Einsatz der deutschen Truppen unter Usedom an und soll dabei den historischen Satz „The Germans to the Front“ gesprochen haben.
Aufgrund seiner Erfahrungen mit dem Landungskorps wurde Usedom im September 1900 von der Führung der Hertha entbunden und dem Stab des Oberkommandierenden der verbündeten Truppen in China zugeteilt, das die Beendigung des Aufstands durchsetzte. Parallel zu dieser Aufgabe war er formal bereits mit dem 21. Juli 1900 zum Flügeladjutanten des Kaisers ernannt worden. Für seine Leistungen in China wurde Usedom am 5. April 1902 mit dem Orden Pour le Mérite ausgezeichnet.
Zeit vor dem Ersten Weltkrieg
Im August 1902 übernahm Usedom das Kommando über die kaiserliche Yacht Hohenzollern, das er bis Oktober 1904 innehatte. Im Anschluss wurde er Inspekteur der I. Marine-Inspektion und in dieser Funktion am 14. März 1905 zum Konteradmiral befördert. Parallel dazu war er ab September 1905 Vertreter des Oberwerftdirektors und ab Januar 1906 Oberwerftdirektor der Kaiserlichen Werft in Kiel. Am 21. August 1908 wurde er zum Vizeadmiral befördert und mit Jahresende 1910 unter Verleihung des Charakters als Admiral zur Disposition gestellt.
Leiter des Sonderkommandos Türkei im Ersten Weltkrieg
Im August 1914 wurde Usedom reaktiviert und als Leiter des Sonderkommandos Türkei nach Konstantinopel entsandt. Weil sich die Anzeichen für eine Operation der Triple Entente gegen die Dardanellen verstärkten und damit die Gefahr der Eroberung der Hauptstadt des Osmanischen Reichs wuchs, wurde Usedom im Einvernehmen mit der türkischen Regierung zum Oberbefehlshaber der Meerengen ernannt.
Die für diese Aufgabe verfügbaren Mittel waren äußerst gering, und Usedom behalf sich mit dem demonstrativen Ausbau von Küstenstellungen, teilweise ohne Personal für die Besetzung der weiter landeinwärts gelegenen Forts zu haben. Außerdem ließ er Minenfelder legen. Mitte Februar 1915 war es Usedom gelungen, die schwere Artillerie in den wichtigsten Forts entlang der Meerengen zu bemannen und ausgedehnte Minenfelder in den Meerengen legen zu lassen. Auf diesen Minen sanken im Verlauf der Dardanellenoperation unter anderem das französische Linienschiff Bouvet und die britischen Linienschiffe Irresistible und Ocean.
Den weiteren Verlauf der beginnenden Schlacht von Gallipoli bestimmte indes weniger Usedoms Wirken, als die Führung der türkischen Landstreitkräfte durch den deutschen General Otto Liman von Sanders. Nach dem Ende der Schlacht blieb Usedom bis zum Kriegsende in der Türkei und wurde im August 1915 mit dem Eichenlaub zum Pour le Mérite ausgezeichnet. Im Januar 1916 erhielt er das Patent als Admiral. Am 26. November 1918 trat er in den Ruhestand.
Damad İsmail Enver (osmanisch اسماعیل انور) oder Enver Pascha (* 22. November 1881 in Istanbul; † 4. August 1922 bei Baldschuan, Tadschikistan) war Politiker, Generalleutnant und Kriegsminister des Osmanischen Reichs und einer der führenden Jungtürken. Enver Pascha war einer der Hauptverantwortlichen für den Völkermord an den Armeniern und war gleichaltriger Zeitgenosse von Mustafa Kemal Atatürk, mit dem er eine Zeit lang rivalisierte.
Herkunft und Aufstieg
Ismail Enver wurde als Kind eines türkischen Eisenbahnarbeiters geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Sein Vater achtete auf eine gute schulische Erziehung. Während seiner Schüler- und Studentenzeit kam er mit bürgerlich-revolutionären Ideen in Berührung und nahm 1897 als Mitglied der jungtürkischen Bewegung an den gescheiterten Studentenprotesten gegen die Regierung unter Sultan Abdülhamid II. teil. Um die Jahrhundertwende gewannen die intellektuell geprägten Jungtürken zunehmend Einfluss auf das türkische Offizierskorps. Enver, der die Offizierslaufbahn eingeschlagen hatte, sollte später neben Cemal und Talaat in den Führungszirkel des Komitees für Einheit und Fortschritt (İttihad ve Terakki Fırkası) aufsteigen. Die grundlegende Voraussetzung dafür war seine wichtige Rolle in der Jungtürkischen Revolution von 1908. In der von seiner Garnison in Thessaloniki ausgehenden Militärrevolte übernahm der junge Hauptmann Enver Bey die militärische Führung. Am 24. Juli 1908 musste Abdülhamid II. die liberale Verfassung des Großwesirs Midhat Pascha von 1876 wieder in Kraft setzen, die Zensur aufheben, eine Amnestie erlassen und reaktionäre Regierungsmitglieder entlassen. Gegen die Machtübernahme der Jungtürken unternahmen reaktionäre Kräfte am 13. April 1909 einen Putschversuch, den revolutionäre Truppen nach drei Tagen niederschlugen. Danach entthronten die Jungtürken Sultan Abdülhamid II. und ersetzten ihn durch dessen machtlosen Bruder Mehmed V., der Verfassungstreue schwor.
Der junge, aufstrebende Ismail Enver stand damals noch in der zweiten Reihe der Jungtürkischen Bewegung. Er setzte sich gegen probritische und profranzösische Kräfte für ein Militärbündnis mit dem Deutschen Kaiserreich ein und amtierte folgerichtig von 1909 bis 1911 als Militärattaché an der osmanischen Botschaft in Berlin. Dort entwickelte er maßgeblich die engen deutsch-türkischen Bündnisbeziehungen vor dem Ersten Weltkrieg und sorgte persönlich dafür, dass deutsche Offiziere höchste Funktionen in der türkischen Armee einnahmen. Mit Hilfe preußisch-deutscher Militärberater und moderner deutscher Waffen wollte er das zurückgebliebene osmanische Militärwesen reformieren, um drohenden Angriffen durch Italien in der Cyrenaika und im Dodekanes und britischen Expansionsgelüsten nach Palästina, Syrien, Arabien und Mesopotamien begegnen zu können. Diese Militärpolitik vergiftete die Beziehungen zur Weltmacht Großbritannien, die durch die Konzession an die Deutsche Bank zum Bau der Bagdadbahn schon länger belastet waren.
Anlässlich des italienisch-türkischen Kriegs verließ Ismail Enver 1911 Berlin, konnte jedoch als türkischer Oberbefehlshaber den Verlust Libyens nicht verhindern. Mit den Niederlagen in Nordafrika und im Dodekanes, der politischen Verfolgung oppositioneller Kräfte im Inland und Gewaltakten gegen Bürger, die nicht türkischer Nationalität waren, verspielten die Jungtürken für kurze Zeit ihre politische Macht. Im Juli 1912 wurden sie von der probritischen „liberalen“ Partei Freiheit und Einheit gestürzt. Die neue Regierung geriet jedoch durch den im Oktober 1912 beginnenden Ersten Balkankrieg, der zu katastrophalen Niederlagen und großen Gebietsverlusten führte, und die politische Spaltung des Offizierskorps ihrerseits in die Krise. Schon im Januar 1913 erfolgte unter maßgeblicher Führung Envers ein erfolgreicher Militärputsch der Jungtürken, der jedoch weitere militärische Niederlagen auf dem Balkan nicht verhinderte. Die neue jungtürkische Regierung unter Führung des Großwesirs Mahmud Şevket Pascha war im Frühjahr 1913 zum verlustreichen Friedensschluss von London gezwungen. Das Osmanische Reich verlor die gesamten europäischen Gebiete einschließlich Adrianopels. Wenig später zerstritten sich jedoch die siegreichen Balkanstaaten untereinander über die Aufteilung der Beute. Das isolierte Bulgarien kämpfte im Zweiten Balkankrieg allein gegen ein neues Bündnis aus Serbien, Griechenland und Rumänien und unterlag dieser Übermacht. Enver erkannte die einmalige Chance, einen kleinen Teil des verlorenen Gebiets zurückzugewinnen, griff als türkischer Oberbefehlshaber seinerseits Bulgarien an und konnte Adrianopel zurückerobern. Dadurch wurde er in der öffentlichen Meinung der Osmanen zum Kriegshelden, was ihm das Amt des Kriegsministers in der neuen jungtürkischen Regierung sicherte.
Zeit als Kriegsminister
Zwischen Sommer 1913 und Ende 1914 stand Enver Pascha auf dem Höhepunkt seines Ansehens und seiner Macht. Er regierte in einem informellen Triumvirat mit Innenminister Talât Pascha und Marineminister Cemal Pascha mit nahezu diktatorischen Vollmachten. Kurz nach der Machtübernahme Anfang 1913 wurde İsmail Enver zusammen mit der Ernennung zum Generalmajor auch der Ehrentitel „Pascha“ verliehen, unter dem er bis heute als „Enver Pascha“ bekannt ist. Sein gesellschaftlicher Aufstieg wurde durch die Heirat mit einer osmanischen Prinzessin erleichtert.
Am 3. Januar 1914 wurde er von Sultan Mehmed V. zum Kriegsminister des Osmanischen Reiches ernannt. Als Kriegsminister „säuberte“ Enver zunächst das Offizierskorps, indem er Generäle und Offiziere, die der Opposition gegen die Jungtürken verdächtig waren, massenhaft zwangspensionieren ließ. Außerdem erwirkte Enver im August 1914 das Zusammengehen mit Deutschland und Österreich-Ungarn im Ersten Weltkrieg, was im Herbst 1914 zum offiziellen Kriegseintritt des Osmanischen Reiches führte. Bis kurz vor Kriegsende leitete er die türkischen Militäroperationen als „Vizegeneralissimus“ - eigentlich als Oberbefehlshaber, dem jedoch nominell der Sultan als „Generalissimus“ übergeordnet war. Als die osmanische Großoffensive an der Kaukasusfront im Winter 1914/15, die Enver persönlich leitete, mit einem regelrechten Debakel endete, geriet das jungtürkische Regime schon zu Kriegsbeginn in eine prekäre Lage. Die osmanische Armee war nicht ausreichend für einen Winterfeldzug gerüstet und erlitt in der Schlacht von Sarıkamış große Menschenverluste. Die russische Armee eröffnete daraufhin im Frühjahr 1915, auf Sympathien unter der armenischen Bevölkerung zählend, die Gegenoffensive im Osten. Zur selben Zeit unternahmen die Briten einen Landungsversuch auf der Halbinsel Gallipoli unweit Istanbuls und setzten sich dort monatelang fest. Das militärische Ansehen Envers war in der Armee seither schwer angeschlagen, konnte jedoch durch spätere militärische Erfolge, insbesondere durch die Verteidigung Gallipolis, teilweise wiederhergestellt werden.
Das jungtürkische Triumvirat – den drohenden Zusammenbruch des Reiches vor Augen – verschärfte darauf hin den Staatsterror gegen die Armenier durch massenhafte Deportationen, die durch mangelnde Versorgung, Seuchen und gezielte Massaker in einen von langer Hand geplanten sowie von den Verbündeten des Osmanischen Reiches (des deutschen Kaiserreichs und Österreich-Ungarns) zumindest geduldeten, wenn nicht sogar indirekt unterstützten Völkermord mündeten. Hierfür war Enver einer der Hauptverantwortlichen. Von Verfolgungen waren auch Griechen und Aramäer/Assyrer betroffen. Dieses Vorgehen zerrüttete den inneren Zusammenhalt, aber auch die Wirtschaftskraft des Vielvölkerstaates. In Mittelasien schürte Enver Pascha 1916 im Zusammenhang mit dem Aufstand der Basmatschi gegen die Zarenherrschaft pantürkische Träume, was zu einer Vertrauenskrise in der deutschen Heeresführung führte.
Seit einer Regierungsumbildung im Februar 1917 amtierte Enver zusätzlich als Stellvertreter des neuen Großwesirs Talât Pascha. Trotz des türkisch-deutschen Erfolges bei der Verteidigung Gallipolis 1916 und des massiven deutschen Militärengagements im Nahen Osten verbesserte sich die Lage an der Kaukasusfront erst, als die russische Armee sich infolge der Oktoberrevolution 1917 auflöste. Auf Grund des Friedensvertrags von Brest-Litowsk vom 3. März 1918 konnten die Jungtürken die Heimkehr der 1878 an Russland abgetretenen Distrikte Kars, Ardahan und Batumi feiern. Im Juni 1918 ließ Enver Pascha eine „Islamische Armee“ im Kaukasus aufstellen, um Aserbaidschan mit der wichtigen Ölmetropole Baku zu erobern - was erneut Reibungen mit dem verbündeten Deutschland verursachte und zu Massakern an Armeniern in Baku führte. Kurz nach dem Einmarsch in Baku am Kaspischen Meer, der wichtige osmanische Truppenteile band, brach jedoch durch eine erfolgreiche britische Offensive die Front in Palästina zusammen. Der Erste Weltkrieg war für das Osmanische Reich endgültig verloren, als das verbündete Bulgarien Ende September 1918 kapitulierte und damit die Osmanen von der deutschen Nachschubversorgung abgeschnitten waren.
Wegen gravierender Fehler in der militärischen Führung, seiner Beteiligung am Völkermord an den Armeniern, den er mit Innenminister und Großwesir Talât Pascha mitzuverantworten hatte, und seiner abenteuerlichen pantürkischen Großmachtpläne hatte sich Enver Pascha jenen Teil des Offizierskorps und der Jungtürken zu Feinden gemacht, der einen säkularisierten, republikanischen Staat wollte und angesichts der absehbaren Niederlage nach Wegen zu einem Ausgleich mit den westeuropäischen Siegermächten suchte. Die Entmachtung Envers begann schon mit der Thronbesteigung des Sultans Mehmed VI. im Juli 1918, der die oppositionellen Kräfte unterstützte und Enver als Vizegeneralissimus absetzte. Als die Kriegsniederlage nach der bulgarischen Katastrophe offensichtlich und unabwendbar war, konnte sich die Regierung unter Großwesir Talaat nicht mehr halten und musste am 14. Oktober 1918 zurücktreten. Enver wurde wegen seiner gescheiterten Kriegsstrategie bereits am 4. Oktober 1918 als Kriegsminister entlassen.
Nach Unterzeichnung des für das Osmanische Reich verheerenden Waffenstillstands von Mudros am 30. Oktober 1918 und einem Regierungswechsel, der Anfang November 1918 die von den Jungtürken verfolgten Liberalen wieder an die Macht brachte, mussten Enver, Talaat und Cemal aus Istanbul fliehen, um der Verhaftung und Verurteilung zu entgehen. In der Nacht vom 3. zum 4. November 1918 ging Enver Pascha zusammen mit anderen führenden Jungtürken an Bord eines deutschen U-Boots, das ihn in geheimer Mission nach Odessa brachte. Die Flüchtigen, die zunächst sämtlich in Deutschland untertauchten, bevor sich ihre Wege trennten, wurden 1919 in Istanbul wegen ihrer Verantwortung für den Armeniergenozid in Abwesenheit zum Tode verurteilt.
In literarischer Form wurde Envers Mitschuld am Völkermord an den Armeniern in dem Roman Die vierzig Tage des Musa Dagh von Franz Werfel beschrieben, der - mit Bezug auf eine authentische Begebenheit - die Begegnung des Kriegsministers mit dem deutschen Geistlichen und Orientkenner Johannes Lepsius schildert und Enver dabei als kalt lächelnden Massenmörder beschreibt.
Exil in Deutschland und Russland
Enver fand zusammen mit Talaat für einige Zeit Unterschlupf in Potsdam. Dort wohnte er incognito in Neubabelsberg bei dem befreundeten Kunsthistoriker Friedrich Sarre, Direktor im Vorderasiatischen Museum Berlin. Im Sommer 1919 besuchten Enver und Talaat den in Moabit inhaftierten Revolutionär Karl Radek, der ihnen den Vorschlag unterbreitete, Kontakt zur sowjetrussischen Führung aufzunehmen, um den Krieg in Mittelasien gegen Großbritannien fortzusetzen. Dazu sollte er die Reste seiner „Islamischen Armee“ mit Einheiten der Roten Armee vereinigen. Enver erlag der Fehleinschätzung, die Sowjetmacht würde im Kampf gegen den britischen Imperialismus, der die Ölfelder um Baku ins Auge gefasst hatte, auch sein pantürkisches Programm tolerieren. Seine Verbindungen zu deutschen Militärs wie Hans von Seeckt ausnutzend, unternahm er Ende 1919 und Anfang 1920 mehrere Versuche, per Flugzeug über das in Nachkriegskonflikten versunkene Osteuropa hinweg nach Sowjetrussland zu gelangen, hatte aber erst im Sommer 1920 Erfolg. Im September 1920 nahm er auf Einladung seiner sowjetischen Gastgeber am ersten Kongress der Völker des Ostens in Baku teil, der von der Komintern organisiert wurde.
Nach dem Kongress kehrte Enver nach Deutschland zurück, wo er Waffen kaufte, um in den Türkischen Befreiungskrieg einzugreifen. Die Sowjets bauten Enver in dieser Zeit als Alternative zu Mustafa Kemal auf, um diesen auf einem sowjetfreundlichen Kurs zu halten. Nach einigen Monaten in Moskau reiste er im Sommer 1921 mit Erlaubnis der Sowjetregierung in den Kaukasus. Er hatte dafür sein Versprechen gegeben, sich nicht gegen Mustafa Kemal zu engagieren, brach aber sein Versprechen. Nachdem sein Versuch, von Batumi aus mit einigen Unterstützern in die Türkei einzureisen, von den sowjetischen Behörden verhindert worden war, nahm er eine Mission der Sowjetregierung nach Turkestan an. Er sollte dabei helfen, das in den Revolutionswirren unabhängig gewordene Emirat Buchara unter sowjetische Kontrolle zu bringen.
Im November 1921 in Buchara angekommen, wandte er sich gegen seine bisherigen Unterstützer und nahm Verbindung mit Führern der Basmatschi auf. Unter ihnen suchte er Anhänger für seine pantürkische Idee zu gewinnen und agitierte für die Bildung eines neuen Kalifats.
Kampf für ein neues Kalifat und Untergang
Wegen der kriegsbedingten und revolutionären Wirren schien Enver Pascha die Zeit günstig, die islamischen, turkstämmigen Völker Mittelasiens in einem eigenen Staatswesen zu vereinigen. Dabei hatte er es nicht nur auf die gerade der Zarenherrschaft entronnenen Aserbaidschaner, Turkmenen und Usbeken abgesehen, sondern rechnete auch mit der Unterstützung der Uiguren in Nordwestchina und turkstämmiger Nationalisten in Afghanistan und Persien. Als Kommandeur der Basmatschi und Oberbefehlshaber der Truppen des Emirs Said Alim Khan kämpfte er für das Ziel, ein Kalifat mit Sitz in Samarkand zu errichten. Der von der Geistlichkeit, dem Bürgertum und der reichen Oberschicht Bucharas, Ferghanas und des ehemaligen Khanats von Chiwa getragene Unabhängigkeitskampf wurde von der Roten Armee blutig beendet. Am 4. August 1922 fielen Enver Pascha und die meisten seiner Kämpfer in einem erbitterten Gefecht mit überlegenen Sowjet-Truppen am Cegan Tepe bei Baldschuan, nahe der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe im Pamir.
Enver Paschas sterbliche Überreste wurden 1996 nach Istanbul überführt und dort an seinem 74. Todestag beim Abide-i Hürriyet, dem Denkmal der jungtürkischen Revolution von 1908, beigesetzt.
Familie
Im März 1914 heiratete Enver Emine Naciye Sultan, eine Tochter des Bruders des Sultans Mehmed V. Reşad. Somit wurde Enver zum Damad-ı Şehriyârî (deutsch: Schwiegersohn des Sultans). Aus dieser Ehe gingen 1917 die Tochter Türkân Mayatepek, die Tochter Mahpeyker Ürgüp und 1920 der Sohn Ali Enver Akoğlu hervor.
Sonstiges
Enver Pascha war als Symbol des neuen jungtürkisch-osmanischen Selbstbewusstseins und aufgrund seiner militärischen Erfolge im Osmanischen Reich und anderen Teil der muslimischen Welt sehr populär, viele Familien benannten ihre Söhne nach ihm, so etwa im Falle von Anwar as-Sadat. Auch in Deutschland genoss Enver Pascha als Initiator und Garant des Militärbündnisses mit dem Osmanischen Reich hohes Ansehen und außerordentliche Popularität. Zeitweise war er Ehrenvorsitzender der Deutsch-türkischen Vereinigung.
Dieses Ansehen wurde auch dadurch nicht entscheidend geschmälert, dass militärische Kenner der osmanischen Verhältnisse wie General Otto Liman von Sanders („Liman Pascha“) in ihren Kriegserinnerungen Enver überaus kritisch bewerteten. Während des Ersten Weltkriegs dienten unter Envers Oberbefehl um die 800 preußische Offiziere und mehrere tausend deutsche Soldaten in der türkischen Armee im Asien-Korps. Als Militärattaché hatte er vor dem Krieg längere Zeit in Klein Glienicke gewohnt, so dass ihm zu Ehren 1915 eine von Babelsberg nach Klein Glienicke führende Brücke seinen Namen erhielt. Die „Enver-Pascha-Brücke“ wurde im Zweiten Weltkrieg 1945 zerstört und soll wieder aufgebaut werden. Für die große Popularität Enver Paschas sorgte außerdem eine nach ihm benannte deutsche Zigarettenmarke (Enver Bey).
Nach dem deutsch–jüdischen Historiker Paul Arnsberg soll Enver Pascha seine Abstammung von den Dönme hergeleitet haben, einer sabbatianischen Strömung innerhalb des Islam, die auf den jüdischen Propheten Schabbtai Zvi zurückging.
Auszeichnungen (Auswahl
Eisernes Kreuz am 26. Februar 1915
Eiserner Halbmond im Jahre 1915
Osmanje-Orden I. Klasse am 24. März 1915
Pour le Mérite mit Eichenlaub
Pour le Mérite am 23. August 1915
Eichenlaub am 10. Januar 1916
à la suite des Preußischen Garde-Füsilier-Regiments am 13. September 1916
Johannes Merten (* 15. Dezember 1857 in Sprauden, Kreis Marienwerder; † 8. April 1926 in Berlin) war ein deutscher Marineoffizier der Kaiserlichen Marine und General der Artillerie des Osmanischen Reichs.
Dienst in der Kaiserlichen Marine
Merten trat 1875 in die Kaiserliche Marine ein. Nach seiner Ausbildung und ersten Erfahrungen an Bord wurde er Kommandant mehrerer Kriegsschiffe. Er führte das Kanonenboot Albatross (Mai bis Oktober 1895 und April bis September 1896) und das Vermessungsschiff Möwe (Februar 1897 bis Februar 1899), mit dem er im Bereich der deutschen Kolonien in der Südsee eingesetzt war.
Von März 1899 bis September 1902 war er zunächst Kommandeur der III., später der IV. Marineartillerieabteilung und wurde am 23. März 1901 zum Fregattenkapitän befördert. Ab September 1902 kommandierte er nacheinander die beiden Großen Kreuzer Victoria Louise und Friedrich Carl. Am 27. Januar 1903 wurde er zum Kapitän zur See befördert.
Im November 1904 wurde Merten Kommandeur der I. Werft-Division und im Oktober 1907 Inspekteur der II. Marineinspektion. Am 27. Januar 1908 wurde er zum Konteradmiral befördert. Von Oktober 1908 bis November 1910 war er Festungskommandant von Wilhelmshaven und von August bis September 1909 parallel dazu Führer der III. Aufklärungsgruppe. Am 19. Oktober 1910 wurde ihm der Charakter als Vizeadmiral verliehen, und mit dem Ende des Folgemonats schied er aus dem aktiven Dienst aus.
Dienst für das Osmanische Reich
Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurde Merten reaktiviert und in der Türkei als Kommandant der Befestigungen der Dardanellen eingesetzt. Er beteiligte sich an deren Verteidigung während der Schlacht von Gallipoli. Am 27. Januar 1916 erhielt er sein Patent als Vizeadmiral. Das Osmanische Reich verlieh ihm den Rang eines Generals der Artillerie. Nach Kriegsende trat er endgültig in den Ruhestand