Von dem Prozeß gegen General Ludendorff und Adolf Hitler.
Originaler Fotodruck, um 1928.
Mit zwei Fotoabbildungen in sehr guter Kupfertiefdruck-Qualität:
Oben: Die Angeklagten Heinz Pernet. Dr. Friedrich Weber, Hermann Kriebel, Erich Ludendorff, Adolf Hitler, Wilhelm Brückner, Ernst Röhm, Robert Wagner.
Unten: General Ludendorff beim Verlassen des Gerichtsgebäudes (Eingang der des Gebäudes der Zentralen Infanterieschule der Reichswehr in der Blutenburgstraße 3 in München-Neuhausen in dem der Prozeß stattfand).
Journalausschnitt in der Größe 168 x 205 mm.
Mit minimalen Alterungs- und Gebrauchsspuren, sonst sehr guter Zustand.
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Mit dem Hitlerputsch oder Hitler-Ludendorff-Putsch versuchten Adolf Hitler, Erich Ludendorff und weitere Putschisten am 8. und 9. November 1923 in München, die Regierungsmacht an sich zu reißen.
Hintergrund
Auf die sozialdemokratische bayerische Regierung Eisner und die Münchner Räterepublik reagierten die „vaterländischen und nationalistischen“ Gruppen mit dem zunehmend radikaler formulierten Wunsch nach „Ordnung“ und mit deutlich verstärkten antidemokratischen Tendenzen. Hinzu kamen separatistische Ansätze. Die 1918 als Nachfolgeorganisation des bayerischen Zentrums gegründete Bayerische Volkspartei behielt sich schon 1919 eine Abtrennung Bayerns vom Reich vor. Inflation, Not und die französische Besetzung des Ruhrgebietes verstärkten dieses Vorhaben. Zum Ausbruch des Konflikts kam es, als der neue Reichskanzler Gustav Stresemann im September 1923 den „passiven Widerstand“ der Regierung Cuno abbrach. Diesen „Verrat“ nahm die bayerische Regierung unter Ministerpräsident Eugen Ritter von Knilling zum Anlass, den Ausnahmezustand in Bayern zu erklären, die Grundrechte außer Kraft zu setzen und Gustav Ritter von Kahr zum Generalstaatskommissar zu ernennen.
Gustav von Kahr versuchte gemeinsam mit Otto von Lossow - dem bayerischen Landeskommandeur der Reichswehr - und Hans Ritter von Seißer – dem Kommandeur der bayerischen Polizei –, seine republikfeindlichen Pläne in Angriff zu nehmen. Von der „bayerischen Ordnungszelle“ aus sollte in Berlin eine nationale Diktatur ausgerufen werden. Der Stellvertreter von Kahrs, Freiherr von und zu Aufseß, drückte diese Intentionen am 20. Oktober 1923 in folgenden Worten aus:
„Es heißt für uns nicht: Los von Berlin! Wir sind keine Separatisten. Es heißt für uns: Auf nach Berlin! Wir sind seit zwei Monaten von Berlin in einer unerhörten Weise belogen worden. Das ist auch nicht anders zu erwarten von dieser Judenregierung, an deren Spitze ein Matratzeningenieur [Anm.: damit ist Ebert gemeint] steht. Ich habe seinerzeit gesagt: In Berlin ist alles verebert und versaut, und ich halte das auch heute noch aufrecht.“
– Freiherr von und zu Aufseß
Zum Eklat kam es am 18. Oktober. Nach einem Artikel gegen Friedrich Ebert und Hans von Seeckt, den Chef der Heeresleitung, forderte Reichswehrminister Otto Geßler das Verbot des NSDAP-Sprachrohrs Völkischer Beobachter. Otto von Lossow, Kommandeur der bayerischen Reichswehrdivision, erhielt den Auftrag, dieses Verbot durchzusetzen. Dieser verweigerte jedoch die Ausführung des Befehls und wurde seines Amtes enthoben. Daraufhin unterstellte er die bayerische Division seinem alleinigen Kommando und vereidigte sie auf Bayern und seine Regierung. Damit war der offene Bruch mit der Weimarer Republik vollzogen.
Der Putsch
Hitler hatte den Putsch bereits für den 29. September 1923 geplant, wartete dann aber die turbulenten Entwicklungen in Bayern ab. Er wollte die neue Situation ausnutzen und die bayerische Regierung zum Sturz der Reichsregierung veranlassen. Am 30. Oktober 1923 rief er – ergebnislos – im Münchner Zirkus Krone zum Aufstand auf. Eine passende Gelegenheit bot sich, als Gustav Ritter von Kahr in Anwesenheit von Lossows, von Seißers und zahlreicher Prominenter aus verschiedenen nationalistischen Lagern zur Vorbereitung seiner Putschpläne im Bürgerbräukeller am 8. November 1923 über die Ziele seiner Politik sprechen wollte. Kahr begann in dem vollbesetzten Bürgerbräukeller um etwa 20 Uhr mit seiner Rede.
Etwa 30 Minuten nach Beginn betrat Hitler in Begleitung Hermann Görings sowie weiterer Nationalsozialisten vom Vestibül aus den Saal, feuerte einen Revolverschuss in die Decke, um die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu erlangen, warnte, das Versammlungslokal sei von der SA umstellt, und verkündete, die „nationale Revolution“ sei ausgebrochen. Er bat das Triumvirat – von Kahr, von Lossow, von Seißer – und den mittlerweile herbeigeholten General der Infanterie und ehemaligen Ersten Generalquartiermeister Erich Ludendorff in einen Nebenraum, während Göring eine Rede hielt. Unterdessen brachte Hitler von Kahr, von Lossow und von Seißer – nach späteren Aussagen mittels Erpressung – auf seine Seite. Hitlers Ziel war ein sofortiger Aufstand, wozu das Triumvirat ihm seine Unterstützung zusagte. Zurück im Saal, baten die drei die Anwesenden, Hitlers Staatsstreich zu unterstützen. Die von Hermann Esser entworfene Proklamation der Putschisten lautete:
Flugblatt der
Hitler-Ludendorff-Putschisten
Proklamation
an das deutsche Volk!
Die Regierung der November-
verbrecher in Berlin ist heute für
abgesetzt erklärt worden.
Eine
provisorische deutsche
Nationalregierung
ist gebildet worden, diese besteht aus
Gen. Ludendorff
Ad. Hitler, Gen. v. Lossow
Obst. v. Seisser
„Proklamation an das deutsche Volk! Die Regierung der Novemberverbrecher in Berlin ist heute für abgesetzt erklärt worden. Eine provisorische deutsche Nationalregierung ist gebildet worden, diese besteht aus General Ludendorff, Adolf Hitler, General von Lossow, Oberst von Seißer.“
Nach dem Vorbild des „Marsch auf Rom“ der italienischen Faschisten um Benito Mussolini sollten die in Bayern stehenden Reichswehrverbände zusammen mit antidemokratischen Wehrverbänden nach Berlin marschieren und dort die Macht im Deutschen Reich übernehmen.
Inzwischen besetzte nach 22 Uhr Ernst Röhm, vom Löwenbräukeller kommend, mit einem Sonderkommando das ehemalige Kriegsministerium, nunmehr Wehrkreiskommando und Amtssitz von Lossows in der Schönfeldstraße. Die dortige Wache leistete keinen Widerstand, als Röhm erklärte, er habe den Auftrag, eine Ehrenwache für Ludendorff und Lossow bereitzustellen.
Um 2:55 Uhr nachts widerrief Gustav von Kahr im Rundfunk seine Zusage. Er erklärte die ihm, Lossow und Seißer „mit vorgehaltener Pistole abgepreßten Erklärungen“ für null und nichtig sowie die NSDAP und die Bünde Oberland und Reichskriegsflagge für aufgelöst. Oberamtmann Wilhelm Frick wurde als Erster verhaftet.
Der Marsch
Dennoch verkündeten am Freitagmorgen, 9. November 1923, in München zahlreiche Plakate und Redner wie Julius Streicher und Helmuth Klotz den Sieg ihrer Bewegung. Selbst am Neuen Rathaus hing am Balkon eine riesige schwarz-weiß-rote Flagge. Julius Schaub nahm mit einem Stoßtrupp neun sozialistische Stadträte als Geiseln gefangen. Sie wurden in den Bürgerbräukeller gesperrt. Dessen ungeachtet rückten mit Panzern verstärkte Verbände der Reichswehr und der Landespolizei gegen das Wehrkreiskommando vor, das Ernst Röhm mit 400 Putschisten vom Bund Reichskriegsflagge besetzt hatte. Bei einem Schusswechsel wurden zwei Soldaten der Reichswehr verwundet, während die Putschisten Martin Faust und Theodor Casella als erste der Aufrührer zu Tode kamen. Vermittler suchten Röhm zur Kapitulation zu überreden, er stimmte aber nur um 11:45 Uhr einem Waffenstillstand für zwei Stunden zu.
Um 12 Uhr marschierten Hitlers Anhänger unter seiner und Ludendorffs Führung vom Bürgerbräukeller ab. General Ludendorff, der ebenso wie Hitler in Zivil ging und einen Hut trug, hatte das Kommando übernommen.
Ludendorff führte die Putschisten vom Bürgerbräukeller über die Ludwigsbrücke. Dort entwaffneten sie eine 30 Mann starke Abteilung der Landespolizei und marschierten weiter zum Marienplatz. Anschließend bog die Kolonne in die Weinstraße ein und zog dann durch die Theatinerstraße Richtung Odeonsplatz. Nördlich vom Odeonsplatz lagen das Kriegsministerium und das Wehrkreiskommando, wo sich Röhm verschanzt hatte. Der Kommandant der Landespolizei in der Residenz, Michael Freiherr von Godin, erhielt auf eine telefonische Anfrage durch Seißer den Befehl, das Heraustreten der Hitlertruppen auf den Odeonsplatz müsse mit allen Machtmitteln gestoppt werden.
Godin riegelte daraufhin mit seinen 130 Mann, die mit einer Kanone und Maschinengewehren bewaffnet waren, den Odeonsplatz ab. Als der Zug in Sichtweite kam, ließ Ludendorff die Marschierer rechts in die kurze Perusastraße einschwenken und gleich danach links in die Residenzstraße abbiegen. In Zehner- bis Sechzehnerreihen bewegte sich der Zug, Die Wacht am Rhein singend, voran in Richtung Feldherrnhalle und durchbrach die Absperrkette des 1. Zuges in der Residenzstraße.
Es war 12:45 Uhr, als unter ungeklärten Umständen Schüsse fielen. Dabei wurden der Kommandant des 1. Zuges der Landespolizei, Oberwachtmeister Friedrich Fink, sowie Unterwachtmeister Nikolaus Hollweg getötet. Das Feuer der Polizisten tötete als einen der ersten Max Erwin von Scheubner-Richter, der den eingehakten Hitler mit sich zu Boden riss. Ulrich Graf stellte sich vor Hitler und stürzte, von elf Kugeln getroffen, auf Hitler und Scheubner-Richter. Hermann Göring wurde in den Schenkel und in die Lende getroffen.
Die Putschisten warfen sich zu Boden, während die zahlreichen Zuschauer flüchteten. Die ganze Aktion dauerte weniger als eine Minute. Dabei wurden vier Polizisten und ein Passant getötet. Sechzehn Putschisten wurden erschossen. Unter den Getöteten waren folgende Berufsgruppen vertreten: vier Kaufleute (darunter Klaus von Pape), drei Bankbeamte, ein Hutmacher, ein Oberkellner, ein Schlosser, ein Student, ein Diener (Kurt Neubauer), ein Rittmeister, ein Oberlandesgerichtsrat (Theodor von der Pfordten), ein Ingenieur sowie der Diplomat und Mitinitiator Max Erwin von Scheubner-Richter.
Pater Rupert Mayer gab den Sterbenden auf dem Odeonsplatz die letzten Sakramente und sprach mit den Verwundeten. Zahlreiche Schwerverwundete wurden in die Universitätsklinik eingeliefert, wo sie unter der Leitung von Ferdinand Sauerbruch operiert wurden. Ludendorff, der unverletzt geblieben war, wurde am gleichen Tag verhaftet.
Hitler entkam durch Flucht mit Hilfe eines Sanitätsautos, „die wenige Jahre später von ihm selbst verbreitete Legende, er habe ein hilfloses Kind aus dem Feuer getragen, ist schon vom Ludendorff-Kreis widerlegt worden, ehe er selbst davon Abstand nahm.“ Bei dem Kind handelte es sich um den 10-jährigen Knaben Gottfried Mayr, der eine Schusswunde am Oberarm erhalten hatte und dem Hitlers Gefolgsmann Dr. Walter Schultze Erste Hilfe leistete. Hitler versteckte sich in Uffing am Staffelsee im Landhaus von Ernst Hanfstaengl, wurde jedoch einige Tage später ebenfalls in Haft genommen. Die NSDAP wurde im ganzen Deutschen Reich verboten.
Getötete Putschisten
Felix Alfarth
Andreas Bauriedl
Theodor Casella
William Ehrlich
Martin Faust
Anton Hechenberger
Oskar Körner
Karl Kuhn
Karl Laforce
Kurt Neubauer
Klaus von Pape
Theodor von der Pfordten
Johann Rickmers
Max Erwin von Scheubner-Richter
Lorenz Ritter von Stransky-Griffenfeld
Wilhelm Wolf
Getötete bayerische Polizisten
Friedrich Fink
Nikolaus Hollweg
Rudolf Schraut
Max Schobert
Prozess und Urteil
Hitler stand ab Frühjahr 1924 unter Hochverratsanklage vor dem Volksgericht in München. Allerdings gelang es ihm, sich im Laufe des folgenden „Hitler-Prozesses“ aufgrund seiner rhetorischen Fähigkeiten vom Angeklagten zum Ankläger hochzustilisieren. Dabei deutete er unter anderem das Ereignis und Gedenken der Kriegsniederlage zum „eigentlichen Hochverrat“ um, und instrumentalisierte es in seinem Sinn als „Aufruf zum Putsch und Auflehnung gegen die Landesverräter“.
Mit der Begründung, dass bei einem Mann, „der so deutsch denkt und fühlt wie Hitler“ und der sich durch „rein vaterländischen Geist und edelsten Willen“ auszeichne, das Motiv des Verrats nicht aufrecht erhalten werden könne, wurde es vom Gericht ausdrücklich abgelehnt, Hitler als verurteilten Ausländer nach Verbüßung seiner Haftstrafe aus Deutschland auszuweisen, wie es § 9 des Republikschutzgesetzes zwingend vorsah. Hitler wurde zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt, mit der Möglichkeit der vorzeitigen Entlassung schon nach sechs Monaten.
In der Festung Landsberg diktierte Hitler seinen damaligen Mithäftlingen Emil Maurice und Rudolf Heß Teile des ersten Bandes seines Buches Mein Kampf. Nach neun Monaten wurde Hitler Ende 1924 „wegen guter Führung“ vorzeitig unter Auflagen aus der Haft entlassen.
In einem Gutachten war der Münchner Vize-Polizeipräsident Friedrich Tenner zur folgenden, vom Gericht nicht berücksichtigten Einschätzung gelangt: „Hitler […] ist heute die Seele der ganzen völkischen Bewegung. Er wird grosse Massen […] seiner Idee der NSDAP zuführen.“
Ludendorff stand ebenfalls in München vor Gericht, wurde jedoch (aufgrund seiner Verdienste im Ersten Weltkrieg) freigesprochen.
Untersuchungsausschuss
Am 31. Juli 1924 setzte der Bayerische Landtag einen Untersuchungsausschuss zur „Untersuchung der Vorgänge vom 1. Mai 1923 in München und der gegen Reichs- und Landesverfassung gerichteten Bestrebungen in Bayern vom 26. September (Einsetzung des Generalstaatskommissars Gustav von Kahr bis 9. November 1923)“ ein, welcher am 27. April 1928 seinen Abschlussbericht vorlegte.
Gedenktag für die Bewegung
Nach der Machtübernahme stilisierte die NS-Propaganda den Putschversuch in eine heroische Niederlage um und gedachte in aufwendig inszenierten jährlichen Totenfeiern in München der dabei Umgekommenen als „Gefallener“ und „Opfer“ Deutschlands (darunter Max Erwin von Scheubner-Richter) und der „Blutzeugen der Bewegung“.
„Aus dieser ganzen Not ist unsere Bewegung entstanden, und sie hat daher auch schwere Entschlüsse fassen müssen vom ersten Tage an. Und einer dieser Entschlüsse war der Entschluss zur Revolte vom 8./9. November 1923. Dieser Entschluss ist damals scheinbar misslungen, allein, aus den Opfern ist doch erst recht die Rettung Deutschlands gekommen.“
– Adolf Hitler: Rede vom 9. November 1939 im Bürgerbräukeller
Hitler widmete diesen 16 Umgekommenen, er nennt sie Blutzeugen, den ersten Band seines Buches Mein Kampf. Der später von Hitler allen Beteiligten verliehene „Blutorden“ war beim Zeitpunkt der Stiftung die höchste Parteiauszeichnung der NSDAP. Die so genannte Blutfahne wurde von 1926 an auf den Parteitagen zur mythisch überhöhten Weihe der Parteifahnen und SS-Standarten verwendet.
Am 1. März 1939 erklärte Hitler den 9. November als Gedenktag für die Bewegung zum staatlichen Feiertag.
Am Münchner Königsplatz wurden nach der Machtergreifung zwei Ehrentempel für die 16 getöteten Putschisten errichtet, deren sterbliche Überreste dorthin umgebettet wurden. Nach dem Einmarsch der Amerikaner wurden diese Bauten gesprengt; heute sind nur noch die Sockel übrig.
An der Feldherrnhalle wurde eine Tafel angebracht, vor der ständig ein Doppelposten Ehrenwache hielt und die von den Passanten mit dem Hitlergruß zu ehren war (siehe auch: Drückebergergasse). 1945 wurde diese Tafel entfernt; seit 1993 erinnert eine andere Tafel an die vier getöteten Polizisten.
Im Rahmen der Gedenkfeiern kam es zu zwei Attentaten auf Hitler. Am 9. November 1938 durch den Schweizer Maurice Bavaud beim Gedenkmarsch zur Münchner Feldherrnhalle und am 8. November 1939 durch den Handwerker Georg Elser im Münchener Bürgerbräukeller.
Der Hitler-Prozess bzw. Hitler-Ludendorff-Prozess war ein Hochverrats-Prozess im Jahr 1924 in München gegen Adolf Hitler und weitere Angeklagte nach dem gescheiterten Hitler-Ludendorff-Putsch.
Hitlers Festnahme
Nach dem gescheiterten Putsch vom 9. November 1923 übernachtete Hitler als Gast von Helene Hanfstaengl, deren Ehemann Ernst Hanfstaengl ebenfalls am Putsch beteiligt war, in Uffing am Staffelsee. Am nächsten Tag besuchte ihn Dr. Walter Schulze, der zusammen mit einem Assistenten Hitlers Arm wieder einrenkte.
Am Sonntag, den 11. November erhielt der Standortkommandeur der Landespolizei Weilheim in Oberbayern, Oberleutnant Rudolf Belleville, um 16.20 Uhr telefonisch den Befehl, Hitler in der Villa Hanfstaengl festzunehmen. In Uffing durchsuchte er mit 10 Landespolizeibeamten und einem Gendarmen zunächst eineinhalb Stunden die Villa von Hanfstaengls Mutter Katharina. Nach einem Telefongespräch mit Helene Hanfstaengl machte er sich zu deren Villa auf. Laut Hanfstaengls Memoiren entwand Helene dabei Hitler die bereits an die Schläfe gehaltene Pistole. Kurz vor dem Eintreffen des Polizeikommandos diktierte er noch sein politisches Testament.
Hitler ließ sich widerstandslos von Belleville, mit dem er persönlich bekannt war, verhaften. Das Kommando fuhr mit Hitler nach Weilheim zurück, und um 10 Uhr 45 des nächsten Tages wurde Hitler vor 39 Wachmännern in das Festungsgefängnis Landsberg eingeliefert.
Vorbereitung des Prozesses
Er bezog die Zelle Nr. 7, in der zuvor Anton Graf von Arco auf Valley inhaftiert worden war. Dort wurde er am nächsten Tag von dem Hilfsstaatsanwalt Hans Ehard verhört und war erst zum Sprechen bereit, nachdem der Protokollführer den Raum verlassen hatte. Hitler leugnete, Hochverrat begangen zu haben, da das Verbrechen der Novemberrevolution noch ungesühnt sei. Gustav von Kahr, Otto von Lossow und Hans von Seißer hätten über Monate hinweg mit ihm den Umsturz vorbereitet. Ehards Aufzeichnungen aus dem Gedächtnis heraus wurden Grundlage der Anklage gegen Hitler.
Zuständig für den Hochverratsprozess wäre eigentlich das Reichsgericht in Leipzig gewesen, Bayern weigerte sich jedoch, der nach dem Putsch eingegangenen Anordnung auf Verhaftung Hitlers, Hermann Görings und Erich Ludendorffs im Hinblick auf die Eröffnung vorläufiger Ermittlungen gegen sie Folge zu leisten. So fand das Verfahren vor dem Volksgericht in München statt, was einen eindeutigen Rechtsbruch darstellte.
Es wurden vier Gerichtsverfahren eingeleitet: 1.) gegen Hitler und die anderen Spitzen des Putsches, 2.) gegen den Stoßtrupp, 3.) gegen Karl Beggel und Hans Knauth wegen des Diebstahls von Banknoten aus den Druckereien und 4.) gegen die Schuldigen des Überfalls auf das St.-Anna-Kloster.
Der Prozess
Der Hochverratsprozess begann am Morgen des 26. Februars 1924 im Hauptlesesaal der Zentralen Infanterieschule mit 368 Zeugen, Korrespondenten aus aller Welt und Hunderten von Zuschauern mit reservierten Sitzen. Zwei Bataillone der Landespolizei riegelten mit Stacheldraht und Spanischen Reitern die Mars- und Blutenburgstraße ab.
Die zehn Angeklagten waren Adolf Hitler, Erich Ludendorff, Heinz Pernet, Friedrich Weber, Hermann Kriebel, Ernst Röhm, Ernst Pöhner, Wilhelm Frick, Wilhelm Brückner und Robert Wagner. Andere Putschisten wie Göring und Rudolf Heß fehlten, weil sie ins Ausland geflüchtet oder untergetaucht waren.
Als Staatsanwalt fungierte Ludwig Stenglein, dem der Hilfsstaatsanwalt Hans Ehard zur Seite stand. Zweiter Staatsanwalt war Martin Dresse. Den Gerichtsvorsitz übernahm der rechtskonservative Georg Neithardt, der von dem Richter August Leyendecker, den Versicherungsagenten Philipp Herrmann und Christian Zimmermann sowie dem Schreibwarenladenbesitzer Leonhard Beck assistiert wurde.
Hitlers Verteidiger war der Rechtsanwalt Lorenz Roder. Die Anklageschrift bezeichnete Hitler als „die Seele des ganzen Unternehmens“. Neithardt ersetzte dementsprechend ein Protokoll von Ludendorffs Vernehmung durch ein anderes, das besagte, dass er von den Putschvorbereitungen nichts gewusst habe. Ludendorff saß nicht in Haft und wurde zu den Verhandlungen gefahren.
Neithardt vereidigte nur die Zeugen für die Verteidigung, nicht aber die Zeugen der Anklage. Die Angeklagten erklärten sich für „nicht schuldig“. Obwohl die Anklage „gegen Ludendorff et al.“ lautete, übernahm Hitler, der mit seinem Eisernen Kreuz Erster Klasse am Revers auftrat, die alleinige Verantwortung für den Putsch und behauptete unter stürmischem Klatschen der Zuschauer, es gäbe keinen Hochverrat gegen die Landesverräter von 1918. Er lenkte den Vorwurf des Verrats zudem auf Kahr, Lossow und Seißer, die eigentlich seit Wochen dasselbe tun wollten und sich dann gegen ihn und das deutsche Volk gewandt hätten.
Die Zeugen Kahr und Lossow, die inzwischen ihre früheren hohen Posten verloren hatten, sowie Seißer wurden von Hitler hart angegriffen. Der Vorsitzende ließ es meist zu, dass Hitler sie wiederholt in der Art eines Anklägers verhörte und ihre Aussagen diskreditierte, so dass der Staatsanwalt sie in Schutz nehmen musste. Seißer bezichtigte Hitler der Alleinschuld an dem Unternehmen und bestätigte damit den von diesem selbst erhobenen Anspruch. Der Angeklagte Pöhner nannte die Einrichtungen und Gesetze der Weimarer Republik als für ihn nicht verbindlich. Lediglich Hans Ehard schien ernsthaft auf eine Verurteilung hinzuarbeiten, doch seine Einsprüche und Anträge wurden immer wieder abgelehnt.
25 Tage nahmen Zeugenaussagen und Diskussionen in Anspruch, von denen die Öffentlichkeit und die Presse großenteils „aus Gründen der Sicherheit“ ausgeschlossen waren. Am 27. März 1924 durften die Angeklagten abschließende Erklärungen geben. Hitler legte zuerst dar, dass er trotz seiner bescheidenen Herkunft sich berufen fühle, ein Volk zu regieren. Dann klagte er Ebert, Scheidemann und Genossen des Landes- und Hochverrats an und verkündete seine Überzeugung von einer künftigen Vereinigung mit denjenigen, „die auf uns geschossen haben“. Zuletzt sprach er dem Gericht das Recht ab, einen Schuldspruch zu fällen:
„Mögen Sie uns tausendmal schuldig sprechen, die Göttin des ewigen Gerichtes der Geschichte wird lächelnd den Antrag des Staatsanwaltes und das Urteil des Gerichtes zerreißen; denn sie spricht uns frei.“
Staatsanwalt Stenglein verband seinen Strafantrag mit vielen lobenden Worten an die Adresse Hitlers.
Das Urteil
Am 1. April 1924 sollte das Urteil verkündet werden. Um zehn Uhr trafen die Angeklagten in der Infanterieschule ein und stellten sich zuerst den Fotografen. Die Offiziere trugen prunkvolle Uniformen, Ludendorff und Kriebel sogar Pickelhauben.
In dem überfüllten Saal verlas Neithardt das mit vier zu eins Stimmen gefällte Urteil. In der Begründung wurde auf den „rein vaterländischen Geist und edelsten Willen“ der Angeklagten verwiesen. Der Tod der vier bayerischen Polizisten beim Putsch wurde nicht erwähnt. Mit Ausnahme von Ludendorff wurden alle Angeklagten für schuldig befunden, Brückner, Röhm, Pernet, Wagner und Frick aber nur wegen Beihilfe zum Hochverrat.
Ludendorff protestierte gegen seinen Freispruch. Er erklärte:
„Ich empfinde diesen Freispruch als eine Schande für den Rock und für die Ehrenzeichen, die ich trage, gegenüber meinen Kameraden.“
Diese Erklärung löste stürmische Heilrufe aus. Die Untersuchungshaft wurde von der Strafzeit abgezogen, so dass Frick, Röhm, Wagner und Brückner auf Bewährung frei kamen. Hitler, Weber, Kriebel und Pöhner wurden zur Mindeststrafe von fünf Jahren Festungshaft nebst Geldbuße von 200 Goldmark verurteilt. Nach sechs Monaten könne die Strafe wegen guter Führung in Bewährungsfrist umgewandelt werden. Die obligatorische Ausweisung Hitlers nach § 9 Absatz 2 des Republikschutzgesetzes wurde unter Verweis darauf, dass Hitler sich als Deutscher betrachte und viereinhalb Jahre im deutschen Heer Kriegsdienst geleistet und sich durch Tapferkeit ausgezeichnet habe, nicht angewandt.
Im Gerichtssaal erschollen „Bravo, Bravo!“- und „Heil! Heil!“-Rufe. Die Gefangenen empfingen Blumensträuße. Als sie sich am Fenster der Wachstube präsentierten, wo sie sich vor ihrem Abtransport nach Landsberg aufhielten, brach die Menge in der Blutenburgstraße in Jubel aus.
Am 20. Dezember 1924 wurden Hitler und Kriebel auf Bewährung aus der Haft in Landsberg entlassen, Pöhner und Weber, die ihre Haft später angetreten hatten, im Frühjahr 1925.
Der Untersuchungsausschuss
Auf Initiative von Wilhelm Hoegner (SPD) und auf Antrag der SPD-Fraktion vom 3. Juni 1924 setzte der Bayerische Landtag am 31. Juli 1924 einen Untersuchungsausschuss zur „Untersuchung der Vorgänge vom 1. Mai 1923 in München und der gegen Reichs- und Landesverfassung gerichteten Bestrebungen in Bayern vom 26. September bis 9. November 1923“ ein. Erst am 5. Oktober 1927 begann der Ausschuss seine Beratungen.
Mitglieder des Ausschusses waren Georg Stang (BVP, Vorsitzender), Josef Graf von Pestalozza (BVP), Wilhelm Hoegner (SPD), Fritz Schäffer (BVP), Hans Hilpert (DNVP), Anton Staedele (Bayerischer Bauern- und Mittelstandsbund) und Theodor Doerfler (Völkischer Block).
Hauptthema war dann jedoch nicht der Hitler-Putsch oder der Hitler-Prozess, sondern die Frage, ob Justizminister Franz Gürtner eine strafrechtlichen Untersuchung der Vorgänge vom 1. Mai 1923, als Hitler möglicherweise das erste Mal putschen wollte, durch Einflussnahme auf die Einstellung des Verfahrens gegen Hitler gehemmt und somit gegen die Verfassung verstoßen hatte.
Erst am 27. April 1928 legte der Ausschuss einen wenig umfangreichen und inhaltlich zurückhaltenden Abschlussbericht vor. Das von Hoegner vorgetragene Sondervotum der SPD warf der bayerischen Justiz Versagen gegenüber der NSDAP vor. Auch seien die Pläne Hitlers und Ludendorffs dem Generalstaatskommissar von Kahr längst bekannt gewesen, ohne dass dieser dagegen eingeschritten sei. Auszüge der Arbeit des Untersuchungsausschusses wurden von der SPD unter dem Titel Hitler und Kahr. Die bayerischen Napoleonsgrößen von 1923 publiziert.
Adolf Hitler (* 20. April 1889 in Braunau am Inn, Österreich-Ungarn; † 30. April 1945 in Berlin) war ein deutscher Politiker und Diktator österreichischer Herkunft. Er war ab 1921 Parteichef der NSDAP, seit 1933 Reichskanzler und von 1934 bis zu seinem Suizid unter der Bezeichnung Führer und Reichskanzler zugleich Regierungschef und Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches.
Biografie
Fast alle Biografen Hitlers weisen auf die enorme Diskrepanz zwischen dessen erster und zweiter Lebenshälfte hin. Bis zu seinem 30. Lebensjahr war er, gemessen an den bürgerlichen Maßstäben seiner Zeit, nicht erfolgreich, da er weder eine Berufsausbildung noch nennenswerte soziale Bindungen hatte. Danach schwang sich Hitler innerhalb weniger Jahre zum deutschen Reichskanzler und schließlich zum diktatorischen Herrscher über weite Teile Europas auf.
Die frühen Jahre
Um seine Herkunft und sein Leben vor dem Eintritt in die Politik machte Hitler stets ein Geheimnis. „Sie dürfen nicht wissen“, sagte er 1930 über seine politischen Gegner, „woher ich komme und aus welcher Familie ich stamme.“ Döllersheim und Strones, die Heimatdörfer seiner Eltern und Großeltern, ließ er im Sommer 1938, gleich nach dem Anschluss Österreichs evakuieren, um einen Truppenübungsplatz anzulegen (heute: Truppenübungsplatz Allentsteig). Krockow, Kershaw und andere Biografen Hitlers vermuten, dass die Gründe dafür in dessen ungeklärter und von Inzest nicht freien Herkunft zu suchen sind. Hitlers eigene Angaben in Mein Kampf zu seinen frühen Jahren dienten vor allem der Selbststilisierung zu einem idealen nationalsozialistischen Kämpfer, gingen kaum über das hinaus, was damals ohnehin schon bekannt war, und sind daher wenig vertrauenswürdig.
Herkunft
Hitlers Familie stammte aus dem niederösterreichischen Waldviertel an der Grenze zu Böhmen. Im 19. Jahrhundert schwankte der damals in Österreich nicht unübliche Name der Familie noch zwischen Hüttler, Hiedler, Hittler und Hitler. Am wahrscheinlichsten ist, dass sich die verschiedenen Namensvarianten, die sich in der dialektalen Aussprache phonetisch kaum unterscheiden, von Hütte ableiten, der Name also so viel bedeutet wie Kleinbauer oder Häusler. Der spätere Diktator wurde in der oberösterreichischen Stadt Braunau am Inn geboren – am 20. April 1889 um 18:30 Uhr im Gasthof Pommer, Salzburger Vorstadt 219 (heute Hausnummer 15). Er war das vierte von sechs Kindern des Zollbeamten Alois Hitler und dessen dritter Frau Klara (geb. Pölzl). Der Vater wurde unter dem Namen Alois Schickelgruber als unehelicher Sohn der später verehelichten Anna Maria Schicklgruber und Johann Georg Hiedler geboren, wurde aber erst posthum, wohl auf Betreiben seines Onkels Johann Nepomuk Hiedler, bei dem er als Ziehkind aufgewachsen war, legitimiert und nahm als 39-Jähriger den Namen Hitler an. Die Mutter Klara (geb. Pölzl) war die Tochter von Johann Nepomuk Hiedlers ältester Tochter Johanna Hiedler und ihrem Mann Johann Babtist Pölzl. Somit waren Hitlers Eltern Onkel und Nichte zweiten Grades.
Die drei älteren Geschwister Adolf Hitlers verstarben bereits im Kindesalter, noch vor Adolfs Geburt. Von den sechs Kindern des katholischen Paares erreichten nur Adolf und seine Schwester Paula das Schulalter. Aus zweiter Ehe seines Vaters hatte Adolf einen Halbbruder und eine Halbschwester: Alois junior und Angela, die ebenfalls im Haushalt aufwuchsen, da ihre Mutter verstorben war. In Mein Kampf schildert Hitler den Vater als streng, autoritär, mitunter auch jähzornig und gewalttätig. Es ist jedoch umstritten, ob Hitlers Erziehung strenger war als zu dieser Zeit üblich.
Obwohl es keinen Grund zur Annahme gibt, dass Adolf Hitler an Johann Georg Hiedler als Großvater gezweifelt hat, musste die nicht mit völliger Sicherheit geklärte Abstammung für den Propagandisten einer rassistischen Ideologie politisch brisant werden, als er seit Anfang der 1920er-Jahre zunehmend bekannter wurde. Politische Gegner haben schon damals immer wieder nachzuweisen versucht, dass der Führer der antisemitischen und extrem nationalistischen NSDAP selbst jüdische oder tschechische Vorfahren habe. Bereits seit Mitte der 1920er-Jahre gab es Gerüchte über eine vermeintlich jüdische Abstammung Hitlers. Hans Frank griff diese in den Nürnberger Prozessen und in seiner Autobiografie mit der Aussage auf, Hitlers Großmutter sei mit seinem Vater Alois schwanger geworden, als sie als Dienstmagd im Haushalt eines Grazer Juden namens Frankenberger gearbeitet habe. Die sich auf Frank beziehende Literatur verbreitete diese Behauptung weiter, bis sie überzeugend widerlegt wurde. Für Hitler waren derartige Gerüchte und die zum Teil inzestuösen Verhältnisse in seiner Familie Grund genug, seine Herkunft möglichst zu verschleiern.
Kindheit
Wegen seines Berufs zog Alois Hitler mit seiner Familie häufig um: von Braunau zunächst nach Passau, später nach Lambach und schließlich nach Leonding bei Linz.
Auf den verschiedenen Volksschulen, die Adolf Hitler besuchte, war er ein guter Schüler, auf der Realschule in Linz versagte er dagegen völlig. Bereits das erste Jahr dort, 1900/1901, musste er wiederholen, und seine Lehrer bescheinigten ihm „mangelnde Arbeitslust“. An der Realschule in Linz begeisterten sich Schüler, darunter auch Hitler, für die Thesen Georg von Schönerers, sie begrüßten sich mit „Heil!“-Rufen und hefteten sich Kornblumen ans Revers. Die dritte Klasse in der Realschule in Linz schloss er 1904 erneut mit so mangelhaften Noten ab, dass eine Wiederholung der Klasse drohte. Da sein Vater aber in diesem Jahr gestorben war, bot die Schule Hitlers Mutter an, ihn zu versetzen, allerdings nur unter der Bedingung, dass er die Schule wechselte. Hitler besuchte daher nun die Realschule in Steyr, die als weniger anspruchsvoll galt. Aber auch dort besserten sich seine Leistungen nicht. Er blieb sitzen, schaffte die Wiederholungsprüfung nicht und verließ die Schule sechzehnjährig, im Herbst 1905, ohne Abschluss.
Hitler stellte dies später als eine Art von Lernstreik gegen den Vater dar, der ihn in eine Beamtenlaufbahn habe drängen wollen, während er selbst den Beruf des Kunstmalers anstrebte. An dieser Darstellung ist insofern etwas Wahres, als Hitler sich zeitlebens als verkannter Künstler sah, mit regelmäßiger Arbeit nicht zurechtkam, und außerdem Egozentrik zu seinen hervorstechendsten Eigenschaften gehörte. Gegen Hitlers Darstellung spricht jedoch, dass sein Vater schon am 3. Januar 1903 im Alter von 65 Jahren gestorben war. Der Erziehungsdruck auf den 13-Jährigen ließ also nach, ohne dass seine Leistungen deshalb besser wurden.
Jahre in Wien und München
Von 1903 an bezog Hitler eine Halbwaisenrente. Damit und mit der Unterstützung durch seine Mutter war er ab 1905 finanziell unabhängig. Im September 1907 reiste er nach Wien und unterzog sich an der Allgemeinen Malerschule der Wiener Kunstakademie zusammen mit weiteren 112 Kandidaten der Aufnahmeprüfung.
Durch seine mitgebrachte Arbeitsmappe qualifizierte er sich wie 79 weitere Bewerber zur Teilnahme am zweiten Auswahlverfahren, dem Probezeichnen am 1. und 2. Oktober. Nur 28 bestanden diese Prüfung. Die restlichen Bewerber, darunter auch Hitler und Robin Christian Andersen waren zum Studium nicht zugelassen. Er blieb zunächst in Wien. Am 24. Oktober teilte der jüdische Hausarzt Eduard Bloch der Familie mit, die Mutter sei unheilbar krank und habe nicht mehr lange zu leben. Adolf kehrte nach Linz zurück, bevor seine Mutter am 21. Dezember 1907 an Brustkrebs starb. Nach ihrem Tod distanzierte er sich zunehmend von seinen Verwandten.
Anders als die Schilderungen seiner Jugendzeit in Mein Kampf suggerieren, konnte Hitler von seiner Waisenrente anfangs relativ gut leben. Sein Einkommen, zusätzlich aufgebessert durch den Verkauf selbst gemalter Bilder und Postkarten, lag über dem Anfangsgehalt eines Lehrers. Das Empfehlungsschreiben einer Bekannten an den renommierten Bühnenbildner Alfred Roller, der sich zu einem Empfang Hitlers bereit erklärte, führte letztlich zu keinem Ergebnis. Im Herbst 1909 konnte er sich bei seiner zweiten Bewerbung an der Kunstakademie nicht mehr zum Probezeichnen qualifizieren. Danach bemühte er sich kaum, einen Beruf oder auch nur eine Berufsausbildung in Angriff zu nehmen.
In Wien kam er mit den Schriften des Rassenideologen und Antisemiten Jörg Lanz von Liebenfels in Kontakt. Auch die antisemitischen Polemiken von Politikern wie Georg von Schönerer, dem Führer der Alldeutschen Bewegung, und dem Wiener Bürgermeister Karl Lueger nahm er auf. Seine Vorstellung von einer überlegenen arischen so genannten Herrenrasse dürfte sich damals gebildet haben, seine Vorbilder ließ er aber stets unerwähnt. Mehr als für Politik hat sich Hitler nach Aussagen seines damaligen Freundes August Kubizek für Opern interessiert, insbesondere für die Richard Wagners.
Nach der zweiten Ablehnung durch den Vorstand der Kunstakademie ging Hitler allmählich das Geld aus. Zudem musste er fürchten, zum Militär eingezogen zu werden. Ob er deshalb allerdings im Herbst 1909 tatsächlich für einige Monate obdachlos war bzw. im Obdachlosenasyl in Meidling Zuflucht suchte ist nicht wirklich gesichert. Sicher ist, dass er Anfang 1910 in das Männerwohnheim in der Meldemannstraße zog. Als Maler von Sehenswürdigkeiten Wiens fand er ein bescheidenes Auskommen. Hitler malte und zeichnete in Wien bis Mitte 1910 zahlreiche kleinformatige Bilder. Da er selbst eher kontaktscheu war, übernahm ein Mitbewohner, Reinhold Hanisch, den Verkauf seiner Bilder. Weil er sich bei einem Geschäft von Hanisch betrogen fühlte, übertrug er den Verkauf einem jüdischen Mitbewohner namens Siegfried Löffner. Im August 1910 wurde Hanisch durch Löffner wegen der angeblichen Unterschlagung eines Hitler-Bildes bei der Wiener Polizei angezeigt. Da sich bei dieser Gelegenheit herausstellte, dass Hanisch in Wien unter dem falschen Namen Fritz Walter gemeldet war, wurde er am 11. August 1910 zu einer Gefängnisstrafe von sieben Tagen verurteilt. 1912 wurde Hitler seinerseits von einer anonymen Person wegen des unberechtigten Führens des Titels eines „akademischen Malers“ bei der Polizei angezeigt und ermahnt, diesen Titel zukünftig nicht mehr zu gebrauchen. In der Forschung wird angenommen, dass der Maler Karl Leidenroth, ein Freund Hanischs, die Anzeige in dessen Auftrag erstattete, um sich für die Anzeige aus dem Jahr 1910 zu revanchieren. Danach schränkte Hitler seine künstlerische Tätigkeit ein. Bemerkenswerterweise arbeitete er beim Handel mit seinen Bildern mit zahlreichen weiteren Juden zusammen, so mit dem ungarischen Männerheimbewohner Josef Neumann, der als sein Verkäufer fungierte, sowie den Händlern Jakob Altenberg und Samuel Morgenstern. Es ist daher fraglich, ob Hitlers Antisemitismus damals bereits so ausgeprägt war, wie er in Mein Kampf behauptete.
Die Historiker gingen davon aus, dass Hitler Hanisch 30 Jahre später 1938 verhaften ließ – beziehungsweise ihn nach dem Einmarsch in Österreich bereits verhaftet vorfand – um ihn dann im Konzentrationslager Buchenwald ermorden zu lassen. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass Hanisch bereits am 4. Februar 1937 während seines Aufenthaltes im Wiener Inquisitenspital an einem Herzschlag starb. Brigitte Hamann förderte nach intensiven Recherchen zu Hitlers Zeit in Wien nicht nur einen Bericht des untersuchenden Gerichtsarztes in der Wiener Todesfallaufnahme zu Tage, sondern auch einen Brief von Hitlers Wiener Emissär Franz Feiler vom 11. Mai 1938, in dem Feiler seinem Vertrauensmann im NSDAP-Hauptarchiv Ernst Schulte-Strathaus mitteilte, Hanisch sei „vor 1,5 Jahren gestorben.“
Nachdem Hitler im Mai 1913 das Erbe des Vaters ausgezahlt worden war, zog er vom Männerwohnheim in Wien nach München um, wo er bei dem Schneider Josef Popp in der Maxvorstadt zur Untermiete wohnte. Der Umzug hatte auch den Zweck, dem Militärdienst in Österreich zu entgehen. In Mein Kampf schrieb er später, er habe sich nach einer „deutschen Stadt“ gesehnt. Hier las er die rassistischen Schriften Houston Stewart Chamberlains. Hitler malte in München weiterhin Aquarelle und gelegentlich Ölbilder, meist Architekturdarstellungen nach fotografischen Vorlagen. Er verkaufte die Arbeiten vornehmlich in der Kunsthandlung Stuffle am Maximiliansplatz.
Nach längerer Suche durch die österreichische Polizei und Vorführung beim österreichischen Konsulat in München durch Beamte der Münchner Kriminalpolizei am 19. Januar 1914 fuhr er am 5. Februar 1914 zur Musterung nach Salzburg. Hier wurde er als waffenunfähig beurteilt und vom Militärdienst in Österreich zurückgestellt. Dass Hitler nicht prinzipiell dem Kriegsdienst aus dem Weg gehen wollte, zeigte er als Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg.
Im Ersten Weltkrieg
Der 25-jährige Hitler begrüßte begeistert den Kriegsausbruch im Jahr 1914. Eine Fotografie Heinrich Hoffmanns zeigt ihn inmitten der Großdemonstration am 2. August 1914 auf dem Odeonsplatz. Diese Fotografie wurde später massenhaft verbreitet.
Hitler trat am 16. August 1914 als Freiwilliger in die Bayerische Armee ein. Dort wurde der Österreicher am 8. Oktober 1914 auf den König von Bayern und anschließend auf den österreichischen Kaiser Franz Joseph vereidigt. Als Soldat des 16. Kgl. Bay. Reserve-Infanterie-Regiments (6. Königlich Bayerische Reserve-Division) verbrachte er fast die gesamte Kriegszeit als Meldegänger an der Westfront. Man beurteilt die Teilnahme am Ersten Weltkrieg für Hitlers späteres Leben als kaum überschätzbar: „Der Krieg und die Folgen haben Hitler geschaffen.“
Nach seiner Beteiligung an der Ersten Flandernschlacht erhielt Hitler am 3. November rückwirkend zum 1. November 1914 seine Beförderung zum Gefreiten. Am 2. Dezember desselben Jahres wurde er mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Den spontanen Weihnachtsfrieden 1914 missbilligte er. Hitler hinterließ mehrere Feldpostbriefe, von denen der vom 5. Februar 1915 der bedeutendste ist. Nach einer detailreichen Schilderung der Kampfhandlungen äußert er am Schluss seine Hoffnung auf die endgültige Abrechnung mit den Feinden im Inneren.
Seit dem 26. September 1916 war er Teilnehmer der Schlacht an der Somme. Bei Le Bargur wurde Hitler am 5. Oktober 1916 (nach eigenen Angaben am 7. Oktober) am linken Oberschenkel verwundet, als im Unterstand der Meldegänger eine Granate explodierte. Man schickte ihn vom 9. Oktober bis zum 4. Dezember in das Vereinslazarett Beelitz, das ihm mit seinen weißen Betten und sorgenden Krankenschwestern geradezu unwirklich vorkam.
Erst im März 1917 kam er wieder an die Front und nahm im Sommer an der Dritten Flandernschlacht teil, woraufhin er das Militärverdienstkreuz III. Klasse mit Schwertern erhielt. Nach einem Heimaturlaub in Berlin im Oktober 1917 war er ab Ende März 1918 an der Deutschen Frühjahrsoffensive beteiligt. Im Mai erhielt er ein Regimentsdiplom für hervorragende Tapferkeit und das Verwundetenabzeichen in Schwarz; am 4. August wurde er auf Initiative des jüdischen Regimentsadjutanten Hugo Gutmann mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet.
Hitler galt als korrekter Soldat, der aber bei seinen Kameraden wegen seiner unkritischen Haltung gegenüber den Offizieren eher unbeliebt war: „Den Vorgesetzten achten, niemandem widersprechen, blindlings sich fügen“, so schilderte er selbst seine damalige Haltung während des Putschistenprozesses im Jahr 1924. Kurz vor Kriegsende wurde Hitler nach einem am 15. Oktober 1918 mit Senfgas durchgeführten britischen Angriff am 21. Oktober in das Lazarett der vorpommerschen Stadt Pasewalk eingewiesen, wo er sich bis zum 19. November aufhielt. Die vorübergehende Blindheit, derentwegen er behandelt wurde, führte er selbst auf eine Augenverletzung infolge des Gasangriffs zurück. Hier wurde er mit den anderen Verwundeten am 10. November durch den Lazarettgeistlichen über die Novemberrevolution und die laufenden Waffenstillstandsverhandlungen im Wald von Compiègne informiert, was Hitler selbst später als seelische Krise schilderte, bei der es ihm „um die Augen wieder schwarz ward“. Demnach hatte es nicht nur mit Hitlers österreichischer Staatsbürgerschaft zu tun, dass er – obwohl mehrfach verwundet und mit dem Eisernen Kreuz beider Klassen sowie weiteren Ehrenzeichen versehen – nie über den Status eines Gefreiten hinauskam. Fritz Wiedemann und Max Amann betonten in diesem Zusammenhang, Hitler selbst habe eine Berücksichtigung bei Beförderungen abgelehnt.
Hitlers Aufstieg
Politische Anfänge
Hitler behauptete später, die Empörung über den verlorenen Krieg und den „Verrat der Novemberverbrecher“ habe in ihm den Entschluss reifen lassen, Politiker zu werden. Auch dies darf angezweifelt werden angesichts der unklaren Haltung zu den Zeitereignissen, die er in den ersten Monaten nach Kriegsende erkennen ließ.
Von politischen Ambitionen Hitlers ist unmittelbar nach dem Krieg nichts festzustellen. Am 21. November 1918 verließ er das Lazarett in Pasewalk. Er kehrte in die Kaserne des 2. bayerischen Infanterie-Regiments, die Oberwiesenfeldkaserne in München zurück und zeigte zunächst nur das Bestreben, nicht entlassen zu werden. Zwischendurch bewachte er vom 12. Februar bis zum 7. März 1919 in Traunstein französische und russische Kriegsgefangene bis zur Auflösung des dortigen Lagers. Er ließ sich mehrfach zu einem der Vertrauensleute seines Regiments wählen und war damit eine Art Verbindungsmann zur aus der Novemberrevolution hervorgegangenen neuen bayrischen Staatsregierung unter dem sozialistischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner (USPD).
Hitler war im April 1919 Vertrauensmann seiner Kompanie in München und wurde am 15. April zum Ersatz-Bataillons-Rat der Soldatenräte der – seit 13. April kommunistischen – Münchner Räterepublik gewählt. Die Münchner Garnison stand seit November 1918 fest hinter der Revolution und dem radikalen Wandel zur Räterepublik. Hitler teilte in jenen Monaten offensichtlich die Ansichten der sozialistischen Regierung in einem gewissen Maße, auf jeden Fall äußerte er keine abweichende Meinung, andernfalls wäre er nicht als Vertrauensmann der Soldaten gewählt worden. Vermutlich trug er sogar die rote Armbinde der Revolution, wie alle Soldaten der Münchner Garnison, weswegen Hitler später über diese Zeit wenig verlauten ließ. Als Erklärungen sind opportunistische Erwägungen (Hinauszögerung der Demobilisierung) und/oder das seinerzeitige allgemeine „ideologische Durcheinander in den Köpfen“ denkbar. Unter den engeren Kameraden war Hitler spätestens seit Mitte April 1919 als Konterrevolutionär bekannt, wofür auch die Denunziation zweier Kollegen aus dem Bataillons-Rat bei einem Tribunal wenige Tage nach Niederschlagung der Räterepublik spricht.
Gerade jetzt begann Hitler, erstmals eine gewisse politische Aktivität zu entwickeln. Nach der blutigen Niederwerfung der Räterepublik ließ er sich von einer Untersuchungskommission der Münchener Reichswehrverwaltung anwerben, die damals den entscheidenden Machtfaktor in Bayern darstellte. Es gibt Hinweise darauf, dass er sich das Wohlwollen der neuen Machthaber erkaufte, indem er Regimentskameraden verriet, die sich auf Seiten der Räteregierung engagiert hatten. Offensichtlich erfüllte er die in ihn gesetzten Erwartungen, denn die entscheidenden Männer der so genannten schwarzen Reichswehr – beispielsweise der Hauptmann Ernst Röhm – scheinen in dem Gefreiten Hitler bald einen potenziellen Agitator gesehen zu haben, mit dessen Hilfe sich nationalistische Ideen unter Arbeitern verbreiten ließen. Seine Vorgesetzten schickten Hitler vom 5. bis 12. Juni und vom 26. Juni bis zum 5. Juli 1919 zu Schulungen für Propaganda-Redner. Einer der Vortragenden war Professor Karl Alexander von Müller. Danach setzten sie Hitler als V-Mann ein und beauftragten ihn im Rahmen eines Aufklärungskommandos damit, politische Parteien und Zirkel zu bespitzeln, die im nachrevolutionären München wie Pilze aus dem Boden schossen.
Dazu gehörte auch die von dem Journalisten Karl Harrer und dem Schlosser Anton Drexler gegründete Deutsche Arbeiterpartei (DAP), die fremdenfeindliche, antisemitische und sozialistische Ideen propagierte. Am 12. September 1919 besuchte Hitler, aufgrund einer Empfehlung von Hauptmann Karl Mayr aus der völkisch-nationalistischen Vereinigung „Eiserne Faust“, erstmals eine ihrer Versammlungen. Als dabei ein Redner die Trennung Bayerns vom Reich forderte, widersprach Hitler ihm so energisch wie wortreich und fiel durch sein Rednertalent auf. Erstmals hatten er selbst und andere eine gewisse Begabung an ihm entdeckt: Er konnte Zuhörer fesseln und Emotionen wecken. Drexler meinte angeblich sofort zu Harrer: „Dör hot a Goschn, den kennt ma braucha!“ (Hochdeutsch: „Der hat Rednertalent, den könnten wir brauchen!“) und versuchte, ihn noch am gleichen Abend anzuwerben. Im Auftrag seiner Vorgesetzten trat Hitler am 19. Oktober 1919 der DAP bei – als 55. Mitglied, nicht als siebentes, wie er später stets behauptete. Seine Mitgliedsnummer 555 rührte daher, dass die DAP mit der Zählung ab 501 begann, um etwas mehr Größe vorzutäuschen. Zu dieser Zeit kam Hitler auch erstmals mit dem antisemitischen Schriftsteller Dietrich Eckart von der Thule-Gesellschaft in Kontakt. Eckart war auf der Suche nach einem Agitator, der Arbeiter und Angehörige der Unterschichten für rechtsradikale Ideen gewinnen sollte. Als einer der ersten sah Eckart, der im August 1921 Chefredakteur des Völkischen Beobachters wurde, in Hitler diesen Mann und förderte ihn seither mit Rat und Tat.
Da Hitler mit seinen aufputschenden Reden immer mehr Zuhörer und Mitglieder anlockte, gewann er bald größere Bedeutung für die kleine DAP. Zunächst war er dort als Werbeobmann tätig und im Frühjahr 1920 an der Ausarbeitung des 25-Punkte-Programms der DAP beteiligt, die sich auf sein Betreiben in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) umbenannte. Als er am 31. März 1920 schließlich aus der Armee entlassen wurde, konnte er bereits von seinen Honoraren als Redner leben. Als Agitator war er für die noch wenig beachtete NSDAP unersetzlich. Dies nutzte er aus, als er im Juli 1921 die alte Parteiführung entmachtete und mit einem Ultimatum seine Wahl zum Vorsitzenden der NSDAP erzwang.
Hitler war nun eine politische Lokalgröße, die vom instabilen, antidemokratischen und militaristischen politischen Klima in Bayern profitieren konnte und dort „sowohl in der intellektuellen Öffentlichkeit wie bei der bayerischen Regierung und Verwaltung […] vielfach Unterstützung fand.“ Außerhalb Bayerns erregte er eher Belustigung als Furcht. 1921 und 1922 suchte er in mehreren Reden vor dem Berliner Nationalklub die Unterstützung des oberen Bürgertums.
Putsch und Inhaftierung
Gustav Ritter von Kahr hatte nach der Niederschlagung der Münchner Räterepublik 1919 versucht, die „Ordnungszelle Bayern“ zu etablieren, durch die zuerst in Bayern „Ruhe und Ordnung“ wiederhergestellt werden sollten, um anschließend auf die gesamte Weimarer Republik auszustrahlen und dort einen monarchistischen und militaristischen „nationalen Wiederaufbau“ einzuleiten. Am 26. September 1923 erhielt Kahr als „Generalstaatskommissar“ diktatorische Vollmachten von der bayerischen Regierung unter Eugen von Knilling und verbündete sich mit Landespolizeichef Hans von Seißer und dem gerade aus Berlin amtsenthobenen Landeskommandanten der Reichswehr, Otto von Lossow zu einem „Triumvirat“, das den offenen Konflikt mit der „roten Reichsregierung“ suchte. Hitler plante, sich an die Spitze dieser Bewegung zu setzen, um mit Unterstützung von Kahr und Erich Ludendorff, dem früheren Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung (OHL), inzwischen Sympathisant der NSDAP, nach dem Vorbild von Mussolinis Marsch auf Rom vom Oktober 1922 die Regierung in Berlin gewaltsam zu stürzen. Aufgrund der französischen Ruhrbesetzung, der enormen Inflation und heftiger innerer Unruhen in Deutschland glaubte er, auch bei breiten Bevölkerungsschichten Unterstützung zu finden.
Am Abend des 8. November 1923 betrat Hitler mit einigen Bewaffneten den Münchner Bürgerbräukeller, in dem Kahr eine Rede vor 3.000 geladenen Gästen hielt, darunter ein Großteil der bayerischen Regierung. Hitler schoss einmal in die Luft, und rief die „nationale Revolution“ aus. Mit Ludendorff und dem anwesenden Triumvirat um Kahr einigte er sich durch „Druck und Überredung“ auf den sofortigen Putsch und eine „provisorische deutsche Nationalregierung“ unter der Leitung Hitlers. Obwohl man die anwesenden Minister verhaftete und das Hauptquartier im Bürgerbräu aufschlug, scheiterte der Hitler-Ludendorff-Putsch noch in der Nacht, da Kultusminister Franz Matt nach Regensburg fliehen konnte, Ernst Röhm nur die Besetzung des Wehrkreiskommandos VII, nicht aber der Münchner Kasernen, gelang, und Kahrs Triumvirat seine Zustimmung widerrief. Am nächsten Morgen versuchten die 2.000 teilweise bewaffneten Putschisten, verstärkt von herbeigeeilten Nationalsozialisten aus anderen bayerischen Städten, Röhm im Wehrkreiskommando zu erreichen, „um dort die militärische Gewalt zu übernehmen und die ‚nationale Revolution‘ mit einem ‚Marsch auf Berlin‘ ins ganze Deutsche Reich zu exportieren.“ Die dem Kahr-treuen Polizeichef Seißer unterstehende Landespolizei stoppte den Zug nahe der Feldherrnhalle, wo Schüsse fielen, die 20 Todesopfer forderten, davon vier Polizisten. Ludendorff wurde noch am 9. November verhaftet, Hitler, der geflohen war, als die Putschisten auseinandergetrieben wurden, einige Tage später.
Der Hitler-Prozess gegen zehn Putsch-Teilnehmer begann am 26. Februar 1924 vor dem bayerischen Volksgericht unter Vorsitz des Hitlersympathisanten Georg Neithardt. Obwohl Ludendorff der allgemein bekannteste Teilnehmer war, stellte Hitler sich als alleinigen Initiator des ganzen Unternehmens dar. Er bestritt den Vorwurf des Hochverrats, indem er behauptete, die „Novemberverbrecher“ von 1918 seien die eigentlichen Verräter. Schließlich wurde Ludendorff freigesprochen, fünf Angeklagte wegen Beihilfe zum Hochverrat, Hitler und drei weitere Angeklagte wegen Hochverrats zur Mindeststrafe von fünf Jahren Festungshaft und einer Geldbuße von 200 Goldmark.
Das Gericht betonte Hitlers „ehrenhafte Gesinnung“ und lehnte die im Gesetz zum Schutz der Republik für straffällig gewordene Ausländer vorgesehene Ausweisung mit der Begründung ab, Hitler denke und fühle deutsch, sei viereinhalb Jahre freiwillig im deutschen Heer Soldat gewesen und dabei verwundet worden, so dass Hitlers Ausweisung nicht in Frage komme. Auch von seiner Haftstrafe musste er wegen guter Führung nur neun Monate in der Festung Landsberg absitzen. Bereits am 20. Dezember 1924 wurde Hitler entlassen. Er hatte die Haftzeit genutzt, um das Manuskript des ersten Teils seines Werks Mein Kampf zu verfassen, in dem er in autobiographischer Form offen seine politischen Ziele und die Ideologie des Nationalsozialismus beschrieb.
Dank der Berichterstattung über den Prozess wurde Hitler nun auch im Norden Deutschlands als der radikalste aller völkischen Politiker bekannt. Seine Stellung in der NSDAP war gefestigter denn je und in der völkischen Bewegung gewann seine Stimme erheblich an Gewicht. Hatte er sich bis dahin eher als Trommler der Bewegung gesehen, der den Weg für einen anderen Retter Deutschlands wie etwa Ludendorff frei machen sollte, so sah er sich nun zunehmend selbst in der Rolle des großen Führers. All das nützte ihm jedoch zunächst wenig. Zwar wurde die NSDAP nach einem anfänglichen Verbot wieder zugelassen, aber die wirtschaftlichen Verhältnisse in der Weimarer Republik stabilisierten sich. Der bis 1929 anhaltende wirtschaftliche Aufschwung bot radikalen Parteien kaum Ansätze für ihre Agitation.
Neubeginn und Aufstieg der NSDAP
Nach seiner Haftentlassung begann Hitler damit, die NSDAP unter seine alleinige Kontrolle zu bringen. In Norddeutschland hatte sich unter Gregor Strasser ein starker Parteiflügel gebildet, der Hitlers Anlehnung an die alten, monarchistischen Machteliten nicht mittragen wollte und einen sozialrevolutionären Kurs befürwortete. Hitler gelang es rasch, Strasser und seine Anhänger entweder politisch kaltzustellen oder wie Joseph Goebbels auf seine Seite zu ziehen.
Aus dem fehlgeschlagenen Putsch hatte Hitler den Schluss gezogen, dass es die Macht im Staat nicht auf revolutionärem, sondern auf legalem Weg zu erobern galt. Ihm ging es darum, die Demokratie mit ihren eigenen Waffen zu schlagen und zu untergraben. Die NSDAP sollte in die Parlamente einziehen, aber ohne dort konstruktiv mitzuarbeiten. Zudem sollte die SA mit spektakulären Aufmärschen, Straßenschlachten und Krawallen die Blicke der Öffentlichkeit auf die Partei und ihren Führer lenken und zugleich die Schwäche des demokratischen Systems offenbaren. Für die späteren Wahlerfolge der Partei waren nicht zuletzt ihre für die damaligen deutschen Verhältnisse völlig neuen Methoden der Werbung und Massenbeeinflussung verantwortlich. Ein Grundstein für den Erfolg dieses Vorgehens war die Fähigkeit Hitlers, massenwirksame politische Reden zu halten. Mit seiner Ruhrkampagne versuchte er jedoch vergeblich, die Unterstützung der Ruhrindustrie zu gewinnen.
Eine erste Möglichkeit, in ganz Deutschland propagandistisch tätig zu werden, war das 1929 von NSDAP und DNVP gemeinsam initiierte Volksbegehren gegen den Young-Plan, der eine abschließende Regelung der Reparationsfragen zwischen Deutschland und seinen ehemaligen Kriegsgegnern vorsah. Das Volksbegehren scheiterte zwar, aber Hitler und die NSDAP gewannen in den Reihen des nationalistisch-konservativen Bürgertums erheblich an Zustimmung, was sich bei den Landtagswahlen in Thüringen im Herbst 1929 erstmals in einem deutlichen Zuwachs an Wählerstimmen auszahlte. Vor allem konnte Hitler seither auf die publizistische Unterstützung durch das Presseimperium des DNVP-Vorsitzenden Alfred Hugenberg setzen. Dieser sah – wie zuvor Ludendorff und später Papen – in Hitler und der NSDAP nur willige, lenkbare Instrumente, um den deutschnationalen Kräften zu einer Massenbasis zu verhelfen.
Zum Durchbruch auf nationaler Ebene verhalf Hitler aber erst die Weltwirtschaftskrise, die Ende 1929 ausbrach und Deutschland besonders hart traf. Über die Finanzkrise des Reichs brach am 27. März 1930 die Weimarer Koalition auseinander. Hermann Müller (SPD), dem letzten Kanzler, der noch über eine demokratisch gesinnte Reichstagsmehrheit verfügte, folgte das erste Präsidialkabinett des Zentrums-Abgeordneten Heinrich Brüning, das sich allein auf das Vertrauen des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg stützen konnte. Bei den Neuwahlen am 14. September steigerte die NSDAP ihren Stimmenanteil mit einem Schlag von 2,6 auf 18,3Prozent. Statt mit 12 Abgeordneten, wie bis dahin, zog sie nun mit 107 in den Reichstag ein. Die staatstragenden, demokratischen Parteien der Mitte hatten keine Mehrheit mehr, und Hitler war endgültig zu einem Machtfaktor in der deutschen Politik geworden.
1931 erhielt Hitler durch die Vermittlung von Ernst Röhm, der Verbindungen zu Kurt von Schleicher hatte, eine Einladung zu einem Termin bei Hindenburg. Am 10. Oktober, einen Tag vor dem Treffen der Harzburger Front, trat Hitler gemeinsam mit Hermann Göring vor den Reichspräsidenten. Diese Begegnung soll wenig erfolgreich verlaufen sein. Hitler sei in gewohnter Manier in lange Monologe verfallen, statt die Fragen des Feldmarschalls abzuwarten. In diesem Zusammenhang ist überliefert, dass Hindenburg später zu Schleicher gesagt habe, er hätte ihm da einen sonderbaren Kerl geschickt: Dieser „böhmische Gefreite“ wolle Reichskanzler werden? Niemals! „Höchstens Postminister“. Hindenburg verwechselte Hitlers Geburtsort, das österreichische Braunau, mit dem gleichnamigen Ort in Böhmen.
Hitlers Weg zur Kanzlerschaft
Den nach freiwilliger Aufgabe der österreichischen Staatsbürgerschaft seit 1925 staatenlosen Hitler machte erst die Anstellung als Regierungsrat beim Landeskultur- und Vermessungsamt des Freistaates Braunschweig mit sofortiger Abordnung an die Braunschweigische Gesandtschaft beim Reichsrat in Berlin Ende Februar 1932 zum deutschen Staatsangehörigen. Damit erfüllte er eine formale Voraussetzung zur Kandidatur bei der Reichspräsidentenwahl im selben Jahr. Nachdem Hindenburg im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit verfehlt und sich erst im zweiten Wahlgang im Unterschied zu Hitler (36,8%) mit 53% durchgesetzt hatte, bedurfte es weiterer Etappen bis zur Reichskanzlerschaft. Am 31. Juli 1932 wurde die NSDAP mit 37,3% stärkste Partei bei den Reichstagswahlen, verlor aber bei erneuten Reichstagswahlen am 6. November 1932 beträchtlich, wobei sie mit 33,1% relativ stärkste Partei blieb. Als die NSDAP bei den Landtagswahlen in Lippe 39,5% der Stimmen erzielte, wertete die Partei das als Zeichen ihrer Stabilisierung, so dass nach dem Rücktritt Schleichers am 28. Januar 1933 der Weg für Hitler frei wurde, der seit Ende 1932 zusammen mit Goebbels und Göring kompromisslos auf seine Kanzlerschaft gedrängt hatte.
Die Kamarilla um Paul von Hindenburg trieb zur Unterstützung einer nationalistisch ausgerichteten Regierung die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler voran. Unterstützung suchte Hitler weiterhin bei Großindustrie und Banken. Schon in der Frühphase der NSDAP hatte er antikapitalistische Tendenzen in der Partei klein zu halten versucht und stets darauf bestanden, allein die Juden für die Misere der Wirtschaft verantwortlich zu machen. Bei einer Rede vor dem Düsseldorfer Industriellenclub 1932 hob Hitler die Rolle der Wirtschaftseliten lobend hervor und betonte, dass das deutsche Volk nicht überleben könne, solange die Hälfte der Deutschen „Eigentum als Diebstahl“ betrachtete – eine Anspielung auf das immer noch große Wählerpotential von SPD und KPD. Trotz dieser Bemühungen blieb der Anteil der großindustriellen Spenden an den Finanzen der NSDAP aber gering, was sich unter anderem an der erheblichen Finanznot zeigte, in die die Partei im Herbst 1932 geriet – gerade zu dem Zeitpunkt, als sich in der berühmten Industrielleneingabe mehrere Bankiers, Agrariern und Industrielle bei Hindenburg für eine Kanzlerschaft Hitlers einsetzten. Größere Bedeutung für den Aufstieg der NSDAP hatte ihre Selbstfinanzierung durch Mitgliedsbeiträge und Eintrittsgelder bei Redeveranstaltungen.
Die Befürwortung seiner Ernennung zum Reichskanzler durch die nationalkonservativen Kreise um Franz von Papen sicherte sich Adolf Hitler, indem Papen zum Vizekanzler mit dem Recht, bei allen Vorträgen des Kanzlers beim Reichspräsidenten zugegen zu sein, ernannt wurde und die klassischen Ministerien von Konservativen besetzt wurden. Papen glaubte, Hitler dadurch „einrahmen“ zu können. Beim Treffen Papens mit Hitler im Haus des Bankiers Schröder einigten sich beide auf eine Reichskanzlerschaft Hitlers. Das Militär erhoffte sich von einem Reichskanzler Hitler eine Beseitigung oder zumindest eine Lockerung der Fesseln des Versailler Vertrags sowie eine Aufrüstung beziehungsweise Vergrößerung der Reichswehr. Nationalkonservative aus Wirtschaft und Politik wollten durch Hitler eine Stabilisierung der Regierung und auch eine Neuorientierung der politischen Kultur in Richtung einer autoritären Monarchie erreichen.
Erich Friedrich Wilhelm Ludendorff (* 9. April 1865 in Kruszewnia bei Schwersenz, Preußen, heute Polen; † 20. Dezember 1937 in Tutzing) war als Erster Generalquartiermeister und Stellvertreter Paul von Hindenburgs, dem Chef der Dritten Obersten Heeresleitung (OHL), der faktisch führende deutsche General des Ersten Weltkrieges, Putschist, Reichstagsabgeordneter der N.-Freiheitspartei und Begründer einer deutsch-völkischen Bewegung.
Jugend und militärische Karriere
Ludendorff wurde als Sohn eines Rittergutsbesitzers und Reserveoffiziers in der Nähe von Schwersenz (dem heutigen Swarzędz, Polen) geboren. Der Vater entstammt einer Pommerschen Kaufmannsfamilie, deren Stammbaum bis hin zu Erik XIV. von Schweden zurückverfolgt werden kann. Ludendorffs Vater kämpfte als Kavallerieoffizier in den deutschen Einigungskriegen (1866, 1870/71) und bestimmte Erich für die Offizierslaufbahn. Seine Mutter entstammte der preußischen Adelsfamilie von Tempelhoff, einer ihrer Urgroßväter war der preußische General Georg Friedrich von Tempelhoff. Sein jüngerer Bruder war der Astrophysiker Hans Ludendorff. Nach seiner Ausbildung im Kadettenkorps Plön und an der Hauptkadettenschule in Groß-Lichterfelde in den Jahren 1877 bis 1882 durchlief Ludendorff zunächst die übliche Karriere eines Generalstabsoffiziers. 1908 wurde Ludendorff zum Oberstleutnant und 1911 zum Oberst befördert. 1912 wurde er als Regimentskommandeur nach Düsseldorf versetzt, am 22. April 1914 zum Generalmajor befördert und zum Kommandeur der 85sten Infanteriebrigade in Straßburg ernannt.
Im Ersten Weltkrieg
Während des Ersten Weltkriegs veränderte sich Ludendorffs Karriere rapide. Zunächst stieg er schnell in der Oberen Heeresleitung auf. Im Laufe des Weltkrieges wurden Paul von Hindenburg und er die eigentlichen Machthaber im Reich. Gegen Ende des Weltkriegs verlor Ludendorff seinen Einfluss auf die deutsche Politik jedoch fast völlig.
Aufstieg zur Oberen Heeresleitung
Sechs Tage nach Beginn des Ersten Weltkriegs und drei Tage nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Belgien besetzte die von Ludendorff kommandierte Brigade am 6. August 1914 die Zitadelle in Lüttich, wofür er mit dem höchsten preußischen Orden Pour le Mérite ausgezeichnet wurde.
Am 22. August 1914 wurde er zum Chef des Generalstabs der 8. Armee berufen. Mit dem späteren Reichspräsidenten Hindenburg war er als strategischer Kopf an den Siegen in der Tannenbergschlacht und der Masurenschlacht gegen die russischen Truppen maßgeblich beteiligt. Nach den Kämpfen um Lodz wurde Ludendorff zum Generalleutnant befördert.
Das Duumvirat Hindenburg-Ludendorff
Nach der Entlassung Erich von Falkenhayns als Chef des Generalstabs am 29. August 1916 stieg Ludendorff zum General der Infanterie und als Erster Generalquartiermeister neben Hindenburg zum eigentlichen Kopf der dritten OHL auf. Als vermeintlich einzige Hoffnungsträger für einen Sieg hatten beide eine nahezu unangreifbare Machtstellung und übten eine faktische Militärdiktatur aus, neben der die Stellung des Kaisers als auch die des Reichskanzlers Bethmann Hollwegs verblasste. Innerhalb der OHL, so der Historiker Erich Eyck, fiel Ludendorff aufgrund seiner überlegenen rhetorischen Fähigkeiten gegenüber Hindenburg mehr und mehr die Rolle des intellektuellen Drahtziehers zu. Aufgrund dieser Machtposition wurden Hindenburg und Ludendorff letztlich wesentlich mitverantwortlich für die militärische Niederlage des Deutschen Reichs.
Das von Hindenburg und Ludendorff durchgesetzte „Hilfsdienstgesetz“ vom Dezember 1916 sollte Massenstreiks verhindern und die Arbeiterschaft bei der Stange halten.
Eine der ersten entscheidenden Meinungsverschiedenheiten Ludendorffs und Hindenburgs mit Bethmann Hollweg war die von letzterem aus Furcht von einem daraus resultierenden Kriegseintritts der USA abgelehnte Eröffnung eines U-Boot-Krieges. Gegen den expliziten Widerstand Bethmann Hollwegs, setzten die beiden Generäle den Eintritt in jenen als Antwort auf die britische Seeblockade durch. In der Folge traten jedoch USA, wie von Bethmann Hollweg erwartet, öffentlich auf Seiten der Alliierten in den Krieg ein.
Im Osten erstrebte Ludendorff sehr weitgehende Kriegsziele, die noch über das im Friedensvertrag von Brest-Litowsk Erreichte hinausgingen; Ludendorff betrieb eine Abtrennung Estlands, Finnlands, Livlands und der Ukraine vom Russischen Reich und wollte die Armee bis St. Petersburg vorrücken lassen. Zur Destabilisierung der russischen Regierung ließ er in einem versiegelten Zug eine Gruppe russischer Revolutionäre, darunter Lenin, aus der Schweiz über Deutschland nach Russland schleusen.
In der Frühjahrsoffensive 1918 wendete er die so genannte Tiefeninfiltrationstaktik an, die erstmals seit Beginn des Grabenkriegs einen wirklichen Durchbruch und operative Geländegewinne ermöglichte. Zu einem entscheidenden Sieg reichten diese Erfolge aber nicht. Am 24. März 1918 wurde ihm aufgrund seiner Verdienste als einem von fünf Offizieren des ersten Weltkrieges das Großkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen.
Propagandabemühungen
Neben militärstrategischen Fragen war Ludendorff besonders an der Rolle von Propaganda für die Kriegsführung interessiert wie er sie vom britischen Crewe House realisiert sah. Beeindruckt von der Moral der britischen Soldaten beauftragte Ludendorff eine Geheimdienststudie, die Gründe für diese Moral herauszufinden. Die Studie befand, dass der englische Humor dabei eine entscheidende Rolle spielte, was Ludendorff zu dem Bonmot „Was ist humour?“ verleitete. In der Folge versuchte er die Moral der deutschen Tuppen durch ein unter den Soldaten verteiltes Buch über Humor zu heben.
Ludendorff beschränkte seine Propagandabemühungen nicht auf die traditionellen Medien. Er erkannte früh die Möglichkeiten des Films und richtete folgerichtig am 13. Januar 1917 das Bild- und Filmamt (Bufa), eine Vorläuferorganisation der Ufa, ein. Die Aufgabe dieser Behörde bestand darin, auch im eigenen Land den Film für die psychologische Kriegführung nutzbar zu machen. Die Pläne des Generalstabs und insbesondere Ludendorffs gingen jedoch weit über die Einrichtung des Bufa hinaus. Ihm schwebte ein großer Filmkonzern vor, der – vom Staat gesteuert – den nationalen Interessen dienen sollte. Unter diesem Vorzeichen wurde die Universum-Film AG (Ufa) am 18. Dezember 1917 in Berlin als Zusammenschluss privater Filmfirmen gegründet, der jedoch zur Hälfte mit Reichsmitteln anfinanziert wurde. Das Startkapital der Firma, an der neben der Reichsregierung und dem Kriegsministerium auch die Deutsche Bank beteiligt war, betrug 7 Millionen Reichsmark.
Ludendorff als „Diktator“
Die Macht Ludendorffs, dem wahren Chef der Dritten OHL, war immer mehr gestiegen, während der fügsame Hindenburg alles deckte und als Fassade für Ludendorffs diktatorischen Manipulationen diente. Die stille Diktatur der OHL war auch durch die Schwäche Kaiser Wilhelms bedingt, der in den beiden letzten Kriegsjahren immer hilfloser agierte, was die Position der OHL stärkte. Eine offene Diktatur war für Ludendorff nachteilig, sie brauchte einen Kanzler als „Blitzableiter“, als „Sündenbock“ für die Fehler und Unzulänglichkeiten der deutschen Politik. Bethmanns Nachfolger Georg Michaelis und Georg von Hertling betrachteten sich selbst ganz bewusst nur als Ludendorffs Gehilfen an der Heimatfront. Die OHL unter Ludendorff hatte zeitweise die totale Autorität in allen Bereichen, sie war unter anderem für die Rücktritte von Bethmann Hollweg, Kriegsminister Wild, Admiralstabschef Holtzendorff, Kabinettschef Valentini, Staatssekretär Kühlmann und Kanzler Michaelis verantwortlich.
Bereits ab Frühsommer 1917 entwickelte Ludendorff eine solche politische Aktivität, dass es fast schien, als hätte die OHL ein eigenes Außenministerium gebildet und der Generalstabschef unbegrenzt Zeit zur Bearbeitung politischer Fragen gehabt.
Bethmann Hollweg hätte sich notfalls mit einem Status quo-Frieden abgefunden, weil die „Selbstbehauptung“ gegen die stärkstmögliche Koalition in Europa als Erfolg zu werten sei. Für Ludendorff hätte der Status quo bedeutet, dass wir den Krieg verloren hätten. Nur konnte der General Ludendorff den Siegfrieden nicht liefern, den der Politiker Ludendorff verlangte. Da für den kommenden Krieg angeblich Deutschlands Ausbau zur „Weltmacht“ nötig sei, wäre für Ludendorff die Rückkehr zum Status quo ante ein Abstieg, der zur politischen Bedeutungslosigkeit führen musste.
Abstieg aus dem inneren Machtzirkel
Angesichts der steckengebliebenen Offensiven an der Westfront sprach sich Ludendorff am 29. September 1918 auf einem Zusammentreffen der Heeresleitung mit dem Kaiser in Spa für ein sofortiges Waffenstillstandsangebot an den US-Präsidenten Wilson und – aus taktischen Gründen – für eine Parlamentarisierung der Regierung aus. Die genauen Umstände dieses Sinneswandels sind bis heute strittig, aber unstrittigerweise gilt diese bisweilen als Affekthandlung bewertete Entscheidung als wichtigster Drehpunkt für die Einführung der Republik und die militärische Kapitulation. Zivile, insbesondere sozialdemokratische Politiker sollten damit die Verantwortung für die Beendigung des Krieges übernehmen; hierin lag der Keim für die Dolchstoßlegende.
Mit der Regierungsübernahme durch Maximilian von Baden Anfang Oktober 1918 schwand Ludendorffs Einfluss auf die deutsche Politik rasch; alle folgenden Differenzen mit dem Reichskanzler wurden zugunsten des letzteren entschieden. Friedrich Graf von der Schulenburg nutzte die Tatsache, dass Ludendorff de facto die deutsche Kapitulation eingeleitet hatte, um ihn unter Druck zu setzen. Als Ludendorff Ende Oktober in eklatantem Widerspruch zu seinen vorherigen Schritten eine Fortsetzung des „Widerstands mit äußersten Kräften“ forderte, wurde er am 26. Oktober 1918 auf Geheiß des Reichskanzlers, formell jedoch auf eigenem Wunsch hin entlassen. Ludendorff nahm es Hindenburg sehr übel, dass dieser nicht zugleich zurücktrat. Zu Beginn der Novemberrevolution floh er nach Schweden.
Kampf gegen die Weimarer Republik
Nach seiner Rückkehr nach Deutschland spielte Ludendorff eine führende Rolle in den republikfeindlichen und chauvinistischen Kreisen der völkischen Bewegung und war sowohl am Kapp- als auch am H.-Ludendorff-Putsch aktiv beteiligt.
H.-Ludendorff-Putsch und Folgezeit
Über Max Erwin von Scheubner-Richter lernte Ludendorff H. kennen, an dem er zunächst kein näheres Interesse zeigte, da dieser sich als ehemaliger Gefreiter im Dienstrang weit unter ihm befand.
In der Nacht zum 9. November 1923 versuchte Ludendorff im H.-Ludendorff-Putsch gemeinsam mit H., A. die Reichsregierung zu stürzen und die Macht an sich zu reißen. H. betrachtete zu dieser Zeit Ludendorff noch als Führer der rechtsradikalen Kräfte. Der Putschversuch schlug fehl; Ludendorff wurde im folgenden Prozess trotz des schwerwiegenden Belastungsmaterials auf Grund seiner Verdienste im Ersten Weltkrieg freigesprochen. Das Verhältnis zu H., der zur Festungshaft verurteilt wurde, verschlechterte sich Anfang 1924 zusehends, vor allem deshalb, da H. sich nun selbst zum Führer der N. berufen sah. Ludendorff, der stark antiklerikale Ansichten vertrat, entfernte sich außerdem von H. aufgrund dessen pragmatischen Kurses im Verhältnis zur Katholischen Kirche. H. beschuldigte Ludendorff im Gegenzug, die völkische Bewegung mit der Deutschgläubigkeit zu spalten.
Ludendorff übernahm derweil gemeinsam mit G. St. die Führung der Deutschvölkischen Freiheitspartei, eine der völkischen Splittergruppen mit antisemitischem Leitmotiv, die das Erbe der nach dem H.putsch vorübergehend verbotenen N. antreten wollte.
Von 1924 bis 1928 saß er als Abgeordneter für diese nach dem N.-Verbot in N. Freiheitspartei umbenannte Partei im Reichstag.
1925 ließ sich Ludendorff als Kandidat der Völkischen für die Wahl zum Reichspräsidenten nominieren. H. war zu diesem Zeitpunkt noch kein deutscher Staatsbürger und konnte so nicht selbst antreten; die N. unterstützten indes stillschweigend Ludendorff im ersten Wahlgang, in dem er jedoch lediglich 1,1 Prozent der Stimmen erlangte. Nachdem H., auf dessen Unterstützung er gerechnet hatte, seine Anhänger dazu aufgefordert hatte, für Hindenburg zu stimmen, trat Ludendorff im zweiten Wahlgang nicht mehr an.
Verschwörungstheorien und kabbalistische Geschichtsdeutung
Ludendorff zog sich nach diesem blamablen Ergebnis aus der Parteipolitik zurück. Das Scheitern seiner parteipolitischen Karriere erklärte er verschwörungstheoretisch mit dem „Wirken überstaatlicher Mächte“. Damit waren der Jesuitenorden, die Freimaurerei, das Judentum und die kommunistische Internationale gemeint, die sich, so wähnte der immer paranoider werdende Ludendorff, zusammengetan hätten, um Deutschland zu demütigen und zu knechten. Zu diesem Zweck hätten sie unter anderem schon 1914 die Morde von Sarajevo inszeniert, die russische Revolution, den Kriegseintritt der USA, den Umsturz vom 9. November 1918 und den Versailler Vertrag. Dass die einzelnen Gruppierungen in dieser angeblichen Weltverschwörung einander zum Teil spinnefeind waren, hielt Ludendorff nicht davon ab, immer mehr konspirationistisches Garn dieser Sorte zu spinnen. Er verstieg sich zum Beispiel zu der Behauptung, Mozart und Schiller seien von der „Tscheka des überstaatlichen Geheimbundes“ ermordet worden.
Forum für diese Verschwörungstheorien bot ihm der politische Ziele verfolgende T. Ursprünglich hatten er und K. H. diese Organisation 1925 als Dachverband völkischer Kräfte gegründet, um kleinere Organisationen, aus anderen konservativen und rechtsnationalen Vereinen ausgestoßene Völkische und Reste der verbotenen N. zu sammeln. Unter dem Einfluss von Ludendorffs zweiter Frau Mathilde entwickelte sich der Bund aber zu einer Gruppierung, in der zunehmend antichristliches Gedankengut vertreten und in der an Stelle des Christentums die Philosophie Mathilde Ludendorffs gestellt wurde. In den späteren Veröffentlichungen des T. konstruierte Ludendorff nicht nur weitere Verschwörungstheorien, sondern vermutete kabbalistische Hintergründe bei bestimmten Geschichtsdaten: Da die Ziffern 10 und 5 als kabbalistische Zahlwerte der ersten beiden Buchstaben des Gottesnamens JHWH den Juden heilig sind, müsse der nächste Weltkrieg, der von ihnen ausgelöst werden würde, am 1. Mai 1932 oder 1941 beginnen, denn die Zahlen 1932 und 1941 haben als Quersumme 15.
Teile dieser Verschwörungsideologie fand breite Resonanz unter der deutschen Bevölkerung; Ludendorff wurde ein Nationalheld, der zumindest metaphorisch durch eine Verschwörung von Juden und Freimaurern gestürzt worden sei. Ludendorff blieb weiterhin eine wichtige Symbolfigur für die völkische Bewegung, aber auch für den hegemonialen Antisemitismus; anlässlich seines 60. Geburtstages 1925 lobte das Göttinger Tageblatt beispielsweise Ludendorffs Kampf gegen das Judentum.
Die meisten völkische Kräfte, insbesondere auch die meisten N., die ansonsten Verschwörungstheorien wie den P. d. W. v. Z. nicht abgeneigt waren, teilten die Ideen des ehemaligen Kampfgenossen jedoch nicht in vollem Umfang. A. R. vermutete, der ehemalige Generalquartiermeister sei psychotisch geworden, während G. in seinem Tagebuch ätzte: "Diese Frau ist sein böser Geist". Bereits am 5. Februar 1927 war ein Rundschreiben an alle Gauleitungen der N. ergangen, das parteioffiziell feststellte:
„Exz. Ludendorff ist nicht Mitglied der N. und hat deshalb auf diese keinerlei Einfluss“.
H. äußerte im selben Jahr auf einer öffentlichen Veranstaltung in Regensburg sogar die Vermutung, Ludendorff sei selbst Mitglied einer Loge.
Der N. blieb in seiner Ablehnung des Ludendorffschen Ideen innerhalb der völkischen Bewegung nicht allein. Der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs Heinrich Rendtorff und die führenden protestantischen Theologen sowie einige konservative Publizisten bekämpften Ludendorffs Ideen in der völkisch orientierten Zeitschrift Glaube und Volk.
1933 wurden der T. mit seinen angeschlossenen Organisationen und seine Zeitschrift Ludendorffs Volkswarte verboten. Nur die Zeitschrift Am heiligen Quell Deutscher Kraft durfte bis 1939 weiter erscheinen.
Letzte Jahre und Tod
Im Laufe des Jahres 1928 begann Ludendorff auch F. und N. als Teil der „überstaatlichen Mächte“, von denen er sich verfolgt sah, und die er öffentlich scharf bekämpfte, zu betrachten. Nach der Ernennung H.s zum Reichskanzler protestierte Ludendorff dagegen in scharfer Form bei Reichspräsident Hindenburg. Da die N. ihn aber als Helden des Weltkrieges und der „Kampfzeit“ verehrten, blieb das Ehepaar Ludendorff persönlich unbehelligt, nach Hindenburgs Tod 1934 versuchten sie sich mit ihm auszusöhnen und ihn als nationale Identifikationsfigur aufzubauen. H.s Angebot, ihn zum Generalfeldmarschall zu ernennen und ihm ein wertvolles Rittergut zu schenken, lehnte Ludendorff brüsk ab, da er von einem Gefreiten nicht den Feldmarschallstitel bekommen wollte. Schließlich kam es am 30. März 1937 zu einer Aussprache zwischen H. und Ludendorff, auf die Ludendorff nur unter der Bedingung eingegangen war, dass der Bund für Deutsche Gotterkenntnis wieder zugelassen würde. Dieser wurde als „Deutsche Gotterkenntnis (L)“ gleichberechtigt zu den christlichen als Religionsgemeinschaft staatlich zugelassen. Am 20. Dezember 1937 starb Ludendorff an einem Krebsleiden. Die n. Regierung ehrte ihn gegen seinen ausdrücklichen Willen und den seiner Ehefrau mit einem Staatsbegräbnis am 22. Dezember 1937 in München, beigesetzt wurde er am selben Tag auf dem Neuen Friedhof in Tutzing. Die dortige Gedenkstätte verfügt über das Ludendorff-Archiv.
Einfluss auf die Nachwelt
Obwohl Ludendorff in seinem 1934 erschienen Pamphlet Der totale Krieg eines der nachhaltigsten Stichwörter der n. Regierungsideologie geliefert hat, so wich H.s Militärstrategie im Totalen Krieg doch inhaltlich deutlich von den Überlegungen Ludendorffs ab. Anders als Ludendorff, der basierend auf der Dolchstoßlegende dem Militär sämtliche Verfügungsgewalt überlassen wollte, sah H. den Krieg als genuin politisch an; dadurch gewann der Krieg an Grausamkeit, die weder der Ideologie Ludendorffs noch seines geistigen Antipoden Clausewitz, dessen Werk Ludendorff als überholt betrachtete, unterlag.
Wilhelm Brückner (* 11. Dezember 1884 in Baden-Baden; † 20. August 1954 in Herbsdorf, heute Nußdorf (Chiemgau)) war ein deutscher Offizier, Nationalsozialist und langjähriger Chefadjutant von Adolf Hitler.
Leben und Wirken
Brückner wuchs in Baden-Baden auf und legte am dortigen Realgymnasium sein Abitur ab. Anschließend studierte er Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft in Straßburg, Freiburg, Heidelberg und München. 1905 renoncierte er beim Corps Transrhenania München, wurde aber nach vier Monaten als Fuchs entlassen und kam in SC-Verruf.
Im Ersten Weltkrieg wurde er in einem bayerischen Infanterie-Regiment Offizier und als Oberleutnant verabschiedet. Nach dem Krieg trat er in das Freikorps „Epp“ ein und war im Schützenregiment 42 als Mitglied der Reichswehr an der Niederschlagung der Münchner Räterepublik beteiligt.
Gegen Ende 1919 besuchte er wieder die Universität, wurde aber für drei Jahre Aufnahmetechniker beim Film. Nachdem Brückner Hitler 1919 als Soldat kennengelernt hatte, trat Brückner Ende 1922 der NSDAP bei. Am 1. Februar 1923 wurde er zum Führer des SA-Regiments München ernannt. Im selben Jahr nahm er aktiv am Hitlerputsch teil. Nach der Niederschlagung des Putsches wurde er zu einer Freiheitsstrafe von anderthalb Jahren Gefängnis verurteilt, jedoch bereits nach viereinhalb Monaten wieder entlassen. Nach der Haftentlassung übernahm er sogleich wieder die Führung eines SA-Regiments. Außerdem war er als dritter Generalsekretär bis 1927 beim Verein für das Deutschtum im Ausland (VDA) tätig. Während der nächsten Jahre lebte er von seinem Einkommen als kaufmännischer Vertreter, bis er 1929 beim Deutschen Auslandsinstitut eine feste Anstellung fand.
Am 1. August 1930 wurde Brückner in den Kreis der Adjutanten und Leibwächter Hitlers berufen und stieg innerhalb dieser Gruppe schließlich bis zum Chef-Adjutanten des NSDAP-Führers auf. Infolgedessen gelangte Brückner in die ständige Nähe Hitlers und wurde zu einem seiner engsten Mitarbeiter, was sich auch in einem Auftritt in dem Propagandafilm Hitler über Deutschland (1932) niederschlug. Auf eigenen Antrag wurde er 1934 Corpsschleifenträger von Transrhenania. „Wer dem Führer so nahe steht, kann kein schlechter Mensch sein“.
Am 9. November 1934 wurde Brückner zum SA-Obergruppenführer ernannt. In der Folge eines Autounfalls im selben Jahr konnte Brückner Hitler den Begleitarzt Karl Brandt vermitteln.
Brückner war in der zehnten und elften Wahlperiode (1936–1938) Mitglied des Reichstages.
Am 15. Januar 1936 bekam er die Ehrenbürgerschaft von Detmold, die ihm am 9. November 1945 wieder aberkannt wurde. Brückner, der wegen seiner Unkompliziertheit und Leutseligkeit bei Bittstellern und Alltagsbesuchern der Reichskanzlei sehr beliebt war, verlor mit Ausbruch des Krieges immer mehr an Bedeutung. Er musste dabei mehr und mehr den Adjutanten der Wehrmacht und der SS weichen. Am 18. Oktober 1940 wurde er wegen einer Auseinandersetzung mit Hitlers Hausintendanten Arthur Kannenberg überraschend entlassen. Drahtzieher war höchstwahrscheinlich Martin Bormann.
Ihm folgte Julius Schaub nach. Brückner ging zur Wehrmacht, wo er bis zum Rang eines Obersten aufstieg. Im November 1944 wurde er schwer verwundet. Von 1945 bis 1948 befand sich Brückner in amerikanischer Internierungshaft.
Robert Wagner (* 13. Oktober 1895 als Robert Heinrich Backfisch in Lindach bei Eberbach am Neckar; † 14. August 1946 in Fort Ney bei Belfort) war ein deutscher Politiker (NSDAP), MdR, Reichsstatthalter in Baden und Gauleiter. Er nahm 1923 am Hitlerputsch teil und war danach maßgeblich am Aufbau der NSDAP in Baden beteiligt. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde er badischer Reichsstatthalter und Gauleiter, nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Frankreich 1940 außerdem auch Chef der Zivilverwaltung im besetzten Elsass. Er versuchte sich an der Reintegration des Elsass in das Deutsche Reich. Für die als Wagner-Bürckel-Aktion bekannte Massendeportation von Juden aus dem Elsass, aus Lothringen, Baden und der Pfalz war er mitverantwortlich. 1946 wurde er von einem französischen Militärgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Herkunft
Wagner war das zweite von fünf Kindern des Landwirts Peter Backfisch und dessen Ehefrau Katharina, geborene Wagner. Er besuchte die Volksschule und trat 1910 in die Heidelberger Präparandenanstalt ein. Nach dreijährigem Kurs nahm er ein dreijähriges Studium am Heidelberger Lehrerseminar auf.
Erster Weltkrieg
Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges brach Wagner seine Lehrerausbildung ab und meldete sich als Freiwilliger. Wagner blieb zeitlebens ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Wagner kämpfte u. a. im 2. Badischen Grenadier-Regiment „Kaiser Wilhelm I.“ Nr. 110 in Flandern, in der Schlacht um Verdun, der Schlacht an der Somme, der Lorettoschlacht und in der Champagne und erlebte somit einige der berüchtigtsten Schlachten an der Westfront. 1916 hatte er den Dienstgrad Leutnant der Reserve erreicht und wurde im November 1917 mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet. Außerdem hatte man ihm das Verwundetenabzeichen in Schwarz sowie das Ritterkreuz II. Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen mit Schwertern verliehen. Die Kapitulation empfand er als „Dolchstoß“ in den Rücken durch die wankende Heimatfront. Zumindest aus seiner späteren Sicht bestärkte ihn dieses Erlebnis in seinem Hass auf „Novemberverbrecher“, Linke und Deserteure.
Weimarer Republik
Wagner wurde am 23. Dezember 1918 nach der Demobilisierung aus der Armee entlassen und schloss sich im Februar 1919 dem II. Badischen Freiwilligenbataillon an, mit dem er an der Niederschlagung revolutionärer Unruhen in Mannheim und Karlsruhe beteiligt war. Im August 1919 wurde er als Leutnant in der Vorläufigen Reichswehr erneut vereidigt und zunächst im Reichswehr-Schützen-Regiment 113 in Karlsruhe verwendet. Mit der Bildung der eigentlichen Reichswehr folgte seine Versetzung in das Infanterie-Regiment 14 nach Konstanz. Dort nahm er 1921 den Geburtsnamen seiner Mutter an. Die Gründe für die Namensänderung von Backfisch zu Wagner liegen wahrscheinlich in Hänseleien im Offizierskasino.
Im September 1923 wurde er auf die Infanterieschule München kommandiert, die damals wichtigste Offiziersausbildungsstätte Deutschlands. In München lernte Wagner Hitler und Ludendorff kennen, die er alsbald verehrte. Eine persönliche Freundschaft verband ihn mit Ludendorffs Stiefsohn Heinz Pernet, der ihn im November 1923 zur Teilnahme am Hitlerputsch bewegte.
Hitlerputsch
Am Hitlerputsch vom 9. November 1923 nahm Wagner als Anführer der Mannschaften der Infanterieschule teil, die sich als persönliche Sturmabteilung Ludendorffs verstanden. Wagner wurde nach dem Scheitern des Putschs verhaftet und mit anderen Verhafteten in Landsberg festgesetzt. Beim Prozess ab dem 26. Februar 1924 brachte ihm seine Beteiligung am Putsch am 1. April 1924 eine Verurteilung zu einem Jahr und drei Monaten Festungshaft ein, die er allerdings nicht absitzen musste, denn die nach Abzug der Untersuchungshaft von zwei Monaten und drei Wochen verbleibende restliche Freiheitsstrafe wurde auf vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Im Juli 1924 schloss sich ein weiteres Strafverfahren wegen einer von Wagner während des Putsch-Prozesses ausgesprochenen Beleidigung gegenüber Otto von Lossow an.
Seit dieser Zeit hatte Wagner beste Beziehungen zu Hitler und Goebbels. Hitler ließ ihn auch später frei gewähren und unterstützte ihn gemäß seinem allgemeinen Herrschaftsprinzip konkurrierender Machtzentren in Auseinandersetzungen mit den zentralen Regierungsinstanzen. Für seine „Verdienste“ im Jahre 1923 erhielt Wagner als „Alter Kämpfer“ 1934 das höchste Ehrenzeichen der NSDAP, den sogenannten Blutorden mit der Verleihungsnummer 83.
Aufbau der NSDAP in Baden
Wagner gelang es auch nach seiner Entlassung aus der Reichswehr im Mai 1924 nicht mehr, in der bürgerlichen Arbeitswelt Fuß zu fassen. Er gründete vielmehr 1925 den Gau Baden der NSDAP und betätigte sich intensiv als Organisator und Parteiredner.
Den zeitweilig als Ersatzorganisation für die verbotene SA geschaffenen, nach Albert Leo Schlageter benannten Schlageterbund, in dem er auch die Reste der verbotenen NSDAP gesammelt hatte, führte er wieder in die SA über. Er sorgte dafür, dass Baden mit dem am 5. November 1927 erstmals erschienenen Führer eine eigene Gauzeitung erhielt, die sich in der Folgezeit zu dem zentralen NS-Propagandaorgan in Baden entwickeln sollte. Zum Schriftleiter ernannte er Franz Moraller.
1928 wurde Wagner Gauleiter der Nationalsozialistischen Gesellschaft für deutsche Kultur.[3]
1931 ernannte Wagner den Lahrer Kaufmann, autodidaktischen Maschinenbauingenieur und Erfinder des Wankelmotors Felix Wankel zum Gauleiter der Hitlerjugend Baden.
Wagner als Parlamentarier
Die NSDAP erzielte ab 1927 auch in Baden verstärkt, bei den jeweiligen Reichstagswahlen sogar im Vergleich zu den übrigen Ländern überdurchschnittliche Erfolge. 1929 erhielt sie bei den Landtagswahlen 7 % der Stimmen, was es Wagner ermöglichte, in den Landtag als dessen Mitglied einzuziehen.
An parlamentarischen Debatten beteiligte Wagner sich höchst selten. Es kam ihm und seiner Partei im Wesentlichen darauf an, das parlamentarische System lächerlich zu machen und zu behindern. Am 18. Dezember 1930 legte er im Landtag durchaus klar und prophetisch dar, die Weimarer Verfassung und die Badische Verfassung seien nur Weg zum Ziel. „Der Tag wird kommen, wo das Machwerk von Weimar mit Ihrem so genannten Staate in sich zusammenbricht.“ Am 2. Juni 1932 erklärte Wagner in öffentlicher Sitzung des Badischen Landtags, es gelte den „wertezerstörenden“ Parlamentarismus abzubauen: „Wir Nationalsozialisten legen keinen Wert darauf, Parlamentarier zu sein.“ Wichtig waren ihm dagegen die mit seiner Stellung als Parlamentarier verbundenen Vorteile, nämlich Diäten und die Freifahrten mit der Reichsbahn.
Seine parlamentarische Immunität schützte ihn außerdem mehrfach vor der juristischen Verfolgung von Gewalttaten, in die er mit anderen Nationalsozialisten verwickelt war. Am 14. Januar 1930 befasste sich der Badische Landtag mit einem Antrag der badischen Staatsanwaltschaft zur Einleitung und Durchführung eines Strafverfahrens gegen Wagner „wegen Körperverletzung, Beleidigung, Ruhestörung und groben Unfugs“. Wagner hatte am 19. Dezember 1929 gemeinsam mit dem Führer-Schriftleiter Moraller sowie zwei weiteren Nationalsozialisten eine Schlägerei mit Vertretern einer internationalen Eisenbahnbeamtenvertretung angezettelt.
1932 wurde Wagner in die Reichsleitung der NSDAP berufen. Dort wurde er im Dezember 1932 Stellvertreter von Robert Ley und Leiter des Hauptpersonalamts der NSDAP im Stab von Rudolf Heß.
Im Nationalsozialismus
Am 9. März 1933 kehrte Wagner mit den von Reichsinnenminister Wilhelm Frick am Vortag verliehenen Befugnissen der obersten Landesbehörde nach Baden zurück. Innerhalb weniger Tage war die „Machtergreifung“ im Land abgeschlossen: Wagner bildete am 11. März eine kommissarische Regierung und übernahm das Amt des Staatspräsidenten. Am 5. Mai 1933 wurde er zum Reichsstatthalter von Baden und gleichzeitig zu einem der Gauleiter der NSDAP im Deutschen Reich ernannt und verkündete – dies als Zeichen in Richtung SA – das Ende der Revolution.
Ausschaltung politischer Gegner
Die Gegenwehr des SPD-Abgeordneten Christian Nußbaum, der sich gegen seine Inhaftierung in „Schutzhaft“ wehrte und die zwei festnehmenden Polizisten erschoss, nahm Wagner zum Vorwand, „mit aller brutalen Strenge“ die Landtags- und Reichstagsabgeordneten von KPD und SPD zu verhaften und in Konzentrationslager zu überführen. 1934 ließ Wagner den Juden im Sinne des nationalsozialistischen Rassebegriffs und langjährigen Fraktionsvorsitzenden der SPD im badischen Landtag, Ludwig Marum, ermorden. Einen innerparteilichen Gegner, den Erfinder Felix Wankel, der ein frühes Mitglied der NSDAP gewesen war und Korruptionsvorwürfe gegen Wagner erhoben hatte, ließ Wagner zwar zeitweilig inhaftieren, konnte ihn jedoch nicht dauerhaft ausschalten, da er von Hermann Göring und dem Reichsluftfahrtministerium unterstützt wurde.
Antisemitismus
Sofort nach der „Machtergreifung“ ordnete der glühende Antisemit Wagner, im Vorgriff auf das so genannte Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 und radikaler als jenes, die sofortige Suspendierung aller im öffentlichen Dienst stehenden Beamten „jüdischer Abstammung“ an.
Am 1. April 1933 verordnete das NS-Regime mit dem „Judenboykott“ in ganz Deutschland die ersten staatlich gebilligten Boykottaktionen gegen jüdische Geschäfte.
Während der Novemberpogrome 1938 ließ Wagner zunächst dem NS-Pöbel freien Lauf und unterband auch persönlich Versuche, das Abbrennen der Synagoge Karlsruhe zu verhindern. Dann zog er in für seinen Herrschaftsstil typischer Weise die Zügel wieder an und sorgte für die bürokratisch legalistische Abwicklung der „Arisierung“ jüdischer Geschäfte und Vermögenswerte.
Als Gauleiter des Gau Baden, der für die Bildung eines neuen Gaus „Oberrhein“ unter Einschluss des Elsass verantwortlich war, verfolgte und organisierte Wagner maßgeblich dessen „Entjudung“.
Kulturpolitik im Elsass
Mit der Besetzung des Elsass im Sommer 1940 wurde Robert Wagner dort Chef der Zivilverwaltung mit umfassenden politischen Freiheiten. Sein Hauptziel war es, das Elsass wieder „deutsch“, und zwar zum „hervorragenden ersten Kulturzentrum des Deutschen Reiches“ werden zu lassen. Die Mittel zur Finanzierung des Kulturbereichs übertrafen die im Reichsgebiet gezahlten Mittel erheblich. Sein Ziel verfolgte Wagner etwa in der darstellenden Kunst durch die Gründung mehrerer Theater (Generalintendant des heutigen Théâtre national de Strasbourg wurde Ingolf Kuntze), der Berufung des für seine Aufführungen moderner Musik bekanntgewordenen Hans Rosbaud als Generalmusikdirektor der Straßburger Philharmoniker, der Einrichtung zahlreicher deutscher Bibliotheken, verbunden mit dem Verbot, in der Öffentlichkeit Französisch zu sprechen, und mit der Eindeutschung französischer Ortsnamen. Im Bereich der Museen erhielt Kurt Martin die führende Position und war daran beteiligt, Wagners „Vision eines kulturellen Mustergaus Elsaß-Baden (…) vorzubereiten.“
Antijüdische und antifranzösische Maßnahmen im Elsass
Nach dem siegreichen Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Frankreich wurde Wagner zum Chef der Zivilverwaltung des Elsass und verlegte seinen Tätigkeitsschwerpunkt nach Straßburg. Als Reichsstatthalter von Baden unterstand er stets dem Reichsinnenministerium, im Elsass hatte er dagegen ein gewisses Maß an Unabhängigkeit gegenüber den Weisungen aus Berlin. Im Elsass nahm er sich zunächst der Beseitigung der Kriegsschäden an, was ihm vorerst Sympathien bei der Bevölkerung einbrachte. Bald jedoch zeigte sich, dass Wagner mit seinem Engagement im Elsass vor allem die Zurückdrängung der französischen Sprache zum Ziel hatte. Am 16. Juli 1940 erklärte er: „Das Elsass muss von allen Elementen, die der deutschen Rasse fremd sind, gereinigt werden.“
Wagners Bestrebungen richteten sich zuerst gegen die Juden im Elsass, wobei er die Gelegenheit nutzte, sich auch in Baden der Juden zu entledigen. Gemeinsam mit Josef Bürckel, dem Zivilverwaltungsleiter im eroberten Lothringen, schob Wagner im Oktober 1940 in der sogenannten Wagner-Bürckel-Aktion 6.500 badische und pfälzische Juden sowie 22.000 elsässische Juden in den unbesetzten Teil Frankreichs (siehe Vichy-Regime) ab. Die planmäßige Deportation von Juden aus Deutschland begann im übrigen Reich ansonsten erst Mitte Oktober 1941. Die aus Baden und dem Elsass vertriebenen Juden wurden unter grausamen Bedingungen in dem am Fuße der Pyrenäen liegenden Internierungslager Gurs untergebracht. Von den 4.500 Juden aus Baden überlebten nur 750, 2.000 wurden 1942 in die Konzentrationslager Majdanek und Auschwitz verschleppt und ermordet. Gleiches geschah den in Baden zurückgebliebenen Juden. Das Elsass sei „judenfrei“, meldete die NS-Propaganda.
Wagners Versuch, alle nach 1919 zugezogenen Franzosen und politisch feindlich eingestellten Elsässer auszuweisen, scheiterte, auch wenn er mindestens 100.000 Menschen auswies bzw. nicht ins Elsass zurückkehren ließ. Ab 1942 besann sich die NS-Verwaltung eines anderen. Man wollte „deutsches Blut“ nicht mehr in das feindliche Ausland abwandern lassen. Vielmehr wurden insgesamt 17.000 Elsässer – meist politisch oder sonstig als unzuverlässig eingeschätzte Personen, beispielsweise Personen und Familien, deren Angehörige sich dem Reichsarbeitsdienst oder der Einziehung als Soldat der Wehrmacht entzogen hatten – zwangsweise in die im Osten eroberten Gebiete verbracht. In Schelklingen bei Ulm waren für Elsässer spezielle Lager eingerichtet worden. Dort wurden sie dann in Arbeit „vermittelt“.
Städte- und Straßennamen erhielten ihre vor 1919 gültigen historischen deutschen Ortsnamen zurück. Aus „Fort-Louis“ wurde beispielsweise wieder „Ludwigsfeste“. Einige Bürger mit französisch klingenden Familiennamen wurden durch Verordnung vom 15. Januar 1943 gezwungen, ihre Familiennamen in deutsch klingende umzuwandeln. Der Gebrauch der französischen Sprache wurde verboten. Wer dem zuwiderhandelte, konnte in dem so genannten „Sicherungslager Vorbruck-Schirmeck“ landen.
Auf Wagners Initiative hin wurden im August 1942 mit der „Verordnung über die Staatsangehörigkeit im Elsaß, in Lothringen und in Luxemburg vom 23. August 1942“ (RGBl. I. S. 533) auch elsässische Männer, die nach den Bedingungen des Waffenstillstands von Compiègne nach wie vor französische Staatsbürger waren, zu deutschen Staatsbürgern erklärt. Dies war die legalistische Basis für deren völkerrechtswidrige Zwangsrekrutierung (Malgré-nous). Viele jungen Elsässer der Jahrgänge 1908 bis 1910 wurden anstatt zur Wehrmacht zur Waffen-SS eingezogen. Im Januar 1944 vereinbarte Wagner mit Himmler – die Wehrmacht unter Keitel hatte sich insoweit geweigert –, die ehemaligen französischen Reserveoffiziere zur Waffen-SS einzuberufen. 42 Offiziere, die sich auch durch Druck nicht beeinflussen ließen, ließ er in das KZ Neuengamme einliefern; 22 der 42 starben dort.
Insgesamt betrug die Anzahl der Wehrpflichtigen aus den betreffenden Jahrgängen 200.000 Mann. 40.000 hiervon konnten sich der Einziehung entziehen. Rund 100.000 Elsässer dienten dem Deutschen Reich als Soldaten. 20.000 dieser Soldaten fielen im Krieg, 22.000 wurden als vermisst gemeldet, 10.000 wurden im Feld schwer verwundet.
Zur politischen Erziehung ließ Wagner in Straßburg ein Sondergericht einrichten. Nur der Todesstrafe komme Abschreckungswirkung zu – so Wagner –, und so verhängte dieses Sondergericht besonders viele Todesurteile. Wagner nahm vor den Sitzungen des Sondergerichts Einsicht in die Ermittlungsakten und pflegte mit dem Präsidenten des Gerichts, Huber, und dem Staatsanwalt, Simon, das Strafmaß festzulegen.
Bereits 1940 hatte Wagner zur Inhaftierung politischer Gegner im Elsass das Sicherungslager Schirmeck-Vorbruck errichten lassen, über welches er (trotz einiger Versuche der SS, das Lager in das System der Konzentrationslager einzugliedern) die Oberaufsicht behielt. Dieses Lager hatte im August 1941 650 Insassen. Im September 1942 war es mit etwa 1.000 Männern und 400 Frauen belegt.
Daneben wurden im elsässischen Konzentrationslager Struthof, das von der SS betrieben wurde, mehrere tausend Kriegsgefangene, politische Gegner und Widerstandskämpfer ermordet.
Verhältnis zu den christlichen Kirchen
Wagners Familie war evangelisch. Wagner selbst war jedoch aus der evangelischen Landeskirche ausgetreten und bezeichnete sich ab Ende der 1930er Jahre als „gottgläubig“.
Wagner hatte zunächst mit der katholischen Kirche unter dem Freiburger Erzbischof Conrad Gröber ein eher geordnetes Verhältnis, weil jener den eigentlichen Feind im Bolschewismus sah und den neuen NS-Staat bejahen wollte. Dies änderte sich mit der Zeit, da Wagner entschiedener Gegner der Kirchen war und ihren Einfluss entsprechend der nationalsozialistischen Ideologie zurückdrängen wollte. Seine Versuche, auch insoweit der allgemeinen Entwicklung vorzugreifen und Gröber 1940 wegen seiner Silvesterpredigt zu verurteilen und wegen seines Hirtenbriefes vom 12. Februar 1941 einzusperren, scheiterten an Hitlers Veto, der sich den Kirchenkampf auf die Zeit nach dem „Endsieg“ aufsparen wollte.
Mit der evangelischen Kirche hatte Wagner dagegen im Unterschied beispielsweise zu Württemberg weniger Schwierigkeiten. Er selbst nämlich sorgte für den Zusammenschluss junger nationalsozialistischer Pfarrer zum „NS-Pfarrerbund“, der sich 1933 der Glaubensbewegung Deutsche Christen anschloss.
Das Ende
Dem Vormarsch der Alliierten im November 1944 entzog sich Wagner durch Flucht über den Rhein. Bis zum Schluss versuchte er, ihnen militärischen Widerstand entgegenzusetzen. Er errichtete zuerst in Baden-Baden einen Befehlsstand und kehrte während der Ardennenoffensive sogar nochmals ins Elsass zurück. Als „Reichsverteidigungskommissar für den Verteidigungsbezirk Baden und Elsaß“ mobilisierte er bis Kriegsende 22 Bataillone des Volkssturms und ließ Flugblätter verbreiten, die zu Sabotageakten in bereits von den Alliierten besetzten Gebieten aufriefen. Allen führenden Männern der „Bewegung“ drohte er mit der Todesstrafe, wenn sie versuchen sollten, zu fliehen. Noch am 31. März 1945 drohte er allen „verbrecherischen Elementen“ mit Standgerichten, wenn sie bei „Annäherung des Feindes weiße Fahnen zeigen würden“. Die Städte in Baden wies er an, dem Prinzip der Verbrannten Erde folgend, ihre Infrastruktureinrichtungen zu zerstören, um den Vormarsch der Alliierten zu behindern.
Nach der französischen Besetzung Karlsruhes am 4. April 1945 wurden Wagners Frau und seine damals zwölfjährige Tochter festgenommen und durch die Straßen von Straßburg getrieben. Wagners Frau wurde später in ein algerisches Bordell nach Paris verschleppt, wo sie sich nach mehreren Vergewaltigungen in den Tod stürzte. Wagner selbst setzte sich zunächst nach Schönwald im Schwarzwald ab, später nach Bodman, wo er am 29. April 1945 nach der Eroberung von Konstanz seine letzten Mitarbeiter entließ. Die amerikanische Militärregierung entließ ihn mit einer amtlichen Mitteilung vom 14. Juni 1945 formal aus allen Ämtern. Nachdem er am 25. Juli 1945 nochmals in seinem Geburtsort Lindach gewesen und vom Tod seiner Frau erfahren hatte, stellte er sich am 29. Juli 1945 in Stuttgart den Amerikanern, die ihn den Franzosen auslieferten.
Der Prozess gegen Wagner und sechs weitere Angeklagte fand von 23. April bis 3. Mai 1946 in neun Verhandlungstagen vor dem Straßburger Militärgericht statt. Es verurteilte ihn sowie fünf weitere Angeklagte wegen der im Elsass begangenen Verbrechen zum Tod. Alle Verurteilten legten Berufung ein, die jedoch im August 1946 abgelehnt wurde. Wagner wurde gemeinsam mit dem früheren stellvertretenden Gauleiter Hermann Röhn, dem ehemaligen Oberregierungsrat Walter Gaedeke und dem früheren Gaustabsamtsleiter Adolf Schuppel am Morgen des 14. August 1946 in Fort Ney durch Erschießen hingerichtet. Wagners letzte Worte waren: „Es lebe Großdeutschland, es lebe Adolf Hitler, es lebe der Nationalsozialismus. Unsere große Aufgabe hat nur kleine Richter gefunden. Nieder mit dem französischen Volk und seiner Rachejustiz. Es lebe das deutsche Elsass.“ Die Leichname der vier Hingerichteten wurden auf dem Friedhof des Straßburger Stadtteils Cronenbourg beigesetzt.
Friedrich Weber (* 30. Januar 1892 in Frankfurt am Main; † 14. Juli 1955 in München) war ein deutscher Veterinärmediziner an der Universität München, Ministerialbeamter und SS-Führer im nationalsozialistischen Deutschland.
Leben
Friedrich Weber schloss seine Schullaufbahn in seiner Heimatstadt mit dem Abitur ab. Er immatrikulierte sich im Sommersemester 1912 an der Tierärztlichen Hochschule München. Im August 1914 trat er ins 1. Schwere-Reiter-Regiment „Prinz Karl von Bayern“ in München ein. Nach dem Ersten Weltkrieg, an dem er als Feldhilfsveterinär teilgenommen hatte, beendete Weber 1919 sein Studium. Im gleichen Jahr nahm er unter Franz Ritter von Epp am Sturz der Münchner Räterepublik teil. Im Jahr 1920 erhielt er seine Approbation.
Ab März 1920 nahm Weber als Gruppenführer mit dem Zeitfreiwilligen-Korps Godin an der Niederschlagung von Aufständen im Ruhrgebiet teil. Am 1. Oktober 1920 wurde er Assistent am Tierphysiologischen Institut der Tierärztlichen Fakultät der Universität München. Während seiner Tätigkeit dort wurde er 1922 mit seiner Dissertation Über eine Methode zur Bestimmung des Extraktstickstoffes promoviert. Er war außerdem Stipendiat der Rockefeller-Stiftung.
Weber trat 1921 dem Freikorps Oberland bei, wo er zuletzt Kompanieführer war. Als das Freikorps aufgelöst wurde, nannte sich die Organisation in „Bund Oberland“ um. Weber war ab 1922 dessen Führer und in der Funktion auch am Hitler-Ludendorff-Putsch 1923 beteiligt. Am 1. April 1924 wurde er wegen Hochverrats zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt. Das Staatsministerium für Unterricht und Kultus entließ Weber nach seiner Verurteilung sofort aus dem Universitätsdienst. Bereits im Frühjahr 1925 wurde er aus der Haft in Landsberg entlassen. Nach dem vergeblichen Versuch den Bund Oberland an die SS anzugliedern, trat er 1929 von seinem Amt als Bundesführer zurück.
Trotz Vorstrafe erhielt er 1925 sein Kreisexamen und wurde Distriktstierarzt in München und von 1926 bis 1933 in Euerdorf. Ab 1926 war er zudem Assistent am Institut für Vererbungsforschung bei Erwin Baur und zuvor noch kurzzeitig am Tierpathologischen Institut beschäftigt. Er begründete eine Genossenschaft für Schweinezucht.
Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten wurde Weber am 1. Mai 1933 Veterinärmedizinalrat 1. Klasse und politischer Adjutant im Bayrischen Innenministerium. Er behielt engen Kontakt zu Adolf Hitler und wurde am 25. August 1933 Beauftragter der Reichsleitung der NSDAP zur Gleichschaltung der Tierärzteschaft und Gründung einer Reichstierärztekammer sowie gleichzeitig Vertreter der Tierärzteschaft im neuen Sachverständigenrat für Volksgesundheit. 1933 wurde er zum Bundesführer der Deutschen Gildenschaft gewählt, einer Studentenkorporation, der er schon seit 1923 angehörte. Am 15. Februar 1934 wurde er zum „Reichsführer der Deutschen Tierärzte“ ernannt. Später leitete er auch die Reichstierärztekammer.
Im NS-Staat wurde Weber zuerst ab 1. April 1934 Ministerialrat im Reichsministerium des Innern, danach ab 1. Juni 1935 Ministerialdirigent und schließlich ab dem 20. April 1936 Ministerialdirektor. Weber wurde am 26. Juli 1939 zum Honorarprofessor der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Berlin ernannt. Innerhalb der SS nahm er 1944 den Rang eines Gruppenführers ein. Er war Träger des sogenannten Blutordens und des Goldenen Parteiabzeichens.
Im Mai 1945 wurde Weber durch amerikanisches Militär inhaftiert. Im Spruchkammerverfahren wurde er zuerst am 5. Juli 1948 in die Gruppe I (Hauptschuldige) eingestuft und in ein Arbeitslager eingewiesen. Im Revisionsverfahren am 3. Mai 1949 wurde er zunächst in die Gruppe III (Minderbelastet), letztlich in die Gruppe IV (Mitläufer) eingestuft. Nach dem Zweiten Weltkrieg übte Weber weiterhin seinen Beruf als Tierarzt bis zu seinem Tode aus und baute die Rinderbesamung in Bayern mit auf.
Hermann Karl Theodor Kriebel (* 20. Januar 1876 in Germersheim; † 16. Februar 1941 in München) war ein deutscher Offizier, Freikorpsführer, SA-Obergruppenführer, Diplomat und NSDAP-Politiker.
Leben
Hermann Kriebel war der Sohn des bayerischen Generalmajors Karl Kriebel (1834–1895). Der spätere Generalmajor Friedrich von Kriebel (1879–1964) und der spätere General der Infanterie Karl Kriebel (1888–1961) waren seine Brüder.
Er besuchte die Volksschule in Neu-Ulm und München, das Königliche Maximiliansgymnasium in München, das Lyzeum in Metz und schließlich ab 1888 das Bayerische Kadettenkorps.
Militärischer Werdegang
Nach dem Beginn eines Studiums der Geschichte an der Universität München entschied er sich, eine militärische Laufbahn in der Bayerischen Armee einzuschlagen. Er trat 1894 als Fähnrich in das 1. Infanterie-Regiment „König“ ein, besuchte die Kriegsschule und wurde im Anschluss 1896 zum Leutnant befördert.
1900 wurde Kriebel nach seinem Übertritt zur Kaiserlichen Marine dem II. Seebataillon zugeteilt und war mit dem deutschen Expeditionskorps zur Niederschlagung des Boxeraufstands bis 1901 in China. 1901 wurde er in das 1. Infanterie-Regiment „König“ zurückversetzt. Von 1904 bis 1907 absolvierte Kriebel die Kriegsakademie, die ihm die Qualifikation für den Generalstab, die Höhere Adjutantur und das Lehrfach aussprach. Dort verfasste er 1906 eine allgemein gelobte Studie zum Einsatz von militärischen Verbänden in Bürgerkriegssituationen: Über die Bezwingung innerer Unruhen, nach den Erfahrungen der Geschichte in der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts. Von 1908 bis 1910 war Kriebel Stabsoffizier im Bayerischen Generalstab und von 1910 bis 1912 im Großen Generalstab in Berlin unter Generalstabschef Helmuth von Moltke.
Ab 1912 war Kriebel Kompaniechef im 22. Infanterie-Regiment in Zweibrücken. Nach Beginn des Ersten Weltkriegs kämpfte er mit seiner Kompanie ab August 1914 an der Westfront. Von 1915 bis 1916 war er 1. Generalstabsoffizier bei der 8. Reserve-Division, anschließend wurde er 1916/17 beim Generalstab des XV. Reserve-Korps unter Generalstabschef Julius Ritter von Reichert eingesetzt. Danach war er im Stab Erich Ludendorffs, des Generalquartiermeisters der Obersten Heeresleitung (OHL), im Großen Hauptquartier in Bad Kreuznach (später nach Spa verlegt) tätig, u. a. von November 1917 bis Februar 1918 als Chef der militärischen Abteilung. Dort erlebte er mit, wie Ludendorff durch seine militärische Stellung und Verbindungen zu rechtskonservativen Kreisen politischen Einfluss auf die deutsche Regierungspolitik ausübte.
In der nach dem Waffenstillstandsabkommen von Compiègne-Rethondes vom 11. November 1918 eingesetzten deutschen Waffenstillstandskommission in Spa (Wako-Spa) war der seit 1915 im Rang eines Majors stehende Kriebel Vertreter des Generalquartiermeisters und Bayerns und arbeitete dort bis zur nach dem Friedensvertrag von Versailles erfolgenden Abwicklung der Wako-Spa im Juli 1919. Überliefert (und in der Zeit des Nationalsozialismus häufig zitiert) wurde sein gegen Ende der Verhandlungen gegenüber den Vertretern der Entente geäußerter Ausspruch „Auf Wiedersehen in 20 Jahren!“. 1920 wurde Kriebel auf eigenen Wunsch aus der Armee entlassen; 1921 erhielt er den Dienstrang eines Oberstleutnants a. D.
Wehrführer und Putschist
Ab 1919 engagierte sich Kriebel beim Aufbau der nach der Münchner Räterepublik entstehenden bayerischen Einwohnerwehren und anderer aus diesen hervorgegangener paramilitärischer Organisationen mit „antibolschewistischer“ Ausrichtung. Zunächst war er ab 1. Oktober 1919 Stabschef des Landesverbands der Einwohnerwehren Bayerns und in dieser Funktion am Rücktritt der Regierung Hoffmann im März 1920 beteiligt. Anschließend Stabsleiter der im Mai 1920 gegründeten Organisation Escherich (Orgesch), kam Kriebel 1922 nach einem Zerwürfnis mit Georg Escherich über den bayerischen Wehrverbandführer Otto Pittinger (1878–1926) in Kontakt zu Adolf Hitler. Seit der auf Initiative von Hitlers Verbindungsmann zu den Wehrverbänden, Ernst Röhm, am 4. Februar 1923 erfolgten Gründung der Arbeitsgemeinschaft der Vaterländischen Kampfverbände (einer Dachorganisation verschiedener Wehrverbände, u. a. des von Friedrich Weber geführten Bundes Oberland, des Bundes Reichsflagge unter Adolf Heiß und der von Emil Maurice gegründeten SA unter Hermann Göring) war Kriebel militärischer Führer dieser Organisation.
In den nächsten Monaten hatte Hitler erhebliche Probleme mit „dem schwerfälligen Soldatenverstand“ der militärischen Führung unter Kriebel. Es gelang ihm nicht, die Organisation politisch zu dominieren, und er musste überdies befürchten, den Einfluss über die SA an Röhm, Kriebel und die Reichswehr zu verlieren. Auch für die bayerische Regierung war die Gruppierung ein Problem. „Der Feind“ stand für den bayerischen Ministerpräsidenten Eugen von Knilling im April 1923 zwar links, aber „die Gefahr rechts“. Für am „unbelehrbarsten“ hielt er dabei „die ehemaligen Offiziere wie Oberst Kriebel“. Der hatte zuvor Knillings Entschluss, das Republikschutzgesetz von 1922 auch in Bayern umzusetzen, als „Kriegserklärung der Regierung an die Arbeitsgemeinschaft“ gewertet.
In den folgenden Monaten drängte Kriebel mehrfach darauf, zu putschen und den „Marsch auf Berlin“ zu beginnen. Als der Versuch Hitlers und der Arbeitsgemeinschaft, die Kundgebungen der Linksparteien zum 1. Mai zum Losschlagen zu nutzen, am Widerstand der Reichswehr scheiterte, war es Kriebel, der bis zuletzt gegen den zögernden Hitler die Durchführung der Aktion forderte. Und am 16. Oktober bereitete er durch einen Befehl zum Grenzschutz nach Norden erneut eine Mobilmachung zum Bürgerkrieg vor. Obwohl sich die Maßnahme offiziell gegen die neue thüringische SPD/KPD-Regierung unter August Frölich richtete, ließen Formulierungen wie „Eröffnung der Feindseligkeiten“ und „Vernichtung“ des Gegners an den wahren Beweggründen keinen Zweifel.
Aus der Arbeitsgemeinschaft ging Anfang September 1923 der Deutsche Kampfbund[20] als neue Dachorganisation hervor, wiederum unter militärischer Führung Kriebels. Die politische Führung des Kampfbundes übernahm am 25. September 1923 Adolf Hitler selber. Gemeinsam mit Erich Ludendorff waren Hitler und Kriebel die treibende Kraft in den Planungen zum Hitlerputsch vom 8. November 1923 (die letzten geheimen Vorbereitungsgespräche fanden am Vortag in Kriebels Wohnung statt); gemeinsam führten sie am 9. November den Marsch auf die Feldherrnhalle an. Ludendorffs und Kriebels Ziel war dabei die Einrichtung einer vom Militär gesteuerten konservativen Regierung. „Oberstleutnant Kriebel hatte wohl eher an eine offene oder verdeckte Diktatur der Reichswehr mit national gesinnten Männern an der Spitze gedacht, wie ihn selbst zum Beispiel, die das Reich von Kommunisten, Sozis und anderen vaterlandslosen Gesellen bewahren sollte, als an eine Diktatur des politischen Fantasten [Hitler]“, so der spätere Diplomat Erwin Wickert, der Kriebel in den 1930er-Jahren kennenlernte. Für Kriebel war Hitler 1923 lediglich der Trommler: „Hitler komme für eine leitende Stelle selbstverständlich nicht in Frage, er habe ohnehin nur seine Propaganda im Kopf.“ Den Putsch selbst erlebte Kriebel als rauschhaftes Erlebnis: „Wir zogen dann weiter durch die Stadt, überall begrüßt, mit Jubel begrüßt, durch den Rathausbogen, über den Marienplatz. Der ganze Marienplatz war schwarz von Menschen, die alle noch vaterländische Lieder sangen“.
Nach der Niederschlagung des Putsches wurden Hitler, Ludendorff und andere Verschwörer inhaftiert. Kriebel floh zunächst in den Bayerischen Wald und stellte sich im Januar 1924 freiwillig. Die verhafteten Putschisten wurden am 20. Februar 1924 wegen Hochverrates vor Gericht gestellt. Bei der Urteilsverkündung durch das Volksgericht München unter Richter Georg Neithardt am 1. April 1924 wurde Ludendorff (wegen seiner Verdienste als OHL-Chef im Ersten Weltkrieg) freigesprochen; Hitler, Kriebel, Weber und Pöhner wurden zu je fünf Jahren Festungshaft verurteilt und in die Festung Landsberg überstellt. Sein bei der Reichstagswahl im Mai 1924 für die Nationalsozialistische Freiheitspartei (eine kurzzeitige Listenverbindung der seit November 1923 verbotenen NSDAP mit der ebenfalls verbotenen Deutschvölkischen Freiheitspartei) gewonnenes Mandat konnte Kriebel daher nicht wahrnehmen. Allerdings hatte das Gericht in seinem Urteil verfügt, dass Hitler und Kriebel bereits nach einem Jahr Haft (bei Anrechnung der Untersuchungshaft) auf Bewährung zu begnadigen seien. Nachdem die ursprünglich für den 1. Oktober vorgesehene Freilassung u. a. durch verschiedene Bemühungen der bayerischen Regierung, Hitler im Anschluss nach Österreich auszuweisen, verzögert worden war, wurden Kriebel und Hitler schließlich am 20. Dezember 1924 auf Bewährung entlassen.
Nach der Freilassung übernahm Kriebel zunächst auf Wunsch Hitlers die Redaktion der militärischen Beilage des Völkischen Beobachters, zog sich dann aber 1926 als Gutsverwalter nach Kärnten zurück und war außerdem Generalbevollmächtigter der Vormundschaft zur Verwaltung des Besitzes der minderjährigen Erben. Auch dort engagierte er sich in der Heimwehrbewegung.
Militärberater in China
1929 ging Kriebel nach China und fungierte dort zunächst als Stellvertreter des Obersts Max Bauer, der als Generalberater der Kuomintang-Regierung von Marschall Chiang Kai-shek für alle militärischen, wirtschaftlichen und politischen Fragen verantwortlich war. Nach dessen plötzlichem Tod im Mai 1929 wurde Kriebel Bauers Nachfolger. Allerdings wurde er bereits im Mai 1930 von diesem Posten wieder abgelöst, als er sowohl in Konflikt mit dem Marschall und dessen chinesischen Beamten als auch mit den deutschen Zivilberatern in China und dem Handelsministerium in Berlin geriet. Die chinesische Seite warf Kriebel dabei seine undiplomatische Vorgehensweise und eine einseitig deutsche Interessen vertretende Haltung vor. Die deutschen Zivilberater hatten sich von Anfang an – angeblich zum Teil aufgrund seiner politischen Vergangenheit – gegen seine Berufung ausgesprochen. Kriebels Nachfolger wurde Georg Wetzell (1869–1947), den Kriebel – genau wie seinen Vorgänger Max Bauer – aus der gemeinsamen Tätigkeit im Stab der OHL (unter Ludendorff) im Ersten Weltkrieg kannte. Kriebel blieb aber als einer der zahlreichen Militärberater bis 1933 in China.
Dort trat Kriebel, der bis Ende der 1920er-Jahre seiner monarchistischen Gesinnung treu geblieben war und laut Aufzeichnungen des Hitler-Adjutanten Fritz Wiedemann „der Bewegung ziemlich fern“ stand, schließlich am 1. Januar 1930 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 344.967). Im Dezember 1933 wurde sein Eintrittsdatum auf den 1. Oktober 1928 rückdatiert (Mitgliedsnummer 82.996), und laut Reichstagshandbuch 1938 sei er der NSDAP sogar schon am 16. November 1922 beigetreten. Die Beschönigungen geschahen sicher auch in der propagandistischen Absicht, Kriebel als „Alten Kämpfer“, der den Nationalsozialisten quasi von Anfang an eng verbunden war, darzustellen.
Im diplomatischen Dienst
Kriebel, inzwischen SA-Gruppenführer, war nun als Führer der SA für die Verbindung zum Auswärtigen Amt tätig. Im April 1934 wurde er als diplomatischer Quereinsteiger auf besondere Weisung Hitlers zum Generalkonsul I. Klasse in Shanghai ernannt. In dieser Funktion war er nicht für diplomatische Aufgaben zuständig, sondern hatte lediglich Hilfeleistungen in juristischen, kulturellen und wissenschaftlichen Fragen für in China lebende deutsche Staatsbürger zu übernehmen. Als „alter Kampfgefährte“ Hitlers gelang es Kriebel in Shanghai, die Streitigkeiten innerhalb der dortigen Parteiorganisation zu beenden. Sein Ruf ermöglichte ihm auch abweichende Meinungen. Als es im Herbst 1934 um die Entlassung von deutschen Emigranten aus der chinesischen Verwaltung ging, wagte nur Kriebel Widerspruch und berief sich dabei ausgerechnet auf den „Führer“.
Kriebels Einschätzung über China als politische Kraft wurde aber im Auswärtigen Amt und im Propagandaministerium nicht sehr hoch eingeschätzt. Joseph Goebbels notierte in sein Tagebuch: „Kriebel erzählt mir von Ostasien. Er tippt unentwegt auf China. Wenigstens auf die lange Dauer. Wohl ganz zu Unrecht.“ Diese Geringschätzung beruhte auf Gegenseitigkeit. Laut Fritz Wiedemann soll Kriebel nach seiner Rückkehr aus Shanghai geäußert haben, „zwei Männer sollte der Fü[hrer] sofort erschießen lassen, Ribb[entrop] und Goebbels. Was diese beiden Männer uns international schaden, ist nicht zu sagen.“ Auf Besucher wirkte er in diesen Jahren „enttäuscht und resigniert“. Von Hitler schien er nichts mehr zu halten. Schließlich wurde er am 17. Oktober 1937 von seinem Posten beurlaubt und reiste nach Deutschland zurück. Hintergrund für die Ablösung waren offenbar mehrere Schreiben Kriebels an Hitler, in denen er sich offen gegen eine projapanische Politik aussprach.
Seine weitere berufliche Verwendung blieb zunächst unklar. Kriebel fühlte sich „durch die Unsicherheit meiner Zukunft ziemlich gehandicapt“, machte sich aber Hoffnung auf einen Botschafterposten. Aber bei Hitler war er in Ungnade gefallen: „Kr[iebel] kann von mir aus Gesandter in Bulgarien oder so[nst] wo werden, aber an eine wichtige Stelle kommt er nicht mehr.“ Nach mehr als einem Jahr Wartezeit trat er am 10. Januar 1939 seinen Dienst im Auswärtigen Amt an, wo er aber nicht einen diplomatischen Posten mit politischem Einfluss erhielt, sondern am 20. April 1939 zum Leiter der Personal- und Verwaltungsabteilung ernannt wurde und diese Tätigkeit bis zu seinem Tod ausübte.
Bei der Wahl zum „Großdeutschen Reichstag“ am 10. April 1938, zu der ausschließlich die Kandidaten der „Liste des Führers“ angetreten waren, erhielt er ein Reichstagsmandat. Im September 1940 wurde er von Hitler zum Oberst befördert und ihm zum 65. Geburtstag im Januar 1941 der Titel eines Botschafters verliehen. Knapp vier Wochen nach dieser Ehrung verstarb Kriebel nach kurzer Krankheit. Vier Tage nach seinem Tod wurde er in München mit einem aus dem Etat des Propagandaministeriums bezahlten Staatsakt in Anwesenheit von Hitler, Göring, Ribbentrop und Heß geehrt und danach in Niederaschau im Chiemgau beigesetzt.
„Eine große Karriere war das nicht für einen Mann, der ein Jahr mit Hitler auf Festung gesessen hatte“, urteilte Wickert rückblickend über Kriebels berufliche Laufbahn.
Kriebels Sohn Rainer (1908–1989) wurde ebenfalls Offizier und brachte es, zeitweilig bei der Militärischen Feindaufklärung unter Reinhard Gehlen tätig, bis zum Oberst.
Ernst Julius Günther Röhm (* 28. November 1887 in München; † 1. Juli 1934 in München-Stadelheim) war ein deutscher Offizier, Politiker (NSDAP) und Kampfbundführer. Röhm war langjähriger Führer der Sturmabteilung (SA) und war im Kabinett Hitler als Reichsminister ohne Geschäftsbereich kurze Zeit Mitglied der nationalsozialistischen Reichsregierung, bevor er auf Befehl Adolf Hitlers, vorgeblich als Reaktion auf einen angeblich geplanten Putsch, den sogenannten Röhm-Putsch, ermordet wurde.
Leben und Wirken
Frühe Jahre (1887–1919)
Ernst Röhm kam 1887 als drittes Kind des bayerischen Eisenbahnoberinspekteurs Julius Röhm (1847–1926) und seiner Ehefrau Emilie Röhm (* 1857; † 6. Januar 1935), geborene Baltheiser, zur Welt. Er hatte einen älteren Bruder, Robert Röhm (* 1879; † 31. Mai 1974) und eine ältere Schwester, Eleonore Röhm (* 14. Mai 1880; † ?), verheiratete Lippert. Seine Neffen, die Söhne seiner Schwester, waren der Diplomat Bernhard Lippert und der Rechtsanwalt Robert Lippert.
Nach dem Abitur, das er 1906 am Maximiliansgymnasium in München ablegte, trat Röhm – seinem Jugendwunsch, Soldat zu werden, folgend – als Fahnenjunker in die Bayerische Armee ein. Er absolvierte die Kriegsschule München und wurde im Anschluss am 9. März 1908 zum Leutnant befördert. Während des Ersten Weltkrieges war Röhm zuerst als Adjutant, dann als Kompanieführer des 10. Infanterie-Regiments „König Ludwig“ an der Westfront. Er wurde dreimal verwundet und erhielt unter anderem beide Klassen des Eisernen Kreuzes. Durch seine erste Verwundung verlor er 1914 beim Sturm auf die Höhe 290 in St. Mihiel ein Stück des Nasenbeines. Der Versuch, diesen Schaden durch Plastik zu beheben, gelang nur unvollkommen. Nach seiner dritten Verwundung vor Verdun wurde er als Generalstabsoffizier in die 12. Infanterie-Division geholt, wo er sich besonders während des deutschen Rückzugs aus Flandern 1918 als hervorragender Organisator erwies.
Nach der Demobilisierung 1919 schloss er sich dem „Freikorps Epp“ unter Franz von Epp an. Dieses Freikorps war an der gewaltsamen Niederschlagung der Münchner Räterepublik beteiligt und wurde im Juli 1919 in die 7. (Bayerische) Division der Reichswehr eingegliedert. Gemeinsam mit anderen völkisch-nationalistischen Reichswehroffizieren, darunter Karl Mayr und Beppo Römer, gründete Röhm die informelle Offiziersvereinigung „Eiserne Faust“. Hier traf er im Frühherbst 1919 Adolf Hitler, der zunächst V-Mann in der von Mayr geführten Politischen Abteilung des Nachrichtendienstes des Gruppenkommandos der Reichswehr war und anschließend politische Schulungen für die Reichswehr durchgeführt hatte. Hitler war bereits Mitglied der Deutschen Arbeiterpartei (DAP) und noch im selben Jahr trat auch Ernst Röhm der Partei bei.
Röhm leitete das Waffenreferat der Reichswehr in Bayern und übernahm die nach der Auflösung der Einwohnerwehren 1921 neu eingerichtete sogenannte Feldzeugmeisterei der Reichswehr. Aufgabe dieser illegalen Einrichtung war es, nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages verbotene Bestände an Waffen und Munition vor der interalliierten Kontrollkommission zu verstecken. Mit der Verfügungsgewalt über diese geheimen Waffenlager gewann der weitreichend vernetzte Röhm eine außerordentlich einflussreiche Position innerhalb der rechtsnationalen bayerischen Wehrverbände. Röhm galt deshalb als „Maschinengewehrkönig von Bayern“.
Röhm und die NSDAP
Ein Jahr nach dem Eintritt in die DAP wurde Ernst Röhm eines der ersten Mitglieder der NSDAP (Mitgliedsnummer 623), welche unter Hitlers Führung aus der DAP hervorgegangen war. Hitler knüpfte mit der Hilfe Röhms erste Kontakte zu bayerischen Militärs und Politikern, von denen Röhm zahlreiche überzeugen konnte, der NSDAP beizutreten; auch beim weiteren organisatorischen Aufbau der Partei spielte Röhm eine wichtige Rolle.
Röhm war seit Ende 1921 Leiter der Münchner Ortsgruppe der Reichsflagge, eines Wehrverbandes unter Röhms Freund, dem Reichswehrhauptmann Adolf Heiß. Auf Röhms Initiative hin schloss sich die Reichsflagge am 4. Februar 1923 mit dem Bund Oberland, dem Bund Wiking und der SA zur Arbeitsgemeinschaft der Vaterländischen Kampfverbände zusammen. Als Befehle Röhms an die Reichsflagge, in denen aktive Offiziere als Leiter militärischer Übungen namentlich genannt wurden, an die Öffentlichkeit gelangten, zog sich Röhm zwar offiziell aus der Führung des Bundes zurück, betätigte sich dort aber inoffiziell weiter. Bei einem Aufmarsch der Arbeitsgemeinschaft am 1. Mai 1923 erhielten die Teilnehmer trotz ausdrücklichen Verbots der Reichswehr Waffen aus deren Beständen. Röhm wurde dafür verantwortlich gemacht und aus dem Divisionsstab entfernt. Einer angekündigten Versetzung nach Bayreuth begegnete er mit einem Abschiedsgesuch in der Hoffnung, in München bleiben zu können. Tatsächlich wurde die Entlassung zurückgenommen und Röhm bis auf Weiteres beurlaubt. Nach der Gründung des Deutschen Kampfbundes am Deutschen Tag am 1. und 2. September 1923 sorgte Röhm dafür, dass Hitler am 25. September die politische Führung des Bundes übernehmen konnte. Der selbstbewusste Röhm sah Hitler als öffentlichkeitswirksamen „Trommler“ an, ging aber selbst vom „Primat des Soldaten vor dem Politiker“ aus.
Am 26. September 1923 ersuchte Röhm erneut um seinen Abschied aus der Reichswehr, um einer Versetzung nach Berlin zuvorzukommen. Weiterhin beurlaubt, konzentrierte er sich ganz auf seine Arbeit in der Reichsflagge. Da Heiß nicht bereit war, Röhms Kurs mitzumachen, und mit der Reichsflagge aus dem Kampfbund austrat, spaltete sich Röhm mit den südbayerischen Ortsgruppen im Oktober 1923 ab und gründete den Bund Reichskriegsflagge. Mit seinem Bund unterstützte er Hitlers und Erich Ludendorffs Initiative für eine Putsch-Aktion. Am 9. November 1923 war er maßgeblich am Hitlerputsch beteiligt, wofür er eine fünfmonatige Haftstrafe zu verbüßen hatte. Aus der Reichswehr war er noch vor dem Hitler-Prozess ausgeschieden. SA und NSDAP wurden in der Folge des Putschversuches verboten. In Anerkennung seiner prominenten Rolle bei diesem Putschversuch wurde ihm 1933 der Blutorden mit der Verleihungsnummer 1 verliehen. Röhm gehörte neben Dietrich Eckart, Hermann Esser, Julius Streicher und Christian Weber zu den ganz wenigen Duzfreunden Hitlers.
Nach seiner Freilassung aus der Festungshaft begann er mit dem eigentlichen Aufbau der SA zu einer Vorstufe jener paramilitärischen Kampforganisation, die sie nach 1930 und wiederum unter seiner Anleitung endgültig werden sollte. Röhm konnte mit der von Hitler nach dem gescheiterten Putsch von 1923 proklamierten Legalitätstaktik, dem Arrangement innerhalb der parlamentarischen Struktur, nicht viel anfangen. Dennoch zog er 1924 auf Reichswahlvorschlag für die Nationalsozialistische Freiheitspartei in den Reichstag ein; im selben Jahr trat er der DVFP bei. Seine politische Einstellung blieb radikal antikapitalistisch und revolutionär. Für ihn gab es kein Arrangement mit für seine Begriffe korrupten Mächten wie der Großindustrie oder der Reichswehr. Die SA sollte eine autonome Macht darstellen, die nicht der Parteipolitik untergeordnet war. Röhm stand damit teilweise offen in Gegnerschaft zur Parteiführung der NSDAP. Nachdem er mit Hitler über die Rolle der SA in der wieder neu gegründeten NSDAP in Streit geraten war, trat er 1925 von seinen Ämtern zurück.
In den folgenden Jahren bis 1928 schlug Röhm sich kurzzeitig in verschiedenen kaufmännischen Stellungen und als Vertreter durch. Außerdem legte er unter dem Titel Geschichte eines Hochverräters seine Autobiographie vor. Den Schwerpunkt seiner Tätigkeit richtete er schließlich auf die Schaffung und Organisierung neuer Wehrorganisationen, die seine alte Milizidee verwirklichen sollten, insbesondere der Organisation Frontbann.
1928 reiste Röhm, der sich selbst immer nur als „Soldat“ und nie als „Politiker“ („Ich bin noch heute Soldat und nur Soldat“) sah, im Vorfeld des Chacokriegs nach Bolivien: Im Zuge eines von dem deutschen General Hans Kundt vermittelten Arrangements mit der bolivianischen Armee war er dort bis 1930 im Range eines bolivianischen Oberstleutnants als Militärinstrukteur tätig. In Südamerika konnte Röhm, der seit dieser Zeit fließend Spanisch sprach, größere Erfolge als Heeresorganisator verbuchen.
Als Röhm im November 1930 nach Deutschland zurückgekehrt war, bot Hitler, der sich mittlerweile zum „Obersten SA-Führer“ gemacht hatte, ihm den Posten eines „Obersten Stabschefs“ der SA an. Das war wahrscheinlich eine Konzession an die SA-Führer, die von keinem Politiker geführt werden wollten, sondern den Anspruch erhoben, eine „in der Hand ihrer eigenen Führer befindliche Truppe“ zu sein. Röhm war durch seinen Auslandsaufenthalt auch nicht in die Flügelstreitereien innerhalb der NSDAP verstrickt gewesen und pflegte ein persönlich gutes Verhältnis zu Hitler.
Nachdem Röhm am 5. Januar 1931 sein neues Amt angetreten hatte, baute er die SA zu einer breit angelegten Bewegung aus, mit der er das Selbstverständnis und Auftreten der NSDAP bis zum Sommer 1934 maßgeblich prägte.
Röhm forderte die Auflösung der Reichswehr in einer von der SA gestellten „revolutionären Volksmiliz“. Er wollte damit seine Vision einer zweiten nationalsozialistischen „Volksrevolution“ vorantreiben. Dadurch geriet er erneut mit Hitler und dessen Gefolgsleuten aus SS und Reichswehr in Streit. Zwar gibt es aus dieser Zeit schriftliche Zeugnisse über Versuche Röhms, die Notwendigkeit eines parallelen Existierens von SA und SS neben der Reichswehr zu begründen, doch dürften solche Bekenntnisse kaum seinen Überzeugungen entsprochen haben. Röhm entfernte sich immer mehr von der offiziellen Parteilinie und betrachtete die SA als „eine nationalsozialistische Kampforganisation neben der NSDAP“, die von der Partei „völlig unabhängig“ sei.
Auch geriet er mit Hitler in offenen Streit, als dieser es ablehnte, die SA erneut als „Wehrbewegung der Partei“ aufzubauen. Röhm dazu bei verschiedenen Gelegenheiten: „Hitler habe Trommler der Wehrverbände zu bleiben. (…) Parteipolitik wird im Frontbann, auch in der SA nicht geduldet. (…) Ich verbiete mir auf das strengste jede Einmischung der SA in Parteiangelegenheiten; ebenso streng verbiete ich, dass die SA-Führer von parteipolitischen Führern Weisungen entgegennehmen.“
Im April 1932 wurde die SA von Reichskanzler Heinrich Brüning erneut verboten, nachdem es zu gewalttätigen Übergriffen von SA-Mitgliedern gekommen war. Im Juni wurde das Verbot von dessen Nachfolger Franz von Papen wieder aufgehoben. Daraufhin kam es im Vorfeld der Reichstagswahl Juli 1932 zu bürgerkriegsähnlichen Unruhen mit insgesamt etwa 300 Toten und über 1100 Verletzten. Vor der Reichstagswahl im März 1933 schreckte die SA auch nicht vor Folter zur Einschüchterung politischer Gegner zurück.
Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 feierte die inzwischen auf über 400.000 Mitglieder angewachsene SA mit großen Aufmärschen und Fackelzügen. Im November 1933 zog Röhm noch einmal in den nun nationalsozialistischen Reichstag ein.
Im März 1933 wurde Röhm zum bayerischen Staatskommissar und Staatssekretär ernannt. Im Dezember des Jahres erfolgte seine Ernennung zum Reichsminister ohne Geschäftsbereich.
„Röhm-Putsch“
Im Sommer 1934 nahm Hitler an einer internen Veranstaltung der Berliner SA teil, bei der die übrige Führungsspitze der NSDAP ausgeschlossen war. In deren Verlauf marschierte Hitler mit einem starken SS-Aufgebot einschließlich zahlreicher Fahnen- und Standartenträger auf. Nach einer emotional angelegten Rede vor den versammelten SA-Mitgliedern kam es zu einem Gespräch zwischen Hitler und Röhm. Röhm vereinbarte mit Hitler, dass er die gesamte SA für vier Wochen in den Urlaub schicken werde. Am Morgen des 29. Juni 1934 gab Röhm den Stabsbefehl heraus, schickte seine SA ab dem 1. Juli in den Urlaub und kündigte an, in Bad Wiessee eine Kur anzutreten. Am Nachmittag des 30. Juni 1934 wurden Röhm, weitere führende Mitglieder der SA und sonstige Gegner Hitlers auf Befehl Hitlers und Betreiben der SS unter Heinrich Himmler, Hermann Göring und Reinhard Heydrich in das Gefängnis München-Stadelheim gebracht. Die SS hatte zuvor Gerüchte über einen Putsch durch Röhm und auch über seine homosexuellen Neigungen verbreitet. Diese waren jedoch längst bekannt, zum Beispiel durch die Zeitung Der gerade Weg von Fritz Gerlich.
Ohne Gerichtsverhandlung wurde Ernst Röhm am 1. Juli auf Befehl Hitlers vom Kommandanten des KZ Dachau, Theodor Eicke, in der Zelle 70 des Gefängnisses Stadelheim erschossen. Röhm war zuvor der Aufforderung, Suizid zu begehen, nicht gefolgt. Die Aktionen wurden rückwirkend durch das von Carl Schmitt später initiierte „Staatsnotwehr“-Gesetz legitimiert. Der angebliche Röhm-Putsch wurde von Hitler ebenso zur Ermordung weiterer politischer Gegner benutzt (siehe Politischer Mord). Diese Aktion wurde auch als die „Nacht der langen Messer“ bezeichnet.
Röhm wurde zunächst auf dem Perlacher Friedhof bestattet. Am 21. Juli 1934 wurde seine Leiche exhumiert und verbrannt. Seine (angebliche) Urne wurde später auf dem Münchner Westfriedhof begraben; bis heute ist sein Grab eine Kultstätte für Rechtsextremisten.
Homosexualität
Ernst Röhm wurde auch aufgrund seiner relativ offen gelebten Homosexualität bekannt. Auch in der historischen Rückschau auf ihn ist dieser Zug Röhms einer der am meisten beachteten und diskutierten.
Röhm selbst gab in einem Brief aus dem Jahr 1928 an, seine homosexuelle Veranlagung erst 1924 entdeckt zu haben. Sein Freund Gerhard Roßbach soll ihn damals in die homosexuelle Subkultur von Berlin und München eingeführt haben. Zu dieser Zeit begann Röhm, regelmäßig Berliner Homosexuellen-Treffpunkte sowie das Berliner Dampfbad (das er als „Gipfel alles menschlichen Glücks“ bezeichnete) zu besuchen. Häufig wurde er dabei von Paul Röhrbein begleitet, den er als Frontbannführer in Berlin eingesetzt hatte. Vor 1924 habe er, so schrieb Röhm an Heimsoth, nur flüchtige homosexuelle Erfahrungen gesammelt, habe allerdings häufig, wenn auch „ohne Genuss“, sexuelle Kontakte zu Frauen gehabt, so zum Beispiel zu Prostituierten in seiner alten Garnisonsstadt Metz.
Erstmals gerichtsnotorisch wurde Röhms Homosexualität im Jahr 1925 nach einem Diebstahlprozess vor dem Amtsgericht Mitte, den Röhm gegen einen Arbeiter namens Hermann Siegesmund (* 26. März 1903) führte, der ihm einen Reisekoffer gestohlen hatte: Wie sich herausstellte hatte Röhm Siegesmund am 13. Januar 1925 in dem Berliner Homosexuellenlokal Marienkasino getroffen und ihn anschließend eingeladen, ihn - gegen Bezahlung - in sein Hotelzimmer zu begleiten und dort miteinander zu verkehren. Als Röhm sein Zigarettenetui auf einen Tisch legte, fiel ihm, ohne dass er es merkte, ein Zettel aus der Tasche, den Siegesmund unbemerkt an sich nahm. Einige Minuten später verließ Siegesmund den Raum, da Röhm ihm eine Form von Geschlechtsverkehr abverlangte, die ihm zuwider war. Auf der Straße bemerkte er, dass es sich bei dem Zettel, den er an sich genommen hatte, um einen Gepäckaufbewahrungsschein handelte, den er benutzte, um Röhms Gepäck an sich zu nehmen. Da das Kalkül Siegesmunds, dass Röhm aufgrund der kompromittierenden Umstände, unter denen er bestohlen worden war, es nicht wagen würde, den Vorgang zur Anzeige zu bringen, nicht aufging und Röhm die Polizei einschaltete, kam es zu dem genannten Prozess gegen Siegesmund, bei dem Röhms homosexuelle Veranlagung durch Siegesmunds Aussage erstmals den Behörden bekannt wurde.
Nach seiner Rückkehr aus Bolivien brachte Röhm in seiner engeren Umgebung im Führungsstab der SA zahlreiche tatsächliche und angebliche Homosexuelle unter. Neben Edmund Heines und Karl Ernst (dessen Homosexualität später besonders häufig bezweifelt und mit karriereorientiertem Opportunismus in Verbindung gebracht wurde) wurden der „Homosexuellen-Clique“ um Röhm insbesondere sein Adjutant Hans Erwin von Spreti-Weilbach sowie der Münchener Kunstmaler Martin Schätzl, der Röhm als Sekretär nach Bolivien begleitet hatte, und der Münchener Gastwirt Karl Zehnter zugerechnet.
Im März 1932 veröffentlichte der Publizist Helmuth Klotz drei Briefe, die Röhm 1928 aus Bolivien (La Paz, Uyuni) und München an den Mediziner Karl-Günther Heimsoth geschrieben hatte. In diesen Briefen bekannte Röhm sich selbstbewusst zu seiner Homosexualität.
Die NS-feindliche Presse nutzte Passagen aus den Briefen an Heimsoth wie „Die blutjungen frischen Leutnants [hier in Bolivien] würden Ihnen sicher auch gefallen […] aber leider… Natürlich unmöglich. Oder hätten sie für junge Neger in Uniform was übrig?“ oder Berichte Röhms über seine „bis jetzt leider erfolglosen Streifzüge[n] durch alle Viertel von La Paz“, die nach den moralischen Maßstäben der Zeit von großen Teilen der Bevölkerung als skandalös empfunden wurden, als Angriffsfläche auf Röhm im Speziellen und die NS-Bewegung im Ganzen. Klotz brachte die Stoßrichtung der gegen Röhm gerichteten Vorwürfe exemplarisch auf den Punkt, indem er argumentierte, dass ein „so moralisch haltloser Mensch“ wie Röhm von Hitler „mit einer einflussreichen Führerstellung betraut“ werde, als ein „Schlag gegen das preußische Führerprinzip“ angesehen werden müsse. Weiter prophezeite er die „Zersetzung der sittlichen und moralischen Kräfte“ in Volk und Staat, falls „nicht alle verantwortungsbewussten Deutschen dagegen einschreiten“.
Hitler, der bis 1934 keinen Anstoß an den Neigungen Röhms genommen hatte, nutzte diese nach Röhms Tod als eines der Argumente für die Rechtfertigung der Ermordung seines ehemaligen Duzfreundes, indem er behauptete, erst 1934 von der Homosexualität Röhms erfahren zu haben. Nach der Ermordung Röhms nahm auch die bis dahin noch nicht so gezielt betriebene Verfolgung Homosexueller durch die Nationalsozialisten drastisch zu. Der § 175 StGB wurde 1935 verschärft, und es kam danach in fast allen großen Städten zur Schließung von Homosexuellentreffpunkten, zu Razzien und Bespitzelungen. Die deutschsprachige Exilpresse kommentierte die Ermordung Röhms beinahe einhellig mit homophoben Obertönen und war sich in der Abscheu gegenüber dessen sexuellen Neigungen mit dem NS-Regime einig.